Ausgabe 
17.2.1925
 
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Dann aber wurde Kantor

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Iräumen gegangen waren, Mckien heraus, alle Pärchen, die in den Torwegen in blühender, heimlicher Liebe sich umschlungen hielten, wagten sich heran, und in der Ferne heulte ein Hof­hund, dem die Sehnsucht im Herzen Weh machte. Dann waren die Geiger verschwunden, husch, wie sie herangeschlichen waren, und die Windlichter waren verlöscht, aber die Sterne standen am hohen Himmel, älnd Christelmutter hatte weinend in des Vaters Armen gelegen, weinend nur im Ueberschwall ihres großen Glückes. Das Saalewehr hatte nächtlicherweile hineingerauscht und klang doch nicht anders denn Vater Haydns Menuette.

älnd durch das Mahagonizimmer tanzten die Töne, gaben sich die Hände und verschlangen die Arnie und schlossen den Reigen um Christelmutter und ihre lieben Erinnerungen. Mit einem großen Seufzer schlossen die Spieler, legten die Geigen hin, der Vater stand auf und reckte sich, aber Meister Zahne wülte in neuen Roten. Kantor Holz blickte mit feucht verklärten Augen um sich und ließ sich von Christelmutter die Teetasse bis an den Rand vollschenken. Aber der Organist hielt feine eigene Ergriffenheit nicht lange aus, sondern 50g* sich aus ihr heraus, wie Münchhausen sich am eigenen Haarschopf aus dem Sumpfe zog, und rettete sich in eine Ironie.

Das hat also der alte Haydn komponiert," sagte er,als seine Frau ihn gar zu sehr geärgert ha!tte, oder als er nicht wußte, ob er Mistreh Schröter zu seiner Londoner Geliebten

Der Fährmann von Niederhausen.

Von Heinrich Vechtolsheimer.

(Fortsetzung.)

Peter Wenzel hatte Teil an der Duchrother Feldjagd. We­nige Tage vor Weihnachten war dort die alljährlich stattfindende Treibjagd. 3m Feld und im Keller war nichts zu tun, darum sagte der Herr zu seinem Knechte:Michel, wenn du Lust hast, so kannst du mitgehen." Der junge Mann sagte freudig zu.

An einem kalten Wintermorgen Schnee war noch nicht gefallen, gingen die beiden zur 3agd. Der Boden war fest gefroren, der Qualm der kurzen Pfeifen, die die beiden rauch­ten, drang hinaus in die Luft. Die Rahe, neben der sie schüt­ten, hatte nur wenig Wasser, am Rande hatte sich etwas Eis gebildet. Der Himmel war rein und blau, und die Sonne be­leuchtete mit mattem Glanze die schöne Landschaft. Bald ragte zur Linken der mächtige Lemberg auf, der mit seinem Fuße dicht an den Fluß herantritt und in östlicher Richtung zu einer Hochebene abdacht. Diese Hochebene senkt sich bei Ebernburg wieder herunter in das Flußtal. Bei Oberhausen wendet sich die Rahe in großem Dogen nach der westlichen Richtung. Hier ließen sich die beiden Säger vom Fährmann Bastjian über­setzen und schritten bergaufwärts durch das Dorf. Hinter den Fensterscheiben tauchten Gesichter auf, das Hühnervvlk mar­schierte auf der Straße und in den Höfen auf und ab un®

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machen, ihr Holzhacken!"

Aber Meister Sohne hatte neue Roten zurechtgelegt und rief. Dann war es vielleicht eins der Sonnenquartette, bei deren Fugen dann Vaters Harmonium kräftig hineinredete. Die Töne quollen und sprangen übereinander. Das war wie das Murmeln des Daches, der aus dem Walde herausgetreten ist, und über Steine hinweg abwärts spielt und eilt und sprudelt. Oder es war das Rachtigallenquartett in O-Dur, bei dem der Organist Zeisig seine erste Geige so engelrein singen, so wehmütig klagen ließ, daß Christelmutter einmal vielleicht den Spieler er­staunt ansah. Dann aber saß sie mit stillem Gesicht und lauschte auf das junge Leben, das in ihr wurde.

Oder Schuberts Lieder standen auf den Pulten. Die klagten so süß und machten das Herz schwellen, die sangen so zag und schmeichelten den Sinnen, daß der Vater nicht anders konnte, daß er danach in den Keller steigen muhte, eine verstaubte Flasche Rheinwein zu holen; Dacheracher lag im Kellerbord.

Wenn danach und zuletzt der Vater die Gäste alle die Treppe hinunter geleuchtet hatte, dann räumte Christelmutter still Gläser und Teetassen auf, packte die Roten zusammen und schloß das Harmonium. Der Vater geleitete die Gäste durch den Garten und sprach wohl noch ein Abschiedswort an der Gartenpforte unter Rächt und Sternen. Dann zagten vielleicht Christelmutters Finger in der Stille über die Tasten, und viel­leicht setzte sie sich an das Klavier und vielleicht sang sie mit ihrem süßen Alt Schuberts Erlkönig oder Beethovens Adelaide, oder sie sang leise und heimlich ihr altes, altes Wiegenlied:

Schlaf in süßer Ruh, tu die Aeuglein zu. Hör, wie drauß' der Regen fällt, hör, wie Rachbars Hündchen bellt. Hündchen hat den Mann gebissen, hat des Bettlers Kleid zerrissen, Bettler läuft der Pforte zu. Schlaf in himmlischer Ruh.

Denn jetzt sollte ihr Spätling San Site geboren werden.

Lühe Rachtigallenlieder zittern durch die Sommernacht, ach, und alte Liebe wieder, längst verklungen, ist erwacht.

. X Ach, und altes Weh, und wieder mitten in der Blütenpracht süße Rachtigallenlieder zittern durch die Sommernacht.

»

Aber Meister Sohne klappte mit den Roten. Sie waren seit einiger Zeit dabei, Vater Heydns Quartette miteinander zu spie­len, und die Augen leuchteten ihm. Meister Sohne tippte einmal laut und scharf das a, zwei Geigen wurden in zwei Lebensauf­fassungen gestimmt, der Pfarrer besah sich ängstlich noch einmal die schwierigste Passage seiner Partie, und fingerte, ohne Luft zu geben. Aber Christelmutter saß in ihrer Sofaecke, aller Er­wartungen voll. Eine Stille trat ein,- durch die die Standuhr tickte, dann gab Meister Sohne das Zeichen zum Kaiserquartett. Meister Sohne ließ seine Finger tanzen wie eine leichte Schar- junger Mädchen, die in den Frühling rennen. Kantor Holz hatte die Drille auf die Stirn geschoben und sah dem Gerank seinen lustigen Roten scharf auf die Fähnchen; nur an den liebens­würdigsten Stellen konnte er es nicht lassen, den runden Kopf schief auf die Seite zu legen und nach Frau Christel zu schielen, die lächelnd und verträumt in ihrer Sofaecke saß und das Strick­zeug ruhen lieh. Der Organist spielte mit geschlossenen Augen, aber fein Körper wachte, der lange Leib genoß mit anmutigem Tanzbewegungen die Musik. Dann kam das Menuett mit seiner naiven Herzlichkeit, so recht wienerisch leicht, volksmähig, dah es vielleicht beinahe gassenhauerisch war, zum Mitsingen und Mitwiegen zwingend.

Da trugen die Wellen Christelmutter über Raum und Zeit, noch einmal sah sie lächelnd von Spieler zu Spieler und lieh ihren vollsten Dlick auf dem Harmonium ruhen, vor dem _ der Vater sich ernsthaft mühte, einmal, da er die Tiefe ihres Blickes fühlte, rasch zunickend, immer in Furcht, die Roten zu verlieren. Einmal schweifte Christelmutters Dlick noch durch das alte Mahagonizimmer, das voller Erinnerungen steckte und alle Musik des Lebens in seinem Schein aufgesogen hatte. Aus einer tief­blauen Glasvase, die wie eine südliche Rächt schimmerte, quollen weiße Rosen, ihre Mädchenzeit in der fernen Heimat. Vor dem Spiegel lächelte wie Vater Haydns Musik durch den stillen Raum die Pracht einer Altfürstenberger Vase in der Schlichtheit ihrer biedermeierlichen Schönheit, die Tändelei der ersten Ehe­jahre. Auf ihrem Schreibpult wiegte eine Ma Wiener Fayence ihr reizendes Köpfchen und trug eine zierliche Mokkatasse in feinen Fingerchen, bog die Knie im Knix und neigte das Köpf­chen, das weiche, süße, verträumte. Das war ja, das war gewesen, als sie ihre zweite Hochzeitsreise machten, und Vater Haydn war auch dabei. Der machte die Musik, nach der die Fayence-Dame die Knie bog und das Köpfchen neigte.

Der erste Sunge war damals geboren, und ein halbes Sahr danach machten Vater und Mutter in all ihrem Glück zum zweiten mal die Hochzeitsreise, an der Vater Haydns Menuett das Allerschönste war. Sie hatten sich einen Wagen genommen und waren mit zwei nickenden Pferdeköpfen ganz allein in die goldene Herbstwelt hineingesahven. Die Sonne lag zuhauf auf ihrem Wege, aber sie verschütteten eine reichere Fülle von Sonnenlicht aus ihrem Herzen. Sn den Apfelbäumen entlang der Landstraße hingen die Früchte, rotbäckig und leuchtend, aber ihre Liebe trug vollere Früchte und zeigte strahlend den Kranz. Mit blauen Astern war der Wagen geschmückt, eine blaue Aster wippte hinter den Ohren der Pferde, eine blaue Aster hing am der Peitsche. Aber hellere Dlumensterne waren ihre Augen. Die lachten und lockten, und alle Lichter tanzten in ihnen. Ein junges Mädchen überholten sie, die bewarf Christelmutter über­mütig mit blauen Astern. Ein paar Schuljungens liefen hinter ihnen her, die muhten aussteigen und erhielten einen Kuh. Der Vater pfiff und die Mutter fang, und die Pferde sprangen in, den Sielen. So waren sie nach Bernburg gekommen, einem alten Städtchen, das in seiner altjüngferlichen Einsamkeit nicht vergessen konnte, dah es einmal, einmal jung und Residenz gewesen war. Als Prinz und Prinzessin fuhren sie ein. Sm Dunkel ärgerte sie der Steinkasten des Schlosses, aber irgendwo alt der Saale steckte noch ein Flitter Rokokvherrlichkeit.

Warum hatte der Vater sich hinweggeschlichen? Warum hatte er hier auf seiner zweiten Hochzeitsreise, die bewußter genießen wollte, als es die erste gekonnt, warum hatte er feine Frau, Geliebte und Mutter seines ersten Knaben verlassen? Böswillig verlassen, und sie stand allein im langweiligen Gast­hauszimmer und lehnte ängstlich, bänglich den schönen Kopf an das Fensterkreuz, und ihr blondes Haar blühte wie die Rächt? Rief sie nicht leise feinen Ramen? Schwamm nicht eine Helle Träne in ihrem Auge? Da schlürften Tritte unter ihrem Fenster. Da flüsterten Stimmen auf der Gasse. Da huschten Windlichter vor ihrel Tür. Und dann jubelte eine Serenade zu ihr hinauf, kletterten Haydns Karnevalsnoten im wilden Weingerank zu ihrem Fenster empor, und unten stand der Vater glückselig in­mitten seiner Geiger und dirigierte mit der Peitsche. Die Fenster öffneten sich ringsum, alle Nachtmützen, die schon schlafen und