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NpSoS fönt Euch ein! Ihr meint also, daß so ein armer Geilt
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Verantwortlich: 3. ®.: Chrhard Evers.
!Dtu<fi der Vrühl schen Universitäts-Buch, und Steindruckerei. R. Lang«, Bietzen.
bei und auf dem Wasser, Saale gegenüber, dann ab- Steg. Feldhüter und Schäfer auch wohl bis nahezu ans selber sah sie bloß ein einzig
,Vo» jeher zeigt sie sich nur zunächst am Schloß, dem großen wärts eine Strecke bis gegen den versichern, sie nehme ihren Lauf Dorf, weiter in keinem Fall. Ich
. »Ach denke," sagte sie mit angenehmer Heiterkeit, wie eben iede Braut es denken muß: der Meine ist, so Gott will, noch der Beste von allen."
Mal, vom Küchenfenster aus; die Küche aber liegt gerade unterm Saal. Es war um Johannis, drei Stunden vor Tag, wir hatten eben eine Wäsche und waren deshalb frühe auf- gestanden. Der Mond schien ganz hell. Von ungefähr schau ich hinaus und auf die Sichel hinunter. Da steht, schneeweiß gekleidet, «in schlankes Frauenbild in einem Bachen, der drüben an den Weidenbüschen so halb aus dem Schatten des grünen Gezweigs hervorstach, und ob es wohl kein rechter Bachen war, ich meine kein natürlicher, so hörte man doch deutlich, wie die Wellen am Schifflein unten schnalzten. Sie kauerte sich erst mühsam nieder, dann beugte sie sich weit über den Bord, indem sie mit den Händen hinab ins Wasser reichte und ringsherum wie suchend wühlte. Jetzt zog sie langsam, langsam und mit dem ganzen Leib rückwärts gebeugt, etwas herauf, das schimmerte und glänzte als wie das lautre Gold und war, wie ich aufs deutlichste erkannte, eine dicke, mächtig
Em Donnerfchlag für mich! Ich nahm mich möglichst zusammen. »Et so s rief ich lachend und fühlte dabei, wie mir errl, bittrer Krampf das Maul krumm zog — So? man hat auch schon seinen Hvlderstock? Das hätt' ich Ihr nicht zugetraut! Wer tst denn der Liebste?"
ihn kennen lernen, wenn Ihr noch ein paar Tage bleibt, verfehle sie freundlich und lieh den Gegenstand schnell wieder fallen. Dagegen fing sie an, ausführlich von ihrem häuslichen Leben bei den zwei alten Leuten, von den letzten D^vohnern des Guts, insonderheit von einer seligen Freifrau Sophie als ihrer unvergeßlichen Wohltäterin zu reden. » x?' . gst Hören und Sehen vergangen, mir sauste der
Kopf wie nn Lieber. Ach Gott! ich hatte mich den lieben langen Bachmittag an diesem braunen Augenschein geweidet und gewärmt und mir so allgemach den Pelz verbrannt und weiter nichts davon gemerkt! And jetzt, in einem Amsehn, wie war mir geworden! Anausloschlichen heimlichen Jammer im Sergen! die tolle wilde Eifersucht durch alle Adern! Boch immer schwatzte das Mädchen, noch immer hielt ich wacker E f^^^^^lmrer-süßen Fratze voll edler Teilnehmung uLf 4” Gedanken schon meilenweit von hier im wilden Wind und Regen, das Bündel amdem Rucken. Ein Blick auf. meine nächste Zukunft ver- die ungeheure Verantwortung, die auf mir Ä1 Rückkehr nach Hause, gerichtlich« Elend — dies alles tat sich jetzt wie eme breite Holle vor mir auf. V
lFortsetzung folgt.)
auszubauern. Ich hatte meine Leute gleich herbeigeholt; die sahen alle nichts, und weil ich mich nach meiner Art weiter nicht ängstlich dabei anstellte, so hätten sie mir's nimmer mehr geglaubt, wenn sie die sonderbaren Töne nicht so gut wie ich vernommen hätten. Auf einmal klatschte das Wasser laut auf, die Kette mußte abgerissen sein, so heftig schnellte es, und dabei, sag' ich Euch, folgte ein Seufzer so tief aus einer hohlen Brust, so langgezogen und schmerzlich, daß wir im Innersten $uftonnten» schraken. In diesem Augenblick war aber auch Gestalt und Kahn, alles wie weggeblasen.
And — ja, daß ich das auch nach sage — verzeih' mir Gott! noch muß ich lachen, wenn ich daran denke. Wir Weiber gingen mäuschenstill an unsere Kessel und Zuber zurück und rieben und seiften drauflos, und traute sich keine ein Wörtlein zu reden; auch dem Herrn Vetter, merkt' ich wohl, war der Schlaf für heute vergangen: er ließ sein Licht fortbrennen! und ging allein die Stube auf und nieder. Kaum guckte der Tag ein wenig in die Scheiben, so sticht der Mutwill' schon eine von uns an, nämlich ein junges Weib vom Dorf, man nannte sie nur die lachende Ev'. Die zieht so ein langes gewundenes Leintuch ganz fachte, sachte aus dem Seifenwasser, Frau Jrmel nachzuäffen, und macht ein paar Augen gegen uns — husch! hat sie eine Ohrfeige."
„Eine Ohrfeige? was?"
„Ja denkt! aber nicht vom Geist. Es war mein Herr Vetter, der zufällig hinter ihr stand und ihren Frevel so von Rechts wegen bestrafte."
Josephe lachte so herzlich, daß ich selber den Mund ein wenig verzog. Doch sogleich tadelte sie sich: man sollte nicht spaßen auf diesen Punkt.
Sie schwieg und strickte ruhig fort. Der Regen hatte auf« gehört, nur die eintönige Musik der Dachtraufen klang vor den Fenstern.
Was mich betrifft, mir war ganz unheimlich geworden. Die Vorstellung, daß ich jenem Gespenst so nahe fei, die Möglichkeit, baß erst meine Beraubung, alsdann meine Verirrung auf das Schlößchen das Werk dieses schrecklichen Wesens fein tonne — dieses zusammen jagte mich im stillen in einem Wirbel bon ©etanfen und ängstlichen Vermutungen herum. Das kluge Mädchen konnte mir vielleicht einiges Licht in diesen Zweifeln geuen, und wenn ich auch nicht wagte, ihr mein Anglück offen au entfcMfen fo nahm ich doch Anlaß, ihr die Geschichte des bestohlenen Galanteriekrämers mit Zügen meiner eigenen Ge- l<$nct»te zu erzählen und so ihre Meinung darüber zu hören.
Sie ließ mich ausreben und schüttelte den Kopf. Der- gleichen horte ich wohl auch," erwiderte sie, „sind aber dumme
Spitzbuben machen sich's zunutz, vexieren
mit Zangen und Messern ausziehe und ordentlich wie ein gern ei- ner Strauchdieb den Leuten die Koffer und Taschen umkehre?"
bK6>^.etter v^etzte id> dringend. „Bedenken Sie, /D viele hundert Klafter lang, die wächst doch nicht von selbst so fort, das braucht Dukaten, fremdes Gold!" ms 's^aucht's nicht! Was Ihr doch närrisch seid! Der ganze Plunder wiegt fein Quentlein unseres Gewichts!" 9
»Wie? also alles eitel Schein und Dunst?"
„Bichts anderes."
Ich sah das Abgeschmackte meines Argwohns ein, allein ich wußte nicht, ob ich mich freuen oder grämen sollte. Denn wenn mich vorhin der Gedanke mit einem freudigen Schrecken ergriff, daß ich vielleicht nur wenig Schritte von meinen Dukaten entfernt fein möge, so schwand mir die Hoffnung, dieselben jemals wieder zu erblicken, mm abermals in ein« ungewisse Ferne. Was aber den Amstand anbelangt, daß ich als ein Verirrter meine Zuflucht hier, gerade hier in dem verhängnisvollen Ahnenschlvsse der Herzoge von Astern finden muhte, nachdem ich in der Absicht ausgereist war, ein Geschäft zu besorgen, welches unmittelbar mit der Verherrlichung von Jrmels Enkelin, künftig der ersten gekrönten Königin aus diesem Stamm, zusammenhing, und das auf eine so höchst rätselhafte Art gestört werden sollte — dahinter schien doch wahrlich mehr Äs ein bloßer Zufall zu stecken, es mußte eine höhere Hand im Spiele sein, und fester als jemals war ich entschlossen, ihr alles mit der vollsten^ Zuversicht zu Werlassen, mich, ihres - - , weiteren Winkes gewärtig, jeder eigenen Geschäftigkeit und fchwere Kette. Elle um Elle zog sie herein in den Kahn, und I Sorge zu entschlagen, ' m0
dabei klirrt' und klang es jedesmal im Biedersallen so natürlich. I „Mein Freund wird mir so still “ fragte Josephe Ich Äs nur etwas fein kann. So ging eS lange fort, es war kaum ] dächte, wir gingen ein wenig und schöpften draußen frische'Lust?
Ich war bereit, denn dies fehlte mir wirklich >
Die erquickende Kühle wirkte auch sogleich auf meinen verdüsterten <5hm. Wir gingen langsam auf den breiten
Platten vor dem Hause auf und nieder, während die Schöne noch stets mit ihrem sonderbaren grünen Gestricke beschäftigt blieb. Wir bogen rechts ums Schlößchen und blickten in das stille Sicheltal, am liebsten aber wandte man doch immer wieder nach der andern Seite zurück, wo man über die niedrige Schuhmauer weg am Abgrund des Felsen die köstliche AnS- sicht auf das tiefliegende Land und näher dann am Dera heraus den Anblick eines Teils vom Dorf genoß. Dort haftete mein Auge zwar ost unwillkürlich auf dem berüchtigten Flüßchen das, hinter dem Schloß vorkommend, sich weit in die Land» schuft schlangelnd verlor; allein ich drängte mit Gewalt alle unerfreulichen Bilder zurück.
Die Gegenwart des unwiderstehllchen Mädchens begeistette mich zu einer Art von unschuldigem Leichtsinn und kecker Sicher- heft; ich hatte ein Gefühl, tote wenn mich unter ihrem Schutz nichts Widriges noch Feindliches anlasten dürfte. Die Sonne trat soeben hinter grauen und hochgelben Wolken hervor sie beglänzte die herrliche Gegend, das alte Gemäuer, ach, und vor allem das frische Gesicht meiner Freundin!
„Erzählt mir was aus Eurem Leben, von Eurer Wanderschaft und Abenteuern; nichts hört sich luftiger als Reisen, toenn man's nicht selbst mitmachen kann."
Es stylte wenig, daß ich ihr nicht auf der Stelle mein ganzes übervolles Herz eröffnete; jedoch, um ungefähr zu prüfen, wohl mit dem ihren stehe, fing ich in hoffnungsvollem Liebesubermut verschiedenes von Frauengunst zu schwadronieren an und wußte mich als einen auf diesem edlen Felde fchon ganz erfahrenen Gesellen auszulassen. Das Mädchen lächelte bei diesem allen getrost und still in sich hinein.
„And nun, mein Kind," sagt' ich zuletzt, „wie denkt denn ''(tf in Eurer Einsamkeit hier oben von diesem bösen Männer- volk?
Kw" f^gte ich nach einigem Besinnen weiter —
iXÄÄ nSSr” *"*" •*“**'■ ">tI sagt es Hättet Ihr Lust, ihn zu losen?"
I £S. Mi» Anmöglichke


