Ausgabe 
16.6.1925
 
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darauf nach England begeben. Dort starb er an der Pest im Jahre 1545. \

Die Geschichte des Mabonnenbildes ist höchst seltsam und zwar durch den Wundersamen Zauberakt seiner plötzlichen Ver­doppelung. Während man anfangs nur von einem Gemälde Weiß, sind plötzlich zwei auf dem Plan, woher kommt das zweite wer hat es gemalt und warm ist es entstanden? Das >ist die große Frage!

Qlmra Jrmh, Metzers Tochter, hatte das Bild von ihrem Vater geerbt, von ihr bekam es ihre Tochter Rosa, die mit dem Basier Bürgermeister Remigius Fesch vermählt war. Fesch ver­kaufte es 1606 an den Ratsherrn Lu? Jselin um 600 Goldkronen.

Jselin starb 1626, und seine Erben verkauften es bald nach­her an den Maler und Kunsthändler Michael Le Blond um 1000 Imperialen. Das muß vor 1625 gewesen sein, denn in diesem Jahre sah es der Frankfurter Maler Sandrart schon nicht mehr in Basel. Und jetzt setzt der Wirrwarr ein, denn auf einmal widersprechen sich die Rachrichten der Zeitgenossen. Rach Dr. Fesch hat Le Blond bas Bild 1642 an die Königin von Frankreich. Maria von Medici, verkauft, die damals in Brüssel war. Rach Sandrart hat aber Le Blond das Bild an einen Buchhalter Johann Lössert in Amsterdam um 3000 Gulden verkauft. Es wird von Sandrart so genau geschildert, daß er es selbst bei Lössert gesehen zu haben scheint. And dein Wirrwarr folgt das Wunder! Es sind nun auf einmal zwei Madonnen da! Hat Le Blond gezaubert oder eine Fälschung machen lassen? Das an die Maria von Medici verkaufte scheint das Dresdner Bild ge­wesen zu sein, denn die einst im Besitze des Dr. Fesch befindlichen, von einem Giovanni Ludi gefertigten Kopien nach dem Kopfe des Knaben und der Anna Jrmh, jetzt im Basler Museum be­findlich, sind nach dem Dresdner Bilde gemalt. So muh es also wohl dasjenige sein, bas infolge Konkurses eines Amster­damer Bankhauses um 1690 nach Venedig kam, sodann dort von Graf Algarotti im Auftrage August des Starken der Familie Delfino im Jahre 1743 abgekauft wurde. Das von Sandrart er­wähnte und bei Lössert befindliche, ist dann ohne Zweifel das Darmstädter Bild gewesen. Von Lössert ist es vermutlich an einen gewissen Jacob Crvmhout verkauft, denn es war in dessen Rach- laß, der im Jahre 1709 in Amsterdam versteigert wurde. Die Darmstädter Madonna aber trägt noch heute das Cromhoutsche Wappen auf dem Rahmen. Während der Jahre 1709 bis 1822 herrscht völliges Dunkel über den Aufenthalt unserer Madonna.

1822 bietet es der Pariser Kunsthändler Delähaute, ein Schwager Spontinis, dem Prinzen Wilhelm von Preußen an. Dieser kunstsinnige Fürst erwarb es um 2500 Reichstaler und schenkte es seiner Gattin, Maria Anna, geb. Prinzessin von Hessen-Honrburg, zum Geburtstage. So gelangte es in das Ber­liner Schloß. Dort ist es bis zum Jahre 1852 verblieben. Aach dem Tode des Prinzen Wilhelm ging es in den Besitz seine« Tochter, der Prinzessin Karl von Hessen über. Aus ihrer Ver­lassenheit gelangte es bann in den Besitz ihrer Söhne, und schließ­lich in den des Grohherzogs Ernst Ludwig von Hessen, zu dessen köstlichstem und schönstem Privatbesitz es gehört.

Der Schatz.

Von Eduard Mörike. f (Fortsetzung.)

Er führte seine Mannschaft unverweilt auf den kürzesten Wegen zurück. Sie hatten noch zwei kleine Tagreisen vor sich, da sie an einem Abend in Städklein liegen sahen, wo man zu übernachten dachte. Begegnete ihnen ein Mönch, der betete vor einem Kreuz.Ei," rief der Graf und hielt:das ist ja Bruder Florian! Willkommen, frommer Mann! Ihr kommet vom Gebirg herüber?"Ja, edler Herr."Da habt Ihr doch auf dem Schloß eingekehrt?"Für diesmal nicht, Gestrenger, ich hatte Eil'."Das ist nicht schön von Euch. And nicht ein Wörtlein hättet Ihr von ungefähr vernommen, wie es dort bei mir steht?"Ach Herr," antwortete der Mönch,die Leute dichten immer viel, wer möchte alles glauben! Begehret nicht, bah Euer Ohr damit beleidigt werde." Bei solchem Wort erschrak der Löwegilt in seine Seele, _ er nahm den Mönch beiseit, der machte ihm zuletzt eine Eröff- nun von so schlimmer Art, daß man den Grafen laut aus­rufen hörte:Hilf Gott! hilf Gott! hast du die Schande zu- gelassen, so lasse nun auch zu, daß ich sie strafen mag!" And hiermit spornte er sein Roß und ritt, nur von seinem getreuesten Knappen begleitet, die ganze Rächt hindurch, als wenn die Welt an tausend Enden brennte.

Frau Jrmel indes glaubte ihren Gemahl noch hundert Meilen weit dem Feinde gegenüber, sonst hätte sie wohl ihre Schwelle noch zu rechter Zeit gesäubert. Seit vielen Wochen nämlich beherbergte sie einen Gast, einen absonderlichen Vogel. Derselbe kam eines Tages auf einer hinkenden Mähre geritten und fragte nach Herrn Veit, seinem sehr guten Freunde. Der Gräfin machte er viel vor: er sei ein Edelmann, landsflüchtig, so und so. Ein Knecht aber vom Schloß raunte den andern gleich ins Ohr, daß er den Käuzen da und dort auf Jahrmärkten gesehen habe, Latwerg und Salben ausschreien. Man warnte die Gräfin, fie hörte nicht darauf: der Bursche Hatte gar zu schöne schwarze Haare, Augen wie Vogelbeer, und singen konnte

er wie eine Aachtigall. Er wußte eine Menge welscher Lieder, die Gräfin schlug ihre Harfe dazu und ließ ihn nicht mehr von der Seite. Die Knechte aber und die Mägde unter sich hießen ihn nur den Ritter von Lutwerg.

Run saß das feine Paar, so wie gewöhnlich, nach dem Mittagmahl allein im Saal am großen Fenster und schauten unter lustigem Gespräch in die offene Gegend hinaus, wie sie im Hellen Sonnenschein, mit dem Fluh in der Mitte, dalag. Frau Jrmel nahm ihre goldene Kette vom Hals, spielte damit und schlang sie so um ihren Weißen Arm.Was dünkt Euch, Lieber," sagte sie,wenn ich ein Kettlein hätte, seht! nicht länger als die kleine Strecke dort, so weit die Sichel im Dogen zwischen den Wiesen längs dem Dörflern läuft? Versteht, ein jedes Glied müßte nicht größer sein, als wie ich hier den Mittel­finger gegen den Daumen krümme, schaut!"

Ei," sagte der Galan,was Ihr für kurzweilige Einfäll' habt! Das hieß mir ein Geschmeide; hätten zwei Riesen genug dran zu schleppen."

Richt wahr? und nun, was meint Ihr (bas sagte sie aber Herrn Veiten zum Spott, weil er von Hause aus nicht zu den Reichsten gehörte): wenn man dem Löwegilt sein Hab und Gut verkaufte, merkt wohl! nach Abzug dessen, was mein ist, und machte den Plunder zu Gold unö schmiedet' eine Kette draus, wie ich eben gesagt, wie groß schätzt Ihr, daß die aus­fallen würde?" Es lachte der Galan und rief:Ich wollte schwören, sie reichte just hin, Frau Jrmels Liebe zu Herrn Veit damit zu messen!" Da klatschte Jrmel lustig in die Hände und fetzte sich dem Ritter auf den Schoß und küßte ihn und ließ sich von ihm herzen.

Auf einmal sprach er:Horcht! mir ist, ich höre jemand im Alkoven; wird doch das Gesinde nicht lauschen?"Ihr träumt," sagte die Frau,er ist verschloffen gegen den Flur. Laßt mich sehen."

Aber, indem sie aufstehn will, o Höllenschreck! wer tritt hinter der Glastür vor Graf Löwegilt, er selber, ihr Gemahl!

Die falsche Schlange, schnell bedacht, warf sich mit einem Schrei der Freuden dem Manne um den Hals; er schleuderte fie weg, daß sie im Winkel niederstürzte. Sodann griff seine starke Faust den Buhlen, wie dieser eben auf dem Sprung war, auszureihen, und übergab ihn seinen Knechten zum sicheren Ge­wahrsam. Jetzt war er mit dem Weib allein. Da stand die arme Sünderin und deckte ihr Gesicht mit beiden Händen; er schaute sie erst lange an, dann nahm er ihr die Kette ab, riß solche mitten voneinander, sprechend:Also sei es von nun an zwischen uns! And diese Kette hier werde für dich zu einer Zentnerlast, und sollet ihr Gewicht jenseits des Grabs mit Seufzen tragen, bis ihre Enden wiederum zusammenkommen!" Damit warf er die bÄden Stücke durchs offene Fenster hinab in den Fluß.

Ich mache kurz, was weiter folgt. Dem säubern Ritter ward ein lustig Sommerhaus gezimmert mit drei Säulen, nicht fern von hier; man nennt's am Galgenforst. Frau Jrmel aber saß jetzt unten in der Burg wohl hinter Schloß und Riegel. Sie bot alles Erdenkliche auf, mit List und Gewalt zu ent­kommen, sogar wollte sie ihren Beichtvater bestechen, dem sie bekannt, sie hätte, weil sie vom ersten Tag an ihren Mann nicht lieben können, ein großes Anheil, wie nun leider ein- getrVffen, lange vvrausgeseHen und darum beizeiten ihre Zu­kunst vorgesorgt, indem sie einen Rotpfennig beiseit getan und außerhalb dem Schloß verborgen. Den Wächtern sagte sie: wer ihr zur Freiheit helfe, des Hände würde fie mit Golde füllen. Hierauf machten auch zwei einen Anschlag, sie wurden aber auf der Flucht ergriffen samt der Frau. Am andern Morgen fand man sie in ihrem Kerker tot. Sie hatte eine große silberne Madel, womit sie immer ihre schönen Zöpfe auf­zustecken pflegte, sich mitten in das Herz gestochen.

Richt lange darauf verließ der Graf das Schloß und die Gegend für immer. Er lebte weit von hier auf einer einsamen Burg, der Hahnenkannn genannt, davon die Trümmer rwch zu sehen sein sollen. Der junge Hugo war der Trost seines Afters. Er zeigte früh die edlen Tugenden und Fähigkeiten, dadurch er nachher als treuer Vasall und tüchtiger Kriegs- mann in Hohe Gnaden bei dem Kaiser kam. Geschlecht und Rame der von Löwegilt ward nach unö nach zu den berühm­testen gezählt in deutschen Landen; es kam ja das Herzogtum Astern an sie, daher sie auch den Ramen führen, und, wie Euch wohl bekannt sein wird, die schöne Prinzessin Aurora, die unser König noch dies Jahr heimführt, ist eine Tochter des jetzt regierenden Herzogs Ernst Löwegilt von Astern."

Was?" rief ich voll Erstaunen,hier also, dieses Schloß wäre das Stammschloß der von Astern? und jene Jrmel eine Ahnstau der Prinzeß?"

Richt anders! Warum fällt Euch dies so auf?

And hat das seine Richtigkeit, daß diese Jrmel noch MS auf den heutigen Tag nun, Ihr verficht mich schon .

Josephe nickte ja, indem fie sich ein wemg an ntetnem Schreck zu weiden schien Wir schwiegen beide eine ganze Werle, und allerlei Gedarcken sttegen in mir auf.

Aber," so fing ich, unwillkürlich leiser sprühend, wieder am: auf welche Art «wfcheint sie denn? und wo?"

Mit einer unbegreiflichen Ruhe, doch ernsthaft wie kultig, versetzte das Mädchen: - /