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Schöpfer bedeutender Kunst und Dichterwerke!? Man faßt sich <m den Kopf wie ist es möglich, das Groteske, das in dieser Zusammenstellung liegt, nicht zu sehen? ilnö keine Groh- stadt, die nicht ihr Defizit für ihr Theater trüge; un& oft für Operette und anzweifelbares Niveau der Oper und des Schau­spiels trägt. Aber dafür den Dichter, den Philosophen, den Ton­künstler, den Maler in die Arme der. Erfolgsjagerei treiben das geht? Sicher, viele, die besten Künstler widerstreben den Ver­lockungen, nach Erfolg zu jagen; aber Warum sie den Ver­suchungen aussetzen? Man konnte mir sagen, zu keiner Zeit gebe es so viel schöpferische Menschen, daß annähernd die Summe erreicht werde, die ich oben genannt habe. Sicher ist, daß, wenn man jährlich 500 Menschen mit einem Jahresgehalt ehren will, man den Kreis schon sehr groß ziehen muh; aber ich habe den Blick für das Groteske geben wollen; mit dem Theater- defizit von zwei bis drei großen Städten könntet ihr, konnte das deutsche Volk 500 Künstlern und Denkern em Jahresgehalt von 6000 Mark geben. Was hindert das deutsche Volk, nicht zu tun? And wären es weniger wären es nur 250, falls es gelingt, die relativ Vesten jeweils herauszusuchen! Viel ist da versäumt worden, von feiten der Künstler und Schaffenden selber von feiten des Staates! Die Arbeit dieser Menschen wird gar nicht g esehn, wird nur von einigen Interresslerten ge- sehn, die aber oft noch einseitig eingestellt sind. Als soziologisches Problem, wie als soziologische Notwendigkeit sind die Künstler Wohl noch kaum gesehn. _.. ,,, .

Aber wenn einer fragen sollte, ob denn die Künstler nicht allzu reich würden, falls sie zu ihrem Verdienst aus ihren Werren noch ein Jahresgehalt von etwa 6000 Mark erhielten, dann muhte man lachen. Entstände aber mal da irgendwann em Zustand, daß ein Künstler wohlhabend würde, (v Gott, warum mal nicht?), selten genug würde es schon sein, so konnte, weih Gott, der Staat schon einen Ausgleich schaffen, sich das Aecht auf Bilder für seine Leistung verschaffeii, das Recht, auf dlchwrische Merke, das Recht aus Lieferung von Büchern für ferne, Biblio­theken von Bildern für seine Museen usw. And, memechalb, für notorisch wohlhabende Künstler könnte ja der Ehren­sold gestuft werden; wichtig ist nur das Eine, daß das Volk sich überhaupt mal mit dem Gedanken vertraut macht, daß Menschen aus seiner Mitte d a sind, die nicht dem Mammon und dem Erfolg dienen, daß Menschen da find, die es verdienen, daß sie fürNichtstuns" (so nennen noch viele das Künstlertum) mit Durchfüttern" befobnt werden. Ein Kulturvolk von 60 Mil­lionen dürfte sich das leisten, ein paar hundert wichtige geistige Menschendurchzusüttern", auch nach einem verlorenen Krieg. Oder gerade nach einem verlorenen Krieg.

Die Entscheidung müßte beim Staate liegen, die Entscheidung, wer in die Liste der zu Ehrenden aufzunehmen sei; etwa auf Vorschlag von Bünden, Literarhistorikern und aus eigener Ini­tiative. Wesentlich aber wäre, den Kreis der zu Ehrenden Nicht zu klein zu ziehen, selbst auf die Gefahr hin, daß mal ein paar Literaten usw. vom Brot der Ehrung äßen; um zu ver­meiden, daß gerade ein paar der eigenwilligsten und erfolg­losesten von der Ehrung ausfallen. Jedenfalls ist nicht em- zusehen, warum nicht etwas Derartiges von Staat und Volks­vertretung in die Wege geleitet wird.

Der Roman eines berühmten Bildes.

Zum 400jährigen Geburtstag der Holbeinschsn Madonna. Von Graf Kuno von Hardenberg.

Anter den Tausenden und Abertausenden, von Madonnen, die je gemalt wurden, hat sich die Menschheit zwei Lieblinge erkoren, in denen sie alles Große und Erhabene erblickt und die jahraus jahrein der Gegenstand der Wallfahrer sind. Die Sixtinische Madonna des Raffael in Dresden und die Holbeinsche Madonna in Darmstadt. Zwei vollständige Gegenpole und doch wie fein, daß die Weltseele ein gleich starkes Gefühl für diese zwei verschiedenen,, Darstellungen besitzt. Sie wetteifern nicht miteinander, sie ergänzen einander, wie italie­nischer Geist deutsche Seele ergänzt. Die S i x t i n a ist die Ver­körperung lateinischer Klarheit und Faßbarkeit. Der ganze Vor­gang der Weltbeschenkung durch die Heilandsmutter ist in allem klar und gibt zu keinem Zweifel Anlaß. Sie hat eine Fern­wirkung wie kein anderes Bild der Erde. Auf hundert Meter vermittelt sie noch ihr Wunder in voller Deutlichkeit, den Hoch­altar des größten Domes würde sie beherrschen und den an­dächtigen Betern in den letzten Reihen verständlich und fühlbar sein. In einer Verkleinerung von Briesmarkengröße bleibt sie, was sie ist, es ist eitel Zauber um ihre reinen und sicheren Linien.

Die Holbeinsche Madonna ist gerade das Gegenteil. Sie ist kein Vild für einen Dom, sie ist kein Bild 'für eine Ge­meinde von Tausenden, sie hat keine verständliche Sprache auf Hunderte von Metern, ach, noch in nächster Nähe webt es um sie geheimnisvoll und unfaßlich. Man hort keine Musik aus dem Jenseits, sieht auch keine Heiligen ihr gesellt, und träumende Engel, sie steht in schlichter Gröhe als gekrönte Himmelskönigin dg in sich versunken, in Ausübung einer Pflicht im Kreise einer, ihr ganz § ingegebenen Familie. Auch nicht Weltbeschenkerin ist sie! Mit ihrem himmlischen Schutzmantel umhüllt sie ein un- deutbares Mysterium, ein Wunder, das sie vollbringt und das

alle Anwesenden in innigster Andacht und Verehrung verbindet, das der einzelne Beschauer in stiller Kapelle erschauernd mit- fühlen kann, ohne zu begreifen, um was es sich hier handelt. Es ist etwas Wundersames um Holbeins Werk! Darum sind auch alle Versuche, es dem Verstände zu deuten, gescheitert. Wie viel Geheimnis, welche Schönheit und Heiligkeit in allem, im Antlitz der Madonna und im Ausdruck der einzelnen Familienglieder, in jeder Kleinigkeit wohin das Auge fällt! Das ist die Arbeit eines großen Meisters, die unendlich viel sagt, ohne etwas auszu­sprechen, die nur Gefühle auslöst und keine Gedanken. Wie mystisch ist auch der Zusammenschluß Lebender und Toter zu einer seligen Schau im Gebete, in der es nicht mehr Diesseits und Jenseits gibt und heute und gestern nur das Einssein in Liebe und ewigem Glück.

Die Dresdner Galerie hat außer ihrer Sixtina auch noch eine Holsteinische Madonna. Man hat sie früher fürecht" ge­halten; als die Darmstädter bekannt geworden war, entspann sich gar ein heftiger Streit. Man wollte bald die eine, bald die andere als das Original hinstellen, man wollte die eine als Früh-, die andere als Spätarbeit des Meisters ansehen, und es flössen Ströme von Tinte, als man im Jahre 1871 vom 15. August bis 15. Oktober die beiden Gemälde in Dresden zu einer Aus­stellung vereinigte.

Das Ergebnis fiel zu Gunsten der Darmstädter Madonna aus. Aber da Streitfragen auch ihre Ansterblichkeit haben, selbst wenn sie seit Jahrzehnten erledigt sind, so ist auch die Streitfrage Dresden-Darmstadt offenbar unsterblich, denn es gibt auch heute noch Leute, die durchaus nicht der Meinung sind, daß das Dresdner Bildeine erbärmliche Pfuscharbeit, eine schludrige Kopie, ein reines Modebild sei", wie 1871 ein Kenner behauptete, sondern vielmehr, als das Original angesehen werden mühte. Für die Kunstwelt ist die Frage der Priorität der Darmstädter Madonna als Holbeinische Schöpfung erledigt. Die vorhandenen Korrekturen und Aenderungen an einigen Figuren, vor allem die Aebermalung des langen Haares und der Nasenkontur der Tochter Anna Meher, sowie deren spätere Dekrönung mit einem Perlenhäubchen auf dem Darmstädter Bild, zeigen zu deutlich, daß hier Holbeins Hand noch vor Problemen stand und mit ihnen rang. Das Dresdner Bild hat nur ein einzigesPentiment" an der Hand der Madonna! Auch die kleinen Aenderungen im Format, die Erhöhung der Muschel über dem Kopf der Madonna usw., die sich der Dresdner Weister erlaubte, und die Konzessionen an den italienischen Kunstgeschmack bedeuten, sind für den Kunst­historiker auffallend genug, um sich nicht nur in der Prioritäts­frage, sondern auch in der Originalfrage für die Darmstädter Madonna zu entscheiden.

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In alter Zeit glaubte man in den die Madonna umgebenden Figuren die Familie des englischen Kanzlers Thomas M.o- rus zu finden, dieser Irrtum wurde aber bald aufgeklärt und es ließ sich feststellen, dah es sich in ihnen um'.die Familie des Basler Bürgermeisters JacobMeher zum Hasen handelt. Jacob Meher war ein Geldwechsler seines Zeichens und ein Söldnerführer von Tüchtigkeit und Ansehen, freilich auch von einer Geldgier, die ihn später fein Amt kostete.

Geboren ist er um 1480. 1504 verheiratete er sich zum ersten Male mit Magdalene Ber (Bär), gest. 1511. Von 1497 bis 1514 ist er in steigenden Rängen auf italienischen Kriegsplätzen tätig. 1516 wird er Bürgermeister und Holbein malt ihn mit seiner zweiten Frau Dorothea Kanngietzer aus Thann im Elsaß. 1521 wird er gefänglich eingezogen und abgefetzt, weil er von Frank­reich bestochen fein sollte. 1524 ist er Hauptmann, aber öffentliche Aemter bekleidet er nicht mehr. 1531 etwa ist er gestorben. Die Tochter Anna ist wohl Ende 1512 geboren, 1531 ist sie schon 'die Gattin des Nikolaus Jrmh. Wenn es sich in den beiden Knaben, d. h. dem größeren und in dem stehenden bambino, auf dem Bilde, um Söhne Meyers handelte, so mutz angenommen werden, daß sie früh verstorben sind. .Urkundlich gibt es nichts über sie.

Bon der Madonna selbst will die neuere Kunstgeschichte wissen, daß sie auch ein Urbild gehabt habe; im Basler Museum sind zwei kleine Bildnisse, von denen das eine große Ähnlichkeit mit der Madonna aufweist. Sie stammen aus dem Besitze des Bonifacius Amorbach, dessen Sohn bezeichnet sie im Inventar als Bilder einer Offenburgerin. Dr. His hat nur die Vermutung aufgestellt, dah eine schöne galante Dame aus dem edlen Ge­schlechte derer von Offenburg nicht nur das Vorbild der beiden obigen Bildnisse, sondern auch das der Madonna gewesen sein kann. Mag dem fein, wie es will, mögen alle DargestellteN große Sünder gewesen sein, menschliche und allzu menschliche Eigenschaften gehabt haben, Holbeins Kunst erstrahlt um so herr­licher, je mehr dieses der Fall war, und es bleibt bewunde­rungswürdig, wie er es verstanden hat, die Züge aller zu reinster hingebender Andacht zu verklären, ohne ihnen Gewalt anzutun und ohne ihnen an Charakteristik etwas zu nehmen. Es scheint fast so, als habe er die Wunderkraft des Glaubens, und ihre himmlische Gnadenwirkung, die alle Sünden und Mängel tilgt, darstellen wollen.

Holbein war im Winter 1497/98, als er seine Madonna malte, 27 Jahre alt. 1515 sehen wir ihn zuerst in Basel und 1516 hat er den Bürgermeister Meher und seine zweite Frau zuerst gezeichnet. 1525/26 hat er die Madonna gemalt und sich