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Lind denkt daran, datz das Geschick unseres Nationalhelden Siegfried auch das Geschick des deutschen Volles ist: auch unser Volk fiel der Neidingstat zum Opfer. Aber Siegfrieds Geist lebt noch durch die Jahrhunderte und Jahrtausende, sein sonniges, fröhliches Heldentum wird über Lücke und Feigheit und Gewalt doch dereinst noch siegen.
Die Eroberung des Nordpols.
Von Dr. Heinrich Winterberg.
Der Entdecker des Südpols, Roald Amundsen, ist eben im Begriff, auf Spitzbergen die letzten Vorbereitungen für seinen Flug zum Nordpol zu treffen. Lind es ist unbestritten, datz dieses kühne Unternehmen eine Weltsensation ersten Ranges bedeutet. Bereits im Sommer vorigen Jahres sollte, wie vielleicht erinnerlich, der Rordpolflug stattfinden: er mutzte jedoch unterbleiben, weil sich in der Liderung der Motoren durch eine italienische Firma aus finanziellen Gründen Schwierigkeiten und Verzögerungen ergaben. Inzwischen hat Amundsen, nachdem ein amerikanischer Mäcen die finanziellen Mittel bereitgeflellt hat, in aller Stille alle Vorarbeiten erledigt und bald werden seine Flugzeuge startbereit sein.
Amundsen ist übrigens nicht der einzige, der nach dem Nordpol strebt. Es sind für dieses Jahr mehrere andere Nordpoi- unternehmungen geplant. So will der aus Vritisch-Kolumbien stammende Nordpolfahrer Grettier Alparson, der bereits zwei derartige Forschungsreisen unternommen hat, im Mal ds. Js. mit einem besonders für diesen Zweck ausgerüsteten Hertngs- dampfer aufbrechen. Alparson hat die Absicht, mit dem Schiff so weit wie möglich nach Norden vorzustotzen und will dann die letzten 600 Meilen bis zum Pol mit einem besonders konstruierten Flugzeug zurücklegen. .Unter" den Teilnehmern an dieser Fahrt befindet fich auch der Kapitän Worthley, ein Mitglied der Shakleton-Expedition nach dem Südlichen Eismeer. Eine andere Nordpolfahrt ist von dem französischen Polarforscher de Payer geplant, der sich dabei die Unterstützung des norwegischen Forschers Dr. Sverdrup gesichert hat und mit französischem Geld finanziert ist. Die Expedition, deren Dauer auf ein volles Jahr berechnet ist und in den nächsten Monaten aufbrechen soll, wird auf Franz-Josephs-Land überwintern und durch eine Radiostation in ständiger Verbindung mit Paris bleiben. Von Franz-Josephs-Land soll barm im nächsten Jahr mit einem Flugzeug der Vorstotz zum Nordpol unternommen werden Die vierte Expedition in diesem Jahr ist von dem amerikanischen Kapitän Bartlett beabsichtigt, der seinerzeit der Kommandant der „Roosevelt" war, als Pearh den (allerdings mißglückten) Versuch unternahm, den Nordpol zu entdecken. Bartlett will mit dem Treibeis, und zwar von der Bering- stratze aus, den Nordpol ansteuern und dann an Spitzbergen und Grönland vorbei an der Nordküste von Norwegen landen. Die Expedition, auf der gleichfalls Flugzeuge mitgeführt werden, ist auf drei Jahre berechnet.
Schließlich muh noch eine von Japan geplante Nordpolfahrt erwähnt werden, die unter Leitung des Norwegers Haakon H. Hammer steht, der früher als Leutnant an Amundsens Polarreisen beteiligt war und zweifellos als ein vorzüglicher Kenner der Arktis anzusprechen ist. Hammers Aufgabe ist, die Distanz Europa-Japan (5000 englische Meilen) in 50 Stunden zu durchfliegen. Es handelt sich bei dieser Ueberquerung des Nordpols nicht um die Lösung wissenschaftlicher Aufgaben, sondern lediglich um ein verkehrstechnisches Problem, an dessen Lösung Japan selbst interessiert ist, was schon daraus deutlich erkennbar ist, datz das japanische Verkehrsministerium sowie die Militär- und Marinebehörden dem Piloten Hammer die weitestgehende Unterstützung zugesichert haben. Der Flug wird in folgenden drei Etappen zurückgelegt: erste Etappe London-Spitzbergen (etwa 1400 englische Meilen), zweite Etappe Spitzbergen-Nord- Pol-Alaska (1800 Meilen), dritte Etappe Alaska-Tokio (1600 Meilen). Der Flug wird mit einem Dornier-Metallflugzeug (370 P.S.) ausgeführt, das einen Aktionsradius von 3000 Meilen besitzt und in Spitzbergen und Alaska mit neuem Brennstoff versorgt wird. Der Start soll im Juni erfolgen.
Das sind die fünf Nordpol-Expeditionen, die für dieses Jahr vorbereitet werden und gewtssermatzeir eine grotzangelegte Offensive erkennen lassen. Im Hintergrund steht allerdings noch ein Zeppelinflug nach dem Nordpol unter Leitung des bekannten Luftschiffkommandanten Bruns, woran auch der berühmte Nord» Ärer Frithof Nansen fich beteiligen will. Jedoch werden, c Bau des Rissenkreuzers (der mindestens 150 000 Kubikmeter fassen und 100 Stunden Flugdauer haben soll) noch etwa zwei Jahre vergehen, bis dieses grotzangelegte Unternehmen ins Werk gesetzt werden kann, zu dessen Finanzierung ein intereuropäisches Konsortium gebildet werden soll. Die finanzielle Grundlage — es handelt sich dabei um etwa 10 Millionen Golömark — darf schon jetzt als gesichert gelten, so datz alle Kräfte sich nunmehr der technischen Durchführung zuwenden können.
Das Hauptinteresse der gesamten Kulturwelt richtet sich vorerst auf die Expedition Amundsens. Zwei Jahre hindurch hat Amundsen der Vorbereitung feines Fluges widmen können.
besonderer Wetterdienst ist eingerichtet worben, der von zwei hervorragenden norwegischen Meteorologen überwacht wird. An der Expedition sollen 11 Personen teilnehmen. Es ist
beabsichtigt, von einem nördlichen Punkt von Spitzbergen mit zwei Flugzeugen zu starten, um in etwa 7—8 Flugstunden deft Pol zu erreichen, wo eine kurze Landung erfolgt. Dort sott von der einen Maschine Oel und Benzin aus die andere Maschine übernommen werden, die hieraus die Endstrecke nach Alaska (21 Stunden) durchfliegt, während bas erste Flugzeug nach Spitzbergen zurückkehrt. Trotz sorgfältiger Vorbereitungen und vorsichtigster Berücksichtigung aller Möglichkeiten bleibt dieses kühne Unternehmen von größten Gefahren bedroht. Der geringste Zwischenfall, ein Keines Versehen kann über Leben und Tod entscheiden. Die Arktis hat bereits viele Opfer gefordert. Man denke nur an den Schweden Andree, der am 11. Juni 1897 mit zwei Begleitern in einem Fesselballon von Spitzbergen aufstieg, um sich von der Luftströmung über den Pol nach Alaska oder Nordsibirien treiben zu lassen. Es war eine Todesfahrt. Man hat nie mehr etwas von ihnen gehört.
Gewiß ist es für den Menschen unserer Tage verlockend, auch dieses letzte geographische Problem der Erde zu lösen. Und die Technik ist durchaus in der Lage, polfähige Flugzeuge zu bauen, mit denen man in soviel Stunden in die Arktis eindringen kann, als man früher mit dem Hundeschlitten Monate brauchte. Die Erreichung des Nordpols ist für viele eine reine Entdecker- oder Rekordfrage, während der Wissenschaft durchaus nicht so viel an der Auffindung des geographischen Pols liegt, als vielmehr an der Erforschung der in dieser Erdzvne liegenden Gebiete. Nansen, der 1895 bis über den 86. Grad (86 Grad 12 Min.) vordrang, konnte feststellen, datz der Nordpol ein vereistes Meer darstellt. Dieses Polarmeer umfaßt rund 4 Millionen Quadratkilometer. Pearh hat später (was die Feststellung Nansens ergänzt) die Jnselnatur Grönlands nachge- toiefen. Alle diese Feststellungen bedeuten erst einen sehr bescheidenen Anfang unserer Kenntnis des nördlichen Polargebietes, und es ist begreiflich, daß besonders die wissenschaftllche Welt an der Eroberung des Nordpols und an der flugtechnischen Erschließung der arktischen Zone den lebhaftesten Anteil nimmt. Freilich wird bet diesen Forschungsarbeiten weniger das Flugzeug, als vielmehr das Luftschiff in Betracht kommen, das, im Gegensatz zum Flugzeug, mehrere Tage unterwegs sein kann und außerdem einen ganzen Stab von Wissenschaftlern der verschiedenen Berufsgebiete mitzuführen vermag.
Es ist gewiß begreiflich, datz bei dem Flug Amundsens zunächst das rein sportliche Interesse überwiegt. Erst wenn die Möglichkeit des Nordpolfluges erwiesen ist, wird der Weg geebnet sein, um der Eroberung des Nordpols die wissenschaftliche Durchforschung folgen zu lassen.
Das kalte Herz.
Von Wilhelm Hauff.
(Fortsetzung.)
und sprang dieser drei Schuh hoch, so flog Peter vier, und machte dieser wunderliche und zierliche Schritte, so verschlang und drehte Peter seine Beine, daß alle Zuschauer vor Lust und Verwunderung beinahe außer sich kamen. Als man aber auf dem Tanzboden vernahm, datz Peter eine Glashütte gekauft habe, als man sah. daß er, so oft er an dem Musikanten vorbeitanzte. ihnen einen Sechsbätzner zuwarf, da war des Staunens kein Ende. Die einen glaubten, er habe einen Schatz im Walde gefunden, die andern meinten, er habe eine Erbschaft getan, aber alle verehrten ihn jetzt und hielten ihn für einen gemachten Mairn, nur weil er Geld hatte. Verspielte er doch noch an demselben Abend zwanzig Gulden, und nichts desto minder rasselte und klang es in seiner Tasche, wie wenn noch hundert Taler darin wären.
Als Peter sah, wie angesehen er war, wußte er sich vor Freude und Stolz nicht zu fassen. Gr warf das Geld mit vollen Händen weg und teilte es den Armen reichlich mit, wußte er doch, wie ihn selbst einst die Armut gedrückt hatte. Des Tanzbodenkönigs Künste wurden vor den übernatürlichen Künsten de» neuen Tänzers zuschanden, und Peter führte jetzt den Namen Tanzkaiser. Die unternehmendsten Spieler am Sonntag wagten nicht so viel wie er, aber sie verloren auch nicht so viel. Und je mehr er verlor, desto mehr gewann er. Das verhielt sich aber ganz so, wie er es vom Keinen Glasmännlein verlangt hatte. Gr hatte sich gewünscht, immer so viel Geld in der Tasche zu haben, wie der dicke Ezechiel, und gerade dieser war es. an welchen er sein Geld verspielte. Und wenn er zwanzig, dreißig Gulden auf einmal verlor, so hatte er sie alsobald wieder in der Tasche, wenn sie Ezechiel einstrich. Nach und nach brachte er es aber im Schlemmen und Spielen weiter als die schlechtesten Gesellen im Schwarzwald, und man nannte ihn öfter Spielpeter als Tanzkaiser; denn er spielte jetzt auch beinahe an allen Werktagen. Darüher kam aber seine Glashütte nach und nach in Verfall, und daran war Peters Unverstand schuld. Glas ließ er machen, soviel man immer machen konnte: aber er hatte mit der Hütte nicht zugleich das Geheimnis gekauft, wohin man es am besten verschleißen könne. Gr wußte am Ende mit der Menge Glas nichts anzufangen und verkaufte es um den halben Preis an herumziehende Händler, nur um seine Arbeiter bezahlen zu können.
Eines Abends ging er auch wieder vom Wirtshaus heim und dachte trotz des vielen Weines, den er getrunken, um stch fröhlich zu machen, mit Schrecken und Gram an den Verfall


