Ausgabe 
15.9.1925
 
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halte die Lleberzeugung, daß es ein recht gutes Bild war, 06* chon Swiatecki prophezeit hatte, daß man es sogar aus dem Borsaale desSalon" ausweisen würde.

Es war vor einem Jahr, daß ich damit begonnen hatte, und zwar auf folgende Weise:

Da gehe ich eines Abends die Weichsel entlang und sehe: ein Obstkahn zerschellt, Gassenjungen fischen die Aepf« ai^ dem Wasser und am Äser sitzt die ganze Juden? ami sie in einer solchen Verzweiflung, daß sie nicht einmal jammert sondern stumm tne Hände ringt und wie Bildsäulen starr auf das Wasser blickt. Da ist ein alter Jude, ein Patriarch - das verkörperte Elend, eine alt« Jüdin; ein junger Jude, ein Koloß tote em MaKa- bäus; ein jmrges Mädchen, zwar sommersprossig aberr^ig viel Charakter in der Zeichnung der Vase und des Muiches, dann noch zwei Judenkinder. Es wird Avend, der sluh zeigt kupferfarbene Reflexe einfach großartig! Die ^^e der Mchsifchen Insel" ganz im Abendrot, weiterhin der Breite Wasserspiegel, und Farbentone rot, ultramarin, _ fast stahl- färben, sodann wieder ins Purpurne und Colette ubergeherch. Die Lustperspektive prachtvoll! und der Äebergang^von Farbenton zu Farbenton so unsagbar, so hinreißend, das) dabei die Seele vor Wonne bebt. Ringshemun istes still, gla^ voll, ruhig. Lieber dem Ganzen eine Melancholiedatzman heul«i möchte und diese Gruppe in Kummer verM^n derart sitzend, als hätten sie alle von klein auf in Ateliers Modell gestanden...

Blitzartig kam mir der Gedanke: da hast du dein Bild

Ich hatte meinen Malkasten bei mir, ohne welchen ich nW ausgehe, und machte mich gleich ans Skizzieren, Vorher sag e ich &en^ühxt euch nicht! Einen Rubel für jeden,

bis der Abend heranbricht!" «nh

Meine Juden begriffen sofort, um was sich Banoelte « sahen wie angewurzelt. Ich zeichne und zeichne immerfort! Die Gassenbuben sind aus dem Wasser gekrochen und ich W hinter mir sagen:Seht mir den Maler fein, was er gestchl-m das nennt er ein!" Aber ich antworte ihnen in derselben Welse mb gewinne sie dadurch derart, daß L^^ichEwMer^störem Juden Sväne zu werfen, und meine Arbeit nicht weiter iroren- b Aber nun verfällt meine Gruppe unerwartet m heitere Laune.

Juden," schreie ich,trauert!"

^Mt Verdirb, H^Maler, was haben wir zu trauern, wenn der Herr Xm ieben von uns ÄE Rubel versprochen hat? Mag der trauern, der nichts verdient!

Ich mußte ihnen drohen, daß ich nichts zahlen werde.

Ich skizzierte so an zwei Abenden, dann saßen sie mir twch zwei Monade lang im Atelier. Mag nun Stoiatech sagen, was L will ?>c,s Bild ist gut, denn es ist keineswegs kalt, ist ganz Wahrheit und Natur Selbst die Sommersprossen dm: lange« Jükün habe ich beibehalten. Die Gesichter könnten wohl schon«, sein aber kaum echter und charakteristischer. - H

Oln das Bild dachte ich so intensiv, daß ich den Verlust von Kazia leichter ertrug^Änd als mich Swiatecki an sieerinner^ schien es mir als läge die Geschichte eine ganze Ewigkeit ßinter

** »äÄÄMW£ Antoniowa, welcher Swiatecki seit einem Jahve vergeblich zu- redete, sie solle sich doch aufhängen und wir setzen uns an

W^bist du heute so aufgeräumt?» fragt aufbrausend weih ich!Du wirst sehen, es wird uns etwas Lings.

Jm^selän AugMblick hören wir ein Knarren auf der Treppe, W ^X-WckftD?hast du dein LingewöhnlichE.!« ^Swiate^

& schluckt «den heißen

«e Tränen in die Augen treten, steht eiligst auf, und öa un,ere KüKe den Durchgang bildet, so verbirgt er sich im Ateli«.hucker &ie Kostüme und ruft aus feinem Versteck mit gedampft« ^mmit

Dm mein Guter! er hat dich riesig sieb, sprich du mit X$1Tt! Er schwärmt für dich!" antwortete ich, ebenfalls hinter die Kostüme eilend.Linkerhandle du mit ihm! ., - , rm:-«.

Da öffnet sich die Tür und wer tE herein? nicht der Wttsi sondern der Portier des Hauses, in welchem die Familie Sus t£>to^a&ir°iür$en aus unserem Versteck hervor.

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werden. Kommen Sie sofort ohne Ruchicht msiJ??® Stunde. Wir kommen eben aus der Trinkhalle des Sächsischen

Zwar Weitz ich nicht im geringsten, was mir übechaMü Eltern zu verzÄhen hätten, aber ich habe auch kmiw Zeit, darüber nachnu denkemdmm ich verliere den Kopf vor Grstaunew^.,

Erst nach einem Augenblick übergebe ich den Brief Swiatecki und sage zum Portier: t > 1

Sudanese mit militärischer Würde und vstentasider Wichtigst auf den Gerichts tisch' legte, sollte den Angeklagten verde^M. Jetzt verstand mit einem Male Mansur und erschrak. Sern Mienenspiel und eine unwillkürliche Aufregung entgingen nie- manden. Die Situation ward kritisch Als der Beamte zwei teere Patronenhülsen aus den frisch angelaufenen Laufen nahm im» die Nächststehenden sich vom Pulverdunst in den Rohren über­zeugten, stand es fest, Mansur hatte gemordet Der konnte keine Entschuldigung Vorbringen. Er hatte seinen Herrn in Amri^ zu finden geglaubt, und ward nun em Opfer dieses Glaubens. Sein hartnäckiges Leugnen mochte den Gerichtsobern reizen: er sieh ihn peitschen. Trotz aller Qualen blieb aber der Anne bei feiner Aussage. Da, er vermaß sich zum Eicksetzen?d« An­wesenden, die Polizeileute zu verdächtigen und ihnen nut Strafen zu drohen. Zu spät kam er schließlich auf den Gedankem der Effendi habe vielleicht in Hawarieh den früheren Zug benutzt und fei nach Alexandrien gefahren. Wan sandte zur Station und zog Erkundigungen ein. Der Vorsteher erschien selbst in der Mamurije und gab mit breiter Geste zu Protokoll, &> iem Effendi im Zug Amriah heute passiert habe. Aus feiner Aussage sprach Schadenfreude und Haß, denn Mansur war ein persön­licher Feind. Mansur entgegnete spöttisch: Jawohl, er habe den Effendi ermordet, aber man solle noch den Abendzug aus Alexandrien abwarten und dann beim Vichtaussteigen desEr­mordetenmit an den Tatort, den Karm abu Mma, selbst ge.^en. Dort wolle er die Einzelheiten der Tat bekennen und sich richten lassen. Dagegen war wenig einzuwenden, und Mansur behielt Ruhe bis gegen neun Llhr abends, wo der letzte Zug von Alexandrien in Amriah einlief. Dort war alles versammelt, was laufen konnte. -Unter starker Bedeckung erschien auchMaw- sur in Handschellen. Lind kein Effendi entstieg den Wagen. Mansur war also so gut wie überfiihrt. Trotzdem ließ der Ge- richtsherr mit sich reden, und er beschloß einerseits, um volle Sicherheit zu haben, anderseits um die Araber der MenMtadt gu konsultieren, sogleich nach der Menasstadt zu reiten. Schnell waren Pferde-gesattelt und Mansur auf seinem eigenen Rotz gefesselt: dann schlug die seltsame Kavalkade die Richtung nach der Menasstadt ein.-- .

Hungrig und ermattet gewann ich nach langem Harren und Dangen und nachdem vor der siegenden Sonne Libyens die Nebe^ schemen flüchtig gegangen waren, endlich wieder und einen Lleberblick über das nur unbekannte Terrain. In weiter Ferne rauchten einige Zeltfeuer, und meine Freude war groß, als ein Kamele hütender Beduinenknabe, dem ich mich näherte, die Richtung Abumna wies, wie er Karm abu Mina. das Gelände der anttken, heiligen Stadt, nannte. Dor Abend gelangte ich glücklich dort an und selten schlief ich besser aE in der diesem Abenteuer folgenden Nacht. Doch' in der Wüste Masi man, selbst im tiefsten Schlafe toujours en vedette. Vicht umsonst liegen einem als Schlafgenoffen blanke Waffen zur Seite. So mochte es um Mitternacht fein, als ich im Traum Merdegckr^p«! zu vernehmen meinte. Dann, nun war es ^reits WiÄft^^.^ schlugen unsere Hunde an, und Rufe wurden laut. Eine Stentor stimme"hallte durch die Nacht, in einem fort dft Wortewleder- holend: Falls-Effendi, Falls-Gffendi. Kein Zweifel, so konnte nur Mansur rufen und zwar, wenn er in großer, Erregung war. Mansur", antwortete ich,ho!" und stürzte ins Freie- Ge­murmel, Geheul, Trillern, Flintenschüsse und ein ohrenbetäuben­der Lärm empfingen mich und im Scheine einiger Laternen die unsere Leute angezündet hatten, erkannte ich die tapfere Gestalt des befreundeten Polizeiofstziers und seiner schwarzen Aslari. Wctr aber wie toll auf mich zuflog, das war der entftsselte Mansur. Er küßte meine Hände und ließ eine satanische Spott rede über die Amriaher Behörde vom Stapel, aus der ich ver­nahm, daß er mein Mörder war. 2m Zelt derJunggesellen , das unsere jugendlichen, männlichen Arbeiter vereinte fanden die Hinrichtung" Mansurs und meineAuferstehung ihre ge­bührende Nachfeier. Dabei erhielt der liebenswürdige Polizei- Beamte als Richter den Ehrenplatz, die Askari, Deduinenund einige Neugierige versammelten sich um das neue auflodernde Feuer, auf dem den erschöpften Soldaten ein Gläschen Senussitee Bereitet wurde. Sie hatten viel erlebt, aber selten wvhl so vwl gelacht als in dieser Nacht. ^ns Ausgrabern war die behord- siche Rettungsaktion ein neuer Beweis für Me Fürsorge, mit der sowohl der damalige Vizekönig von Aegypten, als die eng­lischen Offiziere des Distriktes ihre Untersteh or den verantwortlich machten für alles, was unser Leben bedrohen konnte. Aus lange hinaus aber hatten wir im Bereiche der heiligen Stadt der Wüste keinen ergebeneren, treueren und schärferen Wächter als meinen Mörder" Mansur abu Schia.

Die Dritte.

Eine heitere Erzählung aus dem Künstlerleben. Von Heinrich Sienkiewicz.

(Fortsetzung. >

Deshalb schon siebte ich sie so innig, und so ging ich am Tage nach dem Eintreffen von Suslowskis Brief wie vergiftet umher. Erst am zweiten Tag, und zwar erst am Aoend, to-uröe mir leichter zu Mute, denn ich sagte mir:Rein ist nein! Am meisten verhalf es mir dazu, den Stotz zu verwinden daß mein Kopf von demSalon" und meinen Juden ganz voll war. Ich