unb Dichtung des „Weges" zu «kennen suchten, waren wir plötzlich getrennt. Es schlugen gleichsam die grauweißen Wogen zwischen den beiden Wüstenwanderern zusammen, um jeden einzelnen dann in verschiedener Richtung fortzutveiben. Das kam o überraschend, daß, als ich. Wansur anrief, schon kein Echo mehr erfolgte. Einmal glaubte ich das Wiehern feines Pferdes zu vernehmen, ab« das meinige antwortete nicht, es war Täuschung gewesen, und «st nach Minuten «klang aus unbe- timmbarer Richtung ein dunrpf« Schuh, dem bald darauf ein zweiter folgte. Dann blieb es still, auf mein eigenes Rufen und Revolverschietzen erfolgte keine Antwort, ich schritt aufs Geratewohl weit« hinein in die Rebel und führte mein Rotz am Zügel. Au'ch das Fohlen war Mansurs Pferd gefolgt.
Die Situation war ohne direkte Gefahr, ab« peinlich genug, alls die Sonne nicht Kraft genug besaß, die Schlei« bald zu zerreitzen. — —
Ein seltsames Mißverständnis hatte Wansur veranlaßt, zu glauben, das Ziel meines Morgenrittes sei die Bahnstation! Amriah, nicht, wie das wirklich d« Fall war, Hawariah gewesen. Als er längere Zeit nach unser« unerwarteten Trennung den Karawanenweg fand, der von Westen über die Menasstadt nach Aleaxndrien führt, und d« Amriah berührt, wählte « dies« Rute in der sich«en Erwartung, mich entweder auf ihr zu treffen, oder aber, falls ich den Zug «reicht hätte, mich an der Station von Amriah zu sehen. Mansur trug nämlich außer meinem Gewehr, das ich natürlich nicht mit nach Alexandrien nehmen wollt«, die kleine Reisetasche, in der ich. den Arbeitslohn für unser« Beduinen in kleinen Piastern (ä 10 Pf.) von Alexandrien mit, zubringen pflegte.
Es war gegen Mittag, als Mansur auf dem Wrndmuhlen- hügel anlangte, d« Amriah üb«ragt, und im Zelt« eines Stam- mesgenosfen kurze Zeit Rast hielt. Dorthin kamen nach dem Dekanntwerden seiner Ankunft die Angehörigen man^r Arbeiter, die aus dieser Gegend stammten und bei uns ihren Lebensunterhalt v«dienten. Mansur gab ihren neugierigen Fragen b«eitwilligst Auskunft; « bemerkte nicht das Erstaunen der Leute über die Anwesenheit des Füllens, das zum Pf«de des Effendi, seines Herrn, gehörte, und sah nicht ihre bedeutsamen Blicke auf die Handtasche und den Mantel feines Herrn, die « bet sich trug. Bald bildeten sich um das Zelt Gruppen von Frauen, Kindern und Greise, scheinbar, um Reuigkeiten auszutaufchen, in Wirklichkeit ab« angelockt vom sonderbaren Auftreten Maii- surs. Riemand wußte spät«, wie das Gerücht entstanden, das sich bald von Zelt zu Zelt »«Breitet«: Der junge Essend-, vom Karnr Abu Mina ist «mordet worden! Wie ein Flugseu« ging die Kunde weiter, ja es heißt, in befreundeten Zelten habe das Geheul der Lotenklage begonnen, denn die Ausgrab« der Menasstadt waren beliebt wegen ihres gerechten Sinnes und der kleinen Wohltaten, die sie den Aermsten, den Kranken, den Hilfesuchenden erweisen durften. Mansur merkte nichts von den Vorgängen und ritt Amriah zu, wo g«ade Arabermarkt war. Sn Amriah wollte « mich in der Station abwarten. So ritt er hinaus zum Markte wo das gemeine Volk um Richtigkeiten feilschte, wahrend « tatsächlich seine Haut zu Markte trug. Manch« Fing« wies auf ihn, viele Augen folgten ihm, Reid« und Feinde frohlockten, feine Freunde murmelten das „H«z des Korans , di« Sterbs- sure, als « in ein Safe trat. Er selbst kümmert« sich um michts, ahnte nichts und bestellt« „gawa 8alle", den ungezuckerten, schwarzen Kaffee, sein Lieblingsgetränk. Der Andrang zum Kaffeehaus wuchs indessen so seltsam, fiel aber d«n armen Mansur zu spät auf. Als er sah, daß seine Anwesenheit die Ursache war, betraten bereits etrnge Askm, schwarze Pol^n- soldaten, die Gaststube. An Flucht war nicht zu denken. Auch seine besten Freunde, die zufällig auf dem Markte tvaren, fanden keinen Rat. Seine Feinde mochten zwar glauben, Kaltblütigkeit und Anerschrockenheit w«de ihn retten, wenn auch nicht aus den Händen des Askaris, so doch vor dem Skauge. Die Rainungen teilten sich So gewiß schien ihnen die Sachlage: Di« Ermordung des Deutschen durchden Araber. Ganz wieb« ward aus einem Gerüchte im Munde d« Leute eine Tatsache, eine Tatsache mit allen nötigen Einzelheiten. Man nannte Tatort, Zeit nähere Umstände des Verbrechens, indes Mansur gefangen zwischen den Askari nach d« Mamuriie dem V«waltungsM" bände des Polizeibeamten, gebracht wurde. Em So^t fuhrt« das Pferd mit dem mutt«losen Fohlen, em ander« trug Mantel und Tasche des Ermordeten, d« dritte hatte die Flinte des Mörders mit Beschlag belegt. . . .«.<__
Mansur ging festen Schrittes zwischen diesem schwarzen Kl^ blatt. Schüttelte « verständnislos den Kops, so beutete das dl« Menge als Mangel an Entschlossenheit, und ^"«Freunde fürchteten Schlimmes. Sn der Mamurisi, dem Mntslokal d« obersten Behörde des Grenzdistriktes, war g«ade Gerichtstag. Weil die Beduinen am Markttage tn Amriah in Scharen erscheinen, hat die Regierung den Amtstag für ^re Verwaltungs^ Gerichts- und Polizeibehörde ausdiesenTag gelegt. Mansurs Ankunft brachte dah« in d« Mamuriie vielen Angeklagten Erleichterung und Aufatmen. Die kleinen Händel wurden ^mlich abgebrochen, und das Verhör des Mörders begann. Beamte, Kläger und Angeklagte wollten den Mörd« sehen und umkingtsn ihn.' Mansur aber behielt Ruhe und schickte ^Hi"s Anvermeid- liche; « spielte die Rolle des angeklagten Mörders. Zeugen traten nicht gegen ihn auf. Ab« schon das Gewehr, das bee
wegschwimmen, oder warten, bis er nicht mehr kann. Und ganz plötzlich mutzte Windmos« fühlen, daß ihm die Weste zu eng war die « dummerweise angezogen hatre. Shm wurde ganz heiß vor Schreck im kalten Wass«. Sein Atem ging kurz und rasch « krächzte noch einmal laut und versank mit einem Ruck lautlos in den Fluten. .
Andreas hielt betroffen inne. Er hatte erne Art, in halb« Höhe auf dem Wasser zu stehen. Was war das? fragte «sich verwnnd«t. Hatte Windmos« getaucht? Ab« wozu? War « And tote ein Hecht schoß er hinab, den D«sunkenen zu gründelu And er fand den Körp«. Er stieß ihn hoch Die User- treppe war in wenigen Minuten erreicht. Er rieft dem Wmb^ ntefer die Kleid« vom Leibe uitd trat ihm auf den Bauch daß es quakte. Auch hieb er ihm nach Fischerart mehrmals ins Kreuz, daß es dumpf dröhnte. „Ra so was! rief « immer,, wahrend seine Fäuste gegen den liegenden Mann „bumbum gingen. ^Ra so was — so was!" Bald öffnete auch d« Windmosev 610 ^Mensch Mensch!" sagte Andreas. „Ausgerechnet du, du, 611 Dann" kam auch"d« Hafenwächt«. Ab« d« Windmos« l0n "©ie gtogen ^beibe über die Straße Wied« in die Schisfer- kneipe wie oftmals, als wäre nichts besonderes geschehen.
„Ich habe meine Mütze vergessen, sagte Andr«ch als « triefnaft in die Stube trat, zu den fragenden Gesichtern der erstaunten Runde.
Meine Ermordung durch Mansur abu Schia.
Ein Erlebnis von Ewald Falls - Gießen.
Längst webt über den Resten der berühmten lllchschen Wallfahrtsstätte, in d«en Umgebung die folgende Episode spielt, wieder d« geheimnisvolle Zauber d« F^rndllcheiwWnste. lWo die fleißigen Hände unser« Beduinen Saulenfchäfte und Mar morskulptnren, Kapellen und wundervolle Baftliken ia ein ganzes altchristliches Pompeji im Laufe wenig« Sah« aus den Schutt bergen eine« Jahrtausends herausgruben, haben dw Glutwinde des großen Sandmeeres neu«dings zu branden begonnen, und eine, ^wenn auch vorab noch, geringe Schicht l«n« wellen auf Sturmesflügeln herub«getragen, denen Aegypten die Kons«vierung fein« berühmtesten Denkmäler verdankt. Sn dieser Schicht erblüht während der „Frühlingszeit der Vorwüste eine seltsame Flora. Zwischen den Säulentrommeln und an den Mauern der heiligen Stadt des Märtyrers Menas, d«en Errt° bedurg und Freilegung mein Werk „Stret Sagte m ^^YschM Wüste" ausführlich beschreibt, wurzeln dann i«e zcchem dick- btätterigen Kinder b« Flora halb scheu mtb fidjS^^m oer bergend vor d« schneeweißen, fonnengebleichten Pracht "«r^Mar morstadt. Sie werden langsam und sich« ^egelbltohenSchiltt- hügel in Myriaden überwuchern. Wie Üblich mutz dann d« Anblick der Stätte sein, die man mit Recht als den Glanz von ganz Libyen bezeichnet hat, wenn Quadern und Marmortrumm« im Frühling aus saftigem Grün heraus leucht en »nd tmmn es diesem Grün gar gelänge, die Kryptoportiken und untjOT^dw Treppen hinabzusteigen und die Gruft des großen Heiligen der Wüste, des Patrons der urchristlichen Aegypt«, zuub«wuch«n!
Es war in einer schwülen Morgenstunde solcher Zeit bea Wüstenfrühlings, um Weihnachten herum, a^ n® mem ^rab«- nf erd bestieg, um nach der entfernten Station bet bamahgen khedivialen Bahn zu gelangen, wAchedie Mariutlandschaft bur^ qu«t und deren Ausgangspunkt Alexandinen ist. Eine Rebeb decke lag üb« die Gegend ausgebreitet, so dcch kein Schein eines Zeltseu«s, geschweige denn ein Vorbote der Morgendämmerung, zu sehen wat, die sonst den nahenden Dag »«tunbet hatte. Hatten nicht dringende Geschäfte mich nach Alexandrien gerufen, ich würde es nicht gewagt haben, in dieses Rebelmeer hineiltzEiten So aber wurden schnell nochmals die Waffen geprüft, die Sattel gurte d« Pf«de nachgesehen und dann ging es hinein in den toeiften Schleier. Dicht nebeneinander ritten wir schweigend rn die Wüste hinein, der Schreib« dieser Zeilen und — sem Mor- d«, Mansur abu Schia. Sogar ein drittes Wesen hatte sich ganz unbemertt uns angeschlossen: das Fohlen meiner Stute. Auf Mansurs Geländekenntnis waren wir angewiesen, da die Ausgrabungen erst eine Reihe von Monaten im Gange waren, und ich selbst noch, wenig von d« Umgebung der Menasstadt kannte And Mansur abu Schias topographische Snstinkte sollten uns diesmal täuschen. Als die Rebel im Tagesgrauen zwar nicht durchsichtiger, ab« leuchtender wogten, waren wir verirrt. Run praktizierten wir Pfadfindertum, bald hoch zu Rotz, bald neben den Tieren schreitend, um besser zu rekognoszieren, bald em -delt nahe wähnend und dann wieder dem fern »«klingenden Gebell von Beduinenhunden folgend. And während es im allgemeinen Heller zu werden schien, krochen die Rebel immer dichter und langsamer über das Gelände, die Zeit ab« eilte fluchtig voraus, so dah selbst alle Aussicht, die khediviale Station selbst bei stundenlang« Verspätung des Zuges früh genug zu «reichrn, aufgegeben worden war. And dcmn kam das Ereignis, das meinen getreuen Mansur abu Schia zum Mörd« stempeln sollte. Während wir glaubten, die Spuren eines Karawanenweges gefunden zu haben, und vergeblich im scheinbaren Gew irr z wanzig und mehrfach nebeneinander laufend« Kamelspuren Eharakt«


