Ausgabe 
15.8.1925
 
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Astronomie und Philosophie

Berlin 16. Dez. 1876.

sommes perdus!

Wien, 4. April 1877.

die Hände reichen.

Berlin, 23. März 1897.

der Nation.

Wien, 25. März 1877.

Wien, 27. März 1877.

Schopenhauer.

Wien, 3. April 1877.

Dom Arbeitszimmer des Fürsten Metternich aus schreibe ich Sir die ersten Zeilen nach der Karte, die Dich von meinem ersten Erfolge unterrichtet hat. Ich schwelge hier in urchnmlischen Schätzen seltenster Art. Von morgen an ist meine Arbeitsteilung folgende: ihn 9 Ähr Kriegsarchiv, um 11 Ähr Slaatsarchw, um 12 Ähr Metternich Diese drei Archive sind durch beachtliche Entfernungen getrennt, aber die Dewegung ist nur gesund, und was ich selbst nicht abschreibe, lasse ich durch andere klieren.

Ich habe Dir vom letzten Sonntagabend 6eun Fürsten Metternich Bericht zu erstatten. Der Abend war einer Vorlesung gewidmet, welche eist junger Philosoph namens W<^dmann aus Ängarn vor Mitgliedern der höchsten Aristokratie halten sollte. Sie Gesellschaft bestand denn auch aus lauter Grafen und Grä­finnen. Kinsky, Zichy, Boncheller, Szecheny, Rothschild Seilern usw. Vor Beginn des Vortrags wurden Zigarren und Havanna- ziaarren herumgereicht, jede der Damen steckte sich nicht eine Aiyuireu ' ____ <RAHntrr>n=®TimmftenaeI

ejigareire, Ivnoern nuw «w«o ~ --,

ins Gesicht und qualmte mit ledem Herrn um die Wette, wahreiw der Redner sprach Der Redner selbst ist ein ganz merkwürdiger Mensch, ein blutarmer Judenjunge aus Peterwardeni, der me- mals eine Schule besucht, als Kind nur dadurch lesen gelernt hat daß er an den Ladenschildern, deren Inhalt er durch Hören­sagen kannte, sich die Buchstaben und ihre .Unterschiede ang^igi^ hat der seit sieben Jahren von den Almosen reicher 3uixm in Wien lebt und ohne Lehrer und Anleitung, lediglich durch un­ablässiges Studium auf der Hofbibliothek sich r ein umfassen^s Wissen in Raturwissenschasten, Philosophie, Geschichteund selbst Musik angeeignet hat, dabei ein durch und durch begmsterter und nicht wenig beredter Denker. Gr sprach Wer den Philosophen

Kaiserin mit den Worten: Madame, il saut partir, am Arm gepackt, als sie nicht fortwollte. Ritter Nigra nahm sie am anderen Arm und so ging es durch die Gänge des Schlosses bis zu einem Hof, wo ein Fiaker die gestürzte Kaiserin aufnahm, während der Pöbel bereits über die Gitter stieg. Er sagt positiv, die letzte Maitresse des Kaisers Marguerite Dellanger habe den alten Wüstling vollständig zugrunde gerichtet gehabt, so daß er physisch und moralisch bereits ein Leichnam gewesen sei, als er zur Armee abreiste. Sein erster Bries aus Metz, rwch ehe die erste Schlacht geschehen war, sagte der Kaiserin: Nous

Meinem gestrigen Brief schicke ich heute einen Bericht über das Theaterfest bei Metternich nach. Die Gesellschaft umsaht etwa 150 Personen, lauter höchster Adel. Gleich nach meinem Eintritt stellte mich der Fürst dem Grafen Andrassy vor, der meine Bekanntschaft zu machen wünschte, und sich höchst freund­lich über mein Buch unterhielt. Gleich darauf brachte die Gräfin Zichy den Erzhherzog Albrecht herbei, der mich gleich faW wegen meines Buches kennenlernen wollte, und mir darüber die aus­gesuchtesten Artigkeiten sagte, aber wie ein Wann von Kennt­nissen: tote er denn gleich Andrassy den Eindruck eines be­deutenden Kopfes macht. Der Sieger von Custozza ist ein Mann von meiner Gröhe, ganz grauem Haar und der bmanitten grotzen habsburgischen Änterlippe, die auch das schöne Gesicht des un­glücklichen Kaisers Max so sehr entstellt hat. An hen enorm leichten Ton, der in diesen Kreisen herrscht, muh man sich erst gewöhnen. Ich habe oft an Spielhagen denken müssen, der beweist, dah in diesem PunktNord und Süd sich brüderlich!

Heute morgen hat mir Fürst Metternich di« Geschichte der Kaiserin Eugenie erzählt, wie er mit dem Ritter Rigra zu­sammen am 3. September 1870 nach dem Tage von Sedan ihre Rettung aus den Tuilerien besorgte. Er wuhte sehr Inter­essantes zu melden, was mir ganz unbekannt war. Er Wtt ma

den ich darum gebeten hatte. Sie ist etne höchst interessante Frau, nicht groh von Wuchs, nicht blendend schön, nnt braunem Haar und geistfunkelnden Augen, höchst fesselnd und .getst^tchlm Gespräch, ohne eine Spur von Affektation, Koketterie noch! Blau­strumpf. Dasselbe gilt von der Stiefschwester des Fürsten, der Gräfin Zichy, die bei einem Alter von etwa 40 Saferen einen schneeweissen Bubenkopf hat nach Herrenart kurz geschnitten.

sammelten stch noch heute jeden Abend-sämtliche politischen und wissenschaftlichen Kapazitäten des In- und Auslandes, die sich in Daris aufhaltew Wan könne dort aus allen Winkeln Europas Neuigkeiten erfahren und Thiers selbst sei bis auf die Konsulats­berichte von allem, was eingehe, höchst genau unterrichtet. Zum öffentlichen Reden habe er keine Stimme mehr, im übrigen sm er noch jugendlich rüstig und gesprächig und b^chäftige sich in seinen Mußestunden, d. h. von morgens 5 Ähr ab mit

Gestern abend ist in unserer Fraktion die Entscheidungin Sachen der Justizgesetze gefallen. Änseve Führer Bennigsen, Mi­quel, Lasker teilten das Programm mtt, auf dessen Grund sie nach dreitägigem Kampf mit Bismarck und Leonhard «neu Ausgleich zustande gebracht. In einer tief ergreifenden Rek^, die mit den Worten schloß:Seid einig, einig, einig! empfahl Miquel die Annahme. Lasker tat ein gleiches und Bennigsen schilderte das Verhältnis Bismarcks zu den Gesetzen und zu unserer Partei. Es herrschte Andacht wie in einer Kirche, schließ- lich g<ch es lauten Beifall, was bei uns sonst nie vorkommt. Nur vier Mann haben es fertiggebracht, mitNein" zu stimmen, darunter leider unser Landsmann Schröder (Friedberg), über den bei uns die größte Wut herrscht, denn an vier bis fiinf Sttmmen kann das ganze Ausgleichswerk zuschanden werden. Rach der Sitzung war ich mit Rauffenberg, Marquartsen, Georgi, Dvjanowskh bei Treitschkes zu Mittag. Die Frau, die entsetzlich alt und mitgenommen aussieht, läßt Dich grüßen, ^reitschke war die Liebenswürdigkeit selbst, erzählte unendlich viel, sprach mit mir über die Differenzen zwischen seiner Ansicht und meinem Buche, wo ich übrigens auf meinen Äeberzeugungen beharren mußte. Abends bei Bismarck trafen wir wieder zusammen, da sagte er u. a. von diesem:Bismarck ist ein Großer, ein wahr­haftiger Mensch aber im einzelnen lügt er oft das Blaue vom Himmel herunter", und nun gab er Beispiele zum heften, die das allerdings beweisen. Nicht umsonst hat einmal em England«: gesagt: Gin Diplomat ist ein Mensch der dafür bezahlt wird, zum Besten seines Vaterlandes zu lügen. Heute morgen haben wir mit Domchorsängern Doppel-Quartettprobe gehalten, um das große Festessen, bei dem sonst keine Musik ist, mtt unferem Gesang zu verherrlichen. Morgen beginnt die große Sußt5g^e8» debatte und am Mittwoch oder Donnerstag ist dies große Werk entweder gerettet oder gescheitert zum unermeßlichen Schaden

Sie gestrige Galatafel ist glänzend und für mich außMst ehrenvoll verlaufen. Gleich nach meiner Ankunft tm Schlosse, eine Stunde vor Beginn, wurde ich von den schon massenhaft anwesenden Exzellenzen, v. Luzius v Hofmann, v Delbmick. v. Radowitz, v. Bötttcher u. v. a. aufs schmeichelhafteste beglück­wünscht zu meiner Festschrift und dem wohlverdienten L^den. An der Tafel faßen in drei Sälen 750 Personen, ich im Hauptsaal an der zweiten Tafel, derjenigen, wo der Kaiser mitten untec den Fürsten faß, schräg gegenüber. Als sich unsere Blicke öum erstenmal begegneten und ich den Kops zmn Gviße neigt^ nickte er mir sehr freundlich zu. Nachdem er den Attwstern, ihm gegenübersaßen, zugetrunken ließ « :Mir durch» einen Dienm sagen, jetzt werde er mir zutrinken. -och erhob mich mit dem Glase in der Hand, und richttg, er tränt mir sehr gründlich zu. worauf ich ihm Bescheid tat und mit der üblichen Verbeugung meinen Platz wieder einnahm. Nach Tisch, beim Rundgang, redete mich die Kaiserin an, reichte mir die §an& jum Kuß, gratulierte mir «1 der Festschrift, die sie schon vielfach verschentt habe. Ganzenahe stand der Kaiser in lebhaftem Gesprach mit Miquei, per von dem herrlichen Verlauf des Festes spr^ Ich stellte mich neben Miquel, auf einmal drehte sich der Kaiser zu mm was ia> ieu?|i iu\yi uvmwuvi, , ~... mtt den Worten: Da steht der Warm, dem wir so viel zu vanien

Eben bin ich der Fürstin vorgestellt worden durch den Fürsten, Majestät, das beste hat Wilhelm der Große selber

fv Kntnrm naEoten Enfte Sie ist eme höchst interessante grau, | pa wundervolle Briefe Ew. Majestät herausgegeben, die namentlich in Süddeutschland so tiefen, tiefen Eindruck ge­macht haben. Das schien der Kaiser gern zu Horen Da sagte er das ist merkwürdig, daß mein Großtmter, der für die Ber körperung des einfeitigften Preußentums gegolten hat, der auch gar nicht Kaiser hatte werden wollen, Wießlichals der letzte Preußenkönig, ein solch durch und durch deutscher Kais«: ge­worden ist. Die Tischrede des Kaisers wird leüem Le er ebenso tote alle Hörer, als ein Meisterwerk anerkennen Sie steh buch- stäblich so in der Zeitung, tote wir sie «ehort h-chen, si« hat ganz ausgezeichneten Eindruck gemacht und ber Äaif^r ßorte ÄZ, als ihm auf eine Frage nach dem Eindruck MiquÄ und ich ihm dies übereinstimmend bezeugten. Es wird dadurch die Verstimmung einigermaßen gehoben werden, die seE neu» liche Märkerrede hervorgerufen hatte. Die Aeußerung des alten Wilhelm, die er darin verwertete, hat er aus meiner sestschris st narren berumaereichl, leoe oer e/uuivn iixu-nt i«v ""v* - i afeich auf der ersten Sette entlehnt, was ich mit innigem

Z^arette, sondern einen ganz großen Havannto-Glimmsten^l g konstatieren konnte. Der Großh^^ ^st Ludwig d«n

- 9 - ^drend I Getümmel plötzlich gegenuberstand, streckte mir beide Ha^e

entaeaen um mich zu begrüßen, und sagte auch, als ich Mit oer Prinzessin von Hohenzollern sprach, mitten inS Gespräch hinein. CTXtaSer gewesen. Der Großherzog tanag fvireft von Bukarest, wo er, tote er nur sagte, mtt König xatL sehr viel über mich und meine Schnft gesprochen hatt . Großherzog von Sachsen-Weimar begrüßte mich gleichfalls aufs Skbtte unb sagte: Ihr Heldenkaiser ist ausgezeichnet. Ihr gehört ^r Nation, das von Degas gehört nur den Berlinern. Im übrigen erregt es Aufsehen, daß der Ka s beiden einen und denselben hohen Ord«i verliehen h - d. Z$baS als die beiden Denknmlstifter -gm torfig. Dm' heutige Festzug ist bei Machtvollem Kaif^wEr gleichfalls sehr wohlgelMgen. Die Haltu^ der