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^Äoll'n Sie mir mal wieder zu 'ne Zauberin stempeln,
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„Ich glaub' La nich an," rief er hastig, „ich tu' es ja blotz mein' Ollsch zu Gefallen. Sie weint der ganze Nacht Lurch, und ich krieg' denn auch mein Reitzen.»
Duhmannsch rückte dicht an den Betvater heran und legte ihm die Hand aufs Knie. „Herr Stuhr, ich will Sie mal was sagen Sie denken, Latz ich zaubern kann, Werl ich mannichmal mit ein paar Kleinigkeiten Glück hatte. Abers Las bin ich nrch gewesen, Las waren die Gespensters, die mich geholfen habem Ich weih, Sie glauben La nich an, und darum will ich auch nix verzählen: abers Wenn Sie Sonnabend .Klock zwölf des Nachts wieLerkvmmen wollen, denn können eie ja selbstens sehen, toXC Was^feh''1ch^Lenn?" fragte Stuhr nach einer Pause, und die Alte zuckte die Achseln. „Das kann ich nich sagen. Jeder-
mnaus. -ziis er am ,
vvrüberziehen, und in einem Weck>eirbusch schrie em Kanzchen.
Ss sträubten sich ihm die Haare, und er rannte so, schnell davon, dah 'ich sein Fuß in einer Daumwurzel versrng und er schwer linfiel. Wie er Lann nach Haufe sekommen War vermochte er- selbst nicht zu sagen. Aber, als sE Ollsche ihn blutig und' beschmutzt ins Haus Wanken sah, La schrie ,sw, ob ihm der Teufel etwas getan habe, und er mutzte es stöhnend zugeben. Er kam nicht Lazu, Sonnabend um Mitternacht zu Duhmannsch zu gehen, weil er sich dre Hand verstauch^ und an einem Loch int Kops laborierte, und er wurde es auch
5ab7@o feine Specksuppe», begann Stuhr, aber die Alte unter.
nix vorzulügen, Stuhr, ich, Weitz was ick, weist und dah der Suppe nicht mal von Speck ne Ahnung fiatk Na, ich hab' ja mein Strafe gekriegt. Dunkelarrest unb drei Tagens WMer und Brot: ich hatt' mein Teil, Stuhr. Ja, die Obrigkeit kann keinen Spatz vertragen.
Duhmannsch' Stimme war kläglich getoor&en, und Stuhr
maÄ'büÄ^ FÄG’Ä«.
Leichdorn auch in Kur hältst, der mrch nu erst wieder Weh, tut. Hast du da nich noch ein büschen was gegen? Damals kriegte t<6 UmanÄbchüttelte den Kopf. „Tut mich.leid, abers ich - . rR(lt Ehr neben; is Kurpfuscherei, wie dre Klugens sagen und ich muh dafor sitzen. Lassen Sie man das Snapsen-, penn kneift der Leichendorn auch nicht so.
Stuhr wollte gerade eine zornige Aniwo^ flefen, als eut alter Wann an ihr vorüberging, vor dem er den Hut umrahm
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einen kurzen Grutz erwiderte. „Was is das fvr em,, gegen dem Sie so höflich find, bei nachslafende Zeit? Dem kenn rch ja gar
I die Fremden davonzogen und sich ein grauer Himmel übers Dorf I spannte, da hatte man mehr Mutze, über sich nachzudenkeni gleichmütig j und auch über seine Leiden. Es kam die Zeit, wo die altert ■" 1 Weiber zu Duhmannsch schlüpften, um ihr eignes Mehdag zu
erzählen, wo sie die Krankheiten ihrer ganzen Derwandtschast in glühenden Farben beschrieben und für alles von Duhmannsch einen Rat verlangten. Denn sie war bekamrtlich immer eine Herlverständige gewesen; seitdem sie aber in Wöhlers Kate wohnte, wo die Geister auf dem Dach satzen, seitdem sahen alle ein, dah sie einen besonderen Bund mit den unheimlichen Mächten geschlossen haben muhte; denn sonst würden die Gespenster ihr doch schon lange den Garaus gemacht haben.
Aber Duhmannsch gab wenig Ratschläge. Sie sagte dah sie genug vom Gefängnis hätte, und dah ihr kleiner Enkel ganz allein sein würde, wenn sie wieder verreisen mühte. IHv Wlder- stand reizte, und- als es sich herumsprach, dah sie kürzlich einem Dienstmädchen, der ein Bauernsohn die Ehe versprochen hatte, um bald darauf mit einem reichen Mädchen zu gehen, dah sie der ersteren jedoch zu ihrem Recht verhalfen hatte, da „liefen alle weiblichen Wesen, die Liebeskummer drückte, nach Wohlers Kate, und niemand dachte mehr an die vier Geister, die, dort spökelten. Sogar Klaus Stuhr erschien an einem dunkeln Winterabend und sagte, dah er doch einmal nach Duhmannsch sehen mühte. Die Alte sah ganz gemütlich neben ihrem brennenden Herdseuer; in der Pfanne Brieten Kartoffeln, und der kleine Paul spielte mit einigen Muscheln. Klaus sagte etwas Herablassendes, und dann zog er ein kleines Papier aus der Rocktasche, um es vor Duhmannsch hinzulegen.
„Ich glaub' da ja nich an, sagte er nach kurzem Räuspern, «Hers was die Weiber sind, die halten es mit dem Aber- glauben, und mein Ollsche tut mich auch leid. Erstens, dah sre sie den besten Pott mit Schwarzsauer aus die Speisekammer gestohlen haben und denn, dah sie nu wykl fein' Groschen von Jan Hitscher kriegt, for den sie ein halbes Jahr gewaschen und geflickt hat. Is doch auch zu gräsig. So'n Mann kommt retour in seine alte Heimat, und denn macht er gleich bankrott, un seinem Alter noch zumal, wo er mitten in die Sechziger is und iedwerein ihn für reich halten mutzte. Er is es ja woll auch gewesen, abers, was sein Sohn is, der in England wohnt, der hat ihm da hereingeritten. Nu muh er aus seine ferne Etaje, und der Ortsvor-steher- sagt, dah ich ihn noch in mein Armenhaus kriege Wozu ich keine Lust hab', wo ich Hitscher immer Sie genannt hab' und furchtbar höflich gegen ihn gewesen big, wie I es sich fvr einen von die Reichens gehört. Abers, wenn es fem mutz, denn mutz ich mir da ein finden, und ich Witt dafor sorgen Latz er tüchtig was zu tun kriegt; erst aber will mente i Ollsche ihr Geld haben, und du kannst man sagen, wie sie es machen soll. And dah der Richter ihr zuerst bedenkt von all
ON reit Herr Gericht, ich will mir bessern!"
Gleichmütig folgte sie dann dem Gerichtsdiener, der schon einige Witze für sie in Bereitschaft hatte, und ebenso gleichmütig oerlietz fie nach Abbüßung ihrer Strafe Las Gefängnis.
Mittlerweile war sie denn alt geworden, ^tzgewachsen, mit verwittertem Gesicht und funkelnden Augen pahte e ^g.tt zu Xzm, baben einsamen Strand, zu Wohlers Kate, zum -Wäger, das oft so 'trotzig aufschäumte und weihen Gischt über den ®anb „ z,ßer der Hausvater vom Armenhaus hatte Loch Angst SWwÄ als sie ihn eines Abends anredete.
®a war Duhmannsch schon wohl eine Woche in ihrem un- beimttchm Quattier, und kein Mensch hatte eiwas von chr- ge- fciwt ‘ 5)er Hausvater hatte sich beim Krämer Tabak geholt und Lch Zwa^ was niemanL zu sehen brauchte und Las sehr ««-■ gemhm am Strand in der Dämmerung zu genietzen War.
Nu Stuhr find Sie wieder beiS «napsen > fragte Duh mannsch'Sftmme neben ihm und der Angeredete lieh eme kleine ^ZichifZch Lew Duhmannsch», sagte er drohend, und &ie alte Frau lachte^ Stuhr, Las Wissen Sie ja, sonsten! Bätta^Sie^mir am Ende Loch wieder in Ihr Palläh genommen Abers, Sie wollten Las Seisenwasser nich wieder ubeui Kopp
die Gläubigers." „ . „
Klaus schwieg erschöpft von seiner Rede und sah Duhmannsch an, die ihm aufmerksam zugehört hatte.
„Is Jan noch in feine Etaje?" fragte sie, ohne die grauen strusseligen Haare zu beachten, die in dem Papier waren und die ihr der Detvater vor die Augen hielt. „Was weih ich?, murrte er nun. „Gib mich man flink ein' Rät und was mein Ollsch tun soll, dah sie die Koppeln los wird, die in die kehlen Tagens so' viel schlimmer geworden is. Lind wemr du dem Konkursverwalter ein Büschen besprechen könnst, dah er zuerst an mein' Ollsch Lenkt, wo sie Loch auch all ihr «warzsauer ver- loren hat —" er hielt inne, weil ihn Duhmannsch durchbohrend
Glaub ich woll, mein Gute, dem hast auch niemalen gesehen'- is Herr Hitscher, ein alten Mann, der all lang von hier
»'s Abers wie nu das Alter kommt, will er hier sein Geld Wn Hat ein' ganzen Berg davon, und mein' Frau soll for L wchchen Dwhnt bei Soltau in die erste Etaje, und wie ich man hör', hat er allens von Magvni. Einer von- die Reichens, ^Stuhr war ein wenig aufgeregt g^oorden, wie es ihm immer geschah wenn er an Geld und reiche Leute kmchte, und er achtete faum auf Duhmannsch, die so merkwürdig ruhig neben ihm stand.
Is' das ^Jan Hitscher?» fragte sie jetzt, und der Detvater gab "ihr einen kleinen Puff, wie er ihn seinen Armenhäuslern 8“ ^Duhmannsch, sei nich ausverschämt l So'n Herrn nennt man nich Bei seinen Dornamen! Ich glaub’, Latz er Aan hecht, Weik ich sein' Unterschrift gesehen hab' Is woll an dr« vierzig Jahre in die Fremde gewesen; in Holland, oder so herum, und hat bannig viel Geld. Dem fein Bornamen is mx ter Bit!
„Oll reit!" erwiderte die Alte kurz und ging so schnell davon, Latz Stuhr sich halb ärgerte. Denn er hatte noch nach den Geistern fragen wollen, die auf Wöhlers Kate bei Mondschein satzen. Er glaubte ja nicht an fie, aber es war doch ganz nett, von ihnen zu hören. . r
In Len nächsten Monaten hörte niemand viel von Butz- mannfch. Es war Sommer, auf der Elbe ging es lustig und leb- . uvc ~rr7r\,, << ' - -
ftaft au und auch ins Elbdorf kamen die Fremden mit viel I mann kriegt fern eigenes Schicksal «u v.,^sen , -Rieft Annen und vielen Kindern. ®a konnte man nicht an eine alte Da stanL Stuhr auf und «ins °We Aös^
Frau Lenken, die sich mit Wollspinnen und mit Schemelflechten I hinaus. Als er am Strande Sing,, sah er eur «.leuMet^ H i, ernährte und die ihre Sachen an Len Türen feilbot. Außerdem 1 Weidenbusch^ nftrie em Kauzch ..
war es gesunde Zeit; es gab kein Gliederreißen, und nur feiten einen kleinen Knochenbruch, Len dann der Doktor schlecht und recht wieder zusammenflickte. Da dachte man nicht an Duh- mannsch, und fast kein Mensch bemerkte es, Latz sie nicht mehr allein am Strande entlang ging, sondern daß ein Keiner Junge meistens mit ihr lief. Er war Kein gebaut und hatte ein altes Gesicht; mehr wutzte niemand von ihm, und niemand wollte auch mehr wissen. Doch als die Abende länger wurden, als die Elbe inanchmal ebenso zornig rauschen konnte wie d«S Meer, als


