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.Halt!" sagte Christoph, und legte sich Platt au? den Wald» boden Michel folgte seinem Beispiel. Der Hund wollte murren» aber sein Herr hielt ihm das Maul zu, und das Sier duckte sich auf den Boden. ,
Don weitem kamen Schritte, sie waren auf den mit MooS überwachsenen Waldwegen nur gedampft zu Horen. Auf einmal vernahmen die auf dem Boden liegenden Alanner den Auf eines Käuzchens. Schars und kurz stieg der Ruf auf, dann war 68 ^Er*ist's^der Rikela," sagte Christoph, und erhobsich vom Boden. Dann stieß er gleichfalls dreimal denselben Laut aus und trat mit Wichel auf den Weg.
3n der Dunkelheit kam der Fährmann vrm Aiederhaufen heran, er war ohne Gewehr, trug nur seinen Knotenstocr.
„Guten Wend beisammen," sagte er, „dort an ber Schonung hat wieder einer gezappelt, ich habe ihm eins h'Nlerdie Ohren gegeben und ihn hinter einem Wellenhaufen versteckt. Wer, Michel, wenn du einen Rehbock schießen willst, im Trombachtal habe ich einen gesehen, es ist ein ganz kapitaler Kerl.
Als sie an den Wellenhaufen vorbeikamen, von dem bvt Fährmann gesprochen hatte, zog dieser den Hasen hervor und schleppte ihn an den Hinterläufen mit fort.
„Ist die Lust sauber?" fragte Christoph.
„Der Günther und der Stoppelbein sihm jetzt auf d«n Kreuznacher Warst in einem Zett und trinfen Dielheimer Riesling. Ans, ihr Männer, wir wollen den Rehbock noch schießen. C$C Jm^Trombachtal verbargen sie sich hinter einem HolMitze, der am Rande einer großen Wiese aufgeschichtet war C^r Wmid war aufaeaangen, und die Wiese war hell beleuchtet. Wichel hatte das Gewehr in der Hand und übersah mit scharfenAugen den Waldrand, der sich jenseits der Wiese hinzog. Christoph hatte ein Baumblatt in der Hand und ahmte, indem « daraus blies, den Laut der Rehgeis nach. Sehr osimuAe erdc^tun, endlich hörten die drei Wanner, wie im Dickicht knacttL Langstim kam der Dock nach der Wiese, sah sich vorstchttg mach allen Seiten um, da hob Wichel das Gewchr über dm Holzstoß, der Rehbock stutzte etwas, aber schon krachte der, Schuh, das schöne Sier überschlug sich und blieb regungslos liegen.
„Dich können wir brauchen," sagte Christoph zu Wichest I »Du bist so sicher wie ein Siroler Scharsschutz. Das war ein
I Kernschuh."
„Jetzt aber herunter an die Rahe," sagte der ^ahrmanm I Michel, du bist der jüngste und stärkste, du trägst den Dock! I " Michel hob das Sier Über die Schultern, undvorsichtig I gingen die Männer hinunter zum Nutzufer, immer ber^st wenn I die Gefahr einer Begegnung drohe, un Dickicht zu verschwinden.
Am Alfer lag der Nachen. Christoph Packte seine RebhühE I aus, der Fährmann legte den Hasen hinein, Michel legte den | Rehbock über das vorderste Sitzbrett, dann stiegen alle . ein. I Der Fährmann ergriff die Stange, und der Dachen gt'tt über | die Flut, aber nicht nach dem linken Alfer, sondern abwärts nach I der Insel ging die Fahrt. Leise stieh das Fahrzeug dort auf I den Kiesboden, das erlegte Wild wurde ausgeladen, in M I Gebüsch geschleppt und mit Zweigen, die man rasch abbrach, I zuqedeckt. Dann brachte Nikela die beiden wieder an das rechte I Alfer zurück, von dem aus sie den Heimweg antraten.
I Am nächsten Sage waren in den Nachntittagsstundm zu I Niederhausen die meisten der Erwachsenen auf dem Feld be- I schästigt. Nur die Men waren zu Hause g^li^em D« altM I Männer schlichen, auf den Stock geftutjt, durch die Gasfest od« I sie saßen im Hose unter einem Baume und träumten vor sich I hin. Die alten Frauen faßen in der Stube Sinter dem geöffneten I Fenster und den Blumentöpfen, hatten die Brille auf der Nase fitzen und betätigten sich durch Stricken oder Nahen, eimgs
I hatten das Gebetbuch in den Händen und la?M darim indemsw I die Lippen bewegten. Nicht wenige von den Wien hüteten I die flehten Kinder, das ist keine leichte Arbeit, wenn man steife I Knie uiid zitternde Hände hat. Hier und da wurde ©etreite I abgeladen, auch gedroschen, Frauen wus^iGeinnseam Brunnen I oder hingen Wäsche auf die Seme. An diesem DachmMag ging I Anton Kropp von Haus zu Haus und rief m die Haustüren I ch>er in die Höfe hinein: „Nichts von Fedeiwieh zu verkauf«,? j Der Händler trug einen blauen Kittel und hatte nach seiner I Gewohnheit die Kiepe auf dem Rucken. Jetzt, da es junge. I Hühner gab, machte er gute <M$äfte, &a man
Hühner gern verkaufte. Er war nicht leicht, das Federvieh, das | im Hofe schlief, oder auf der Dungstatte kratzte. einzusangem I Die Kinder halfen dabei, indem sie die Hinkel undMhnein I die Scheuer oder in einen leerstehenden Schuppen trieben und I hier mit den Händen griffen. Anton imhm die eingefangenen I Hinkel, die in der Erwartung, daß ihnen Alnheil bevorstehe, einen | gewaltigen Lärm machten, und steckte sie in die Mepr. Dann bezahlte er, nicht ohne vorher den Preis nach Möglichkeit h^ab- gebrüdt zu haben. Manches Kind weinte weil das schone schwarze Hinkel oder der stolze, weihe Hahn nun geschlachtet werden sollte.
Zuletzt ging Kropp in das Fährmannshaus, wo Nikela Sachs gerade dabei war, einen Besen zusammenzubinden. Niemand
rechts tut sich ein schöner Mesengimno nach dem and«m auf, I unö vom Lemberg und seinen Ausläufern her fenft hi I fMtnfplnrüne Wald in das Sal. Bon allen säten rinnen» Bäche I fjinab in das Sal, am Straßenrand blühen Blumen, überall I deutsche Berg*» und DAaldeinsamkeit. I
Als das Fuhrwerk am Acker angelangt toar, hob Christoph I die Pferdedecken auf, und nun sah Wichel, daß ein Jagdgewehr darunter verborgen toar. Neben dem Kornacker lag em g ö I Kartoffelfeld, das Kraut toar üppig in die Brette geschossen. Es siel Wichel auf, daß der Jagdhund schnuppernd vor dem Acker I Unblled ^Christoph nahm er das Gewehr zur Hand und ging hinter vem «unoe hinein in das Feld. Langsam ging der Hundiwr^ Plotzstch blieb er stehen. Christoph hielt das Gewehr schuhbereit. mtt einem Wale brauste und schwirrte es, und eine, Ketw R^. Hühner flog auf. Der Schuß krachte, und drei der schon ge° I Ketten Dögel fielen nieder Die Federn, die ihnen die Schrot- ferner ausgerissen hatten, logen durch die Lusü
Dieser Zwischenfall toirfte auf Wichel tote eleftrmeremx i Den ganzen Morgen toar er in einem unmutigen Grübeln | befangen gewesen, die Ereignisse des trorauSgegangenen Saged j hatten ihn tief herabgestimmt, schon hatte er bermtt, mit dem Fährmann nach dem Montsotter Hofe gegangen zu> sein,nun toaren seine unmutigen Gedanken versiogem Dre JagdlÄden I schäft toar in ihm erwacht, er legte dem Christoph die Hano i aus ’ den Arm und bat: „Gib mir dein Gewehr, Dort in dem I Dickrübenacker scheint noch eine Kette 8» sitzen. «Hofer I
Christoph lud das Gewehr und gab es dem Michel. Dieser I zitterte vor Freude, Pfiff dem Hunde und ging langsam nach I Lm Dickrübenacker. Weiter hinaus lag ein»Klseacker, aus diesem I floa eine Kette auf. Als Michels Schuh fnatlte, fielen zwei | Hühner nieder, ein weiteres Huhn war geholfen, ^ ab« noch nicht tot. Es schlug mit den Flügeln nm sich, walzte sich in einer Ackerfurche hin und her. da hatte es der Hund auch schon | N „Jetzt aber ist es genug." sagte Christoph, .sonst wird unsere | Knallerei noch von den Leuten gehört. I
Die Korngarben waren nah. man komite sie noch rächt n^ | Hause bringen. Christoph und Michel breiteten sie auf Dem Acker aus. damit sie trocknen sollten, dann mähtensie Inder I Nachbarschaft ttwas Klee und luden diesen auf. Das Gewehr I unb&ie erlegten Rebhühner wurden unter demKlee versteckt Dann fuhr man wieder ab. Knarrend und ächzend Me Näder waren lange nicht mehr geschmiert worden — bewegte sich das Fahrzeug talaufwärts.
Als man auf dem Hofe angenommen ^ar- mit dem Gewehr und der Jagdbeute nach der Scheuer und kehrte nach geraumer Zeit toieber zuruck. -
9 Auf dem Montforter Hof war ckem Mehl mehr, man mußte dreschen, um Korn nach Oberhausen in die Muhle bringen zu können. Darum standen die beiden, nachdem sie vom Felde heimgekehrt waren, «rtt ^rSenne und schtmmgM den Dreschflegel. Die Hinkel liefen dicht heran und pickten Korner auf bis die alte Frau kam und sie im Hlnkelhause einsperrte.
Zum Wendessen gab eS Kartoffeln und Sauermilch. I Christoph sagte: „Heute Nacht wollenjoir einen Wag madym- toenn uns der gelingt, gibt es besseres Gsfen. Wer. Wichel. I bu darfst dich nicht fürchten und einen Fehlschuß gibt es nicht.
Wichel, der merfte, datz es zur Jagd gehen sEte. sagte: Wenn ick ein ttchtiges Ziel vor mir habe, so tresse ich es auch. Ich habe in Spanien manchen von den Drigands, die uns auf
'^BiS^zur^Dunkelheit lohen die beiden auf
Scheuettür aufriegelte. Es dauerte lange, bis zuru^m Er brachte zwei Gewehre mit, von denen er etn8 bem Wichel aus händigte Gr selbst hatte eine alte Jagdtasche umgehangt in der Tasche hatte er die am Morgen erlegten Rebhühner verpackt. Leise pfiff er dem Jagdhund, der wedelnd an ihm empor-
Feldweg, an dessen Rand Zwetschenbäume stehen, führt, dem Laus des Daches folgend, vom Montfotter Hof hinunter nach der Straße. Aus dieser blieben die beiden nicht lange, sie gingen hinunter in einen Wiesengrund, durchschritten diesen uno ftiegen dann die mit Wald bedeckte Höhe hinaus.
Kommt uns einer entgegen,“ sagte Christoph, „bann rasch in das Gebüsch und abgewartet, was er will." __
Es toar ein mühseliges Steigen in der dunklen Nacht, Denn die beiden blieben nicht auf den Schneisen, oft ging ihr Weg durch Dickicht und Alnierholz. Gingen sie über abgeholzte Strecken, fo bewegten sie sich besonders vorsichtig vorwärts. Der Hund war stets einige Schritte voraus und spähte scharf ans. Manchmal schlugen ihnen die Zweige in das Gesicht, und nicht selten stolperten sie über Daumwurzeln.
Sie waren noch nicht ganz nach dem Gipfel des Lembergs gelangt, da blieb der Hund stehen,


