Ausgabe 
14.3.1925
 
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tzeitzt:

Rhine Wine goob, Neckar pleasent, Mpfelle innocent, Frankfort bad!

AW ich zu den Sommerferien nach Hause fuhr, machte ich «einen Mschiedsbesuch im Heyschaus. Heyse gab mir einen väterlichen Kutz auf die Stirn und jagte:

»Wage du zu hoffen und zu träumen!

Dann, habe ich ihn nicht wieder gesehen.

Der deutsche Wein.

Auf grünen 'Bergen wird geboren

Der Gott, der uns den Himmel bringt; Die Sonne hat ihn sich erkoren. Daß sie mit Flammen ihn durchdringt.

Es gibt im Deutschen Reiche eine wunderschöne hegend, wo die Landkarte zur Weinkarte wird. Man «zahlt sich, daß Reisende, die sich nach diesem Kompaß geruhtet haben, nicht schlecht dabei gefahren find. Sagenumwoben, rebenumkränzt, bet deutsche Rhein und seine Nebenflüsse. Römische Legionen des Kaisers Probus erhielten bereits im Jahre 280 n.Ehr. bte Genehmigung zur Ansiedlung und der Kultur von Reben an Mosel und Rhein. Richt italienische Trauben, wie man gewöhn­lich annimmt, sondern gallische waren es. kne man am Rhein anbaute, nachdem nach A u s o n t u s der Weinbaulanber Mosel schon früher heimisch geworden war und so köstlichen Wein lieferte, daß die Römer ihn mit dem heimischen ttalieEchen gleichstellten. Mehrere Jahrhunderte später war es dann Karl der Große, der den deutschen Weinbau durch wecke Gesetze und Verordnungen förderte und ihm zur eigentlichen Bedeutung verhalf. Alljährlich steigt nach uralt« Sage ber große Kaiser zur Zeit der Rebenblüte aus seinem Grab zu Aachen und segnet die Reben längs des Rheins.

Bei Rüdesheim, da funkelt der Mond ins Wasser hmetti Lind baut eine goldene Drücke wohl über den grünen Rhein; Der Kaiser geht hinüber und schreitet langsam fort Lind segnet längs dem Strome die Reben an J«^m$Ort^

Weinlese am Rhein, wer würde sie je vergessen, der sie

Aber wie eng begrenzt sind diese »ersten Sagen. Die berühmte rheinhessische Liebfrauenmilch wächst zu Worms zwischen den Ruinenmauern eines Klosters auf einer Fläche von nur e/8 Hektar, an das allerdings etwa »/« Hektar des sogenanntenj Kapuzinergartens und 21/2 Hektar anderes Weingelände anstoßen.

Schwer leiden heute die Weingutsbesitzer der mittleren und kleineren Lagen. Einern nicht unerheblichen Preisrückgang steht eine außerordentliche Steigerung der Produktionskosten gegen­über. Fast ausschliehlich ist der Weinbau auf den teueren künst­lichen Dünger (Stickstoffdünger) angewiesen, nachdem nach bem Krieg der Raturdünger vollständig von der eigentlichen Land­wirtschaft aufgenommen und an den Weinbau nicht mehr ab­gegeben wird. Man kann unter diesen Umständen wohl den erbitterten Widerstand der deutschen Weinbauern gegen den deutsch-spanischen Handelsvertrag verstehen, von dem man eine Ueberschwemmung des deutschen Marktes mit billigem spanischen Weißwein befürchtet. Und die Besorgnis ist umsomehr begründet, als die Abwehr des schlimmsten Feindes des Weinberges, die Abwehr der Reblaus, außerordentlich hohe Kosten verursacht.

Aber auch eine gewaltige wirtschaftliche Bedeutung hat der deutsche Weinbau für uns gewonnen. In über tausend Gemeinden gibt es heute annähernd 75 000 Hektar QJebflädje, bic im Jahre 1923 einen Most ertrag von 791040 Hektoliter brachten, im Werte von 42 344 530 Goldmark, und babei leidet auch der deutsche Weinbau schwer unter der Rot der Zmt. Nicht unbe­trächtlich ist die Anbaufläche in den letzten anderthalb Jahr­zehnten zurückgegangen. Roch im Jahre 1911 betrug dm gesamte Nbauftäche 81 504 Hektar, um bann bis zum Jahre 1913 auf 78961,6 Hektar zurückzugehen. Wie schwankend der Ertrag gerabe im Weinbau ist, in wie hohem Maße er ab&ängt von der Witte­rung, beweisen am besten einige Zahlen. Im berühmten Hitze- ia6r 1911, dem Großstädter noch in fürchterlicher Erinnerung, er­reichte der Mostertrag die Höhe von 2196 799 Hektoliter in einem Gesamt-Geldwert von 143072 299 Mk.. also uber das Dreifache des Jahres 1923. während dos Jahr 1913 ««* 824 808 Hektoliter Mostertrag brachte, im Werte von 41 941 035 Mk. Während das berühmte Weinjahr 1911 also pro S^ar einen Ertrag im Werte von 1755 Mk. brachte, erbrachte das schlechte Jahr 1913 nur einen solchen von 531 pro Hektar. Nüchterne Zahlen, die eine beredte Sprache sprechen.

Richt rosig ist heute die Lage des deutschen Weinbaues am Rhein. Der ferner Stehende liest nur hin in® wieder einmal in einer Zeitungsnotiz phantafttsche, Ziffern, die 'TOe® Versteigerungen erbracht haben. Gewiß, das deutsche Edelgewachs wird immer seinen Preis erzielen, in der ganzen Welt weiß man es gebührend zu schätzen. Ein englisches altes Sprichwort

Bei der Bedeutung be» Weinbaues ist es besonders erfreu­lich daß sich die Verwaltungen einzelner Länder zum Teil sehr stark seiner angenommen haben. Im Jahre 19w wurde 8-®. die hessische Weinbergdomäne gegründet, die heute über Weinberge erster Lagen in 13 Gemarkungen versügt. Durch die intensive staatliche Förderung tst -s u. a gelungen, den Wmn- bau an der Bergstraße, die sich von Darmstadt bis Heidel­berg hinzieht, aus seine gegenwärtige Höhe zuhebemdie man sich vordem sicherlich nicht hatte träumen lassen. Schon vor 100 Jahren hatten hier Weinberge bestanden. Verwilderte Reben, die man auch heute noch hier Uich da in den Aldern findÄ, geben davon Zeugnis. Wit Recht hat man sich mtschloss^ schlechte Waldbestände auszuhauen und den vorzüglichen Granit­boden wieder dem Weinbau zuzuführen

Die Domänenweine des hessischen Staates sind ein Kapitel für sich, Weine, wie sie sonst eigentlich nur in Märchenbüchern Vorkommen. Mancher trinkseste Gast der hessischen Regierung weih ein Lied davon zu singen, aber auch davon, daß z.D. die berühmten 21er Weine erster Lagen m<yt ganz leicht zu vertragen sind.Straße, wie siehst du so wunderlich au8! Mancher Gast, auch mit weltberühmtem Namen, mag es schon gedacht haben beim Nachhausegehen. . .

Rheinischer Wein, rheinische Lebensfreude, Krieg und Rot haben sie überdauert und werden sie überdauern und der Kops­hänger sollte sich an das Wort Goethes halten:

An unseres himmlischen Vaters Tisch Greift wacker zu und bechert frisch; Denn Gut und Döse sind abgespeist, Wenns3acet ecce Tibullus' hecht!

Der Fährmann von Niederhausen.

Von Heinrich Dechtolsheimer.

(Fortsetzung.)

.Du kannst mir helfen, das Vieh füttern/' sagte der Hof­besitzer und Michel ging in den Kuhstall. Dort standen vier magere Kühe, im benachbarten Pferdestalle zwei alte Gaule. Aber an Hunden hatte der Christoph keinen Mangel. Auh« dem Jagdhunde kamen noch ein Dackel und ein Spitz zum Vorschein, die aus Schritt und Tritt ihren Herrn begleiteten.

Im Wohnzimmer hatte die Alte Mehlsuppe ausgetragmi und Kartoffeln, die in der Schale gekocht waren. DlechLos^l lagen auf dem Tische. Messer aber nicht, darum muhte sedev der beiden Männer fein Taschenmesser hervorholem

In der Mittagszeit spannte Christoph die beiden Pferde an den Erntewagen. Aus dem Wagen lagen einige Pferde, decken und darunter ein Gegenstand, den Mic^l nicht erkennen konnte. Weiter abwärts im Tale lag «vS Korn, das heim gebracht werden sollte. Die beiden setzten sich auf den Wagen und fuhren ab, der Jagdhund und der Dackel folgten dem Ge­spann, der Spitzhund blieb bei der alten Frau.

Das Fuhrwerk hatte die große Landstraße «reicht, bte von Hallgarten nach Ob«hcmfen führt, da kam etn Mann, der eine Kiepe trug, die Höhe herunter. Er hatte es eilig, rief und tointie mit der Hand. Es war der Geflügelhändl« Anton Kropp von Kreuznach. Christoph hielt feinen Wagen art und wartete auf den Herankommenden. Dann flieg « ab und trat an den Straßenrand, wo b« Handl« stehengeblieben war.

Wen hast bu da bei btr?" fragte Kropp.

®er ist beim Peter Wenzel Knecht gewesen, ist a6er ieit heut nacht aus Niedernhausen fort und bleibt bei mir. Wir können ihn brauchen, « schießt Hasen und Rehbocke für fern Leben gern.

Verrät « auch nichts?"

Der Nikela hat ihn mir gebracht. Er ist ein armer Bursche, ber keinen Menschen auf b« Welt hat und froh ist, toenn er bei mir bleiben kann. Als er noch ein Bub war, hat « bei dem Friedrich Schneider gedient und reden Sonntagnachmtttag beim Mkela an der Rahe gesessen, als ob der sein Vater wäre. ^".Qmo.^ör* zubble Luft ist saub«/' sagte Kropp,d« Johann Michel Günther ist °uf den Kreuznacher Markt g^ fahren er ist mir begegnet, und b« Steppelbein geht auch auf den Markt, im Sicking« Hof zu Ebernburg hat « heilte morgen um sieben Ähr schon gesessen, als ich dort ein Schnäpschen trank.

bat«zählt,datz «mit seinem Bruder aus Waldalgesheim aus den Martt zusammentreffen wolle. Wenn bte zwei, b Oüntb« und der Steppelbein, heute Rächt Heimkommen. f0 f mb He so müde, datz kein« mehr in den Wald geht. Morgen komme j, 1im cstnfei au kaufen, nach Riederhausen, da will ich beim brand aus Mainz möchte wieder gern. eine Sendung Wildbre von mit haben, sonst kann ich auch einiges davon in Kreuznach

stieg Wied« auf den Wagen D« Geflügel- Händl« steckte feine Pfeife in Brand und ging dem Wagen lang