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Wartete, daß ©robbe in elendester geistiger und körperlicher Verfassung die Rückkehr nach Detmold beschloß. „Miete mir ein kleines Logis," schrieb er an seinen Freund Petri, „mit einem Tisch, zwei Stühlen, einem Bett. Gleich zu Anfang mag ich mich in meinem Hause nicht tobt ärgern, obgleich, gehts nicht anders, ich die genannten Möbel daraus holen lasse." Sm Mai 1836 fuhr er über den Lippeschen Wald und sah zu seinen Füßen das Heimatstädtchen liegen. Er nahm in einem Gasthaus Quartier, aber sein Zustand war so bedenklich, daß es seine Freunde für geraten hielten, ihn seiner Frau zuzuführen. Diese schlug eine helle Lache auf, als sie den zum Skelett abgemagerten Mann erblickte und rannte wie eine Besessene davon. Grabbe wurde bettlägerig. Seine Frau schickte ihm das Essen, im übrigen überließ sie ihn seinem Schicksal. Seiner Mutter, die sich zur Pflege des Sohnes anbot, wies sie die Tür. Erst als die alte Frau unter dem Schutze eines Geistlichen wiederkam, gab sie ihr freie Dahn. In den Armen seiner Mutter starb Grabbe am 12. September 1836. Als man seiner Frau die Todesnachricht überbrachte, rief sie nach Zieglers Bericht: „Gut, daß der Unhold tot ist. Also endlich!" Anderen Tages gebärdete sie sich wie trostlos, reichliche Tränen flössen über ihre Wangen und sie schmückte das Haupt des „geliebten" Toten mit einem Lorbeerkranz.
Goethe und sein Weimarer TheaterpubNKum.
Von Hans Mehner.
Von Zeit zu Zeit beweist immer wieder einmal ein lebhaft diskutierter Vorfall, dah sich unser Theaterpublikum nicht durchweg aus Leuten zusammensetzt, die sich der Würde des Ortes entsprechend zu benehmen wissen. Wer den Dlick einmal auf die Theaterverhältnisse der vergangenen Zeit richtet, der wird finden, daß in dieser Hinsicht sich die heutigen Theaterbesucher gar nicht von denen zur Zeit Goethes unb Schillers unterscheiden. Goethe hat unter den Ungezogenheiten des Publikums ebenso gelitten, wie es nicht selten unsere Theaterdirektoren tun. Er hatte sich deshalb auch während seiner fünfundzwanzigjährigen Leitung des Weimarer Hoftheäters die Erziehung des Publikums zu Anstand und Geschmack zur Aufgabe gemacht. Der- schiedentliche Aussprüche lassen uns sein Wollen -und seine Erfahrungen bei dieser Tätigkeit erkennen.
Wie sehr es die Weimarer Theaterbesucher an Anstand und Rücksichtnahme auf die Würde der Bühne fehlen liehen, kam selbst bei Anwesenheit des Hofes nicht selten zu voller Deutlichkeit. Hier muhte einsetzen, wer die geistigen Bedürfnisse der Zuschauer auf eine höhere Stufe haben wollte. Das hat Goethe manche Unannehmlichkeiten bereitet und viel Aerger eingebracht. Es wird uns geschildert, dah sich besonders die Jenaer und Halleschen Studenten eines rüpelhaften Benehmens schuldig machten, und daß die im Saal sitzenden Schauspielerinnen manchmal Grund genug hatten, sich darüber zu beschweren. „Geschpekdakelt und gedrommelt", wie Christiane von Goethe ihrem abwesenden Gatten schrieb, haben diese Ruhestörer öfters. Sie neckten auch die Wache, und in den „Räubern" trieben sie es einmal ganz toll: sie rauchten, tranken und sangen — in Hemdsärmeln.
Goethe hat bei solchen Gelegenheiten sehr bald Ruhe und Ordnung geschafft. Sein Aussehen und wohl auch der Ton feiner Stimme, wie er seine Ermahnungen ins Parterre rief, belehrten das aufhorchende Publikum eines Besseren. Sein Zuruf an die Studenten: „Man vergesse nicht, wo man ist!" hat die Unruhe im Parkett ebenso schnell erstickt, wie die donnernde Frage: „Wird's bald still?" Er empfahl dem geschäftlichen Leiter des Weimarer Theaters dieses selbst erprobte Mittel, um den Schauspielern Gehör zu verschaffen, mit den Worten:
„Wenn man die Menge in Ruhe halten will, so mutz man die erste Unart nicht leiden. Gleich beim Eintritt solle jeder genötigt werden, den Hut abzuziehen, damit er erinnert würde, daß er vor dem Orte Achtung schuldig sei. Ich habe bei übervollem Hause, als Jfflands Spiel in den Räubern erwartet wurde, mit ein paar ernsten und derben Worten den Tumult im ersten Augenblick zum Schweigen gebracht; hätte ich nicht den Entschluß gefaßt, damals gleich bei der mindesten Bewegung dreinzusahren, so würde jene Aufführung gewiß eine der unruhigsten geworden sein.'
Goethe ging in dieser Hinsicht sogar so weit, alle enthusiastischen Beifallskundgebungen zu verbieten. Bei der ersten Ausführung von Schillers „Braut von Messina" brachte das begeisterte Publikum dem Dichter eine Ovation im Theater dar. Da mußte denn der Stadtkommandant von Jena den .Urheber, den Sohn des Hofrats Schütz, vor sich kommen lassen, „um von ihm zu vernehmen, wie er als Eingeborener, dem die Sitten des hiesigen Schauspielhauses bekannt sein mutzten, sich eine solche Unregelmäßigkeit habe erlauben können." Obendrein mußte der Vater des Gemaßregelten eine Rüge ein stecken, denn der erwähnte Offizier hatte „im Ramen Serenissimi Herrn Hofrat Schütz zu erkennen zu geben: Höchstdiefelhen hätten sich von ihm versprechen. dah sein Sohn besser gezogen fein würde."
Halfen aber alle Ermahnungen nichts, dann mußte die Wache im Theater energisch einschveiten. Es heißt in einer Anordnung Goethes:
„Bei und kann kein Zeichen von Mißfallen stattfinden, das Mißfallen kann sich nur durch Schweigen, der Beifall nur durch Applaudieren bemerkbar machen, kein Schauspieler kann herausgerufen, keine Arie zum zweiten Mal gefordert werden. Alles, was den gelassenen Gang des Ganzen, von Eröffnung des Hauses bis zum Verschluß auf irgend eine Weise stören möchte, ist bisher unterblieben und darf auch in der Folge nicht stattfinden. Wobei ich noch die Bemerkung hinzuzufügen habe, daß die Wache nach der schon lange bestehenden Einrichtung höhere, nunmehr wiederholte Ordre hat, jeder ungewöhnlichen Bewegung nachdrücklich zu steuern."
Doch mit solchen diktatorischen Maßnahmen allein war keineswegs die ganze Arbeit getan. „Von Kunst hat unser Publikum keinen Begriff." Diese Aeußerung Goethes aus der Zeit vor seiner Theaterleitung muh in vollem Umfang für die Weimarer Verhältnisse Geltung gehabt haben. Die Empfänglichkeit seines Publikums für die Kunst zu bilden, es mit wertvollen dramatischen Werken bekannt zu machen und auch die Leistungen der Darsteller über den Durchschnitt zu heben, das waren Rvtwendig- keiten, die der Theaterdirektvr Goethe in seinem Programm sehr Wohl berücksichtigte. Seine Bemühungen um sein leistungsfähiges, „an ein gebundenes, kunstreiches Spiel" gewöhntes Ensemble waren von Erfolg begleitet. Grohe Schwierigkeiten machte der Spielplan. Bei seiner Aufstellung half Schiller; nicht nur seine eigenen Dramen, sondern auch Bearbeitungen von Stücken Shakespeares, Gozzis, Aacines wurden gespielt, daneben auch die neuen Werke der Zeitgenossen. Goethe wollte selbst eine Anzahl Stücke schreiben, um den Spielplan zu bereichern. Doch das Publikum nahm das Reue nicht ohne weiteres beifällig auf. So mußte während der Aufführung von Fr. Schlegels „Alareos" erst Goethes lautes „Man lache nicht!" das Gelächter zum Schweigen bringen, das sich bei ernsten Szenen erhoben hatte.
Goethe sah ein, daß er d em Publikum auch entgegen kommen müßte. Er brauchte es ja, schon um der Einnahmen willen, da er sein Theater durch Sparmaßnahmen und auswärtige Gastspiele ohne Fehlbeträge erhalten wollte. Und für die Schauspieler war die Zustimmung verständiger Zuschauer nicht minder wichtig:
„Der schönste Lohn von allem, was wir tun, Ist euer Beifall; denn er zeigt uns an, Daß unser Wunsch erfüllt ist, euch Vergnügen Zu machen ...",
so hieß es 1791 bei Eröffnung des Theaters. In diesem Sinne erflang auch die Mahnung: „O, seid nicht karg mit eurem Beifall!" Das Publikum wollte auch etwas für seinen Geschmack haben, wenn seine Anteilnahme am Theater erhalten bleiben sollte. Sv kamen nun alle die Lustspiele und Possen von Jfs- land und anderen damaligen Schriftstellern auf die Weimarer Bühne, die mit Vorliebe gesehen wurden und deshalb so stattliche Aufführungsziffern erreichten. Allein Kotzebues Stücke wurden öfter gespiell als Goethes und Schillers Stücke zusammen.
Goethes Wünschen und Hoffnungen entsprach dieses Ergebnis seiner Theaterdirektion nicht. Wie bitter er die Enttäuschung empfand, die sogar zum Hemmnis für sein Schaffen wurde, dafür zeugen die Worte, die er 1825 aussprach, als er seines Amtes schon viele Jahre ledig war:
„Ich hatte wirklich einmal den Wahn, als sei es möglich, ein deutsches Theater zu bilden. Ja ich hatte den Wahn, als könne ich selber dazu beitragen und als köirne ich zu einem solchen Dau einige Grundsteine legen. Ich schrieb meine „Iphigenie" und meinen „Tasso" und dachte In kindischer Hoffnung, so würde es gehen. Allein es regte sich nicht und rührte sich nicht und blieb alles wie zuvor. Hätte ich Wirkung gemacht und Beifall ge- funben, so würde ich euch ein ganzes Dutzend Stücke wie „Iphigenie" und den „Tasso" geschrieben haben."
Der Fährmann von Niederhausen.
Von Heinrich DechtolsHeimer.
(Fortsetzung.)
„Mein alter Taglöhner," hatte Wenzel gesagt, „hat für sich zu tun, da könntest du mir im Feld und im Kelterhause helfen. Wenn wir jetzt mit Keltern fertig sind, wollen wir uns an das Dreschen machen. Dann ist allerhand im Wald zu tun, und im März geht es wieder hinaus auf dem Acker. Ich weiß, daß du alle Feldarbeit verstehst, und meine zwei Gäule kann ich dir an- Bertrauen. Ich werde älter, und da Paßt es mir nicht mehr, morgens früh und abends spät die Stallarbeit zu tun."
So blieb Michel Klee in Riederhausen. Einige Tage lang war noch zu keltern. Mit seinem Dienstherrn füllte er die Trauben aus dem Ladesasse in die Kelter, dann wurden die schweren Bretter darübergelegt und die Presse fest zugedreht. Der trübe Saft floh in die große Bütte, die vor der Kelter stand, und wurde bann im Keller in die Fässer gefüllt. Rach Len Tagen, da der Rebel das Tal bedeckt hatte, wurde es frostig und klär. Die Sonne stand über den Bergen und über dem Wald. Dieser färbte sich immer gelber, und immer mehr Blätter fielen zur Erde. Ende Rovember kamen heftige Stürme, und die Zweige wurden ganz kahl. Frühling, Sommer und Herbst hatten der Welt diel Blutvergießen und großen Jammer gebracht, mm


