wird von den atmosphärischen Strömungen der tiefen Schichten tai berührt und ewiger blendender Sonnenschein strahlt vom tiefblauen Himmelsgewölbe herab. Menschen haben diese Schicht len bis jetzt nur im Freiballon (größte Höhe 10,8 Kilometer) und neuerdings einige Male im Flugzeug erreicht. (Größte Höhe ca. 13 Kilometer.)
Durch die moderne Erforschung des Lustmeeres mit Ballon, Drachen und Flugzeug beginnt sich eine Umwälzung auch in der Wolkenkunde zu vollziehen. Früher konnte man, abgesehen von den Gebirgen, nur von der Erdoberfläche aus beobachten, wo sie natürlich einen anderen Anblick gewähren, als wenn man von der Seite oder von oben auf sie herabblickt. 2m Ballon und Flugzeug aber ist die Entstehung und Umbildung der Wolken im Luftmeere selbst zu beobachten. Das wesentliche Ergebnis der neueren Wolkenforschung ist eine Vereinfachung der Klassifikation und die Zurückführung der vielartigen Formen auf wenige Grundformen, die durch Uebergänge und Kombinationen untereinander verbunden sind. 2m wesentlichen hat man es mit nur zwei Hauptfermen zu tun, der Stratus oder Schächtfvrm, und der Cumulus oder Ballenform.
Beide Formen können in allen Schichten der Atmosphäre, soweit überhaupt Wolken hinaufreichen, Vorkommen. Die Stratus oder Schichtwolken, stehen sm Zusammenhang mit dem geschichteten Aufbau der Atmosphäre, in der fast stets kalte und warme Luftschichten neben- und übereinandergelagert sind. Wenn über einer kalten, schwach geneigten Schicht feuchte, wärmere Luft hinsließt, so tritt leicht an der Berührungsfläche Wolkenbildung ein, indem die obere Strömung durch Hebung in eine größere Höhe sich abkühlt und relaiv feuchter wird, bis der Punkt erreicht ist. daß sich ihr Wasserdampf in Tropfenform aus scheidet. Auf diese Weise entstehen die gleichmäßigen Schichtwolken, wie sie im Winter häufig in 500 bis 1000 Meter Hohe angetroffen werden. 2hre vertikale Ausdehnung beträgt meist nicht mehr als ca. 300 Meter. Schickt man einen mit einem Registrierinstrument versehenen Drachen in die Wolkenschicht, so findet man regelmäßig in der Wolke größte Kälte, darüber sprunghafte Temperaturzunahme und große Trockenheit.
Die zweite Grundform der Wolken, die Haufeirwolke, entsteht in ganz anderer Weise. 2hre Bildung läßt sich in der Statur an einfachen Erscheinungen verfolgen. Die kompakten Wolkenballen, die sich aus dem Schlote einer Lokomotive bilden, sind solche Haufenwolken. Die Ursache der Wolkenbildung ist in diesem Falle die plötzliche Abkühlung der dampf- und rauchgesättigten Luftmassen.
_ 2n größerem Maßstabe ist ähnliche Wolkenbildung bei Zeuerbrünsten zu beobachten. Die über dem Feuerherd erwärmten Luftmassen steigen, da sie wärmer sind als die umgebende Luft, empor und kühlen sich dynamisch ab, bis Kondensation eintritt. Dann erscheint in größerer Höhe über dem Feuerherd eine Haufenwolke.
2m Kriege konnte man über brennenden Dörfern und Depots voir Kriegsmaterial häufig die Bildung dieser Wolkenform beobachten. Erwähnt sei auch noch, daß die bei Vulkanausbrüchen auftretenden gewaltigen Haufenwolken, die sogar von Gewittererscheinungen begleitet sein können, auf dieselbe Weise entstehen. Auch die Wolken über den tropischen Steppenbränden gehören dahin. 2n allen diesen Fällen ist die Energiequelle zur Bildung dieser Wolken eine örtlich erhitzte Luftmasse, die emporsteigt, sich durch Ausdehnung abkühlt und an ihrem oberen Ende eine Wolke bildet. Auf ähnliche Weise entstehen auch die Haufenwolken, die an warmen Sommertagen sich vormittags bilden und abends wieder verschwinden. Diese Sommerwolken sieht man am Morgen oft fast plötzlich an verschiedenen Stellen des Himmels aus dunstigen Flecken in Form zarter Ballen entspringen. Sie können in kurzer Zeit zu mächtigen Wolkenbergen sich entwickeln.
Diese Wolkenformen sind, wie die früheren, thermischen Ursprungs, d. h. sie entstehen durch die verschiedenartige Erwärmung der Erdoberfläche, indem sich hier und da Säulen warmer Luft erheben, beim Aufsteigen abkühlen und an ihrem oberen Ende Wasserdampf in Tropfenform ausscheiden. Die Cumuluswolke ist gewissermaßen nur der obere, sichtbar gewordene Teil der aufsteigenden Luftsäule. 2n den Zwischenräumen der einzelnen aufsteigenden Luftströme sindet natürlich zum Ersatz der Luftmassen absteigende Bewegung statt und die Atmosphäre befindet sich bei solchem Wetter daher int Zustand der Unruhe und Durchmischung. Die Luft ist böig oder turbulent, wie die Fachausdrücke dafür heißen. Der Flieger kennt diese Art der Turbulenz sehr gut und spricht sehr treffend von „Sonnenböen". Sie Wärmecumuli, deren letzte Ursache in der Sonnsnstrahlung, die den Erdboden erwärmt, zu suchen ist, sind daher eine typische Erscheinung warmer Sommertage. 2hre Höhe liegt auf der ganzen Erde ungefähr bei 500 bis 1000 Meter Hohe Über dem Boden. Sie fehlen auch nicht über dem offenen Ozean und find besonders in den subtropischen Meeren eine fast tägliche Erscheinung, wo man sie Pasfatcumuli nennt. Die Erwärmung der Erdoberfläche ist aber nicht die alleinige Ursache der Bildung von Haufenwolken. Auch in größeren Hohen des Luftmeeres treten sie auf. Ger Ballonfahrer beobachtet gelegentlich, daß aus gleichförmigen Schichtwolken Cumuluskopfe herauswachsen, die bedeutende vertikale Mächtigkeit erreichen können. Diese Formen bilden sich besonders dann, wenn kältere Luftmassen über der Schichtfläche ein
brechen, in denen die Eumuluskvpfe kräftigen Austrieb erhalten. 2e stärker die Demperaturabnahme mit der Höhe ist. um so günstiger sind die Bedingungen zur Entwicklung der Haufenwolken. Umgekehrt erlahmt der Auftrieb aufschießender Cumulus- kopse, wenn sie aus eine wärmere Luftschicht stoßen. Der aufmerksame Beobachter kann diese Erscheinungen am Wolkenhimmel oft bemerken. Man fteht oft, daß die Kopfe von Haufenwdlken int Sommer in einer gewissen Höhe zurücksinken und sich die Wolken- materie seitlich ausbreitet, woraus man ohne weiteres erkennt, daß die aufstrebende Wolkensäule auf eine wärmere Luftschicht gefloßen ist. Für den Meteorologen und auch den Flieger und Luftschiffer ist die Beobachtung dieser Vorgänge sehr wichtig, da sich daraus Schlüsse ziehen lassen Über dte Entwicklung örtlicher Gewitter, die bekanntlich heut enoch ein großes Hindernis des Luftverkehrs sind.
Ein weiterer Faktor der Wolkenformung ist die Wogen- und Wellenbildung im Luftmeer, die wiederum eine Folge des geschichteten Aufbaues der Atmosphäre ist. An der Grenze von warmen und kalten Luftschichten, wo sich Dichte und Bewegung sprunghaft ändern, bilden sich fast stets Lustwogen. Zuerst hat Helmholtz darauf hingewiesen, daß an den Grenz- und Gleitflächen verschieden dichter und verschieden bewegter Luftschichten sich Luftwogen bilden muffen. Der Vorgang ist prinzipiell derselbe, wie bei der Bildung der Wellen auf der Meeresoberfläche von Wasser und Lust erheblich großer, als an der Gleit-
Aatürlich ist der Sprung in der Dichte an der Berührungsfläche von Waffe rund Luft erheblich größer, als an der Gleit- slache verschiedener Luftschichten. Daher sind die entstehenden Luftwogen 10 OOOmal größer als die Wasserwogen. Helmholtz hat hier das Verdienst, durch seine hakten Untersuchungen eine große Klasse von Wolkenformen dem physikalischen Verständnis erschlossen zu haben. Wenn an einer Grenzfläche die untere Schicht ungefähr mit Wasserdampf gesättigt ist, so wird durch die Hebung und Abkühlung der Lust in den Wellenbergen Kondensation ein» treten, während in den Wellentälern diese unterbleibt. Auf diese Weise werden alle Wellenberge der Luftwogen durch Bildung von Wolkenballen dem Auge sichtbar. Der Anblick einer solchen Schicht von Wogenwolken gleicht schließlich völlig dem regelmäßigen Wellenshstem auf einer Wasseroberfläche. Die Statur hat gewissermaßen ein Experiment gemacht, um das Luft- wogenshstem sichtbar zu machen. Man hat gefunden, daß diese Luftwogen Wellenlängen von 400 bis 600 Meter bevorzugen, hat aber auch solche von 2000 bis 3000 Meter und mehr gemessen. 2m allgemeinen werden die Wellenlängen der Sufi* wogen mit zunehmender Höhe größer. Die größten Wellenlängen trifft man int Niveau der Cirruswolken in 7 bis 10 Kilometer Höhe an. Es gibt dies eine Vorstellung davon, welch gewaltige Dimensionen diese Wogenwolken besitzen, die infolge der großen Entfernung dem Beobachter am Erdboden natürlich klein und zart erscheinen. Diese Wolkenformen treten, da eine Schichtfläche Vorbedingung ihrer Entstehung ist, mit Vorliebe an den fundamentalen Schichtflächen des Luftmeeres auf. Rach neueren aero- logischen Arbeiten liegen diese Schichtflächen bei 500, 1400, 3000, 6000 und 8000 Meter. Es sind also ganz bestimmte Niveaus bevorzugt, und zwar diejenigen, in denen Schichtflächen am häustgsten sind.
Mit diesen, an Schichtflächen auftretenden Wogenwollen ist eine Gruppe eigentümlicher Wolken verwandt, die über hochaufragenden Bergen bisweilen beobachtet werden. Wenn eine atmosphärische Schichtfläche ungefähr in der Höhe eines Berggipfels liegt, so entsteht analog den Stromschnellen, die sich über Unebenheiten im Bette eines Flusses bilden, Über dem Berggipfel ein Wirbel. Die Schichtfläche wird gehoben.
Sind die Feuchtigkeitsverhältnisse zufällig derart, daß diese mäßige Hebung Kondensation hervorruft, so bildet sich über dem Berggipfel und zwar an der dem Winde abgekehrten Seite eine Wolkenfahne, Haube oder Kappe, die trotz starker Luftbewegang unverändert über dem Gipfel stehen bleibt. 2n Wirklichkeit befindet sich die Wolke aber in starker, innerer Bewegung, sie bildet sich auf der Luvseite dauernd neu und löst sich auf 6er Leeseite auf.
Die Ursache dieser eigentümlichen Art stehender Wolken ist die lokale Hebung einer Schichtfläche durch ein der Strömung entgegenstehendes Hindernis, in diesem Falle den Gipfel des Berges, der die ßuftmaffen zum Aufsteigen zwingt und nach oben ablenkt. Sehr treffend hat daher der Marburger Physiker Ri- charz diese stehenden Wolkenformen, Hinderniswogen genannt Solche, einen sehr auffallenden Anblick gewährenden Wolken über Birggipfeln sind aus vielen Gegenden der Erde bekannt geworden. 'Berühmt ist das sogenannte Tafeltuch über dem Tafelberg bei Kapstadt, eine dichte weiße Wolke, die sich bei Südoststurm über dem Tafelberg bildet. Aehnliche merkwürdigen Wol- kenfahnen beobachtet man gelegentlich über isoliert aufragenden hohen Bergen der Alpen, z. D. dein Mutterhorn. Bekannt ist auch die weithin sichtbare Wolkenhaube des Pik von Teneriffa. Da alle diese lokalen Wolkenformen nur bei bestimmten Schichtungen der Atmosphäre sich bilden, denen im allgemeinen schlechte Witterung folgt, werden sie als gutes Anzeichen schlechter Witterung angesehen.
Reben der Stratusform, der Cumulusform und der Wogen- sorm der Wolkenbildung spielt noch ein Vorgang eine große Rolle für die Form der Wolken, dies ist die Erscheimmg der sogenannten


