zu reden und zu lachen und zu Wernen für immerdar verlernt. Wenn er so vor ihr stand und ihr zusprach mrt guten klugen Worten, so scch sie unter sich wie ein demütig Muttergottesbild und wich mit falschem Seufzer auf die Seite; war der Gemahl hingegen auf der Jagd oder, sonst ausgeritten, damit er einen Lag seinen Kummer vergesse, da sei der kalte Fisch daheim lauter Leben, lauter Scherz und lustige Bosheit gewesen. Wer sollte glauben, daß der Graf für eine solche Kreatur auch nur ein Fünklein Liebe haben können? And doch, es heißt, er hing an ihren Augen trotz einem Bräutigam. Einige meinten drum, sie Alb' es ihm im roten Wein gegeben.
Einst sah er allein auf dein Saal und hatte seinen Knaben, nicht gar ein jährig Kind, sein liebstes Gut, auf seinem Schoß und war sehr traurig, denn der Knabe war seit kurzer Zeit siech und elend worden und ah und trank nicht mehr, und wußte niemand, was ihm fehle. Tritt leise die Amme herein, ein braves Weib, und fängt zu weinen an: „Ach lieber Herr, ich habe etwas auf dem Herzen, das muß heraus und wäre mir die größte Sünde, so ich's vor Euch verschwieg. Dürft aber mich um Gottes willen nicht verraten bei der gestrengen Frau." — Der Knabe, da sie solches sprach, bewegte sich mit Angst in feines Vaters Arm, als hätte er verstanden und gewußt, wovon die Rede sei. Der Graf winkte der Wärterin, zu reden, die denn fortfuhr: „Reulich, Ihr wart eben verreist, geh' ich des Morgens, wie ich immer Pflege, nach, der Kammer zum Kind. Das hört' ich schon von weitem schrein, als hätte man's am Messer. Indem ich eintrete, Gott steh' mir bei! muß ich mit diesen meinen Augen sehn, wie die gnädige Frau den jungen Herrn, bevor sie ihm das Röcklein angezogen, glatt auf den Tisch gelegt und ihn gequält, geschlagen und gekneipt, daß es zum Erbarmen gewesen. Wie sie mein ansichtig geworden, erschrak sie fast und tat dem Söhnlein schön und kitzelt' es, daß das arm' Würmlein gelacht und geschrien untereinander. Schau, was er lacht! rief sie, ist er nicht seines Vaters Konterfei? — Ich dachte: Wohl, du armes Kind, drum muht du also leiden. — Herr, haltet's mir zu Gnaden, dah ich so frech vor Euer Edlen alles sage; glaubt aber nur, man hat wohl der Exempel mehr, dah eine Ehfrau ihres Mannes Fleisch und Bein im eigenen Kind hat angefeindet, und, mein' ich solches tut der böse Geist, dah einer Mutter Herz sich so verstellen muß und wüten wider die Frucht ihres Leibes."
echristleitung: Dr. Friede. Wilh. Lange. — Druck und Verlag der Vrühl'schen Aniv.-Buch- und vteindruckerei, R. Lange, Giehea.
So redete Judith und sah, wie ihrem Herrn ein übers andere Mal die Flammen zum Gesichte stiegen, und wie er zitterte vor Zorn. Er sagte lange nichts und starrte vor sich nieder. Jetzt stand er auf, sprach zu dem Weib: „Geh, sag dem Kaspar, daß er gleich drei Rosse fertighalten soll, den schönen Schimmel mit dem WeibersattÄ, den Rappen und sein eigen Pferd. Du selber lege dein Feierkleid an und nimm des Kindes Zeug zusammen in ein Dündlein, wir werden gleich verreisen. Mochte dich nicht, dir soll kein Haar gekrümmt werden." — Sie lief und tat, wie ihr befohlen war, derweil Herr Veit sich rüstete. Alsdann nahm er das Düblein auf und eilte nach dem Hof. Auf seinen Wink bestieg Judith ihr Pferd; es war das edelste von allen aus dem Stall. Veit nahm den Junker vor sich hin; so ritten sie zum Tor hinaus, der Knecht hinterdrein. Frau Jrmel aber sah am Erkerfenster halb versteckt dem allen zu, höchlich verwundert und erbost, und bildete sich freilich ein, was es bedeute. Sie folgte dem Zug mit höhnischen Blicken den Burgweg hinunter, und als die Rößlein dann ins obere Sicheltal einlenkten, sprach Jrmel bei sich selbst: Richtig! Jetzt geht es nach Schloß Greifemholz zur lieben gottseligen Frau Schwägerin. — So war es auch. Dort hatte der Graf seine nächsten Verwandten, bei denen er viel Trost und für den Knaben und die Wärterin die beste Aufnahme fand. Am zwölften Morgen kehrte der bedrängte Mann, um eine große Sorge leichter zu seinem Fegfeuer zurück, denn sichtbarlich gedieh das Kind fern seiner Mutter wie eine Rose an der Maiensonne. Die Gräfin fragte, wie man sich denken kann, mit keiner Silbe nach dem Junker, und beide Gatten lebten so fortan als em paar stille und höfliche Leute zusammen.
Drüber geschah's einmal, dah Löwegilt in seines Kaisers Dienst mit Kriegsvoll auswärts war sechs ganzer Monate, vom Frühling bis tief in den Herbst. Das wäre eine schöne Zeit zur Buße gewesen, Frau Gräfin! Es gibt ein altes Lied, da steht der Vers:
In Einsamkeit, In Einsamkeit, Da wächst ein Blümlein gerne, Heißt Reu und Leid...
Das war auch des Grafen sein Hoffen und Beten, wenn er manchmal bei stiller Rächt in seinem Zelte lag und semes Weibes dachte.
And als nun endlich Friede ward und Fürsten, Aitwr, Knechte, des Siegs vergnügt, nach Hause zogen, da oaw Löwegilt: Gott gebe, daß ich auch den Frieden daheim fm
(Fortsetzung folgt.)
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in ein Weibsbild zu verlieben. . ..
„Man sagt so viel von Eurem
an, nachdem sie das Essen abgetrage $ 6^ schenktet mir, M ÄMrtdÄ Md, einmal recht reinen Wein
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nachmals ist das Kleinod als ein ehrenwertes Denkzeichen de glücklichsten Ehe von einem Sohn auf den audern^ekomnwn und leüo beut' da Ihr mein väterliches Erbe als Hausfrau oeireien, veraönnt 'bah ich Euch diesen Schmuck umhangen mag. _ Ich toeifi Ihr werdet ihn mit Ehren tragen.“ — „Ich danke meinem Aerrn und gütigen Gemahl,“ antwortete die schone Frau sehr Rundlich; Sern Ihr ato irgend Zweifel habt an mir ° lei es nicht genug an meinem Wort, das Ihr in Marten-Kapelle empfangen, Mich gelobe nochmals hier, Euch als ein treues Weih zu dienen, so Gott mir nach dem Tode gnädig sm. . — So Zenite und Jrmel war vergnügt über die gel^ Kette und zeigte das Geschenk mit Freuden der Gesellschaft vor.
„Im Anfang ging alles ganz gut. Die Gräfm schrnkte ihE Mann im ersten Jahre einen Sohn. Sem Hauskreuz aber stellte sich beizeiten ein. Die Frau wurde geizig über die Mähen. Ein Sprichwort ging beim Volk, sie singe der Henne ums . Es hieß: Frau Jrmel ist nicht dumm; weil sie der^Tropfen. Oel im Lämplein dauert, läht sie die Mägde bei Mondschein sptnnen. Sonst war Gesang und Harfenspiel ihr schönster Z^drech, letzt tat sie nichts wie rechnen und ihre Leute scheren. Das Aergste dabei war, sie fing ohne Wissen Herrn Lowegllts an, wel Geld auszuleihen auf Zins an ihre Untertanen und m der Rachbar- schäft umher. Wenn nun die armen Leute nicht zu rechter Zett bezahlten, sprach sie zum Vogt: „Solang mein Mann daheim, mag ich nichts anfangen; er ist zu gut und dankt mir s wohl, wenn ich ihn mit dem Plack verschone. Jedoch das nachstemal, dah er mit Reisigen aus ist, auf einen Monat odeu Swet, da sollt Ihr sehn, wie ich mein Zornfähnlein aufs Dach stecke! Wir schicken den Presser (Steuereintreiber) herum und brauchen Gewalt; man muh dem Gauchenvolk die Frucht vom Acker tmd die Kuh von der Raufe wegnehmen.“ Zum Glück kam es nicht gar so weit. Herr Veit erfuhr die feine Wirtschaft der Frau Gräfin und wollte sich zu Tod darüber schämen; allein weil er die Dame Tausendschön im ganzen doch wie närrisch liebte, verfuhr er christlich mit ihr und legte ihr in aller Güte den säubern Handel nieder. Das nahm sie denn so hin, wohl oder übel. Wie aber hätte ihr auch nur im Traum einfallen sollen, ihr Veit konnte so gottlos sein und den verwünschten Bauern ihre, Schuld bis auf den letzten Heller schenken? Er machte das ganz in der Stille ab, und eines Tages bei Gelegenheit bekannte er's ihr frei, auf holde Art. Frau Jrmel hörte ihn nur an, verblaßte und sagte nicht ein Sterbenswort. Sie ging mit ihm denselben Dag, weil eben Ostern war, zu Volles Tische. Da mag sie wohl ihr eigen Gift hinabgegessen Haben anstatt den süßen Leib des Herrn. Von Stund an war sie wie verstockt. Es sah just aus, als hätte sie


