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fie Kehrn Nchr ttiMsnber. ihre Fslfe, Hosen. TÄHsr, Petze ans den Armen, Stiefel «n Stangen, Bettbezüge über feen Schuller«. Ganz östlich.
And neben .allem die ungeheuere finstere Erscheinung des Judentums: feie Massen in Kaftan «nd schwarzen Käppchen oder Schirmmütze, bärtig, schwarz, braun oder fuchsrot. Fast 400000 Hausen feier; im Nordwesten haben sich ihre -Zentren entwickelt. Sichtlich ein besonderes Volk, das seine Sprache spricht, sich besonders kleidet, feine Zeitungen liest, an seinen Sitten festhält.
Mess Statt, Warschau, die durch ihre BunGett größer WirTt, als manche Millionenstadt, hat jetzt an ihre alten und neuen Gebäude alle zentralen Behörden der Republik gezogen. Der Generalstab haust vor feem schönen Sächsischen Garten, der mit barocken Figuren bestellt ist, in einem zweiteiligen Palais, das mit einer mächtigen Säulenreihe prunkt. Der Reichstag. Sejm, ist provisorisch, etwa am Ende feer „Reuen Welt", in einem ehemaligen russischen Tochterinternat untergebracht; das angrenzende Mertel von feer Allee des 3. Mai wird neu reguliert und wird einen Par? und das Reichstagsgebäude erhalten. Im Süden feer Stadt, bei beut Lnstschlotz Lasienka, wohnt, vorläufig, der Staatspräsident; er wird später in das alte, sv überaus feine Schloß übersiedeln. Man hat eine Universität, mit Bibliothek davor, an der „Krakauer- Vorstadt", Museen werden neu -eingerichtet (das Land hat noch nicht alle seine Kunstschätze von R.nf-land zurückerhälten).
Die Theater, die Kunst und die Literatur. In Warschau sitzt feie jungen literarische Gruppe, feie sich — ich weiß nicht warum — „Skamander" nennt, Junge, talentierte Leute, keine Expressionisten. Gegner formaler Radikalität, inhaltlich radikal; besoffen sich nicht, wie feie älteren, mit feem Nationalen, sondern mit dem Leben, der Straße, der Frau, den Tagesdingen: Lachen, Tuwinn, Slvninski, Wierzinski — Lyriker und Erzähler.
Theater, Ein modernes, unter SHiffmann, mit Ordynski, nahe feem Kopemikus-Denftnal: „Polnisches Theater". Ich sah Rollands „Danton"; der Gerichtsakt übertraf in Realistik, Belebung feer Massen i keine Komparserie) feie Berliner Ausführung Mae Volksbühne, in feer man eine Lvkalposfe gab. Und dann das neueröffnete Theater am großen Theaterplatz; das Welte das Slvwackis „Mazapa", mit wundervoller Aus- stattung. Bilder tote von Matejkv — vielleicht nicht im Geist, dieser fchwärmerffch feinen Dichtung.
Das Doll Ehopins genießt in Warschau Musik in feen Don- nevKtagkonzert.en feer Philharmonie. Ich hörte den Pianisten REnstokr; sie lieben ihren Landsmann; tote wurde er gefeiert.
An feer herrlichen untoirTichen Weichsel richtet feer Maler Tschaikowsky eine Aunstaksfeemie nach sehr modernen, umfassenden Grundsätzen ein. Großer Prozentsatz von Stauen Hier und cm der Universität. Repräsentative, polnische Maler sah ich »richt, die MÄeumsverwaltung steht mit den jungen Malern in Kon- flM. — Ich sah -einen Neubau „NuMlium acafeemicum". Das Land ist arm, aber jung und kräftig.
Drs FlibustkSr.
Eine Erzählung von feer Küste Brasiliens. Don Dr. Alfred Funke.
(Fortsetzung.)
M.
'S» feer Hafenstadt Rio feo Bug re summte eS wie in einem MenMWock, feer fchwärnren will. Sonst war feer Platz friedlich und verträumt, wenn nicht gerade ein Hamburger Schiff oder ein Pvstdampfer von Rio Wer feie Barre kam. Dort lagen feie Sand- HSnke, Ne feie MÄfährt schwer und gefährlich machten. Früher war Mancher Segler auf ihnen wiackgeschlagen worden. Jetzt taten feie Kapitäne der deutschen Schlepper dort Lotsendienst. Sie i’annten das gefährliche Fahrwasser genau, sie loteten nach jedem Sturm feie Fahrrinne ab, um zu sehen, »6 feie Bänke gewandert feien. Dann galt t* •*). feie nerrgsvUene Rimre mit Baken und Bojen W bezeichnen, damit jeder Schlepper feen sicheren imfe richtigen Kurs steuern konnte. Freilich, man baggerte schon feit zwanzig Jahren an feer Barre herum, aber feie Darre wurde deshalb nicht besser.
„3a,“ lachte der Hafenkapitän, wenn er sein Gläschen Wer- mM im Gase Europa trank unfe.mil feem Hafenarzt sein Spielchen Domino machte, „mit feer Baggerarbett geht das wie mit jenem Nrozeß. feen feer Advokat feinem Sohne auf feem Sterbebette vermachte, Meta Sohn, sagte -der Advokat, ich vermache dir diesen Prozeß, feen schon mein Vater entfetten muhte. Wenn du nicht gar zu dumm bist, so wirst feu und werden deine Kinder ebenfalls anständig von ihm leben."
■Seit einigen Wochen spielte der Hafenkapitän aber nicht mehr mit feem Arzt, denn dieser hielt es mit feen Leuten in Mo. feie feen Floitenputsch gemacht hatten. Der Kapitän ober blieb einstweilen feer Regierung treu. Die hatte zwei Kanonenboote im Hafen von Rio feo Bugre liegen, und feer Kapitän warnte feinen alten Dominopartner eindringlich: „Vehnten Sie sich in acht, Dostor, daß Ihnen feie Kriegskühne nicht ein Dutzend Gra
naten ins Sprechzimmer Pfeffern! Patientsu würden, dabei freilich wohl kaum zu Schaden kommen."
Diese Anzüglichkeit brachte feen Hafenarzt in feie Wolfe, unfe er machte feinem Herzen Luft: „Granaten, sagen Sie? Die beiden alten Rattenkästen liegen schon feit anno Tobak Hier, und toettn die einen -einzigen scharfen Schuß abfeuern, will ich täglich Sägespäne statt Farinha zu den schwarzen Bohnen essen. Die und schießen? Wenn die mal an Feiertagen Salut donnern, knistern sie in allen Fugen, und die Mannschaft geht solange aiH Land. Nur die paar Leute am Geschütz bleiben an Bord, aber sie binden dann die Rettungsgürtel um. Lassen Sie mal ein einziges Kanonenboot von meiner Partei hereindampfen, da sollen Sie sehen, wie das feie alten Pötte zusammenpfeffertl Und ich sage Ihnen, meine Leute werden hereinkommen!"
Damit war feer Friede zwischen den beiden Freunden gebrochen. Der Kapitän lachte zwar über den Doktor, und die beiden Kommandanten der Kanonenboote schwuren, sie wollten sämtliche Rahen mit ausgeknüpften Revolutionären garnieren. Der General Jsidorv Monteiro hielt eine glänzende Parade über die zwei Bataillone Infanterie und das Artillerie-Regiment, die ratet ihm in Rio do Bugre int Standort lagen. Er hielt eine zündende Ansprache und versicherte, seine Artillerie werde jeden Räuberkahn vom Strand aus in Stücke schießen, daß nicht eine Spiere von ihm auf feem Wasser bleiben solle. Dann rief er die Nationalgarde zu den Waffen und erließ ein flammendes Manifest an die
vom Ortsdienst!"
unbedingt eine Runde ausgeben, Franz.
Bürgerschaft.
Die Nativnalgarde quetschte sich also die Uniform an, unc> mancher brave Bürger, der in den Jahren des Friedens Fett angesetzt hatte, staunte, wie eng ihm der Waffenrock geworden war. Aber dem Bäcker Francke machte es doch Spatz, daß er den Hauptmann der Nativnalgarde spielen konnte, denn diesen Rang hatte er sich vor Jahren gesichert. Er schnallte also fein Schlachtschwert um, setzte das Käppi mit den goldenen Streifen auf unb trug die Nase gewaltig hoch, als er bei seinem deutschen Landsmann, dem Schneider Stichler, vvrbeikam, der es nur bis zum Cabo'tz gebracht hatte.
„He. Franz!" rief feer Schneider seinen Freund und Skatbruder an. „Wo brennt es. daß du rennst tote ein Telegraphenbote? Der bunte Rock ist dir zu eng. Du magst ihn herschicken, daß ich die Nähte ein bißchen auslasse."
Aber Hauptmann Franke schnauzte den simplen Eabv Stichler mörderisch an: „Reißen Sie die Hacken zusammen, wenn Sie mit Ihrem Vorgesetzten sprechen! Verstanden?"
Doch Hochmut kam auch hier vor feem Fall. Denn Herr Hauptmann Franke stolperte über feinen Säbel, der ihm zwischen die Beine geriet, als er feavonging. schlug lang in den Sand, in feem sich auch eine kleine Pfütze befand, und war froh, daß ihn der Schneider abwischte tmd den Waffen rock sauber rieb. Meister Stichler lackte dabei gutmütig: „Das kommt davon, wenn man mit der Aale Sterne stechen will. Hernach schlägt man lang in den Dreck. Na, nun bist du wieder proper."
Hauptmann Franke trollte bedeutend abgrkühlt weiter. Durch die Nun Bcmdeira kam er auf die Pr-aea da Republica, wo die Sonne vom wolkenlosen Himmel ans die Wände der Alfandega^) brannte. Auch dort war Nativnalgarde zur Bewachung kommandiert. Der Italiener Garbini, sonst ein friedlicher Uhrmacher, und der Tischler Weigelt, ein biederer Schwabe, standen als Posten vor Gewehr. Sie hatten sich die Schattenseite ausgesucht, den Waffenrock aufgeknöpft, die Gewehre an die Wand gelehnt und das Käppi auf den Lauf gehängt. Hauptmann Franke hatte auf eine schneidige Ehrenbezeigung gerechnet, aber die beiden Posten standen mit den Händen in den Hosentaschen tmd Weigelt meinte gemütlich: „Eine Sauhitze heute, Franke, was? Könntest mal hinübergehen zu Gastwirt Kneifer und uns einen Schoppen herschicken "
Hauptmann Franke winkte ab. „Im Dienst wird fein Bier getrunken!"
„Na, Franke, habe dich nicht! So ein Kulmbacher vom Faß ist eine gute Sache. Und wenn du nicht zwei Schoppen herüber- schickst, habe ich mein letztes Weißbrot bei dir gekauft."
Hauptmann Franke aber tat, als höre er nicht, sondern ging ins Generalkommando zum General Jsidorv, feer ihn zum Offi- zier vom Ortsdienft für den Taz bestimmte. Als Hauptmann Franke darauf die Posten revidierte, fand er an der Wand des Zollhauses zwei verlassene Gewehre an feer Wand. Ohne die Käppis.
Erbost eilte der Hauptmann über feie Straße zu Gastwirt Kneifer. Richtig! Da sahen der Italiener und Weigelt gemütlich am runden Tisch und hoben bereits den dritten Schoppen.
„Das ist doch unerhört, Weigelt!" donnerte der Hauptmann.
Doch Weigelt lachte ihm gemütlich ins Gesicht: „Mach doch feinen KM. Franz!"
.Ich bin Offizier .Dafür mußt du
(Fortsetzung folgt.)
*) Unteroffizier.
•*) Zollhaus.
Bchriftfeitung: Dr. Friede Wilh. Lange. — Druck und Verlag der Drühl'fchen Univ.-Buch- und Steindrnckerei, R. Lanae, Gießen.


