Ausgabe 
12.12.1925
 
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Lehnstuhl gleiten lieh, kam er auf KatzenbergerS Badereise ;u sitzen und hielt (äs erstbestes Buch, wonach er griff, de« Quintus Fixlein, in der Hand. Er hatte nicht Zett, seinen Irrtum zu verbessern, denn eben trat Mattheineke ein. Da zwischen beide« ein stiller Wetteifer darin bestand, wer der erste in der Dibtto» tfceE wäre, so muhte Feuerbach schon beschäftigt erscheinen. Ein kurzer Morgengrutz, und auch Marheineke, hinter dem Kollegen gleichfalls tot einen Lehnstuhl versinkend, gewahrte, dah er Sean Daul vor und unter sich habe. Da er an Feuerbach nicht vor- Über wollte, um zu den Schränken zu gelangen, so blätterte er gähnend in der Levana weiter. .

Eigentlich hat ja das jus mit der The^ogte wMig zu schassen, hier aber tarn noch hinzu, dah seit dem Kusse der Chaste- Hot die beiden Veteranen der Liebe ordentlich eifersüchtig aus­einander waren.

Feuerbach seufzte dah Marheinekes Stuhl knackte.

Schlecht geträumt, Herr PräsidAtt?^

Danke, ton Gegenteil, noch ganz habet. Und Sie, .gerr -Kat r Jedenfalls nicht von Küssen," klang eS gtfttg Hutter der .^Natürlich nicht. 3n Ihrem Alter? Haha!" 3e$t knackten Heide Stühle uiS zwei erhitzte Köpfe tauchten Über den Lehnst auf.

.Herr Präsident!"Herr Konsistörialrat?"

.Sie meinen?"

..Daß Sie die Fünfzig hinter sich Sahen.

Ganz recht. Aber meiner unmaßgeblichen Ansicht nach wird man mit sünfundvierzig Jahren auch nur geküßt, wenn man eine Binde vor den Augen hat." , -

Dun ging eine Tür. die Lugen Köpfe verschwanden, wieder hinter ihrem Jean Paul, nur daß jetzt Fixlem und Levana am Boden tagen und die Badereise und der Tttan Mdwrt wurden, die die beiden Herren bisher besessen hatten. Lächelnd, seiderauschend, korallenübersäet, ganz gemachte Jugend strcnfte die Chassepot vorüber. Sie war noch immer nicht abgeretst, hatte vielmehr wieder einmal wie ihre verehrten Verehrer einen Lag * 6 ^Lassen sich die Herren nicht stören. Ich warte Wt nur einen Augenblick auf unsere liebe Baronm. 2a, wissen Ä.e mch nichts? Die Tür da führt zu den Gemach-rn^r Prtn^sstnDte Baronin will mich als Zeugin brauchen, tnetfeW auch Sie. Ven^ bleiben Sie! Ich möchte um tzinen Preis die D^welt^um Ihre Studien, meine Herren, beraubt tmssen. UlpiM, H^ Präscheitt?

Dat natürlich", stotterte dieser und versank tot seine ße$t^®ie Offenbarung. Herr Dat?" Assetttett neigte ste sich zu ihm und fuhr mit einem Schrei zurück: . ..

.Jean Paul! O ja, auch eim- Offenbarung,

Offenbarung. 3a, was seh ich? Sean Paul, überall 3ean Paul!

.Immer dieser Sean Paul!" grünste MarheinÄe midschl«^ bette den Titan über den Tisch woraus M^Fm°erbachs Fing«a der Fixlein im Bogen folgte, währendderKatzEnbergrr aufs Parkett flog. Mit Mühe wurde bte entrastete Grafm über den wahren Sachverhalt belehrt und erSärte nun die D^oration für eine lächerliche Anmaßung Jean Pauls oder des Doktors. »Still, die Baronin", brach fie plötzlich ab.

Feierlich ccks ginge es zum Totenfest tot die Kirche, rauschte die Steinberg vorbei mit einer Schleppe, bte ganz gut ^«1^ manteau de cour gelten konnte Die Dräftn flog ihrentM^n und hätte ihr vor lauter Rührung beinahe den eben konfiszierten Jeair Paul tat die Hand gedrückt.

Schütze Sie Gott," hauchte sie am Halse der Steuern. 3n dies^AdnMck der Weihe fönte mt8 dem letzten WtackÄ chn Schnarchen, das die Baronm einfach zum Petrefakt erstarren machteRichttg, da lag ihr Otto auSgestreckt tm Fauteuil, Sean Pauls Hefperus in der herabhängenden Rechten.

Otto, mon ange, so erwartest du dein Glückt'

Der tmfelige Dräuttgam reckte sich »rnd gähnte - -Pachott Mama, ich wartete. Sie kamen nicht. Da nahm ich Sean Paul vor und nickte darüber ein." , _

Sehr begreiflich", entschuldigte Feuerbach mit Verve. 'OKomo, ich langweile mich, furchtbar. .

Kind, Kind, was für Redensarten! Und wie siehst buauÄl So kannst du nicht zur Prinzeflin. Geh in den Garten, wasche deine Augen mit Tau." __

.Aber Mama, ich habe mich schon gewaschen.

.Dimm deine Gitarre mit, versetze bid) In ©tunmung Auf Sttmmung kommt es hier an. Dicht wahr, linste Fr«mdm^

.Und eine Rose tm Knopfloch. Die Rose nicht zu verges et, schäkerte die Grästn mit Smilla Galotti.

Meinetwegen." . , . ~

Geh, Kind, gch. Suche Schäfergedarcken im Pate 2ch schaM dir unterdessen bte Schäferin. Wo denn da hinaus?

Tin den Hof!"

^HMier^füttem, Mama. Die weihe Glucke hat KemchsT "^Ae^Ehassepot errötete, Marheineke bih

und sah Feuerbach nicht an. Keiires Wortes fähig, «rschwamd die tief erregte Mama hinter der hohen Mahagointür.Ss dauerte nicht lange, so öffnete diese sich wieder für d« Gräfin und ihre GÄane.

Don Schamröte übergossen, senkte ste betroffen bte Wimpern: ter Mann schien tiefer zu sehen, als die anderen alte .Aber bte atoeite Jugend", fuhr er warnend fort, .die, Fräulein Rita, hat auch ihr Anrecht an Glückseligkeit, wenn sie auch sachte zur Prosa hinübersührt. Was bleibt ihr. wenn die erste sich selbst wie ein Feuettverk zerstört? Und darum, darum durfte Sean Paul Sie eidyt Einen

,®r durfte nicht? Wenn nicht er selbst, wer hätte es ihm bet&oten T*

»Dazu wurde unter »oberen ich berufen, um mit ä* toben, behauptete Dinzer sehr beftimmt .Ich stand hinter Wnen ®r durfte nicht. Und die Locke sollen Sie auch nicht haben.

.Verbieten Sie auch das?" fragte sie bitter.

Das verbietet sich von selbst. So eine Locke ist ein gefähr­lich Spielding unb Sean Paul ist ehrlich"

Sr wird, er soll, er mufft brach sie ungestüm los und merkte nicht, dah dieser allerliebste Trotz etwas stark mit ihrer bisherigen Rtedergeschlagenheit disharmonierte. An diese Locke Hämmerte ste sich mit all ihrem überhasteten Fühlen, sie sollte ihr ein schönes Denkmal auf einem lieben Grabe sein. .Schaffen Vie mir den Beweis, Herr Doktor, dah Sean Paul unredlich denkt! Rein, Ich will nicht... Zerstören Sie nicht, waS mir bisher heilig war." . .

Also wollen Ste durchaus unglücklich fein r

Sie richtete sich stolz auf: .Die Frage kommt Ihnen niqn M. Verzeihen Sie... Aber was für ein Recht hätten Sie... t

Das Recht der Freundschaft, fiel er treuherzig ein.Sie, Baronesse, haben es mir eingeräumt und ich bin sehr eifersüchtig, will'S mit niemand teilen, auch nicht mit Sean Paul. @8 täme also auf enteil kleinen Kontrakt an. Die Locke soll entscheiden.

.Sr wird, er kann nicht anders", flüsterte sie erregt .Gut. Herr Doktor, es bleibt dabet Habe ich die Locke nicht, so sollen Vie recht haben mit Ihrer zweitem Sagend. Dann fragen Sie wieder an.

.Sehr wohl, Baronesse, bte Antwort hole ich mir bestimmt Zweite Jugend ist geduldig, ich kann warten."

Für heute entschuldigen Vie mich Wohl, ich möchte altem

Gr lüftete den Hut, fie nickte stolz wie eine Fürstin, die ihren Rat beurlaubt und verschwand hinter dem nächsten Boskett.

Gemächlich schlenderte er den Deich entlang, sprang tnS Boot unb lieh sich, nachdem er die Ruder eingezogen, dahin- treiben. Er streckte sich aus und starrte sein Bild im Wasser an. Gar nicht so häßlich dachte er. und wunderte sich eigentllch dah die Beine Rita nicht schon neben ihm sah. Zu dem Binzer tm Wasser aber sprach er: .Bist ein Narr, Bruder, mit deiner Eifersucht. Auf Sean Paul kannst du dich verlassen. Macht er «S mtt seinem goldenen Herzen etwas zu gut wir reparieren es und machen'« bester. Bist ein Start gewesen trotz deines Doktor» dipioms." DumS, faß er tm Schilf fest und bte Binsen nickten zu seinen letzten Worten.

VIU.

Ob der Sonnenschein den Baron oder dieser bett Sonnenschein gebracht hatte, war unentschieden. Scktenfall» warm beide da. wchelnd, strahlend unb schienen voraussichtlich recht lange bleiben zu wollen. Rein waren sie gegangen, rein gekommen. Der Baron hatte eine Flut von guten Vorsätzen in den mütterlichen Schoß geschüttet und verlangte stürmisch zu heiraten. Snfolgedessen legte bte Mama Migräne unb Salbentöpfchen beiseite unb rüstete ihr Feierkleib zur Audienz bei der Prinzessin.

Weniger sonnig war der Graf. Er hatte gehofft, den Pansch fertig zu finden. Und nun? Run steckte er Jean Paul unter vier Augen zu, daß er ein Gänschen zur Cousine habe, und Dora vertraute er, daß alle Dichter eigentlich zu den Dickhäutern ge­hörten. Sn welche Klasse deS Tierreichs Dinzer hinein sollte, erficht niemand. Rut als dieser ihm vertraute, daß eS ihm kaum bester gehen könne als jetzt lleß stch Detter Peter zu derBe­merkung hinreißen, kein Wunder, Aftweibetsommet sei da.

Schockschwerenot", wetterte er gegen Sean Paul, .habe ich darum so gebummelt um hier saure Kirschen vorzusinden? Sn Zwenkau schäkerte ich mit drei häßlichen Schulzentöchtern der Reihe nach in Pegau saß ich ton Loch wegen eines nächtllchen Radaus, grasgrüne Aepfel ich in Kayna, um nur krank zu werden. .Unb dabei immer dies unausgegorene Milchgescht neben mir, daß einem das Dier noch vor den Lippen sauer wurde! Väterchen, nächstens schicke ich Sie auf Reisen." Aufgeräumt er­widerte Sean Paul, er werde das selbst besorgen, berat et habe wirklich Sehnsucht nach seiner Karoline. Der Graf riß die Augen auf:Hören Sie. mein Bester, mir fehlt der parlamentarische Ausdruck dafür. Wenn Sie nur Ihre Karoline haben, andere können zusehen, wie sie zu einer solchen kommen. Und unser Pansch?"Der französische Senf, und er ist fertig."

Dem Manne kann nicht geholfen werden, brummte der Graf unb ging seiner Wege. Um stch im Arrger zu üben, schien er ganz Löbichau umkehren zu wollen. Sm Hofe zauste er den Stall­jungen, mit dem Förster zankte er im Walde: im Ahnensaal bängte er bte Bildet um, so dah Urvater unb Urmutter sich nun mit bem Rücken ansahen. Sn bet Bibliothek verteilte er Sean Pauls Werke auf alle Stühle unb Tische, al» sollte matt in Löbichau nichts andere» lesen.

Letztere» wirkte in der Tat Denn als Feuerbach zu gewohnter Morgenstunde den Saal aufluchte und sich zerstreut tu einen