Ausgabe 
12.5.1925
 
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mH Blume» und Laubwerk geziert waren! diese begrüßten alle mit lautem Jubel das Schiff, auf welchem König Goldener stand. Cr stand, die Helle Krone auf dem Haupte, am Vorderteile des Schafes und sah ruhig der Sonne zu, wie sie im Meere erlosch.

Geisteswissenschaft führen. So bildet sich aus seiner Weltanschau­ung der Freiheiten die Anthroposophie heraus. In den Krisen der Theosophischen Gesellschaft fand Rudolf Steiner eche GrIp« von Menschen, die von den Resultaten und Wegen seiner geistigen Forschung hören wollten. Er schrieb seine grundlegenden anthro- posophischen Bucher: Theosophie 1904. Wie erlangt matt Erkenntnisse der höheren Welten 1905, Geheimwissenschaft 1910 diesen versucht er zu zeigen, daß es den Menschen möglich ist durch Entwicklung eines übersinnlichen Bewußtseins zum kon- kreten Erleben der geistigen Welt vorzuschreiten.

Obwohl Rudolf Steiner von seiner frühesten Jugend an der geistigen Welt anschauend gegenüberstand, sprach er doch jaWitte lang von seinen Erlebnissen auf diesem Gebiet« nicht. Er war immer so eingestellt, daß er das, was er sagte, davon abhängig machte, ob es in einer richtigen Weise von den- lenigen aufgenommen werden konnte, zu denen er sprach. So durchlebte er mehr die Ideenwelt der anderen, als daß er über ß- eigenen Schauungen hätte sich äußern können. Von dieser Einstellung gibt ein beredtes Zeugnis, was er selbst in seinem Lebensgangs" ausführt.

Von unendlicher Wichtigkeit war für Rudolf Steiner die Be­gegnung mit Marie von Sievers, (später Frau Marie Sterner), die gerade für dasjenige Verständnis hatte, was er Mr rm Innersten verschließen mußte. Sie war durch und durch Künstlerin. And da die Kunsteine Offenbarerin geheimer Naturgesetze ist, tote Goethe sagt, so konnte gerade durch das Zusammenarbeiten mit Marie von Sievers manches von dem sich offenbaren, was ohne die Kunst eine Ausdrucksmöglichkeit damals noch nicht gefunden hätte. Daraus entstand die eu° rhythmische Kunst, der wiederum zugrunde liegt eine besondere Art der Rezitation und Deklamation, die Rudolf Steiner zusammen mit Marie von Sievers ausgebildet hat Im, Zusammenhang mit diesen Bestrebungen schrieb Rudolf Stemer mehrere Dramen, in denen in bildhafter Weise Geist- Erschautes Largestellt wird, so daß sonst verborgene Schicksals- zufammenhange sich in der Sprache der Kunst offenbaren. Gerade die Ausgestaltung des Künstlerischen nach der dramatischen Seite hin erforderte den Bau eines eigenen Hauses, dessen baukünst- lertsche Formen dem angepaßt sein mußten, was in Rede, eurhhthmischer Darstellung oder Rezitation aus dem Geiste der anthroposophischen Bewegung heraus sich allmählich ausgestaltete. Dies führte zu dem Gedanken, in einem eigenen Stile ein Haus bauen, welches das Zentrum der anthroposophischen Gesell- sch.ast sein sollte. So entstand das Goeth eanum in Dörnach bei Basel, das vor dem Kriege begonnen wurde, während des Krieges von Angehörigen von 17 Nationen in treuer Eintracht gemeinschaftlich weitergebaut wurde und vielleicht den größten Holzkunstbau darstellte, der in der heutigen Zeit äusgeführt worden ist. Bekanntlich fiel dieser Vau in der Shlvesternacht 1922 bis 1923 einem Brande zum Opfer.

Gerade das deutsche Geistesleben, und besonders jene bedeutende Epoche der Entwicklung des deutschen Geistes zur <5eu Goethes hat wenige so begeisterte Vertreter gefunden tote Ludolf Steiner. In seinem BucheVom Menschenrätsel" hat er bedeutende Schilderungen der großen deutschen Denker Fichte, Schelling und Hegel und vieler anderer geliefert. Auch Jean r J! Pn$ ^hlands Werke hat er herausgegeben. Auch während » sich dieses Verständnis für die Eigenart des

deutschen Wesens an dem damals geschriebenen Buche Ge­danken wahrend des Krieges für Deutsche und solche, die nicht glauben, sie hassen zu müssen".

. ®j.e, ?reigliederun.gsbewegung entstand nicht eigentlich durch seine Jmtiative, sondern durch die Initiative einiger im praktischen Leben stehender Persönlichkeiten, die sich nach dem Ende des Krieges um Rat an ihn wandten. Ebenso war es Bet der Begründung der Wirtschaftsunternehmungen des Kommenden Tages. Aus eigener Initiative Politik machen zu wollen oder wirtschaftliche Unternehmungen zu begründen, lag Stemer ganz fern, doch hielt er sich für verpflichtet, niemandem einen -Rat vorzuenthalten, den er zu geben imstande war. In seinem Buche Die Kernpunkte der sozialen Frage 1918". hat er aber tn großen Zügen in einer völlig neuen Weise die Pro­bleme des sozialen Lebens behandelt.

Wie auf so vielen anderen Gebieten, so trat auch aus dem Kreise der Theologen eine Gruppe von Menschen an Rudolf Stemer heran mit der Bitte, ihnen dasjenige zu vermitteln, was sie aus etgensten Impulsen für eine Erneuerung des reli­giösen Lebens für notwendig hielten. Daraus ging die Bewegung der religiösen Erneuerung, deren Führer Lic. Dr. Friedrich Rittelmeher ist, hervor.

. , ^?^re 1909 trat Herr Emil Molt, der Leiter der Wal-

dorf-Astorra-Ztgaretten- Fabrik, an Rudolf Steiner mit der Ditte heran, ob er die pädagogische Leitung einer für die Kinder der UnÖ'J?ngeMhen der Waldorf-Astoria-Zigaretten- öaBnt errichtenden Schule übernehmen wolle. Dies wurde ^eranlassuitg in mehrwöchentlichen pädagogischen Kursen, welche er den Lehrern hielt, die in der Schule wirken J1 ben verschiedensten Gegenden zusammengekommen Ä f?n® auf anthroposophischer Grundlage ausgearbeitete Menschenkunde zu entwickeln. So entstanden die Grundlagen ueuen Pädagogik, der Lehrplan und die ganze Ein- Ltung der äreien Waldorfschule. Eine große Schul- vewegung ist heute daraus geworden. And viele Lehrer verehren

Rudolf Steiner.

Von anthroposophischer Seite werden wir um Veröffentlichung folgenden Nachrufes von Dr. Walter Johannes Stein gebeten:

Mit Rudolf Steiner, dem Führer der anthroposophischen Bewegung verliert das deutsche Geistesleben eine seiner mar­kantesten Persönlichkeiten. Er hatte das Schicksal, mit fast allen bedeutenden Menschen seiner Zeit in Berührung zu kommen. Dies wird an seinem von ihm selbst so anschaulich geschilderten Lebensgange offenbar, den er in der ZeitschriftDas Goethe- anunt in vielen Fortsetzungen erscheinen lieh und an dem er toeiterschrieb bis wenige Tage vor seinem Tode. In dieser Autobiographie kommt eine große Selbstlosigkeit seines Wesens zum Ausdruck; denn indem er von seinem Leben spricht, wird sein Lebensgang zu einer Aeberschau über die ganze Kultur seiner Zeit.

Er ist am 27. Februar 1861 in Kraljevic in einem Grenz- dvrfe zwischen Oesterreich und Ungarn geboren. Er stammt aus einer niederösterreichischen Dauernfamilte und sein Vater war ein kleiner österreichischer Eisenbahnbeamter. Schon seine ersten Knabeneindrücke führten ihn mitten in das moderne Leben, wie es sich auf der Eisenbahnstation abspielte, auf der sein Vater Dienst machte. Er absolvierte Bann die Realschule in Wiener Neustadt und studierte an der Technischen Hochschule in Wien. So kam es, daß aus dem Knaben, der so innig 'mit der Natur verbunden war, und dem schon damals jeder Daum, jeder Stein geistige Geheimnisse zuraunten, ein Mann wurde, der Sinn und Fähigkeit hatte für das praktische Leben. An der Wiener Technik lehrte damals der durch seinen Faustkommentar und die Wieder­entdeckung der Oberuferer Deutschen Weihnachtsspiele bekannte Professor der deutschen Literatur, Karl Julius Schröer. Dieser faßte zu dem jungen Manne eine herzliche Zuneigung und über­trug ihm die Herattsgabe und Bearbeitung von Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften in Kürschners deutscher National-Literatur. Damit hatte sich ein wichtiges Schicksal in Rudolf Steiners Leben angebahnt.

Wenn Rudolf Steiner in späteren Zeiten von den Menschen sprach, die seine Lehrer gewesen find, so tat er es immer mit herzlichster Liebe. So sprach er von Schröer und auch von dem mit Unrecht fast vergessenen sympathischen Philosophen Vinzenz Knauer, dessen aristotelisch-thomistische Psychologie und sonstiges philosophisches Wirken auf Rudolf Steiner den größten Ein­druck machten.

Hier liegen wichtige Anregungen für sein philosophisches Denken, das in dem WerkePhilosophie der Freiheit" (1894) gipfelt. In seinerPhilosophie der Freiheit" verband er, aristotelischen Wirklichkeitssinn und deutschen Idealis­mus, tote ihn Johann Gottlieb Fichte offenbart. Seine Goethe- schriften, deren Äedeutung Schröer so schön in seiner Vorrede zu denselben hervorhebt, verschafften ihm den Ruf an das Wei­marer Goethe-Archiv, wo er mit der Herausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften Goethes für die Sophienausgabe . betraut wurde. Dort wirkte er über sechs Jahre. In dem Werke G o e t h e s W e l t a n s ch a u u n g" brachte er 1897 seine Goeihe- arBetten zu einem vorläufigen Abschluß. Inzwischen hatte er 1891 an der Universität Rostock über das ThemaDie Aus- etnandersehung des philosophischen Bewußtseins mit sich selbst" d^sertlert, welche Arbeit 1892 unter dem TitelWahrheit und Wissenschaft" erschien.

Vom Jahre 1897 an war er durch drei Jahre Schriftleiter p®3Magazins für Literatur" zusammen mit Otto Erich Hart- leben Mit großer Sicherheit des Urteils und seinem Sinn für fremoe Werte und Weltanschauung weist er dort auf jede bedeut- üwrarische !$rf^einung urtö charakterisiert mit Liebe und Verständnis jeBe Persönlichkeit, die er zu der Gemeinde der- lenigen zahlt, die damals moderne Geistesfreiheit anstrebten.

er auch zu Nietzsches Persönlichkeit den Weg des liebevollen Verständnisses gefunden hat, zeigt sein BuchNietzsche v« Ä x!eme d" (1894). Während Nietzsche an m°&ecten , Agnostizismus zugrunde ging, trat in Haeckel eine.Persönlichkeit entgegen, welche die '"x ?, Naturanschauung bis zur äußersten Konsequenz, wenn fitote ri^Qfe"tler-e und vertrat. DessenMonismus"

hatte er schon 1893 in einem VortrageEinheitliche Ratur- anfchauung und Erkenntntegrenzen" einengeistgemäßen Monis- mug gegenubergestellt. Er wollte die geistige Welt die ibrn P leh« anschaulich gegeben war, ebenso konkret behandelt 2^. Haeckel tn genialer Weise die Naturformen, jedoch mit Beschränkung auf diese, behandelte. >

t m ®Soi^ T5 SteinersLebensgang" zu ersehen, daß zu der­selben Zett der Jahrhundertwende, in der Haeckel an ihn heran- trat, in seiner Seele der Keim zu dem BucheDas Christen-

S V st'sch eLatsach e" entstand, das im Jahre 1902 9t' ^uch bildet die Grundlage der Christologie Rudo f Steiners. Don der Naturwissenschaft, die er in ihren bedeutenden Vertretern wie Haeckel voll anerkennt, will er zur