Ausgabe 
11.8.1925
 
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ich gehörte zu denen, die nur begrüßt, nicht angesprochen wurden. Die Kaiserin strahlte von Brillanten und ihre feurigen Augen verdunkelten die Reizlosigkeit ihrer welken Züge. Auch der Kaiser hat mit mir nicht gesprochen, er hat überhaupt nur wenig ge­sagt, z. B. daß er mit mehreren Beschlüssen des Reichstags sehr zufrieden fei, hat er einem Abgeordneten mitgeteilt, der nie ein Wort im Reichstag gesprochen und dem Abg. Welker hat er als Aeuigkeit gemeldet, daß unser Großherzog einen Schwindel- anfall gehabt habe, der aber rasch vorübergegangen sei. Die ganze Vorstellung dauerte höchstens fünf Minuten, es waren nur etwa 40 Abgeordnete der Rationalliberalen und Freikonser­vativen Partei zugegen. Darauf ging der Weg durch em halbes Dutzend brillanter Säle, worunter namentlich derRittersaal" fesselte, nach dem Weißen Saal, wo ein großes Hofkonzert statt­finden sollte. 3m Rittersaal sind die Wände mit Gold und Silber geradezu tapeziert. An einer Wand sind riesige Dafelservice aus gediegenem Gold befestigt, die mit ein paar Hundert Stearin- kerzen davor einen feenhaften Anblick gewähren. Die ganze Reih e der Säle heißt Bildergalerie, denn die Wände find bedeckt mit ausgezeichneten Oelgemälden, welche Bilder der Kurfürsten von Brandenburg und der Könige von Preußen enthalten. Gins der schönsten stellt in Lleberlebendgröhe die Königin Luise dar, ein wahres Ideal weiblicher Schönheit. Unter den neuesten sind be­rühmt die Reiterbilder von Kamphausen, der große Kurfürst, Fredrich der Große, Kaiser Wilhelm. Dem Konzert hörten wir von der Tribüne des Weihen Saales aus zu. -Unten im Saale selbst war der ganze Hof mit Generälen, Ministern, Botschaftern nebst Familien versammelt. 3n der Mitte die kaiserliche Familie, vor ihr die Schleppen der Damen, von den Pagen zu einer Art buntem Teppich arrangiert; zwischen den Damen Kaiser, Kron­prinz, Prinz Karl. Gegenüber Aristarchr Deh, Graf Carolh, Gontant-Biron usw. Beim Konzert wirkten die ersten Kräfte der Oper mit: Frau Mallinger, Betz, Riemann, Frau Boggen- huber. Lbnposant sang Betz, der ausgezeichnete Bassist, den wir in Wien gehört haben; schlecht sang Riemann, der anfängt, ge­waltig einzupacken. i

(Fortsetzung folgt.) 1

Sommerliches Leid.

Don Dr. med. E. Mvsbacher. '

Wahrlich, viele herrliche Stunden bringt uns ein schöner, fonnenreicher Sommer mit sich; aberwo Licht ist, ist auch Schalten", sagt ein altes Sprichwort, das jedoch leider nacht ganz auf die heiße Jahreszeit zutrifst; denn wenn dies stets der Fall wäre, so würden wir nicht alljährlich in den Monaten Juli und August bei unvernünftigen Leuten, die den unbedeckten Kopf stundenlang unmittelbar den glühenden Strahlen aussetzen, einen Sonnenstich erleben. ,

Aber noch eine Reihe anderer Schattenseiten also doch Schatten birgt gerade der heiße Sommer; da gibt es wiederum törichte Leute, die es nicht lassen können, kurz vor und wahrend der Wanderung Alkohol zu sich zu nehmen, ausgerechnet an einem heißen schwülen Tage, möglicherweise noch m dicke be­engende Kleidung gehüllt, die dann auf dem Marsche einem Hitzschlag zum Opfer fallen. ,

Also, wer im Hochsommer wandert oder int Freien zu ar­beiten hat, tue dies nur mit bedecktem Kopf und Racken, in leichter, luftiger und bequemer Kleidung, vermeide peinlichst vor und während anstrengender Muskeltätigkeit jedweden Alko­hol und sorge durch häufige Zufuhr alkoholfreier Getränke für die notwendige Flüsfigkeitsaufnahme. Dort, wo sich die ersten Anzeichen von Hitzschlag und Sonnenstich (Schwindelgeiuhle, Ohrensausen, Angst, Hebelkeit, Erbrechen usw.) einstellen, ist sofortige Muskelruhe am Blade; der Kranke ist in kühlen Schatten zu bergen; die beengende Kleidung ist zu öffnen, Brust und Stirn sind anzufeuchten, und wenn die Atmung, oberflächlich wird, künstliche Atmung einzuleiten. Sobald er wieder schlucken kann, soll man ihm häufig kleine Mengen von Flüssigkeit zu trinken geben 3n allen Fällen ist der Arzt sofort zu benachrichtigen.

Aber nicht nur für den bekleideten Körper können Sommer und Sonne bedenkliche Folgen.haben, auch für die unbekleideten Körperteile ist Sonne im Hebermaß nicht ungefährlich; wenn man sich gleich beim ersten Sonnenbad, unbeweglich auf dem Rucken liegend, stundenlang den glühenden Strahlen aussetzt, so beucht man sich gar nicht zu wundern, daß ganz abscheuliche Verbren­nungen der Haut eintreten; man mich eben die Haut langsam erst eine Viertelstunde, allmählich steigend an die Sonne gewöhnen und außerdem während des Sonnenbades bald die eine, bald die andere Seite der Strahlenspenderin zuwenden, natürlich stets den Kopf bedeckt. 3st man unvorsichtig getoefen und sind die Verbrennungen nur leicht, so lindert Einfetten der Haut die Schmerzen; in allen ernsteren Fällen ist der Arzt zu Rate zu ziehen. . , . _ . .. .

Ganz besonders gefährdet durch grelles Sonnenlicht sind übrigens die Augen; man muh an der See oder bei Glmcher- Wanderungen usw. für Schutz der Augen am besten durch eine dunkelfarbige Drille sorgen, da sonst heftige Entzündungen die Folge der zu starken Strahlenwirkung fein können.

Einer der unangenehmsten Zufälle, die eirwm auf.einer sommerlichen Wanderung zustohen können, ist bas Auftreten eines Gewitters auf freiem Felde. Das Verkehrteste ist, sich unter

vereinzelt stehende Bäume zu flüchten, da diese ganz besonders leicht den Blitz anziehen und dadurch die Gefahr des Blitz- schlages für den Schutzsuchenden ganz außerordentlich erhöht wird; ganz abgesehen davon, daß auch älnglücksfälle durch ge­troffene, zusammenstürzende Bäume Vorkommen können. Auch das Weitergehen ist nicht unbedenklich; am sichersten ist man noch, wenn man sich in eine Vertiefung hockt oder einfach auf den Boden kauert, selbst auf die Gefahr hin, gründlich durchnäßt zu werden. Ein Schnupfen, eine Erkältung dürfte immer noch besser sein, als ein Blitzschlag mit schweren Verbrennungen und innereni Verletzungen oder gar tötlicher Ausgang. Wenn man aber in die Lage kommt, einem vom Blitz Getroffenen zu Hilfe zu eilen, dann entferne man vor allem die brandigen Kleider und ver­halte sich im wesentlichen so, wie es beim Sonnenstich und Hitz­schlag geschildert ist.

Das sind so die Hauptgefahren des Sommersvon oben her dievon unten sind nicht minder unangenehm, wenn man sie nicht zu meiden versteht. Es ist unsinnig, auf Wande­rungen neue Schuhe anzuziehen, in denen man sich nach den ersten zwei Stunden wund läuft; Marschierschuhe sollten aus­getreten und bequem sein; auch vermeide man neue oder gar zu große, faltenschlagende Strümpfe anzuziehen, die gleichfalls die Ursache von Wundlaufen bilden können; erfahrene Touristen fetten sich die Füße vor der Wanderung gründlich ein (Hirsch­talg oder dgl.), baden sie regelmäßig abends im Quartiw; so­bald stärkere Blasenbildung und ausgedehnte offene Stellen an den Füßen auftreten, fetze man am besten die Wanderung für ein, zwei Tage aus; auf alle Fälle verbinde man die Wun­den aufs sorgfältigste, damit kein Schmutz und keine Eiter­erreger hineingelangen; das Aufstechen oder Ausschneiden vrm Blasen mit nicht absolut keimfreien Instrumenten, wie es viel­fach von Laien geschieht, ist grober Unfug und kann zu fchwereir Blutvergiftungen führen. _

Wenn man sich in fremden Gegenden bewegt, so soll man es sich zur Regel machen, nicht barfuß herumzugehen, so.^lockend auch die Gelegenheit fein mag; man weiß doch nie, »b nicht hmtw dem großen Steine oder unter dem Gesträuch auf das man achtlos tritt, plötzlich der Kopf einer Kreuzotter hervor- schnellt, die, blitzschnell ihre Zähne in das Flmsch ^agr-cheich der Wunde ihr gefährliches Gift einfloht. .Wenn so etaxrö passiert, muh das verletzte Glied oberhalb der Estelle um­gehend fest abgeschnürt werden, mit einem Ohemen, Spfeitoager u dgl.; und wenn die Begleitperson absolut wimdfreie SWen und Mundschleimhaut hat, so kann sie die Wunde unbedenklich gründlich aussaugen; bei der geringsten Verletzung ,edoch muß dies unterbleiben, da sich sonst auch der Helfw vwgiften kMrn. Als Gegenmittel wird in konzentrierter Form Alkohol m grohM Dosen (Branntwein, Kognak, Schnapse usw.)l enchfohlem 3n allen Fällen ist umgehend ärztliche Hilfe m Anspruch zu nehmen.

Richt ganz so gefährlich, aber doch unangenehm genug komwn I n s e k t e n st i ch e sein; der Stachel ist mit der P^tte schnell herauszuziehen; bei leichter Entbindung ustdAottmg der Haut genügen zur Linderung der Beschwerden kahle älmschlage mit essigsaurer Tonerde oder Bleiwasser; schwillt da» gestochene Glied an, so ist es ruhig und hoch zu lagern und Ar amtliche A.ilfe Sorge zu tragen; unbedingt muh das letztere in allen Fallen dmm oXgt werben, wenn sich ein 3nsekt in den Mund ver­irrt und dort zusticht; bis zum Eintreffen des Arztes kami man bei dieser stets bedenklichen Verletzung mit einer dünnen Losung von

Deni^un erfahr en en Hochgebirgsbesucher dwhen übrigens noch einige andere recht unangenehme Zufälle, dw er kennen muh, nm sie xu verhüten; dazu gehört u. a. die Bergkrankheit, die auftreten kann, wenn man zu schielt aus der Eoene m große Höhen gelangt, wenn also der Hebergang zu plötzlich vor s^ geht, fo daß sich der Organismus nicht k^n verand^^aLust Verhältnissen der Abnahme des Sauerstoffgchaltes und 6e8 Luftdruckes vielleicht auch der Kälte, dem Wind, und der elektttschen Spannung anpassen konnte; hochgradige Ermüdung, Herzklopfen, Atemnot, Schwindel und Wietzlich Bewußtlosigkeit sind die wesentlichsten Erscheinungen ber Erkrankung; obach sie sich bemerkbar machen, ist sofort für den Grkranktenabsolute Ruhe ein unbedingtes Erfordernis; es kommen künstliche Atmung und wenn Überhaupt möglich Sauerswffzufuhr und schließlich wieder Rückkehr in geringere Höhen in Frage.

Aber auch die Tiefebene, d. h. das Wasser der äWfe, der Binnenseen und des Meeres hat hauptsächlich zur Sommer- zeit während derer die Menschen in außergewöhnlich großen Massen in dem feuchten Element Erholung suchen, auch,seinerseits erhöhte Gesahren, vor allem für Menschen, die nicht schwimmen können; daß es überhaupt noch Menschen gibt, die der leicht zu erlernenden Kunst noch nicht mächtig sind, ist eigentlich un­erhört; das wird sich hoffentlich bald ganz andern; je meßr man in den Schulen dazu übergeht, den Bindern obligatorischen Schwimmunterricht erteilen Anlassen Vevormcmsich in bie Kluten stürzt, kühle man sich tn (der Luft erst richtig ab, der allzu schrote Temperaturwechfel kann sonst leicht unangenehme Folgen str Lunge, Herz usw. haben; sobald man anfangt im Wasser zu frieren und bläulich zu werden, verlasse man es sofort und frottiere sich gründlich ab. ,, - ,

Wenn man einem Ertrinkenden zu Hilfe eilen muß, so schwimme man immer von hinten her auf ihn zu und fasse ihn