Ausgabe 
11.7.1925
 
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jotgenöe Antwort: .Es wäre ihm zwar dieses -Unglück kehd, aber er ndtfle des Königs schärften Befehl ausrichten."

Llnd der Chronist fährt später fort:

Nachdem nun die Frantzosen mich der Stadt bemeistert hatten, machten sie ihrer Gewohnheit nach mit Sengen, Brennen, Werber- und Jungfrauen-Schänden, Morden und dergleichen schnöde Arbeit. Etliche hundert Mann machten sie zu Kriegs- Gefangene; die Bürger, welche nicht sobald ins Schloß kommen tonten, wurden entweder jämmerlich niedergehauen, gestohen, ge­prügelt, nacket ausgezogen, oder sonsten grausamlich mißhandelt, einige Weibs-PersonSn wurden öffentlich geschändet, und dre Stadt mit fünff Regimentern geplündert, und hernach angesteckt; was sie noch von Bürgers-Leuten und Einwohnern auf den Gaffen und in den Häusern an troffen, trieben sie rn ine Ä-° Geist- Kirche, so daß sich kein Mensch mehr darinnen regen können, welche der Feind auch noch geplündert, und an dießer h. Statte noch andere Botz heilen und Gottlosigkeiten verübt, und hierauf den Lhurn und Kirch über ihrem Kopff angezündet, welch^ em solch Schreyen und Heule unter diesen elenden Leuten erweckt, daß sichern Stein darüber hätte mögen erbarme, doch konte diß Uammer- Geschrey den Feind nicht eher bewegen, biß der Thurn bald über einen Haussen fallen wollen, die Kirche in völliger, Flamme gestanden und die Glocken zu schmeltzen anfingen, da dies e arme Leute endlich herausgelassen und ins Capuziner-Kloster und Garten getrieben wurden, woselbst sie der Feind jämmerlich tradiert, nochinahlS geplündert, etliche Kinder todtgedruckt, auch einige Weibs-Personen zu todt geschändet, und gewaltsamer Weih ins Lager geschleppet, unter welchen gottlosen Thaten die gantze Stadt nach und nach durch die wütende Feuers-Flammen völlig verzehret, und in die Asche geleget worden.

Run wäre nichts mehr übrig als alleine baS Schloß, wohin sich der Commandant mit den Soldaten, einigen Bürgern, Wer­bern und Kindern zur Sicherheit begebeNj in welches der Feind auch fast gekommen wäre, indeme die Wachten das Schloß-Thor verlassen und sich gleichfalls ins Schloß retirieren wollten, welches aber der Obrist-Wachtmeister von Alvendil, mit Bedrohung, daß er sie niederstoßen wollte, aufgehalten, und durch Hülffe des Obrist-Leutnants von Wald, vom Schönbeckischen Regiment, welcher eben darzu kommen, sie wieder an das Thor zurück ge­trieben, und den Gatter samt der aufziehenden Brücke geschlossen, mithin die Wacht angefrischet auf den Feind, welcher schon über die Helffte des Burg-Wegs nach dem Thor hinauss mit geschlossenen Truppen unter beständigem Schießen auf die Reti- rirende loßgegangen, wieder Feuer zu geben, wovon auch unter­schiedene gefallen, und folchergestaÜ der Feind, welcher fonst mit in das Schloß, wie in die Stadt, durchgedrungen sehn würde, wieder abgetrieben worden. Aus dem Schloß verfuchte man, wie wohl allzuspat, ob nicht für die arme Leute in der Stadt noch eine Kapitulation zu erhalten sehn möchte, zu welchem Ende jemand hinunter geschickt wurde, um solche zu erbitten, welcher aber vom Feind mit der Antwort zurück kam: Sie hätten nicht ürfad) mit der Stadt zu capituliren, als welche bereits in ihren Händen und Gewalt stünde, mit dem Schloß aber wollen sie einen Accord eingehen, jedoch anderst nicht, dann daß der General frei abziehe, die übrige Officirer aber und gemeine Soldaten sich als Kriegs-Gefangene ergeben sollen. Da nun die übrigen Officirer sich keineswegs zu einem solchen schändlichen Accord verstehen wollen, fienge man von neuem an affeinander Feuer zu geben, welches aber nicht über eine Viertel-Stunde währete, da der Feind einen Major benebenst einem allen Eapuciner, so Deutsch und Frantzösisch geredl, hinaus schickte, und einen guten Accord anbieten liesse. Hingegen vermeldete der Commandant hieraus, weilen er Ordre habe, (so er auch öffentlich ablesen Reffe) sich best- möglichst zu wehren; als fönte er ohne Berwilligung des Herrn Marggrasen von Daaden Hochfürstl. Durchlaucht keine Eapilula- lion eingehen, und wurde daraus befchlosfen, nochmahlen an den Feind zu schicken, um einen Stillstand von vierundzwantzig oder wenigstens zwantzig Stunden zu begehren, um inzwischen einen Expressen an höchstgedachten Herrn Marggrasen abzufertigen, des Schlosses Zustand vorzustellen, und die Einwilligung der Capilulalion einzuhohlen, oder vielmehr, wie andere Officirer und der Frehherr von Degenfeld das Absehen hatten, fo viel Zeit zu gewinnen, ob vielleicht der erhoffte Succurs noch anlangen möchte.

Diese Abgeschickte wurden erstlich zu Monsieur de Chamillh, hernach zu Monsieur de Chriseul geführet, welche aber diese Vor­stellung keineswegs annahmen, sondern gedrohei, wofern man sich im Schloß nicht ergeben würde, wolten sie es mit Bomben über einen Haussen Werften, wobeh Chamillh nebst anderen feindlichen Generals-Personen und Officirer gegen jemanden mit höhnischen Worten von dem Commandanten gesprochen, auch begehrt, ihme es zu sagen: Was er doch gedächte, daß er die Stadt so liederlich verlassen, und so viel tausend arme Leute in das größte Ver­derben gestürtzet, da er doch für die Bürgerschafft und Einwohner eine gute Capitulation hatte erhalten können, und nunmehro im Schloß, wo jo viel tausend Seelen von der Stadt wären, sich wehren wolte, es wäre ja genug, daß er die Stadt in solchen elenden Zustand gesetzet. Mit fernerer Bedrohung, wann um zehen Ahr die Capitulation nicht getroffen, wolten sie das Schloß von zehen bis eilff Ahr dergestalt bombardieren lassen, daß wenig Seelen darinnen sollen übrig bleiben. Welches alles ihme dem Herrn General v. Heydersdorff überbracht worden, aber nichts darauf erfolget.

Nachmahlen tarn gemeldeter Eapuciner nochmahlen auf das Schloß, und redete auf fein Begehren allein mit dem Eornman- danten, wes es aber gewesen, hat man nicht erfahren können. Hierauf haben theils im Schloß sich befundene Geistliche, wie auch Cföei&er und Kinder einen Fuhfall für dem Commandanten gethan, ihme ihren erbärmlichen Zustand fürgestellt, und um 'Beförderung; 6er Capitulation gebeten, worauf er ihnen an die Hand gegeben, ihn schriftlich durch ein beweglich Memorial unnd Bittschrifft um die Capitulation zu ersuchen, zu welchem Ende auch der darinnen befindliche Kaiserliche Ingenieur eine und andere Arsach, warum das Schloß nicht lange zu halten, unter andern, daß am dicken Thurn ein Loch sehe, wodurch man hinein kommen fönte, cmsühren mußte. Solcher Gestalt nun wurde die Capitulatton des Schlosses herbeigeführt.

Heidelberg wurde in grausamster Weise zerstört und einem Steinhaufen gleich gemacht, selbst die Gräber geplündert:Die Zinnernen Särcke zerschlagen, die längst Verstorbene ihrer Zier- rathen und Kleinodien beraubt, die Gebeine und Körper des Römischen Königs Ruperti, des Churfürsten Carl Ludwigs, Carls und anderer Pfaltzgrafen, Churfürsten und deren Gemahlinnen mehr als barbarischer Weiß heraus geworffen, auch die kostbare Chursürstliche Grabsteine und Schrisften zerschlagen...

Ein solches thränenwürdiges und erbärmliches Ende hat die Krone der ganzen Pfaltz und weit berühmte Churfürstliche Resi­denzstadt Hehdelberg genommen. 3n Betrachtung deren kläglichen Untergangs kan man wol mit jenem alten Rutilio sprechen:

Cur indignemur mortalia corpora solvi?

Cernimus exemplis, oppida posse mori.

Das ist:

Warum betrübt man sich, wann Menschen schon verderben? Da man doch öffters sieht, daß Städte können sterben.

And der Chronist schreibt weiter:

Es hätte zwar die gute Stadt Hehdelberg noch wohl können erhalten werden, wann der Commandant Herr Gen. v. Heyders­dorff gehörige Vorsorge getan und möglichsten Fleiß unnd Wider­stand angewendet hätte, zumahlen beh Einnahm der Stadt und HeBerga6 des Schlosses in allem ein grosser Aeberfluß gewesen, fo daß man vom Weel und Haber allein ein großes Magazin aufrichten können."...Wegen diesem allem fehlte es an schärften Censuren, auch auf Seiten der feindlichen Officirer selbsten nicht, als welche vor und nach der Capitulation sich höchstens verwun­derten, daß der Commandant die Stadt ohne Äoth übergeben und den Posten verlassen. . ., hinzusügende: wann einer in des Königs (d. h. von Frankreich) Diensten solches gethan, würde er alsbald gehencket werden, anderer Schimpff-Worte nicht zu ge­brauchen. . .

Nach dem gemeinen Sprichwort heisst es: Wie man arbeitet, fo kriegt man auch Lohn. So erging es auch diesem Somman­danten, Herrn General von Hehderdorff; dann als derselbe im Lager von Hehlbrunn ankame, war er sogleich von der hohen Generalität in Arrest genommen, und Kriegs-Recht über ihn gehalten, und folgends zur Straff gezogen, dann weilen er ein Mitglied des Deutschen Ritter-Ordens gewesen, ward er auf Ver­ordnung des Herrn Teutschrneisters Hochfl. Durchlaucht Ben 17. Zunft 1693 ins Deutsch-Haus zu Heilbruim gebracht, ihme daselbst der Ritter-Harnisch und gewöhnliche Ordens-Kleid mit allem zugehörigen Ornat angelegt, demselben alle seine Ver­brechen in einer nachdrücklichen schärften Rede vorgehalten, und darbey angezeiget, daß er sich des höchst-löblichen Ritter-Ordens und darzugehörigen Creutzes unwürdig und verlustig gemacht, worauf man ihm den Ritter-Ornat vom Leib, sonderlich das Ordens-Creutz vom Hals gerissen, und zwehmal um das Gesicht geschlagen, nach diesem hat ihn ein junger Ordens-Ritter aus dem Teutschen-Haus geführet, und zum Zeichen der völligen Ausstossung, ihm im Hinausgehen einen Futzstoß in den Rücken gegeben, von bannen ihn eine in Bereitschaft stehende Wacht ausgenommen, und in Kriegs-Verhafftung gebracht. Den 20. Zunft aber ward er auf einem f(it) v(enia) Schinderkarren ins Lager, andern aber zum Abscheu im Angesicht der hohen Alliirten (I) in einer Linie herausgerückten Armee, von einem Flügel zum anderen geführet, hernach für fein gewesenes Regiment gebracht, woselbst er absteigen, und sein .Urtheil anhören müssen: Daß alle seine Güter consisciert, und er vom Leben zum Tod mit dem Schwert hingerichtet werden fotte. And ob er zwar gebeten, daß er nur arquebufiert (d. h. mit der Hakenbüchse erschossen) werden möchte, hat doch das Artheil der Enthauptung vollstreckt werden sollen, biß endlich, als der Hencker sich zur Hinrichtung fertig­gemacht, auf vielfältige von hohen Orten eingelauffene Vorbitte die Lebens-Straffe zwar erlassen, doch in eine solche, die ärger afö der Tod selbsten ist, verändert worden; als ihm der Auditeur angekündet; daß ihme der Kayser das Leben geschenckt, soll er geantwortet haben: Ditz hab ich wohl nicht verlanget. Hierauf hing ihm der Hencker den Degen an die Seite, nahm ihm aber denselben bald wieder ab, zerbrach denselben in Stücken, schlug ihm den Degen dreymahl um den Kopff, und toarff ihn für die Füsse, mit dem Anhang, daß er auf ewig der Oesterreich: schen Landen, wie auch des Schwäbifchen, Fränkischen und Ober- Rheinischen Crahses solte verwiesen fein. Worauf er den Henckers- Karrn wieder bestiegen, und sich über den Neckar führen lassen müssen, allwo ihm der Hencker die zusammen gebundenen Hände aufgelößt, und in solcher elenden Gestalt allein fortgehen lassen, da er dann unter einem Baurn unweit davon sich niedergesetzt, und