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JudaS, der ab und zu einen Mick hinüber zu Jesus warf, tnrt zu sehen, ob Lieser mehr und schönere Vögel mache als eit selber flieh einen Ruf des Entzückens aus, als er bemerkte, daß Jesus feine Lonkuckucke mit dem Sonnenschein bemalte, den er aus den Wasserlachen der Gasse aufnahm.
Lind auch Judas tauchte seine kleine Hand in das schimmernde Wasser und suchte den Sonnenschein aufzufangen.
Aber der Sonnenschein lieh sich von ihm nicht greifen. Er entglitt seinen Fingern, und wie geschwind er auch seine Hände zu bewegen suchte, um ihn zu fassen, entrann ihm der Soniwn- schein dennoch, und er konnte seinen armen Vögeln kein Tüpfchen
Farbe verschaffen. ,, .
„Warte, Judas!" rief Jesus. „Ich werde hmkommen, um deine Vögel anzumalen." , „ .. ,
„Olein," sagte Judas, „du sollst sie nicht berühren, sie sind gut genug, so wie sie eben sind."
Er stand auf, runzelte seine Augenbrauen und bitz die Lippen fest zusammen. Dann sehte er seinen breiten Fuh auf die Vögel und zerstampfte sie, einen nach dem anderen, zu einem kleinen abgeplatteten Lehmklumpen.
Nachdem alle seine kleinen Vögel vernichtet waren, trat er zu Jesus hin, der seine Vögelchen, die wie Juwelen funkelten, liebkoste. ' , .
Judas betrachtete sie eine Weile in tiefem Schwelgen, dann aber hob er den Fuh Und zertrat einen davon.
Als Judas den Fuh zurückzog und den ganzen kleinen! Qfogel in grauen Lehm verwandelt sah, fühlte er eine solche Erleichterung, dah er zu lachen begann, und er hob den Fuh, um noch einen zu zertreten.
„Judas!" rief Jesus, „was tust du da? Weiht du denn Nicht, dah sie leben und fingen können?"
Aber Judas lachte nur und zertrat noch einen Vogel.
Jesus blickte nach Rettung umher. Judas war groh und stark, und Jesus hatte nicht die Kraft, ihn zurückzuhalten. Er schaute nach seiner Mutter aus. Sie war nicht weit entfernt, aber ehe sie ihn erreichte, konnte es Judas gelingen, alle feine Vögel zu zerstören. _ .
Jesu Augen füllten sich mit Tränen. Schon hatte Judas vier seiner Vögel zertreten, nur noch drei blieben übrig.
Llnd es betrübte ihn, dah feine Vögel so ruhig Lastanden und sich zertreten liehen, ohne der Gefahr zu achtem.
Jesus klatschte in die Händchen, um sie zu erwecken, und rief ihnen zu:
,. Fliegt, fliegt!"
Da begannen die drei Vögelchen ihre kleinen Schwingen zu legen, und ängstlich flatternd schwangen sie sich zum Dachesrand empor, wo sie in Sicherheit waren.
Ms aber Judas sah, dah die Vögel auf Jesu Geheiß die Flügel hoben und flogen, begann er bitterlich zu toeinen.
Gr zerraufte sein Haar, wie er es bei den alten Leuten sah, wenn sie in großer Sorge und schwerem Kummer waren, und warf sich zu Jesu Fühen nieder.
Lind Judas blieb dort liegen und wälzte sich vor Jesus im Staube wie ein Hund, fußte seine Füße und flehte, daß er seinen Fuß heben und ihn gertreten möge, wie er selber die Tonvögel zertreten hatte.
Denn Judas liebte Jesus und bewunderte und betete ihn an und haßte ihn doch zugleich
Aber Maria, die während der ganzen Zeit Las Spiel der Kinder beobachtet hatte, stand jetzt auf, hob Judas empor, setzte ihn auf ihr Knie und liebkoste ihn.
„Du armes Kind!" sprach sie zu ihm. „Du weiht nicht, dah du etwas versucht hast, was kein Geschöpf vermag. Laß dir niemals mehr einfallen, dergleichen zu tun. wenn du nicht der unglücklichste aller Menschen werden willst! Wie würde es wohl dem unter uns ergehen, der es unternähme, mit ihm zu wetteifern, mit ihm, der mit dem Sonnenschein malt und der dem toten Lehm den Odem Les Lebens einhaucht?"
Der Große Krieg.
Don Ricarda Huch?)
Am Ofl er morgen des Jahres 1650 brannte die Sonne nicht wie ein Freudenfeuer, sondern wie die Flamme eines Leucht- turmes an der Küste eines wilden Meeres, das Rebel umwogen, schimmerte sie verhüllt durch schweres Frühlingsgewölk. Der Pfarrer des Dorfes, Christian Hohburg, wohnte mit seiner Tochter und ihrem kleinen Kinde bei einem Bauern, weil das Pfarrhaus abgebrannt und noch nicht wieder ausgebaut war, und befand sich im Hofe, wie die üBrigen mit der Fütterung des Viehs beschäftigt. Er band eine Ziege. an einen Zaunpfahl, rüttelte daran, und Ta er ihn locker fand, machte er den Strick wieder los und knüpste ihn an einen Apfelbaum: dann winkte er dem Sohne des Bauern, damit er ihm behilflich wäre, den Pfähl besser zu befestigen. Am besten wäre es, den morschen ganz zu entfernen und einen neuen einzufchlagen, sagte der hinzutretende Bauer, und wie er über den Zaun hinweg in die
*) Aus dem gleichnamigen Roman der Verfasserin, der An Insel-Verlag zu Leipzig in drei Bänden erschien.
wellige Ebene hinunterfah, unterbrach er sich, hielt die Hand über die Augen und sagte, er sehe etwas Schwarzes am Horizont, das sich bewegte. Wenn der Friede nicht ausgerufen wäre, würde er es für Soldaten halten.
Da der Pfarrer es auch sehen tooHte, und fragte, wo es wäre, erklärte der Dauer, er müsse gerade über die Wüste hinübersehen, wo vor der Schlacht bei Lutter das Dorf gewesen wäre.
Die Tochter des Pfarrers, die zur Zeit jener Schlacht noch nicht gelebt hatte, erkundigte sich, was es mit dem Dorf und der Schlacht für eine Bewandtnis habe: worauf der Bauer davon erzählte, und Latz dort, wo man den großen Steinhaufen erkennen könnte, die Mühle gestanden hätte. Sie könne übrigens Len alten Schuhflicker ansfrag-en, der ehemals in jenem Dorfe ein wohlhabender Bauer gewesen wäre und eine Frau und schöne Kinder gehabt hätte. Er habe aber nur eins davongebracht, und das sei bei der Flucht aus dem brennenden Dorfe stumm und närrisch geworden.
Der Schuhflicker erzählte auch, fügte die Bäuerin hinzu, daß irgendwo drüben auf dem wüsten Fleck ein Schatz vergraben sei.
Warum denn der Schuhflicker den Schatz nicht ausgegraben hätte? fragte der Pfarrer. Der arme Mann werde ihn wohl brauchen können.
Er habe es oft und oft versucht, sagte der junge Bursche, aber er habe die Stelle nicht mehr finden können. Die Bäuerin blickte besorgt auf ihren Sohn und sagte, sie wisse wohl, mit was für Gedanken er sich trage, sie wolle es aber nicht leiden: die Schatzgräberei fei etwas Teuflisches, und der Mensch solle nicht durch schwarze Kunst reich werden.
Run, meinte der Pfarrer, etwas ausgraben, was ein anderer eingegraben hätte, fei natürlich und habe nichts mit dem Teufel zu schaffen. Aber er fei der Meinung, man vergeude wohl nur Zeit und Kraft damit und tue besser, die Erde nach der Frucht umzugraben, die man selbst gesät habe und die Gott wachsen lasse.
2lls die Stunde zum Gottesdienst tarn, begab sich der Psarrer mit seiner kleinen Gemeinde auf den Kirchhof, der die Kirche umgab. Während des Krieges hatte sich dort einmal eine Abteilung Soldaten verschanzt, und die Kirche war bei diesem Kampfe zerschossen, verbrannt, verwüstet und ausgeraubt worden. Die Armut der Gemeinde hatte den Schaden noch nicht ersetzen können, und so fand es der Pfarrer schicklicher, die Osterseier im Freien vor der Kirche zu begehen, da das Wetter gut war. Gr hatte einen Tisch auf den Kirchhof gebracht und zur Feier Les heiligen Abendmahles einen Laib Brot und einen Krug Wein bereit gestellt: von dem dazu bestimmten kirchlichen Gerät war nichts mehr vorhanden.
Der Pfarrer, der zwischen dem vierzigsten und fünfzigsten Lebensjahre stand, dem aber Sorgen und Kämpfe aller Art hart zugesetzt hatten, musterte feine Zuhörer, richtete sich gerade auf und begann seine Rede.
„Ihr seid alle arm,“ sagte er, „und habt viel gelitten; aber gebt euch nicht der Trübsinnigkeit hin, denn heute ist der Tag der Auserstehung, ein Freudentag. Es ist der Tag, da es im Grabe des Herrn der Welt leise donnerte wie in einem vulkanischen Berge, da der heilige, gemarterte Leib, herausgeschleudert wie ein feuriges Schwert, den Grabdeckel zur Seite warf, die Luft durchschnitt und in den Wolken verschwand. Auch unser geliebtes deutsches Vaterland ist verhöhnt, gegeißelt und ans Kreuz geschlagen worden und liegt nun begraben; möge es unten im Krater der Gruft still sich mischen und kochen und einst, das Gehäuse zerhrechend, wie eine verwandelte Raupe geflügelt in das eroberte Element steigen. Das kann aber nur geschehen, wenn ein jeder von euch in seinem Herzen Wiedergeburt und Auserstehung erlebt. Die kommt nicht von Worten, die muß errungen und er stritten fein. Glaubt es den feisten Pfaffen, nicht, daß es mit Glauben und Katechismuslehren getan fei, und daß die Gnade Gottes einem wie die Taube dem faulen Schlarafsen gebraten ins offene Maul fliegt. Wir haben einen Willen und eine Kraft in uns; denn wir sind, wie geschrieben steht, nicht der Magd Kinder, sondern der Freien; und damit sollen wir das Reich Gottes erobern. Laßt euch nicht verführen, zu glauben, daß wir das Gute nicht vollbringen können, weil uns die Sünde aufgeerbt und eingefleischt wäre: Das sagen die Trägen, die Schwelger, die Gleichgültigen, um ihre Unfruchtbarkeit zu entschuldigen. Wir haben einen Simson in uns, der ist, .wenn er sich enthält, ein unüberwindlicher Soldat, der schüttelt die Locken wie ein Löwe und zerbricht die Säulen, die das Reich der Sünde tragen, daß es einstürzt. Wasser und Gebet taufen nicht recht, Feuer und Schwert taufen zur Wiedergeburt und Auferstehung. Seid wachsam, seid tapfer, seid ohne Falsch und ohne Furcht, das sind die Tugenden über alle Tugenden; so ihr die habh. seid ihr Ritter, mögt ihr auch als Bauern geboren sein. Aus Staub und Dreck seid ihr doch zum Ebenbilde Gottes geschaffen: aber ihr müßt es selber in euch schaffen, wie der Künstler das Bild aus dem Marmor schlägt. Setzt Hab und Gut und die ganze Kraft daran, so wird der neue Mensch der aus euerem zerrissenen Herzen aufersteht, Gottes Züge tragen."
Erst jetzt bemerkte der eifrig redende Pfarrer eine Unruhe unter seinen Zuhörern, und indem er ihren über die Kirchhofs- mauer g erichteten Micken folgte, sah er einen Trupp Odel ter auf


