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der einzelne Ort seine Flut stets alle 12 Stunden und 26 Mi­nuten. Aus die Minute trifft das allerdings nicht immer ein; aber eine ungefähre Berechnung ist doch möglich, so daß man in den Hafenorten Flutkalender aufstellen kann. Solch ein Flutkalender von Norddeich z. D. gibt an als Hochwasser- zeit: 1. Januar vormittags 1,49 und nachmittags 2,20, 2. Januar 2,24 und 2,56, 3. Januar vormittags 2,58 und nachmittags 3,29 Ahr usw. bis 30. Januar vormittags 1,31 und nachmittags 2,01 Ahr. Im ganzen find, wie schon hieraus zu ersehen ist, die Anterschiede zwischen Ebbe- und Flutzeiten am Morgen und Nachmittag (die sogenannte tägliche Ungleichheit) beträcht­lich. Das erschwert dem Schiffer oft die Berechnung. Dress Un­gleichheiten werden Lurch Las Jneinanderwircken von Mond- und Sonnenstellung, Lurch den Einfluß des Windes und andere Faktoren (Monddurchgang Lurch den Meridian) herworgerufen.

An den Küsten und besonders auch an der Nordsee ent­stehen manchmal ungewöhnlich hohe Fluten, wenn schwerer sturm das Wasser gegen die Küste treibt. An der Nordseekuste von Holland bis Hamburg sind jene Stürme am mersten gefährlich, die zuerst Südwest- und Westrichtung hatten und sich dann nach Nordwesten drehen. Sie werfen bei der Flut die Wassermcngc> mit solcher Wucht gegen das friesische Land, daß die berüchtigten großen Sturmfluten entstehen, die oft ungeheuren schaden anrichteten und schon vor Jahrhunderten zur Anlage von Deichen führten. Diese Deiche schützen heute die Nordseekuste von Frank­reich bis nach Dänemark hinauf, And argwöhnisch betrachtet der Küstenbewvhner die Flutmarke, denn er weih am besten, welch ein Feind das Meer sein kann. Lausendmal mag fern Puls­schlag ruhig und friedvoll sein, aber Las e in e Mal, rn dem er zur Fieberhöhe steigt, kann er ihn und seinen ganzen Besch vernichten.

Die FlLÄuftker.

Eine Erzählung von der Küste Brasiliens.

Don Dr. Alfred Funke.

(Fortsetzung.)

Da ging die Tür auf, und herein traten zwei Seeleute, Lenen man das deutsche Blut aus den ersten Blick ansah. . Der eine, ein Dreißiger, sonnenbraun und wetterfrisch, trug Len Schnurr­bart flott und den Kops hoch, wie ein echter Kapitän, der feinen Dampfer unter sich weih. Der zweite war ein Dutzend.Jahre älter, aber noch immer ein rüstiger, forscher Mann, dessen hell­blaue Friesenaugen so klug und scharf waren wie damals, als er noch Schollen und Dutt fing und als Bestmann auf dem Ewer seines Baters auf der Nordsee fuhr. . _

Das war Schiffer Baukhage, Hein Daukhage, den ieder am Hafen zu Porto Seguro kannte. Denn er kam mit seiner schweren Chatä')Nvsalia" oft genug über die Lagoa das Aniach meist vom Dom Pedro" geschleppt. Die großen Leichter vom schlage derNvsalia" lagen schwarz und träge im Hafen, bis einer der flinken deutschen Schlepper sie an die Trosse nahm und nach Nro do Bugre bugsierte, wo die Ozeandampfer warteten.

Das gab in derTrocknen Banane" zunächst ein großes Hallo, als Kapitän Dettermann seinen Freund Lührs und den Schiffer Baukhage erkannte und begrüßte. Nach diesem Hallo gao es dann einen kräftigen Willkommenstrunk, und Dettermami lud ein: Wenn ihr nichts anderes vorhabt, so kommt heute zu mir an Bord! Da lasse ich einen Curry kochen, daß ihr alle zehn Fingen danach lecken sollt. Mein Koch versteht das, und ich habe alles an Bord, was zu einem richtigen Curry gehört."

Da laden Sie uns doch mit ein, Käpp'n Dettermami? fragte

wäre grausam, wenn ich es nicht täte. Aber Sie müssen das Bier dazu aus dem Klub liefern. Denn das ist mir knapp geworden."

Das ist wohl so 'n Art Spiehbraten, Herr Kapitän, was Sie machen wollen? Ich meine nur, weil die Herren so wild daran, find," erkundigte sich Dümpke.

Nein, Landsmann," belehrte ihn der Kapitän.Zu Curry gehört Reis und Huhn und allerlei scharfes Gewürz, daß man hinterher ordentlich einen schmettern kann. Wir Seeleute haben das in China und Indien kennen gelernt. And scharf muß Curry sein "

' Na, dann kann ich's mir schon vorstellen," sagte Dümpke.Es wird so 'ne brasilianische Sache sein, so mit rotem, und grünem Pfeffer und son Kram. Ich danke. Als ich mal auf der Serrq Dieh kaufte, da setzten sie mir auch so 'ne verdächtige Sache vor. War scharf wie Lauge. Ich habe mir das Maul eklig verbrannt.

Das ist Batapa gewesen," entschied Jansen.Das Zeug ist allerdings nicht milde. Als ich es zum ersten Male probiert hatte, hängte ich mich mit beiden Händen an einen Kleiderhaken unö krümmte mich wie ein gekränkter Regenwurm. > Aber surrh .ist eine seine Sache, und ich gedenke heute" .

Er kam gar nicht zu Ende, denn em Bote trat hastig em und hatte kaum den Kapitän desDom Pedro" entdeckt, als er eilig bestellte:Die Agentur läßt Kapitän Lührs um Antwort bitten. Es sei sehr eilig."

) Leichter.

rtß« ihnen in erster Linie der Mond. Zwar ist er viel klemer als dis Sonne, aber das wird ausgeglichen durch die geringere Ent- kernuna der Erde, so daß der Mond eine Anziehung auf diq 'S hat bie 22 mal so stark wie die bfer Sonne wirkt. And wie nun 'der Mond (rein bildlich gesprochen) die Erde umkreist, ko läuft zugleich mit ihm die Flutwelle der Ozeane und Meere mii bic Erdoberfläche. Das ist (eine ununterbrochLim Welle denn die Ozeane sind auch ferne endlosen Flachen, aber Ftu- uno Ebbe tauchen in jedem größeren Mem^ vonneuemaich^aLga. die Erdoberfläche wird angezogen, doch sind diese:

gering und nicht ohne weiteres wahrnehmbar. AnstattvOnAn ziebuna könnte man mindestens im Hinblick auf DaS uSn & - *« >,lbrammte

NBLS »Ä»;ÄÄ'firfÄ £ Agegengesetzten Erdkugelhälfte stets zugleich eure Flutwelle entsteht die nur um weniges geringer m der Hohe ist.

zjnd ähnlich zieht auch die sonne die Erde an, nur, weck schwächer Die von ihr hervorgerufene Flutwelle A daher we­niger^wahrzunehmen, zumal da sie meist von der stärkeren Ebbe und Flut durchkreuzt wird, die vom Mond Hervorgerufe. w' . Wenn iedoÄ zufällig Mond und Sonne zugleich ube^ dem Horizont und nahe beieinander stehen, dann wirken gemÄn- fam und erzeugen höhere Nut und tiefer c Ub gleiche verstärkende Wirkung wird herworgerufen wenn Mond und Sonne genau entgegengesetzt.stehen ww die ^de mitten zwischen ihnen. Da nun die Wirkung beider HimmetLkorper stets bei N e u m v n d und B o l l m v n d zusammensallt, w haben wir zu diesen Zeiten (Szhgien genannt), auchstets^nneh- hohe Muten, sogenannte Springflut en. Wan kann anney inen, daß bei einer Sonnenflut von emem Meter Ä^ die Mw d flut etwa 2,25 Meter, die Springflut ungefähr 3 Meter erreich. Bei den Mondvierteln verringert die sonnenflut die Mcndflar, wodurch die sogenannten Nippflut en entstet)en.

In den einzelnen Teilen der Erde find die Muthohen ganz außerordentlich verschieden, dem, neben der Wassermenge und Wasserfläche, die je nach der Größe eine unterfchieoliche Ent­wicklung zuläßt, wirken auch die Gestaltung der Erdoberfläche (Inseln, Landzungen, Einschnitte) und die Erhebungen auf dem Meeresgrund mit. Diese Einflüsse sind ost so Ss'vh. daß an de, Küste eines verhältnismäßig Heinen Landes die Muthohe die arößten Anterschiede zeigen kann. Das erkennt man z. B. an der englischen Nordseeküste. Der Atlantische: Ojean bat ; eure Fluthöhe zwischen 3 und 3,7 Meter. Es erscheint also selbst verständlich, daß die schottische Küste auch wcht Ehr als 3.2 Meter Fluthöhe haben kann, ce weiter nun aber tue Nut an der Küste entlanaläuft, umsomehr steigt sie, so daß sie am Humber bei steiler Küste 6 Meter Höhe hat. Del Liverpool und an einigen anderen Orten Englands steigt die Nut sogar bis aus 8 Meter, bei Kings Read auf 14 Meter, bet Chepstow auf lU1Ver ^G r o ß e Ozean hat an der amerikanischen Westküste keine hohen Flutwellen, dagegen erheblich höhere an der asiati­schen Ostküste (China bis 5,5 Meter). Im Indischen Ozean schwankt die Höhe zwischen 1,8 und 11 Meter, letztere rm Golf von Cambaya. Eigenartige Störungen und Jusammenwirku.'igen entstehen dort, wo die Flutwelle ourch eine längliche Insel zer­schnitten wird und nach dem Passieren der Ji^l wieder Susam- nientrifft. Allein schon an der europäischen Westküste sind die Fluthöhen so verschieden, daß inan versteht, daß dies alles in Derbindung mit der dauernden Verschiebung der Mutzen ^(Ebbe und Flut werden übrigens Gezeiten genannt) für die Schis - fahrt von größter Bedeutung ist und zu umfangreichen Ausstel­lungen geführt hat. Jeder Ort hat feine Haftzeiten

3n Deutschland sind selbstverständlich über die Mutwirkung an der Nords eeküste genaueste Aufzeichnungen vorhandeii, von denen manches auch für den Binnenländer interef.ant ist. Die Flut tritt in die Nordsee vom englischen Kanal her urab zugleich von der offenen Nordseite aus dem Ozean em. Für den größten Teil unserer Küste, besonders für das schiffahrts- gebiet von Emden bis Hamburg, ist jene Strömung wirksam, die aus dem Kanal kommt. Sie läuft, durch die amfetn be­hindert, nicht kehr schnell. Don Borkum bis Wangeroog braucht lie ungefähr 45 Minuten, bis Wilhelmshaven etwa 2Vi Stunden. Die Flickhöhe beträgt im allgemeinen 3 bis 4 Meter, erreicht aber bei nordwestlichen Stürmen an der friesischen Küste auch 6 Meter. An der Westlüste von Jütland beträgt die Normal­höhe schon nur noch etwa zwei Meter. Die Mut steigt natür­lich auch in die Flüsse, soweit sie nicht durch Schleusentore' (Siele) abgeschlossen sind. Aber während sie im Amazonen- und .Lorenzstrom noch auf 300 bis 500 Kilometer flußaufwärts zu spüren, hört bei uns selbst in der Elbe eine stärkeres Wirkung schon bald oberhalb Hamburgs auf. Der Hamburger Hafen und die vielbefahrene Anterelbe sind allerdings stark davon beeinflußt, und es ist bekannt, daß dort die Schiffahrt Ebbe und Muk zur Ans- und Einfahrt benutzt, je nach der Fahrtrichtung.

Der Mond geht bekanntlich jeden Tag etwas später auf, denn er braucht nicht gerade einen vollen Tag zu derArn- kreisung" der Erde, sondern ungefähr 24 Stunden und 52 Mi­nuten. Da jeden halben Tag eine Flut erscheint, so bekommt