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nut nicht, und wenn seine Zeit kommt, beginnt er LU wandcnr und zu fließen und der schöne Dau wankt und birst und bricht in sich zusammen.
Lebe denn wohl, wir Wolken die Trümmer nicht wieder ausbauen. Du weißt so gut wie ich, daß in geborstenen Kirchen der Teufel wohnt."
Peter sah, wie der Schatten an der Wand sich umwandt« und entglitt, und er hörte, wie der Schritt des Wandernden ruhiger wurde, bis es endlich ganz -still blieb.
„Sieh dort in den Spiegel, Peter," sagte der Kater, „da kannst du ihn sehen." .
„Kenne ich ihn nicht," fragte Peter, der an einem Lisch einen müden, bleichen Mann sitzen sah, der in den Spiegel wie über ein unendliches Meer hinschaute, „mir ist, als müßte ich ihm schon irgendwo begegnet fein."
„Das mag schon sein," sagte der Kater, „aber komm, wir wollen weiter gehen, wir find erst in der Mitte."
Und damit nahm er Peters Hand und sie stiegen über den Giebel hin wieder in die Gaffe hinab, die zwischen schmalen Häusern und über Drücken, unter denen grünes Wasser schnalzte, einen Berg hinaufführte, von dem es tote von vielen Glocken läutete.
In der Dämmerung, die fahl und grau über die Dächer zu kriechen begann, sah Peter die Gasse von vielen Leuten angefüllt, die in schwarzen Kleidern und hohen, glänzenden Hüten denselben Weg gingen, den ihn der Kater führte. Männer und Frauen mit feinen, schmerzlichen Gesichtern und stillen Augen, die wie Sterne in der Dämmerung leuchteten, gingen unter ihnen. Aber das waren nur wenige, und die hielten sich an den Seiten in dem dunkleren Schatten der Häuser und man sah, wie ich schon sagte, nur den Schimmer ihrer Augen, weil sie weinten.
„Ich gehe gern zu solchen Totenfeiern," begann die laute Stimme eines wohl angezogenen Mannes, der mit gewölbter Brust in der Mitte der Stube ging und gewichtige Schritte tat. ' Es tut mir wohl, unter Menschen zu fein, von denen man weih, daß sie gebildet sind und einen Wann mit Auszeichnungen zu schätzen wissen. Man hat doch heute Gelegenheit, öffentlich zu zeigen, wie Fleiß und Ausdäuer und Freundlichkeit gegenüber den Vorgesetzten belohnt werden, und es ist immer gut, ein Beispiel zu geben." And dann wölbte er seine Drust noch em wenig stärker, daß man eine Reihe bunter Ordensschnallen sah, an denen Kreuze und Medaillen spitz und hohl flingelten
„And wie ich hörte, wird auch der König den Toten dura- seine Anwesenheit ehren," antwortete dem Würdigen em kleines Männchen, das wie ein Wiesel so danebenher wuselte. „Mein Detter, der bei Hofe beschäftigt und, wie ich wohl sagen kann, gut angeschrieben ist, erzählte es mir, und das ist um so höher anguerfennen, als man dort noch niemals etwas von dem Dasein vieles Dichters gehört hatte, von dessen Ruhm jetzt alle Zeitungen voll sind und dem man Ansterblichkeit verliehen hat. And das, obwohl er doch, wie ich von vielen Seiten gehört habe, feine Frau verstoßen und früheren Freunden gegenüber sich sehr ungebärdig, ja gefühllos und ganz ungebildet gezeigt haben soll.'
„Das mag richtig fein, ja, ich möchte beinahe behaupten, es ist wirklich richtig so gewesen," nahm ein Dritter bas Wort, der einen schönen Dauch vor sich her trug und überall als reicher Mann bekannt war, weshalb er auch von den beiden andern mit tiefer Ehrerbietung gegrüßt wurde, „denn wie kann ein Menfch, von dem man sagt, daß seine Mutter eine Strumpfstrickerin gewesen ist, ein ebenso feines Gefühl und den Seelen» adel haben, der uns erblich Dornehmgebvrene über die Meng? hinweghebt. Ich hätte es auch unterlassen, der Frier zu dieses Menschen Tode beizuwohnen, wenn ihn nicht die Gebildeten für einen großen Künstler erklärt hätten und der König sich den Sarg öffnen lassen will, um noch dein Toten einen Orden auf die Drust zu legen. And vielleicht ist es von Mutzen, sich ii, diesem Augenblick, der leicht eine ehrfürchtige Träne erpressen kann, von des Königs Augen treffen zu lassen, denn im rechten Augenblick zu weinen, ehrt einen fingen Mann mehr, als di« Törichten meinen, die ihre Tränen verbergen, als sei es die Oeffentlichkeit nicht wert, ihr dies kleine Schauspiel vorzuführen."
„Ein schöner und vortrefslicher Gedanke," pflichtete der Würdige bei, indes das Wiesel sich bemühte, dem großen Herrn in der Kirchenhalle, in die man inzwischen gekommen war, gegenüber dem Sessel des Königs einen Platz zu bereiten, auf dem die Träne recht zur Geltung kommen würde.
Man öffnete gerade den Sarg, in dem der Tote in weißen Gewändern auf purpurroten Seidenkissen lag und der Minister reichte dem König die Kette, an der ein glänzender Stern befestigt war, der die Aufschrift trug „Dem .Unsterblichen“, als der Kater Peter vor eine Mische führte, die in dem Schimmer der frühen Morgenstunden glühte, wie wenn sie aus einem einziger» Stück Rosenkranz geschnitten wäre.
„Sieh dort in den Spiegel, Peter," sagte der Kater, „da kannst du ihn sehen."
.Ich sehe ihn," sagte Peter, „und mir ist, als kennte ich ihn id>on lange.“
„Das mag schon sein," sagte der Kater, „du kennst ihn schon und wirst ihn noch viel besser Tennen lernen; aber komm nun, es ist Zeit, wir wollen gehen. Es war das letzte, und der Morgen bricht an.' Ich fühle schon den Tau auf meinen Pelz rinnen."
So gingen sie aus der Halle, als die Glocke» wieder zu läuten begannen, weil der König den- toten Dichter die letzte Ehre erwies und der große Herr sich richtig zum Schluchzen zwang, wozu das Wiesel ihm das Schnupftuch hielt. Aber der König sah es nicht, denn die erhabene Ruhe des Toten ließ ihm selbst die Augen übergehen, daß eine Träne auf die Brust des Toten fiel. And die funkelte und glänzte tausendmal schöner als die goldene Kette auf der „Dem Ansterblichen" geschrieben stand.
Sie gingen durch die stille Gasse, wo unter den Drücken das grüne Wasser schluchzte, an dem Fenster des Abschieds und an dem Theater vorüber, das ganz mit schwarzen- Flor behängt war, hin zu dem Hause des dicken Brauers, wo auf dem Hofe der Sohn mit krummen Rücken auf einem leeren Fasse faß und im Schlafe mit dem Kopf nickte.
„Da sind wir also wieder daheim, Peter," sagte der Kater, „und ich wette, deine Mutter sitzt noch immer und strickt, denn ich sehe die Lampe brennen, wie sie es schon manche Macht hindurch getan hat, damit sie genug Geld verdient, um dich einmal werden zu lassen, wozu du Lust hast."
„Dann möchte ich wohl etwas werden, wo mir der König auch einen Stern verehrt und vor mir den Hut abnimmt, selbst wenn ich dann schon gestorben bin und auf roten Seiöenfiffer; in einem weißen Marmorsarge liege und nichts mehr davon sehe. Aber Mutter wird sich dann gewiß sehr darüber freuen."
„Das mag wohl sein," sagte der Kater, „aber nun leb wohl, ich muß jetzt gehen. Die Sonne treibt schon ihre roten Lämmer aus und es wird Zeit, daß ich für mein Frühstück sorge."
Damit hängte er den Husarensäbel an das Bett, in dem sich Peter die Decke über die Ohren gezogen hatte und bei den letzten Worten eingeschlafen war, weil ihn das Leben müde gemacht hatte, klinkte das Fenster zu und strich über das Giebeldach des Brauers in den alten Taubenschlag, wo er einen fetten Mauseeinsiedler wußte, den er sich schon lange für einen tüchtigen Hunger aufgespart hatte.
And als die Sonne mit ihren ©trabten die kleine müde Lampe ganz ausgelöscht hatte, bei der Peters Mutter über ihrer mühevollen Arbeit cingefd)lafen war, begann sie mit losem Blinkern den leichtfertigen Stricknadeln den Hof zu machen, die sich nicht wenden noch drehen konnten, weil sie das Garn mit festen Wickeln umsponnen hielt, daß sie es sich wohl oder übel gefallen lassen mußten. And da Minierten und zwinkerten sie zuletzt so feurig wieder, daß die Frau, als die Strahlen ihr« Augen trafen, davon aufwachte, und weil es schon später Morgen war, eilig in die Dachkammer hinaufsprang, ihren kleinen Peter zu holen.
„Ich muß dir gleich erzählen, wo ich heute nacht mit beim Kater gewesen bin,“ sagte Peter, als ihn die Mutter mit einem Kuß auf die Mase geweckt hatte, aber weil er nur die Geschichte mit dem König und der Kirche und mit dem toten Dichter und mit dem schönen Orden behalten hatte, konnte er nur hiervon erzählen und von dem Kater, daß er mit ihm gesprochen hatte.
„Mir scheint, mein kleiner Peter ist selbst ein Dichter geworden," sagte die Mukter, „daß er so wunderliche Dinge träumt,“ nahm ihn aus seinem Bettchen auf und gab ihm noch einen Kuß. „Aber bis dahin hat es noch lange Weile, und wenn es Gott will, wollen wir schon einen tüchtigen Mann aus dir machen, trotz deiner Katergeschichte und deiner Mondscheinträume. Aber nun schnell, ich glaube, ich rieche schon, wie meine Milch überkvckü", und damit lief sie mit dem kleinen Peter auf dem Arm aus der Dachkammer, daß ihr die Röcke nur so flogen und Peters Machthemd hinter ihnen Herzog, daß es aussah wie ein weißes schimmerndes Wolkensegel, auf denen die Schicksalsengel unsichtbar hinter den Menschen Herreisen.
Der Pulsschlag des Meeres.
Bon Dr. Oskar Enzberg.
Ebbe und Flut — das ist ein Begriff, um dessen Erforschung die Menschheit feit Jahrtaufenden sich mühte. Schon Herodot. Strabon und Pythas und Messalien schrieben darüber, aber erst die wissenschastlichen Forschungen von Mewton (1643 bis 1727), Hailey und Laplace brachten den Grund, auf dem Klarheit über die Herkunft dieser seltsamen Erscheinung erwachsen konnte. Der größere Teil der Menschheit jedoch steht diesem Problem noch fremd gegenüber; und wenn der Badegast ans dem Binnenland am Mordseestrand steht (die Ostsee hat gleich dem Mittelmeer fast keine Flutbewegung), dann ist es für ihn am einfachsten, entweder eines der vielen Maturgeheimnisse hinter Ebbe und Flut zu vermuten, oder die Sache ried) besser ohne weiteres Aachdenken hinzunehmen. r ,
Mur der reine Vorgang, das sofort Wahrnehmbare, das wird auch den Badegast interessieren: wie etwa alle zwol, Stunden das Wasser des MeereS bis zu einem Hochstpunkt anschwillt und wie dann nach etwa 6 Stunden diese Flutwasier- mengen gewichen sind und dem tiefsten Ebbepunkt Platz gemacht haben. And wie er draußen schon kurz nachher wieder sehen kann, daß das Wasser von neuem in seine kleinen und großen Jx innen eintritt und Prielen und Baken füllt. ,
Wir wissen nun längst, daß Mond und Sonne es suw. die durch ihre Anziehungskraft Ebbe und Flut verursachen, und


