Eichener ZamilienbMer

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Jahrgang (925 den 10. Januar AummerS

(fing.

schon unter weih

band

Peter hakte das lange weiße Machthemd angezogen unb lag in seinem Himmelbett in der Dachkammer, unb nun sollte er schlafen.Es ist schon spät," hatte die Mutter gesagt,und morgen früh ist die Macht um. Gib acht, daß dich der Sand­mann nicht findet, ich habe ihn schon schleichen sehen, und wer nicht schläft, den streicht er mit der Haselrute, die er an der Seite trägt wie einen kleinen Säbel."

Aber Peter konnte nicht schlafen, ob er auch ein wenig Angst vor dem Sandmann hatte. Sicher hat das der Mond, der eben tetr. Silberhorn von dem Schornstein des Machbarhauses abhakte, sich mit krummem Mücken auf den Dachfirst legte und von dem dicken Kater des Bierbrauers nebenan schaukeln ließ, daß die Studenten auf der Straße glaubten, die Welt sei in Aufruhr und sich an den Laternen festhielten.

Peter," sagte der Kater, der ihn vom Spielen auf dem Dachboden kannte,die Macht ist zu schön zum Schlafen. Deine Mutter hat sich gerade einen süßen Punsch gekocht und eine neue Länge zum Aastricken vorgenommen. Sie wird dich nicht suchen, wenn du ein wenig mit mir spazieren gehst. Der Mond mag sich alleine weiter schaukel!,, er wird mir sowieso ' SU rund, und dem Sohne des dicken Brauers, den ich dort den Studenten sehe, ist vom Zuschauen schon die Mase geworden. Wir wollen uns ein Stück die Welt besehen."

Peter war es zufrieden. Er schlüpfte aus dem Bett, sich seinen Husarenfäbel um. der immer am Bettpfosten yla. falls er doch etwa beut Sandmann begegnen sollte, und stieg durch das Fenster auf bas Dach. Der Kater gab dem Monde noch einen tüchtigen Schwung, baß er verdrießlich vom Dachfirst wegschaukelte und alle Studenten vor Schreck .pereat" riefen strich an der Dachtraufe hin und setzte sich neben Peter auf die Fensterbank.

Memento.

Bon I. W. v, Goethe. Kannst dem Schicksal widerstehen. Aber manchmal gibt es Schläge,' Wilkö nicht aus dem Wege gehen, Ei! so geh du aus dem Wege'

Peters Nachtfahrt.

Ein Märchen von I. O. Bringezu.

Ich muß einen Augenblick ausruhen, ehe wir abreisen Es ist richtig, wie der Astrvnomieprofessvr sagte, bei dem ich eine Zeitlang in Diensten war: Michis ist schwerer als die Gestirne durch unseren Geist so zu lenken, daß keine cklnordnuna im Amversum entsteht. Die Welt ist ein schwieriges Instrument wehe, wenn sie unseren Händen entgleitet, man kann nicht sagen' tote s-ch danach die Dinge entwickeln würden. Doch ich deUke' wir können jetzt unsere Weltreise beginnen."

Wird sie auch nicht zu lange dauern," fragte Peter der we-.l er noch so jung war, glaubte, man müsse um die ganze Welt reifen, wenn man sie kennen lernen wolle,und werde ich toteuer zurück fein, wenn meine Mutter nach mir siebt?"

Du brauchst dich nicht zu sorgen, du siehst, die Meise geht schon los, sagte der Kater und im Augenblick standen sie beide tu entern außerordentlich großen Saale, in dem wele Menschen mit schonen Kleidern saßen, die alle nach einer Seite sahen, die allem in dem ganzen Hause von Lichtern hell war, unb wo einzelne Leute lebhaft miteinander sprachen.

Wo sind wir hier," fragte Peter, der noch nie ein Theater buchen hatte, weil seine Mutier zu arm war, um mit ihm dort hineinzugehen,wieviel Menschen gibt es doch hier!"

DkkS ist eine harmlose Unterhaltung, die sich die M-nsch-n ersonnen haben, um die Seiten des Levens, die sie nicht kennen O'to ^eguemere Wccke vorgoführi zu bekommen. Sie halten sich zu diesen. Zweck eine besondere Art ihrer Gattung, die sie Dichter nennen, Menschen, deren Seelen so fein find, daß sie sich an Dingen. Lte Den andern stumpf und harmlos erscheinen, blutig

und fwßero Diese Seelen haben sie ob als Gunst weiß es nicht von Gott erhalten. Durch Ä Dl'fahrung hat man nun gefunden, daß die Seelen dieser Ä-5® l-e besonders stark gequält und gepeinigt werden, i(e Fähigkeiten bekommen, Dinge zu sehen, benni maß im All­tagsleben gewöhnlich nicht begegnet. 3111

ße ferner, wenn man sie verspottet oder sie verächtlich macht, und vor allem, wenn man sie tüchtig hungern laßt, ganz

besonders schöne, oft sogar grausiK-schöne Dinge sehen kölmerr, vie oanii, wenn man sie im Theater vorsührt, einen prächtigen Schauer entstehen taffen.

. Jeit dies offenbar geworden ist, tut man, st>i-e du dir denken tann-ff, alles, um die Dichter zu möglichst vielen und schönen Ges ich.cn anzuregen. Die sehen sich die Leute dann im Theater "m »>w wenn der Dichter einmal ein besonders seltenes Bild erschaut yat, Werl man es mit der Quälerei arg genug «trieben $ann. stad sie vor Freude außer sich und schreien rmd warf giert mit den Händen, daß unsere berühmtesten K«h<rn- wuslren dagegen ganz ohne Bedeutung sind."

ri. ^ien in diesem Augenblick auf der TheaterLühns em solches besonderes Bild gezeigt zu haben, denn es ^a^!!.,eui ^ufen und Klatschen, ja sogar ein Mandalieren mit ven su;,en, daß Peter nicht Wichte, was er davon denken sollte.

Stück," sagte ein dicker Herr mit einem ganz taölen Koam zu ferner Nachbarin, die reich mit glitzernden Clemcn bedangt war. ,,^re Derzweiflung dieses jungen Men- schem daß die W über ihn lacht und ikm betrügt, während MT61®' t«»em Ideal der großen Mchchstenlrebe

verehren zu tannen, ist außersrdentlich rührend. Es' ist fe&r f4>ßoe, dat) es tu der WtirUichkeit so wenig solcher Leute gibt Im Snterefte unseres Stabes ist das doch seh^zu 'Wnrn'K.E^v-' $ der Dichter selbst: bravo, bravo, junger et tst uoch jung, und wie es scheint, sieht er n»ve aus. Bravo, bravo., junger Mensch; wir wollen ihn -u^erem nächsten Tee einladen, die Bekanntschaft mit ihm nach Lesern Er,olg wird uns sicher einen guten Mamen machen," kannst K den^chL^ sehV ' W ** Äe^R % l'i'win, und es war ihm. als müßte er ihn kennen

. mag schon fern, sagte Der Kater,aber komm w: w.klen werter sehen, bas Leben hat erst an^angen" r.F öamtt flinncn sie aus dem Saale eine breite werden war * 3an° «T

Gib mir deine Hand, Peter, wir kommen in einen wr. ei°AteJt be\ 5toar '-an meinen früheren Kalev- Megen^ her noch kenne, der aber so voller Win iw ist. daß wii,- letch. den Weg verfehlen können, zumal uns der Mond au» purer Bosheit seinen dunklen Buckel zulehrt. Es ist «Ä meSv Charakter^ &T ®r6e 8 no*e gekommen, das verdirbt beit

Erichen sie mit vieler Bvifficht Über flache und spitze Dächer hm; der Kater vetschmÄhte es nicht bin imd su Vaft ?lC fkf f!c£>? fühlte, weil er hier- lange nicht

hmv V? " ralfJU Zerspersen,man tut, wozu man ge- .^eter sie schmeckt mir ebenso gut, wie dir ein »L ^^^Husenbraten. bis sie an ein Fenster kamen hinter &ert zwet Stimmen mitem ander sprachen 3

to,ir bleiben," sagte der Steter,man kann dnS "~5a n»aru$, wenn man es nur hort. Die Worte haben, auch Gesichter, wir ^rerc wissen es genau, weil wir nicht soviel Wvr.e haben wie ihr Menschen, aber dafür Haben wir viele rI1 uR? .«^kstlmmte a-onstufen und ein feines Gefühl für die Seele jebeS Wor.es, das ihr zu euch und uns sagt." fi.. a'I ,Jlv?nn ber ruhelos in dem Zimmer auf und nieder güt@ /u, elneTn Kudern, der sich gebeugt an eine Wand leBnta Unb es war, tote wenn er zu sich selber- spräche. ' '

SsZU tst t&ren eigenen Weg gegangen; ich glaubte ernst fte hatte mich wirklich lieb und doch wollte sie nur mit meinem DEm vor den Menschen prunken ; aber als sie das SpiÄ weute, gmg sie davon. Ich habe cs getragen, obwohl ich ft« mepr stebte, als sie wußte, mehr als meine Kunst, die fast dar- un.er litt, a-a hat das Leben meine Seele gehärtet, aber di« Kunf. machte, daß die Härte einen guten Klang gab. Du hast ihn aus den Werken gehört, die mir später gelangen, und von denen die Wenigen sagen, daß sie gut sind.

gehst auch du: ich frage dich nicht nach dem Grunde. Vielleicht lockt dich die Welt, vielleicht eine Liebe, vielleicht sin Muhm, von dem du glaubst, daß du ihn ohne mich leichter finden wirst. Ich wünsche dir. daß du ihn findest.

Es war eine Freundschaft zwischen dir und mir. über beten Tiefe die Welt spottete. Sie konnte es tun. denn sie ist voller Eigenart. Sie verspricht Liebe und gibt Haß, sie sät Leben und erntet den Tod, sie baut den Tempel der Freundschaft bi« an den Himmel und der Grund ist doch nur Tand: wir wiffm e»