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Met nicht yvS Begente Moment» heraus, scheiterte aber uatür« tzch <m der eifrig benuihten Kommissarsgattin, aus der wahrscheinlich auch feine Dressur eine Schauspielerin machen wird. Dekorativ war die Aufführung insofern interessant, als sie mit Etwas Neuem versuchte, nämlich mit Wänden aus Drahtgeflecht, Vie durch entsprechende Beleuchtung etwa wie verschiedenfarbiges Glas wirken und sicherlich noch allerlei Möglichkeiten berge"-
Der Weg von diesem neuen Theater zu dem Moskauer Kammertheater Alexander Tairoffs ist mcht weit und wel- leicht geht mancher Schauspieler des.Reuen Dramatischen Theaters" ihn noch einmal zurück. Was für eine Stellung diese Buhne im Moskauer Lheaterleben einnimmt, konnte man in di^en Tagen sehen, als sie das Jubiläum ihres zehnjährigen Bestehens feierte. Es war em Fest für das ganze künstlerisch interessierte Moskau, bei dem eine Fülle offizieller und offiziöser Gratulanten erschien. Wenn ein Direktor und Regisseur mitsamt seinen Hauptdarstellern einer Idee, unter zeltweisem Verzicht auf Gage und Verdienst, zehn Jahre hindurch treu bleibt, so ist das etwas, was allerdings schon Anerkennung verlangen darf. Tairoff, der jetzt eine zweite Gastspieltournier durch Deutschland macht, ist seit dem Erscheinen seines Buches als der Verkünder der Lehre vom .entfesselten Theater bekannt. Derrn er will das Theater wieder als selbständige Kunst, nicht mehr als bloße Mittlerin einer anderen, der Literatur, sehen. Sein Ideal ist die alte Commedia dell'arte, und seine Aufführungen haben den einzigen Zweck, den Zuschauer ein Paar kurze Stunden zu fesseln und gleichermaßen sein Auge und sein Ohr zu beschäftigen. Daß er als Dekorationsstil etwas fand, was sich häufig mit dem Konstruktivismus berührt, gehört nicht unbedingt zu seiner Wesensart: er ist auch anderen Stilarten nicht feind, wenn sie nur seiner Vorstellung von der Bühne nahekommen. Je nach dem Stück, das er inszeniert, läßt er seinen Malern freie Hand, sich in starker Farbigkeit auszugeben oder zwingt sie zu einer Beschränkung auf wenige Schwarz-weiß- Kontraste. So kommt es, daß in seiner Inszenierung der Operette „Girofle-Girofla" alle Farben durcheinanderwirbeln, während Shaws .Heilige Johanna" sich vor einem grauen, durch Braun unterbrochenen Hintergrund, mit nur wenig farbrgen Kostümen, abspielt. Aber sein Persönlichstes gibt er nicht in der Phantastik des dekorativen Elements, sondern in der dramaturgischen Bearbeitung der Stücke und der eigentlichen Regie. Das Stück wird von ihm so gestrichen und zusammengezogen, bis es seinen Ansprüchen an eine dramatische Handlung entspricht: und der Regisseur Tairoff versucht durch ferne Spielleitung die letzten Aeste irgendwelcher toter Punkte zu beseitigen. So nimmt eine Bewegung die andere auf, die Spannung läßt nicht einen Augenblick lang nach, und der Zuschauer (auch der, der z. D. nicht der russischen Sprache mächtig ist) kommt voll auf seine Kosten, es sei denn, daß ihm dos Stück als solches irgendwie heilig und deshalb unantastbar ist. Der Regisseur Tairoff zwingt seine Schauspieler zu einer Exaktheit in Sprache und Bewegung, die auf unseren Bühnen selten ist. Eine große Theaterschule, in der etwa eineinhalb Hundert Schüler und Schülerinnen unterrichtet werden, sorgt dafür, daß eines Tages auch ein Ersatz vorhanden fern wird. Denn Tairoffs Schauspieler müssen nicht nur sprechen können, sie müssen Körpertechnik eines Akrobaten haben, müssen Tänzer und Sänger fein, weil sie nur so auch dem alten Ideal der Commedia dell 'arte gerecht werden. So hat er wieder echtes Theater erweckt, wie es bei uns Deutschen auch ein Kleist (Marionetten) forderte, und in seiner Kunst liegt etwas, das jeden Theaterfreund und -fachmann beglücken mutz. Daß er auf dem rechten Wege zu einem neuen Theater ist, zeigt die Auswirkung seiner Arbeit auf die andern, führenden deutschen Theater.
General Sutter.
Ein deutsch-amerikanisches Lebensbild. Von Dr. Friedrich A. Whneken.
Zu Kandern in Baden wurde Johann August Sutter am 28. Februar 1803 von schweizerischen Eltern geboren und verlebte dort seine ersten Jugendjahre, um später in eine Militärakademie zu Bern einzutreten. Er verlieh das Institut im Jahre 1823 und verheiratete sich um dieselbe Zeit mit Anna Düblet. Dann trat Sutter als Offizier in französische Dienste, die er jedoch in seinem dreißigsten Jahre als Hauptmann wieder verlieh.
3n dem jungen Schweizer lebte jene Lust zu Abenteuern, jener Unternehmungsgeist, der so vielen seiner Landsleute eigen ist. Mit dem festen Vorsatz, in Amerika eine Schweizerkolonie -u gründen, landete Sutter im Juli 1834 in Reuhork, begab sich von da direkt in die unerforschten Regionen im Westen des Mississippi und wählte dort in der Umgegend von St. Charles im Staate Missouri eine seinen Zwecken entsprechende Landstrecke aus. Der kühne Abenteurer mußte aber seine Absicht schließlich aufgeben, da seine gesamten Effekten mit einem Schiff auf dem Mississippi untergingen.
Ohne den Mut zu verlieren, erforschte Hauptmann Sutter Aeumexiko, wo er von Jägern und Fallenstellern Kunde erhielt von den sonnigen Tälern und bewaldeten Hügeln Kaliforniens. Solche Berichte begeisterten den jungen Schweizer dazu, das Feld seiner beabsichtigten Hniernehmungen nach der pazifischen Küste zu verlegen.
Gr schloß sich, um dorthin zu gelangen, einer Gesellschaft von Pelzhändlern an und durchkreuzte mit ihnen das Felsengebirge zu Pferde. Rach einer beschwerlichen Reise voller Gefahren gelangten die Männer in Fort Vancouver an, und Sutter fuhr zunächst mit Segelschiff nach Hawaii, in der Hoffnung, von dort aus zur See nach Kalifornien gelangen zu können; denn zu der Zeit war es noch undenkbar, auf dem Landweg von Oregon in die Gegenden des semitropischen Sonnenscheins zu gelangen.
Der kaffeebraune König der Dandwichinseln nahm den weihen Fremdling liebenswürdig auf, und als Sutter nach einigem Warten auf einem englischen. Schiff als Superkargo nach Sitka abreiste, tat er dies in Begleitung von acht jungen Kanälen, die der exotische Herrscher ihm geschenkt hatte, und die Sutter natürlich bereitwillig mit sich nahm. Von Sitka aus fuhr er, seinen Weisungen folgend, die pazifische Küste hinunter. Durch einen heftigen Sturm wurde das Schiff in schadhaftem Zustand am 2. Juli 1839 in die Bucht von San Francisco getrieben, wo es in der Nähe von Verba Buena, dem heutigen San Francisco, vor Anker ging.
Aber nur wenige Stunden später erschien ein mexikanischer Offizier, begleitet von vier handfesten Soldaten, an Bord und ersuchte Sutter, den Hafen schleunigst zu verlassen und sich bei dem in Monterey residierenden Gouverneur die Erlaubnis zu einer Landung in Kalifornien zu holen. Mit Mühe gelang es Sutter, einen für sein Schiff und dessen Reuverproviantierung notwendigen Aufschub von achtundvierzig Stunden zu erlangen. Dann aber machte er dem in der etwas südlicher an der Küste gelegenen Stadt Monterey wohnhaften Gouverneur Juan Bau- tista Alvarado seine Aufwartung. Der mexikanische Grande, dem der blauäugige Germane gut gefiel, gab ihm einen Reisepaß und die Erlaubnis, sich für seine Zwecke freies Land auszu- fuchen, wo er solches in Kalifornien finden könne.
Mit solchen Vollmachten versehen, kehrte Hauptmann Sutter nach Verba Buena zurück, das damals kaum fünfzig Einwohner zählte. Alvarado hatte den Wunsch geäußert, daß die fruchtbaren Landstrecken am Sakramentoflutz, die von wilden und feindseligen Indianern bewohnt waren, besiedelt werden möchten. Dorthin also beschloß der junge Abenteurer seine Schritte zu lenken. Leider hatte in Verba Buena kein Mensch auch nur eine blasse Ahnung, wo die Mündung des Flusses zu finden sei. Sutter heuerte infolgedessen einen Schoner und mehrere kleine Boote und begab sich selbst mit feinen acht kanakischen Dienern und ebensovielen Weißen von amerikanischer, irischer bzw. deutscher Abkunft auf die Suche. Rach einwöchigem mühevollen Hmherkreuzen in der Bucht entdeckte Sutter endlich die betreffende Mündung und fuhr den Fluß stromauf, bis er etwa zehn Meilen von der heutigen Stadt Sacramento auf eine Bande von mehreren hundert Indianern stieß, die ihm in offenbar feindseliger Absicht entgegentraten. Glücklicherweise verstanden einige der Rothäute Spanisch, und so gelang es Sutter, sie nicht nur zu beruhigen, sondern sogar zu seinen Freunden zu machen. Zwei derselben dienten ihm als Führer und blieben Bei ihm, - als der Schweizer endlich unweit der Mündung des Rio de los Americanos in den Sacramento Halt machte und lagern lieh.
Hier glaubte Sutter das Land seiner Jugendträume gefunden zu haben. Sich nach allen Richtungen über unübertrefflrH fruchtbaren Boden ausdehn end, bewässert von dem still dahinfließenden Sacramento und dessen Nebenflüssen, überwölbt von einem sanftblauen Himmel, an dem &te Sonne sich selten hinter Wolken versteckt hielt, war das von unserem Abenteurer besetzte Gebiet, das jetzt noch Sutter Country seinen Namen trägt, seinen humanitären Zwecken so außerordentlich gut entsprechend, wie wohl kein anderes auf Gottes weitem Erdboden.
Sogleich begann Sutter seine segensreiche Tätigkeit als Kolonist. Hm sich zunächst gegen die Indianer zu schützen, die ihn anfangs immer wieder bedrohten, bis er sie endlich ganz und gar versöhnte und sich dienstbar machte, ließ er eia starkes Fort bauen, dessen Kanonen wenigstens die besten Vermittler zwischen ihm und dem roten Mann bildeten. Dann aber begann der Pionier auf feinem Landgut, das an Ausdehnung einem europäischen Grobherzogtum kaum nachstand, Vieh und Pferde zu ziehen, und zwar in so reichlichem Matze, daß dort bald Tausende von Rindern grasten und ebensoviel Pferde sich unter den goldenen Sonnenstrahlen tummelten. Das außerordentlich fruchtbare Land wurde mit Getreide aller Art bebaut, und nach kurzer Zeit standen im Tal des Sacramento Kornfelder, deren gelbliche Wogen sich auf Quadratmeilen hin erstrecktem und nicht mehr mit bloßem Auge zu übersehen waren.
3m Juni 1841 besuchte Sutter feinen mexikanischen Freund, den Gouverneur von Kalifornien in Monterey, der dem SchweiM das von ihm besetzte Land unter dem Namen „New Helvetia? in aller Form überschrieb und garantierte, ihn zum mexikanischen Bürger und General machte und ihm unter Bern Titel »Representante del gobierno en las frontetaS del norte, Y encargado de la jussicia" volle richterliche Gewalt in seinem Gebiet übertrug.
Mit unerschütterlicher Energie und Tatkraft regierte nun dieser „Self made man“ und König fein grotzes Reich, auf dem sich nach und nach willkommene Einsiedler einfanden und nieder- lietzen, aber auch zugleich mit großer Milde und solcher Herzensgüte, daß seine Freigebigkeit und Hilfsbereitschaft unter den
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