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Notz aber kommt es auf Geschicklichkeit an; doch es fei für diesmal!"
Llnd so war es; der Floß, mit dem er abgehen sollte hatte acht Glaich (Glieder), und waren im letzten von den größten Zimmerbalken. Aber was geschah? Am Abend zuvor bringt der lange Michel noch acht Dalken ans Wasser, so dick und lang als man keinen je sah, und jeden trug er so leicht auf' der Schulter wie eine Flözerstange, so daß sich alles entsetzte. Wo er sie gehauen, weiß bis heute noch niemand. Dem Holzherrn lachte das Herz, als er dies sah; denn er berechnete, was diese Dalken kosten könnten; Michel aber sagte: „So, die sind für mich zum Fahren, auf den kleinen Spänen dort kann ich nicht fortkommen." Sein Herr wollte ihm zum Dank ein Paar Fölzer- stiefel schenken; aber er warf sie auf die Seite und brachte ein Paar hervor, wie es sonst keine gab; mein Großvater hat versichert, sie haben hundert Pfund gewogen und seien fünf Fuß lang.gewesen.
Der Floh fuhr ab, und hatte der Michel früher die Holzhauer in Verwunderung gesetzt, so staunten jetzt die Flözer; denn statt baß der Floß, wie man wegen der ungeheuren Balken geglaubt hatte, langsamer auf dem Fluh ging, flog er, sobald sie in den Neckar kamen, wie ein Pfeil; machte der Neckar eine Wendung und hatten sonst die Flözer Mühe gehabt, den Floh in der Mitte zu halten, um nicht auf Kies oder Sand zu stoßen so sprang jetzt Michel allemal ins Wasser, rückte mit einem Zug den Floß links oder rechts, so dah er ohne Gefahr vorüberglitt, und kam dann eine gerade Stelle, so lief er aufs erste G'stair vor, ließ alle ihre Stangen beisetzen, steckte seinen Ungeheuern Weberbaum in den Kies, und mit einem Druck flog der Floß dahttr, daß das Land und Däume und Dörfer vorbei- zuiagen schienen. So waren sie in der Hälfte der Zeit, die man sonst brauchte, nach Köln am Rhein gekommen, wo sie sonst ihre Ladung verkauft hatten; aber hier sprach Michel: „Ihr seid mir rechte Kaufleute und versteht euern Nutzen! Meinet ihr denn, die Kölner brauchen all dies Holz, das aus dem Schwarzwald kommt, für sich? Nein, um den halben Wert kaufen sie es euch ab und verhandeln es teuer nach Holland. Lasset uns die kleinen Dalken hier verkaufen und mit den großen nach Holland gehen; was wir über den gewöhnlichen Preis lösen, ist unser eigener Profit!
So sprach der arglistige Michel, und die anderen waren es zufrieden; die einen, weil sie gerne nach Holland gezogen wären, es zu sehen, die andern des Geldes wegen. Nur ein einziger war redlich und mahnte sie ab, das Gut ihres Herrn der Gefahr auszusehen oder ihn um den höheren Preis zu betrügen; aber sie hörten nicht auf ihn und vergaßen seine Worte, aber der Hollander-Michel vergaß sie nicht. Sie fuhren auch mit dem Holz den Rhein hinab, Michel leitete den Floh und brachte sie schnell bis nach Rotterdam. Dort bot man ihnen das Vierfache von dem früheren Preis, und besonders die ungeheuren Dalken des Michel wurden mit schwerem Geld bezahlt. Als die Schwarzwälder so diel Geld sahen, mußten sie sich vor Freude nicht zu «assen. Michel teilte ab, einen Teil dem Holzherrn, die drei anderen unter die Männer. Lind nun setzten sie sich mit Matrosen und anderem schlechten Gesindel in die Wirtshäuser, verschlemm- ten und verspielten ihr Geld; den braven Mann aber, der ihnen ubgeraten, verkaufte der Holländer-Michel an einen Seelenverkäufer, und man hat nichts mehr von ihm gehört. Don da an ward den Burschen im Schwarzwald Holland das Paradies und Hol cki n der-M ichel ihr König; die Holzherren erfuhren lange Nichts von dem Handel, und unvermerkt kamen Geld, Flüche, schlechte Sitten, Trunk und Spiel aus Holland herauf.
, Der Holländer-Michel war, als die Geschichte herauskam, nirgends zu finden, aber tot ist er auch nicht; seit hundert fahren,treibt er feinen Spuk im Wald, und man sagt, daß er c behilflich gewesen sei, reich zu werden, aber —
auf Kosten ihrer armen Seele, und mehr will ich nicht sagen. Aber so Oirf ist gewiß, daß er noch jetzt in solchen Sturmnächten mi Dannenbuhl, wo man nicht hauen soll, überall die schönsten Dannen aussucht, und mein Vater hat ihn eine vier Schuh dicke umbrechen sehen wie ein Rohr. Mit diesen beschenkt er die, weiche sich vom Rechten abwenden und zu ihm gehen; um Witter- nattn bringen sie dann die G'stair ins Wasser, und er rudert mit ihnen nach Holland, Aber wäre ich Herr und König in Holland, ich ließ ihn mit Kartätschen in den Boden schmettern;
®$tffe, die von dem Holländer-Michel auch nur einen halten haben, müssen untergehen. Daher kommt es, Laß man von so vielen Schiffbrüchen hört; wie könnte denn sonst ein schönes, starkes Schiff, so groß als eine Kirche, zugrunde gehen 2l&er so oft Holländer-Michel in einer (Sturm* nacht im Schwarzwald eine Tanne fällt, springt eine seiner NEausden Fugen des Schiffes; das Wasser dringt ein, und das Schiff ist mit Mann und Maus verloren. Das ist di« Jage vom Holländer-Michel, und wahr ist es, alles Döse im Schwarzwald schreibt sich von ihm her; oh! er kann einen reich wachen, setzte der Greis geheimnisvoll hinzu, „aber ich möchte
Aoeis in der Haut des dicken Ezechiel und des langen Schlurkers stecken; auch der Tanzbodenkönig soll sich ihm ergeben
LFortsehung folgt.)
Endlich überwand seine Ungeduld die Furcht, die ihn bis jetzt noch abgehalten hatte. „Warte, du kleiner Bursche," rief er, „dich will ich bald haben!" sprang mit einem Satz hinter die Tanne, aber da war kein Schatzhauser im grünen Tannenwald, und nur ein kleines, zierliches Eichhörnchen jagte an dem Daum hinaus.
Paul Munk schüttelte den Kopf; er sah ein, baß er die Deschwörung bis auf einen gewissen Grad gebracht habe, und daß ihm vielleicht nur noch ein Reim zu dem Sprüchlein fehle, so könne er das Glasmännlein hervorlocken; aber er sann hin, er sann her und fand nichts. Das Eichhörnchen zeigte sich an den unteren Aesten der Tanne und schien ihn aufzumuntern oder zu verspotten. Es putzte sich, es rollte den schönen Schweif, es schaute ihn mit klugen Augen an; aber endlich fürchtete er sich doch beinahe, mit diesem Lier allein zu fein; denn bald schien das Eichhörnchen einen MensHenkopf zu haben und einen drei- spitzigen Hut zu tragen, bald war es ganz wie ein anderes Eichhörnchen und hatte nur an den Hinterfüßen rote Strümpfe und schwarze Schuhe. Kurz, es war ein lustiges Tier; aber dennoch graute Kohlenmunkpeter, denn er meinte, es. gehe nicht mit rechten Dingen zu.
Mit schnelleren Schritten, als er gekommen war, zog Peter wieder ab. Das Dunkel des Tannenwaldes schien immer schwärzer zu werden, die Däume standen immer dichter und ihm fing an so zu grauen, daß er im Trab davonjagte, und erst als er in der Ferne Hunde bellen hörte und bald darauf zwischen den Bäumen den Rauch einer Hütte erblickte, wurde er wieder ruhiger. Aber als er näher kam und die Tracht der Leute in der Hütte erblickte, fand er, daß er aus Angst gerade die entgegengesetzte Richtung genommen und statt zu den Glasleuten zu den Flözern gekommen sei. Die Leute, die in der Hütte wohnten, waren Holzfäller, ein alter Mann, fein Sohn, der Hauswirt und einige erwachsene Enkel. Sie nahmen Kohlenmunkpeter, der um ein Nachtlager bat, gut auf, ohne nach seinem Namen und Wohnort zu fragen gaben ihm Apfelwein zu trinken, und abends wurde ein großer Auerhahn, die beste Schwarzwaldspeise, aufgesetzt.
Nach dem Nachtessen setzten sich die Hausfrau und ihre Töchter mit ihren Kunkeln um den großen Lichtspan, den die Jungen mit dem feinsten Tannenharz unterhielten, der Großvater, der Gast und der Hauswirt rauchten und schauten den Weibern zu; die Burschen aber waren beschäftigt, Löffel und Gabeln aus Holz zu schnitzeln. Draußen im Wald heulte der Sturm und raste in den Tannen, man hörte da und dort sehr heftige Schläge, und es schien oft, als ob ganze Bäume abgeknickt würden und zusammenkrachten. Die furchtlosen Jungen wollten hinaus in den Wald lausen und dieses furchtbar schöne Schauspiel mit ansehen; ihr Großvater aber hielt sie mit strengem Wort und Blick zurück. „Ich will keinem raten, daß er jetzt vor tue Sur geht," rief er ihnen zu, „bei Gatt, der kommt nimmermehr wieder; denn der Holländer-Michel baut sich heute nacht ein neues G'stair (Floßgelenk) im Wald."
... Die Kleinen staunten ihn an; sie mochten von dem Holländer- Michel schon gehört haben, aber sie baten jetzt den Aehni, einmal recht schön von jenem zu erzählen. Auch Peter Munk, der vom Holländer-Michel auf der andern Seite des Waldes nur undeutlich hatte sprechen hören, stimmte mit ein und fragte den Alien, wer und wo er fei. „Er ist der Herr dieses Waldes und nach dem zu schließen, daß Ihr in Eurem Alter dies noch nicht erfahren, tkiüßt Ihr drüben über dem Tannenbühl oder
. gar noch zweiter zu Hause sein. Dom Holländer-Michel will ich Such aber erzählen, was ich weih, und wie die Sage von ihm geht. Dor etwa hundert Jahren, so erzählte es wenigstens mein Aehni, war weit und breit kein ehrlicheres Volk auf Erden als die Schwarzwälder. Jetzt, feit fo viel Geld I im Land ist, find die Menschen unredlich und schlecht. Die jungen Burschen tanzen und johlen am Sonntag und fluchen, daß es ein Schrecken ist; damals war es aber anders, und wenn er letjt zum Fenster dort hereinschaute, so sag ich's und hab es oft gefagt: Der Hollander-Michel ist schuld an all dieser Verderbnis. Es lebte also vor hundert Jahren und darüber ein reicher Holzherr, der viel Gesinde hatte; er handelte bis weit in den Rhein hinab, und sein Geschäft war gesegnet; denn er war ein frommer Mann. Kommt eines Abends ein Mann an feine Türe, der» Archen er noch nie gesehen. Seine Kleidung war wie die der Schwarzwälder Burschen, aber er war einen guten Kopf höher aK alle, und man hatte noch nie geglaubt, daß es einen solchen »tefen geben könne. Dieser bittet um Arbeit bei dem Holzherrn, §° -^rr, der ihm anfah, daß er stark und zu großen Lasten tuchttg sei, rechnet mit ihm seinen Lohn, und sie schlagen ein. Der Michel war em Arbeiter, wie selbiger Holzherr noch kenmn gehabt. Beim Baumschlagen galt er für drei, und wenn sechs am einen Ende schleppten, trug er allein das andere. Als er aber ein halb Jahr Holz geschlagen, trat er eines Tages und begehrte von ihm: „Hab jetzt lang genug IV? gehackt, und so macht ich auch sehen, wohin meine toe 3t‘ -
'w;^r^£>l36T: antwortete: „Ich will dir nicht im Weg fein, toenn du em wenig.hinaus willst in die Welt; zwar beim Holzfällen brauche ich starke Leute wie du bist, auf dem
Echriftleikung: Dr. Sriedr. Wilh. Lange. - Druck und Verlag der Brühl'schen Llniv.-Buch- und Sieindmckerei, R. Lange, Gießen.


