Ausgabe 
8.12.1925
 
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89t

Ira Saal. Gr

Eine

Äotett beugt

als hätten wir im Kinderwägelchen zu<

den Schlei« glänzien. Die Augen teS Zwerges ater strahlten! feuriger als je.

Einsam und traurig stand nur der Sultan selbst, nachdem

heim Lesen des Titan die gute Absicht nicht Verstehen."

Er bekommt ein« Ahnung davon, tote dem Helden Tassos t» Armidens Zaubergarten zumut gewesen sein muß.

Männer verwirren nur, Mann« ordnen nicht", tändelt sie Weit« mit gewinnend« Grazie. »And was Sie da von glück­lich« Ehe sagten, so was kommt doch nur in Romanen, zum Deispiel bei Jean Paul vor."

Wenn « es ab« aus dem Leben abgeschrieben habe»

Pansch.

Geschichte aus ter Biedermeierzeit.

Von Carl WormS.

l Fortsetzung. -

sie sich vor. Gr muß die Ohrgehänge sehr sie will es so. Dabei löst sich eine witer-

denken in die Kalesche gepackt, damit « nicht ganz zum Melan» cholikus würde.

Wilhelmine hatte sich aus dem feuchten Grase des Rymphen- brunnens nur einen tüchtigen Schnupfen geholt, während in d« Muschelgrotte alles nach Wunsch verlaufen war. Binz« und Rita, zu gleicher Zeit zur Stelle, hatten sich gefreut, daß sie beide Jean Pauls Hesperus mitgebracht hatten. Dorgelesen aber halt« nur « trotz des Regens und sie auf manches Schöne aufmerksam gemacht. Sie schämte sich innerlich, daß bisher gerate das Halb­verstandene sie begeistert hatte. Auf seine Ditte, dies« Morgen­vorlesung wiederholen zu dürfen, hatte sie nichts einzuwenten und schlug nur einen noch ungestörteren Ort vor. Man könne ja darin abwechseln, meinte er, so lerne er den Park kennen. So führte sie doch Jean Pauk zusammen, undBinger verstand es, schonend allmählich das Werk an des Dichters Stelle treten zu lassen. Auch die verstimmte Wilhelmine versöhnte « mit ter versprochenen Komposition. Rita ab« glaubte ihrem Ideal treu zu bleiben, wenn sie mit Binz« von ihm sprach

Endlich gab es auch toieter Sonnenschein und zwar einen ganz besonders goldenen für Dora und Tannenfeld. Das war dn Pilgern. Fahren und Reiten nach dem eine halbe Stunde entf«nten Schlößchen, in einem Gartenwalde reizend gelegen, mit einem hübschen Ausblick üb« die Tannen hinweg auf die bläuliche Hügelkette. Die kleinen Wohnzimm« waren heit« von ter Augustsonne durchleuchtet, eine wahre Psingstlaube prangte die hölzerne Freitreppe in festlichem Grün, ein dick« Ast«nkränz umwand Pult und Stuhl des Dorlesers, mitten in ter offenen Glastür. Hatte Jean Paul bish« Ritas wegen damit gezögert, um ihr wenigstens aus den Augen zu kommen, so fand er weiter keinen Grund. Cs mußte fein.

Selbst Marheineke und Feu«bach unterbrachen ihre Studien und batten nur ein Bedenken, Jean Paul tourte ter Jugend un­verständlich sein, woraus « sich liebenswürdig bereit erklärt, das Unverständlichste zu interpretieren. Ja, als man erfahren, Jean Paul habe Dora versprochen, gepudert und mit hohem Kragen zu «scheinen, da ließen sogar Gräfin und 'Baronin anspannen.

Feierliche Stimmung bereitete Ben Genuß vor. Es war doch etwas Großes, den olympischen Gött«liebling unter sich zu haben, bet sich bisher nur wie ein ander« Mensch gegeben chatte. Wortlos sanken sich die Jüngsten in die Arme, andere schritten sinnend unter Tannenschatten allein, hier tourte Elfenbein» täselchen und Stift hervorgeholt, dort schon ein Taschentuch bereit gelegt.

11 nb meta Platz, Dora?- fragte Wilhetmtae, als sie die Lehnstühle schon besetzt fand.

Weißt du, Helmy, zum Armsessel bist du noch zu Jung, Du mußt mitten unter ter Jugend auf den Stufen sitzen. Sie totes auf die Treppe, wo man sich zwanglos zu bunten Gruppen deretate» __

Hnb die lauschige Ccke hi« hinter Dirkenlaub? W« soll da hinein? Wem gehört das Rähzeug?"Rita."

Und ter Filzhut daneben?"Dem Doktor.

Das geht nicht, Kind, das mußt du anders arrangieren. Dora schlug ein übermütiges Schnippchen:Laß doch Httmy. Du sollst sehen, tote sie sich hilflos ansehen werten. Sie bringen kein Wort h«aus. Cs ist zu komisch wenn Rita rot wird. Trällernd hüpfte sie fort, als sie die Freundin langsam h«aus- kommen sah. _

Aicht wahr, du trittst mir deinen Platz ab, 2titar Zum erstenmal schien etwas Fremdes zwischen sie treten zu wollen, sie maßen sich mit kühlerem Blick. Rita hatte erschrocken aus- geschaut, nun antwortete sie gefaßt:Sonst gern, verehrte Mama, nur diesmal nicht."

Und warum, wenn ich fragen darf 7

Weil ich hi« ungestört« zuhören kann. .

Und ter Doktor wohl auch?" fragte Wilhelmine lauernd mit spöttisch gekniffenen Lippen.Du mußt mehr auf dich halten, Kind. Wer einmal versprochen ist..."

,&o gut tote versprochen, du weißt es. Set Doktor weiß

Da kommt «, fragen Sie ihn selbst." Heftig hatte sich Rtta abgewandt. Ater schon bereute Wilhelmine eine Schroff­heit, die Rita gegenüber zum mindesten unklug war A-ttq trat Dinz« heran und entfernte seinen Hut:Der Platz ist ftei. bttte

O nicht doch. « ist versprochen, ich sehe es in. Hub Ich acht geben auf die Kleine. Doktor. Ich finde mich schon."

Das Haupt ldcht ndgend. ging sie hinüber, wo ihr Mar- tetnefe feinen Platz abtrat. Da trat Jean Paul in d« Tür.

Seine Verbeugung mochte nicht g«ate ßoffajjtg fein, nie eingezwängten Wangen und das hervorguellente Kinn machtmi sich etwas fremdartig, ater kein Mund verzog sich spöttifch. Man wußte, was « mit sich brachte. Waren es auch,nur abge­rissene Gedanken, «st in Löbichau entstanden, gerade solche Apho­rismen entzückten damals jung und alt Sinnend konnte man ne weiter spinnen, anwenden, eine eigene Deutung hinettttegen. Ein klein wenig p«sönliche Anspielungen, bald schmeichelnd und streichelnd, bald neckend und kitzelnd, erhöhten den Retz.

Andächtig hingen bald all« Augen an seinen Livpen. un­geachtet seines Dialektes und etwas schwerfälligen Vortrages. Rur Feu«bach räusperte sich ärgerlich, wenn Jean Paul, seines Versprechens eingedenk, interpretierte: Doldbeschwingt« Engel,

eße Hochzeitsgäste das Schloß d«lassen hatten, mitten in dem hatte sich selbst am schwersten gestraft

Datei will sich ihr üppiges, dnmal gelöstes Haar nicht mehr Sgen. Mit einem Seufz« wirft sie die Rose Binz« zu und re Hände greifen in den Lockenwust, wobei die Spitzen an ihrem Kleide sich »«schieben und di« prachtvolle Düste mehr hervor» ireten lassen. Er hat sich schweigend erhoben und ist an einen edschillernten Käfig getreten, worin ein Kakadu sich verschla« im Ringe schaukelt.

Sie dürfen sich wieder umsehen, danke", spottet sie mit einem momentanen Aufblitzen ihr« wundervollen Augen.Und jetzt gehen Sie Wohl hin und erzählen mein« Rita, wie eitel ihre Mama noch fdn kann? Dess«, ich höre es selbst. Ihren Arm, Herr Doktor."

Sie sühft es, weiter darf sie nicht gehen. Sie hat genug erfahren, um wieder sicher« auftreten zu können.

Wie sie üter die Freitreppe schreiten, steht Jean Paul unter neugierigen jungen Mädchen und kritzelt einige Worte auf einen Fächerrand. Betreten schaut « dem Paar mich. Wilhelmine wendet sich um und nickt ihm boshaft zu.Sie müssen schon foleter beglücken. Sie Dielgeplagter? Morgen Dorlesung in Lannenfeld und heute kein Winkel im Schloß zu still« Einkehr in sich selbst. Ob Sie nicht in die Orangerie flüchten? Da plaudert eS sich wenigstens herrlich glauben Sie mir."

VII.

Die Hähne hatten den Regen herangekräht und ter Regen­pfeifer ihn weit« verkündet. Ater trotz tewölkten Himmels berriefelten nach Jean Pauls Ausspruch die Tage so unvermerkt, baß man immer erst anzukommen glaubte. Die Zeit mess« hi« nach ein« Sanduhr, worin man den feinen Sand gar nicht laufen sehe. Unter strömendem Regen toar Gras Pet« abge­fahren, und Semmes-Mathe hatte ihm noch zwei kurische Stu»

sollte..."

Vielleicht. Dann sucht « seine Ideale nur in Dürgerstuten, hie nach Rosenblättern und Lawentel duften. Sehr f au ter, ab« nicht mein Geschmack." Sie drückt die Rose an die leicht gerötete Wange und fragt mit gesenkten Augenlidern:Was halten Sie eigentlich von Jean Paul, von seinen Werken natürlich?"

Er räuspert sich als suchte « nach Worten, schlägt ein Dein üter das untere und erwidert nach einigen schnellen Armbewegungen, daß « selten einen Dicht« gefunden, bei dem Werk und Künstler so übereinstimmten. Jean Paul spreche so, wie « schreite. Aus beiden erkenne man ein überquellendes Gefühl, das sich in Wort und Tat ausströmen, jeden Menschen glücklich machen will, jedenfalls eine reich teanlagte Ratur mit 6tel Herz und Seele.

Zu viel Herz, zu viel Seele," stichelt Wilhelmine, die mit seltenem Behagen lauscht. Er wendet sich ihr lebhaft zu:Sie tonnten recht haben, Prinzeß. Auf die Dau« kann auch solch eine Glückseligkeitstheorie ermüden, tote man auch wenigstens ich,

~ ungeduldig werden farm. Rur muß man

»erfennen. Ich weiß nicht, ob Sie mich

nahe bewundern, ... .. ...

spenstige Locke und fällt auf seine Schult«. Spielend greift sie danach ihr schön« nackt« Arm streift ihn, ein berauschend« Duft geht von ihrem Haar aus. Unwillkürlich hebt er dte Hand, ihr zu helfen, aber neckisch zieht sie sich zurück:Das verstehen Männer nicht, entschuldigen Sie."

Ab« vortrefflich als hätten wir im Kinterwägslchen zu­sammengesessen. Richt wahr, liebst« Doktor, solche Allerwelt»- beglück« haben meist eine undankbare Rolle. Sie wollen selig machen, wo man am Ende gar nicht selig werden will."

Ater doch glücklich Durchlaucht?" spricht « ernst, mit fester, eindringlich« Stimme.Glücklich will jeder Mensch sein. Das ist es, woran Jean Paul erinnern will."

Das klingt ihr zu hausbacken, sie muß ihn auf andere Ge­danken bringen. Offenbar wird ihr warm, ter weiße Kaschmir­schal sinkt vo-n ihren schöngeformtSchultern. Reckend streicht sie mit ter Rose seine Hand:Mtt Ihrem Jean Paul! Er ist mir zu marklos, gut für genesende TyphuSkranke. Als ob man ohne ihn nicht glücklich w«den könnte. Sich selbst muß man fein Glück verdanken. Ober w«den Sie bei Jean Paul betteln gehen?"