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Klebhoff, Schlosser, folgende,
leinen Arbeits-Lohn Tausend und fünfhundert Gulden zahlen lassen. Zu diesem Fatz ist eine Stiege von sieben und zwanM Stafslen, und alsdann ein klenes Drückten hinauf zu gehens Es sollen zu den zierundzwantzig eysernen Ileiffen, dre um das Fay gelegt sehn, hundert und zweyundzwantzig Centner ®»fen sehn gebraucht worden; und fasset dießes Faß hundertzwehunddrehsng Fuder, dreh Ohm und drei Viertel; Ein Fuder aber Mt zehn Ohm, eine Ohm acht und vierhig Maah. .
Das Wahrzeichen ist eine Nacht-Eule und em 2lff, ein Low ohne Zung; und ist solches so hoch, daß em Mann mit einem Renn-Spieß aufrechtdarinnen stehen kam Nachdem aber dieses Faß durch den Landverderblichen drehsigiahmgen Krieg ver dorben, und sonst verfallen, hat Churfurst ^arl Ludivig un Jahr 1664 ein neues und weit grosseres verfertigen lassem^, welches eine Treppe von funfftzig Staffeln hat, worauf man hinauf steiget; Oben darauf ist em Altan, zwantzig Schuh lang, mit einem ilmgang, auf welchem sechs Personen bequem tantzen
Auf der fordern Seiten.
1.
Als tausend und fünfhundert Jahr, And neuntzig eins die Jahr-Zahl war, Da Chur-Fürst Johannes Casimir, War dieses Landes Schutz und Zier;
2.
Ward hier ein grosses Faß erbaut, And als ein Wunder angeschaut, Desgleichen zu derselben Zeit War keines in der Christenheit.
■» 3.
Nachdem hat man auch in dem Reich Berühmte Fässer unferm gleich, 2lls man der Sachen nachgedacht, Und etwas grösser aufgemacht.
4.
Hernach das Faß viel Jahre stund, Daß man es nicht mehr brauchen tunt, Hielt weder Wasser, Bier, noch Wein, Lag in dem Keller nur zum Schein.
5.
Carl Ludwig Churfürst hochgebohrn Des Landes Trost von GOtt erkohrn, Bracht in die Pfaltz nach vielem Lehd, Den Seegen, Ruh und Sicherheit.
6.
Was Feindes-Hand, was Schwerdt verheert, Was Krieges-Feuer hat verzehrt, In diesem Lande, Schloß und Stadt, Der fromme Fürst erneuert hat.
7.
Auf dessen Willen und Geheiß Das Heydelberg erhielt den Preiß, War dieses Fatz so aufgeführt, .Und, wie mans siehet, ausgeziert.
8.
Gott segne diese Pfaltz beh Rhein, Bon Jahr zu Jahr mit gutem Wein, Dah dieses Faß und an&re mehr. Nicht, wie das alte, werden leer.
Auf der andern Seiten-stehen nachfolgende (Verse);
1.
Der Wein erquicket Jung und Alten, And wird darumben aufbehalten;
Er gibt dem Lands-Knecht Helden-Muth, Dah er frisch waget Leib und Blut.
2.
Wann Jörg und Freubensberg^) leben sollt! And seinen Knechten geben wölte Gewehr und Harnisch, glaubet das, Sein Zeughaus wäre dieses Faß.
*) Georg v. Frundsberg.
£D1U1Q3orne am Fatz stehet das Chur-Wappen; Ein ziemlich grosser Bacchus sitzt oben darauf, einen grossen Kelch in der Hand haltend, mit vielen Sathris (im Gefolge des Dionys, des Zeus sohnes, des Gottes des Weinbaues, auftretende Dämonen und Nymphenräuber) und dergleichen Bildern von versoffenen «eu» ten; es ist gleichfalls so hoch!, dah ein Wann, mit einem Spieß darinnen aufrecht stehen Ian, und sind auch, wie um daS erstere, vierundzwantzig ehserne Reiffe daran gelegt; und halt, zweh- hundert und vier Fuder, dreh Ohm und vier Viertel Wern. Der Werckmeister davon Ware Johann Mäher, der Zeit Chur-Pfältz. Hof-Keller, seine Gehülffen aber Rörger, Frantz, Mahler; Reinhard von Werth, Bildhauer; Christoph, Hof-Schrerner; Hans Zimmermann; und Hans Eberhard Leibler, .Stadt- Die daran eingehauene Verh und Reimen sind nach- von Joseph Thanneberg aufgesetzet.
3.
Man untersteht sich viel« Sachen, And will, was gut ist, besser machen; Der aber Wertreffen wolt Ditz Fatz, sich Wohl besinnen svlt.
4.
In diehern Fatz sind eingeschlossen
Viel schöner Sprüch, auch Schimpfs und Posseii, Nach dem in seinem Hirn der Mann, Der trinft, die Wein vertragen kan.
5.
Wir können vieler Ding entbehren, Auch Ditz und Jenes nicht begehren! Doch werden wenig Männer sehn, Die Weiber hassen, und den Wein.
6.
Der Wein uns fremde Sprachen lehrt, Den Blöden Hertz und Muth vermehrt! Berauscht man sich, so werden gleich Der Knecht ein Herr, Der Bettler reich
7.
Der Wein und Gold sind hochgeachtet, Ein jedermann nach behden trachtet, Der Mann bestehet in der Welt, Der mäßig brauchet Wein und Geld.
8.
Man brauet Bier im Land zu Meissen, In Sachsen, Pommern, Holland, Preußen, GOtt Lob! Die edle Pfaltz am Rhein, Gibt uns und ihnen guten Wein.
Auf den vier Gesichtern des Fasses:
1.
Sehd willkommen hier beh diesem Fatz, Kein grösseres gesunden wird, als das.
2.
Eben mit dir, sind unser vier (?).
3.
Warum sott ich nicht fröhlich sehn, Bin ich doch allzeit beh dem Wein.
4.
Ich hab mehr grosse Faß gesehen, Das behält den Ruhm, mutz ich gestehen.
Nachdem aber auch dieses Fatz durch den Frantzöfischen Ein- fa-ll und Verstörung der Stadt und des Schlosses Hehdelberg unbrauchbar geworden, und beh viertzig Jahr lang leer gelegen, haben Jhro jetzt regierende Churfürstliche Durchlaucht Carl Philipp den gnädigsten Befehl dahin ergehen lassen, dah es wiederum renoviert und verbessert werden solle; welches denn unter Absicht des ditzmahligen Chursiirstlichen Hof-Kellers Englers mit Einmachung zweher neuen Böden und funffzehen Tauben 1728 in vollkommenen Stand gebracht, und mit Churpfälhischem Land- Wein angefüllet, und zwar auf Ihre Churfürstl. Durch!. Rahmens-Tag als den ersten May wiederum voll worden. Gin jeder von denen neu eingemachten Böden hat zwey und sschtzig Schuh im Amkreih, und jede Taube in der Länge drehfig Schuh; Es ist ferner mit Ihrer Churfürstl. Durch!, verguldeiem Wappen, einer doppelten Treppen, Bildern und neuen Versen gelieret worden, worunter unter andern dieser Schluß ist:
Carl Philipps Jahr und Leben Nach der Zahl soll so messen wohl, Soviel Tropfen uns Thut geben Wann das Faß gefültet wohl.
Den Mannheimer Geschichtsblättern vom Jahre 1915 zufolge leistete sich Karl Ludwig (1648—1680), Kurfürst von der Pfalz, im Jahre 1671 folgenden grotesken Scherz. Eine feudale französische Gesandtschaft war gekommen, um mit ihm in Heidelberg wegen der Hochzeit der prächtigen heimatfröhen und Heimattreuen Liselotte (Elisabeth Charlotte) mit dem Herzog von Orleans, dem Bruder Ludwig XIV., zu verhandeln. Gab es einen schöneren Platz für ein großes, feines Mahl als auf dem Rücken des Fafses, um die Gäste zu ehren? Das Faß stand damals leer. Aber in feinem Innern hatte auf Befehl des Herren der fröhlichen Pfalz in aller Heimlichkeit eine ganze Schar von Musikanten und Kesselpaukern Platz genommen. In dem Augenblicke Wer, als die feinen Franzmänner mit ihrem Gastgeber auf das Wohl ihres französischen Königs ansttehen, gab es plötzlich unter ihnen einen solchen Höllenlärm,, daß sie zu Tode erschracken und in ihrem Teufelsschrecken die Treppe hinab- stürzten. Erst als die Musikanten in menschlich!er Gestatt dem Fasse entstiegen, beruhigten sich ihre zaghaften Gemüter wieder.
„ Fröhlich'Pfalz, Gott erhalt's."
Wie sollten sich doch die Zeiten bald ändern, und wie sehr wurde alsbald Karl Ludwig enttäuscht, der durch dies« Vermählung feinem Lande hatte Ruhe und Frieden sichern wollen, denn es kamen die schwersten Zeiten, die die Pfalz jemals erlebte.
(Schlutz folgt.)
Verantwortlich: I. V.: Ghrhard Evers. - Druck der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.


