Gietzener jamiNenblStter
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Jahrgang ' Dienstag, öen 6. Januar ~ üiimmer 2
Dreikönigstag.
Don Annette von Trvste-Hül-Hoff. Durch hie Nacht drei Wandrer zieh», Am die Stirnen Purpurbinden. Liefgebräunt von heißen Winden And der langen Netfe MühN Durch der Palmen säuselnd Grän Folgt der Diener Schar von weitem: Don der Dromedare Seiten Goldene Kleinode glichn, Wie sie klirrend vorwärts schreiten, Slitze Wohlgerüche fliehn.
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Finsternis hüllt schwarz und dicht. Was die Gegend Mag enthalten: Riesig drohen die Gestalten Wandrer, fürchtet ihr euch nicht? Doch ob tausend Schleier flieht Sos und leicht die Wolkenaue: Si^reich durch das zarte Graue Sich ein funkelnd StrrnleiN bricht Langsam wallt es durch das Blaue, And der Zug folgt seinem Licht.
Horch, die Diener flüstern leis: ..Will noch nicht die Stadt erscheinen Mit den Tempeln und den Hainen, Sie, der schweren Mühe Preis? Ob die Wüste brannte Heist, Ob die Nattern uns umschlangen, Ans die Tiger nachgegangen, Ob der Glutwind dörrt den Schweift. Augen an den Gaben hangen Mr den König stark und weis'." Sonder Sorge, sonder Acht.
Wie drei stille Münde ziehen Am des SönNensternes Glühen. Ziehn die Dreie durch die Nacht. Wenn die Staublawine kracht. Wenn mit grausig schönen Flecken Sich der Wüste Blumen strecken: Schaust sie still auf jene Macht, Die sie sicher wird bedecken. Die den SierN hat angefacht.
Die „Fee Befrma".
(DaS Dreikönigsfest in Rom.) Bon Curt Bauer.
Wenn in der Heimat die Kinder als Heilige drei König« verkleidet mit dem Stern von Haus zu Haus ziehen wird in Ronr das eigentlich- Weihnachtsfest für die Kleinen 'begangen Denn eS ist nicht das Christkind, sondern die Fee BefmM die in der Nacht vom 5. zum 6. Januar herniedergeschwebt kommt, um ihnen allerhand Geschenke tnitzubringen. DavuM gilt als das größte Fest der Freude in Italien nicht Weihnachten, son- 5^nf »Deckige drei Könige". Wenigstens in dem italienischen Hause, Die Weihnacht wurde mtt)r als kirchliches Fest 6e--
Mitternacht eine Art Kartenlotteris E suchte daraus die große Weihnachtsmesse in der Kirche.
N.e.hnachtzbaum hat erst neuerdings Eingang gefunden und zwar nur bei wohlhabenden Familien, in denen das Fest tC nCharakter anzunehmen beginnt.
&eu Geschäfte gewannen Weihnachtsbaum 9 bereits große Verbreitung. Aber in den nDS ebensowenig in den Familien OEÄ Nischen ift cd ihrnicr noch bie 6-etIttie Ävlbbe
Ö'e <^en Snn festes symbolisiert. Sie wird vom 24. De- tember bis zum 6. Januar ausgestellt, d h von der Geburt
Sardes bis zur Ankunst der HMligen^ drei MMge ^*'e, ^m-fche Krippe ist freMch ein großes Kunst- ? B Untergrund bildet meist irgendein historischer- Boden, z. B. das Forum RvmanuM mit seinen gewaltigen Ruinen
feldern oder eine Ansicht von Jerusalem. Oft sind es mehrer» hundert Figuren, überaus künstlerisch aus Holz geschnitzt mit Winten Gewändern bekleidet, aus denen Ftd> solch eine zusammensehi. Im Mittelpunkt steht die Krippe selbst lnlt. dem heiligen Paar und dem Kinde, zu denr die Heiliaem nlait *Vl?hn’S»i Ä' ^Geschenken gezogen kommen. Freilich W l'f rtm besitz einer Krippe, nicht einmal den
.petersdonr Andererseits jedoch befinden sich die ältesten und S» ib &er Xtoi6en Stadt. Bekanntlich geht dies«
®*‘A den heiligen Franz von Assisi zurück. Bon ibm und seinen Brudern wurden die ersten Krippmi in der Grotte Bert Und ausgestellt. Zahllose Pilger zogen
ein" -b-n und trugen dein Kloster reichlich Almosen
'.r'5ovt redoch rühmt sich, eme viel ältere Krippe zu besitzen bestan'r kk' -tht *r 811 Bethlehem geboren wurde. Sie N»w A ^"Doh und soll im Z. Jahrhundert nach
I £,otrt sebracht worden sein, wo man sie in der Basili'ra St | Maria Maggiore aufbewahrt. Tatsächlich gehört diese Krippe | I« «0 mcht Anspruch darauf hat. die älteste zu fein. | noch öu den ersten, die mit bewealichetr Figuren anaefertiat | «ü. der Berggrotte des Hl. Franz' hergeleitet wird
| ®f- Maria in Aracoeli, heute noch die am
| 2?^.?^uchte uno verehrte Roms. Sie steht in ter reichen I .der Gewänder, mit denen die heilige Familie te^
j 'st. «ult ihren prunkvollen Gold-- und Silberspitzen zwar I ÄT, Gegensatz zu der frommest Aeberlieferung von der 1 Geburt des Heilandes. Aber die einzelnen Figuren zeigen I LiLeUnmdernswerte Tiefe des AMruües und siad vmi I ‘,1 Böllendung. Die Krippe Mrd zwischen Weihnachten | lin& Spiphama in der ersten Kapelle links ausgestellt. Ihr
Mgennber sieht man um diese Zeit ein kleines Podium aus i .-Otl ul‘rt J ■$ Menge der Zuschauer zu stauest
I C$’”c S^sen eifrig plaudernde Kinder empor-, I vie hier kurze Ansprachen an deil gegenüber in der Äribhe | liegenden Heiland halten. Zum Leit sind ihnen diese bald 5 räustigen, bald kindlichen Predigten von den Eltern, zum Teil 8 von ihren Seelsorgern einstudiert worden. Es sind lauter Weins
SchsU'^'^tt aus bent Volke, die ihre Sprüche mit äußerst ge-- I wandten Gesten Herzufagen wissen: Kinder von etwa 4—10 tMktzü d-wen natürktche Grazie sich dabei zum erstenmal ist ®-l£s x etra-^e: Oeffentlichkeit vorsteil!, wo dies eben Nirr ein- ^u-d der Römer, dieser Meister der Geste, zu tun vermag.
-nachdem sich das römische Kind durch den Anblick der Krippe rm.. durch allerhand Belustigungen vorbereitet hat. kommt
. MMhvrstd der Lichterglanz der
?*■ ,H‘)e erlischt. ^ ßeigt die heilige Fee Defana, umgeben vim Lichter- Gold- und Silberschmuck in die Wohnungen
Menschen, wo Kinder sind — das heißt die Eltern haben ähnlich wie es m einigen Gegenden Deutschlands bereits m üblich ist einen mir allerhand leckeren Süßigkeiten gefulckeü Strumpf auf den Kamin gelegt: der heidnische Ak» Sprung unseres bunten Tellers unterm Weihnachtsbaum QCtet auch oarnber hmauS hat die Fee Besann die Gepflogenheit den artigen Kiiwern die verschiedensten erfreulichen Gegenständ« tzu verstecken, Für die Mädchen die Puppe, für die Knaben das SchaukZpferd, Schiffe, Automobile ü. a. Ganz wie bei uns zu Weihnachten, nur daß der so freudig in die kleinen Herzen vrnigei.de L-chterglanz des Wmhnachtsbaum.es fehlt. In WiA° ychkeit entpuppen sich die besseren Sächelchen auch als deutsche« Fabrikat, denn die italienische Spielwarenmanufaktur steht nicht gerade auf der Höhe. Daher sind die Puppen und Wägekchetr hier recht teuer, und das römische Kind pflegt namentlich im nicht annähernd so reich bedacht zu werden tote daM Mche. Nicht überall redoch hält die Fee Defana einen so stillen, geheimmsvolten Einzug wie in den Schlaf der Kstcher. Während diese längst der Schlummer umfängt, entsteht auf den Straßen em fürchterliches Geblase und Getute von Mechinstrn. n'enten, als hätten sich sämtliche Automobile der Wett ein Stelldichein gegeben. Einzeln und in Gruppen ziehen diese Bmser nut von Festfreude beschwingter Lungenkrast nach der VMM» Savona, eilten herrlichen viereckigen Platz mit drei großen Nlarmvrbrunnen, wo sich der Lärm zu einem interna» uschen Getose verdichtet. Zwischen bunten Jahrmarktsbuden und Feuerwert sammelt sich, auf- und aöziehend, daS römische Do« i^r verschiedensten Stände zu Ehren der Fee Defana an, um Ar eine wahre Hexenmusik darznhringen. Webe dem fangm Mädchen, das ahnungslos in diesen bewegten MenschenknÄM'


