Ausgabe 
5.12.1925
 
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2k» bet SchioeKe des Ktinsn DiwÄtzkmmcrr verlegte ihnen eilte Wolke von jungen Samen den Weg.Gnade, Baronin, Gnadet" sichten zchn bis zwanzig Stimmen. Wilhelmine trat als Sprecherin vor und bat in drolliger Rede um Aufhebung der Acht, sintemal die Weiblichkeit von Löbichau ihren Tenor nicht entbehren könne. Geschmeichelt dankte die seelsnvolle Mama und wandte nur ein, daß bei den auf geweichten Wegen die Passage bedenklich sei.<W) stelle einen Laufzettel für die Stationen auS", rief die Herzogin hinüber, die eben mit dem kurländischen Adelsmarschall hinzutrat. .Mein Wogen soll ihn holen, mein Resse wird sich die Ehre nehmen, halbwegs eittgegenzufahren.

Eine glänzendere Genugtuung farmte sich die gekränkte Da» toittn kaum wünschen und Detter Peter nahm sich sofort die Ehre und schwor hoch und teuer, er bringe ihr den Sohn, wenn er ihn auch erst'am Rordpol von einer Lhvmbrepartte mit Robben loseisen mühte. Lachend eilte er ytr Gesellschaft zurück, im Billardzimmer streifte Sora an ihm vorüber mit einem Blick, als könne sie's ihm nicht sagen, tote sie ihn verachte:Sir reisen wirklich, Vetter?"

«Zweifeln Sie? Warum sollte ich nicht? MeinHerz ist eine torische Scheune mit einem Heusuder von Gutmütigkeit. Otto und ich müssen uns rehabilitieren."

So wird ein Peter wohl &cn andern holen."

Schab, davon verstehen Sie nichts. Was weih ein Engel, tote Teufel Blindekuh spielen. Mrs der ersten Station wird ent Pferd lahm, auf der zweiten der Kutscher betrunken, auf der nächsten bekomme ich das Rheuma, bis wir erst nach Wochen halb tot zu diesen niedlichen Füßen nied»-.'sinken. Sie kneten unterdes den Pansch. Das macht man so." Gr trat ans Billard und griff nach den Kugeln:Sie zwei roten bleiben zusammen in einer Ecke, der gelbe sind Sie. Kommt ein weißer den roten zu nah, krach, haben Sie ihm eins versetzt. Siehst du wohl, wie er läuft. Ue6rigcn6 haben Sie meisten Rainen vernngsimpft, das räche ich durch einen Kuh."

^Unterstehen Sie sich." Sie jagte» zweimal um das Billard herum, da hatte sie den Kutz schon auf der QBange.

..Gräßlicher Mensch!" Mit Abscheu rieb sie sich die getroffene Stelle, da hatte die andere Wange auch ihr Teil. Arm flüchtete sie aus dem Zimmer, um 3etm Paul direkt in die Arm« zu laufen.

Sachte, sacht! So fängt man Eichkatzen', scherzte der,wenn unser Paar nur auch schon so weit wäre. Jetzt steht eS am Klavier, er kippt auf den Bast, sie auf den Diskant. Sc spricht i.on ©^If eggten, sie von Pizzicato, aber daraus wird noch keine Melodie. Was hat's denn hier gegeben, Prinzeßchen?"

Sera klagte ihr Leid, der Graf meinte, die Welt se: ehckch geworden, sie feierten eben den großen Weltfrieden, was Sora durchaus bestritt. Lachend versöhnte sie Sean Paul.

Sie sollten das lebhafte Kind nicht zu tief in unsere Karten testen lassen", warnte Jean Paul, aber flugs unterbrach ihn der Graf/ Sora sei kein Kind, ihr Blick kontrolliere die Schnecke im Häuschen. Brühwarm habe sie ihm hinterbracht, daß die Leiden Gelehrten mit der Ehassepot von einem Gegengewicht getuschelt hätten und di« Baronin auf Binzer gewiesen habe. Wir staben also ein vierblätteriges Kleeblatt zu rupfen. Wenn Ihr räsonabler Doktor nur mitrupfe» möchte. Er ist mir -u modest, zu ökonomisch in der Liebe, tote Doktor Hahnemann mit seinen homöopathischen Tropfen." ~ ,, , _ ,

Und hurtig entwarf er das Bild eures Liebhaber nach seinem Sinn und demonstrierte, tote er die Welt einrichten würde, falls er der Herrgott um re. Danach müßten alle Hofs» imngslosen Jungfern vom dreißigsten Kahre an von Staats wegen in eine große Kaserne hinein, damit sie keinen Unfug mehr ins Land trugen. Sem ehrbaren Familienvater standen die Haare zu Berge bei den weiteren Auslassungen des Grafen, der zuletzt Cousine Wilhelmine als Eustodin seiner Kaserne an» stellen wellte. Denn die habe entschieden einen Plan und rühre an ihrem Pansch Also Pansch wider Pansch! Mit der Parole trennten sie sich lachend.

3n demselben Augenblick schleicht Wilhelmine lauschend zur entgegengesetzten Tür hinein. Ob sie sich erholen will von all den Danksagungen, die sie für ihrs Aegir mit süßsaurer Miene entgegenaen c-mmen ? Roch aber gibt sie sich nicht verloren, sie ist ganz Auge und Ohr. Die Rückkehr beS Barons hat sie schon durchgesetzt. Was hatten die beiden aber wieder hier zu lachen? Ihr ist, als kicherte aus jedem Winkel ein Kobold. Sie ist heute blendender als je. Binzer hat den blauen Himmel so gern, sie ist in blauer Seide. Binzer liebt natürliche Blumen, eine Qloire de Dijon prangt in ihrem Haar. Binzer haßt jede lin- natur, sie ist ungepudert, ungeschminkt. Als sie ihn aber zu einer Promenade im Park auffordert, da hat ihn Rita zum Tanz ab» geholt: wie sie diese an den Teetisch postiert, wird der Doktor durstig und trinkt Tee tote ein Busse vor seinem Samowar. Wo ist er nun? Sie huscht durch daS Lesezimmer, wo sie ein plauderndes Pärchen aufftört und lugt in den Saal. Richtig, da stehen sie wieder zusammen am Klavier, und Musik ifl_ ein so gefährliches Thema für die Jugend. Dora hüpft vorüber und ladet sie stolz zur Dorlesung ein. Sean Paul wird verlesen? Die Aufregungen wollen nicht enden. Petzt hört sie Rita lachen, tote zufällig rauscht sie am Klavier vorüber.

.Denken Vte, Mama", ruft diese sie an,der Doktor hat mtt mit gewettet, daß er morgen mit feiner Lektüre früher im Park sein wird als ich Am Aymphenbrrrnnen entscheidet es sich 'Wer zu spät kommt, hat zur Strafe aus dem Buche des andern ein Kapitel vorzulesen."

»Wollen Sie mich zur Schiedsrichterin?" proponiert Wil» helmine nervös.Aber, Rita, hübfch achtgeben! ®ie Tasse der Baronin ist leer. Gut also, morgen am Rymphenbrunnen." Rfta wird rot und wirst tote zufällig einige Notenblätter vom Pult. Binzeer und sie bücken sich zugleich danach. »Morgen in der Muschelgrotte", flüstert sie hastig uni) eilt zum Büfett.

»Etwas verschlossen, die Kleine?" fragt Wilhelmine und fixiert den jungen Mann lebhaft, »tote eine Königin der Rächt, bte nur selten blüht."

»Aber dann um so schöner." Briyer folgte der jugendlichen Gestalt mit innigem Blick.

»Finden Sie?" fragte Wilhelmine gedehnt. Er antwortete reicht. »Sind Die mir böte, Doktor? Dann komme ich erst »echt zum Rymphenbrunnen. Mir als Mutter kommt e8 zu. Aber toaS bekomme ich, wenn ich dte Früheste bin? Dann komponier«! Sie mir ein Gedicht nach meiner Wahl, gelt? Das soll hübsch werden. A propos, die Königin der Dacht. 3n unserer Orangerie soll ehre blühen, der Gärtner hat es verspr-chen. Ich bin zu neu­gierig. Begleiten Sie mich^

Run hat sie ihn für sich 3n der etwas schwülen, bfüten» geschwängerten Atmosphäre des Gewächshauses, bei mattem Ampellicht sitzt sie neben ihm auf der Gartenbank und zieht die Rose auS ihrem Haar. Die Königin der Rocht blüht natürlich noch nicht, aber Wilhelmine will sich etwas erholen. Sie unter­hält ein Kreuzfeuer sinnberückender Blicke, sie schwärmt für Deutschlands gekuschte Jugend, sie erzählt vom Kongreß und dem Paris des Kaiserreichs. Rur von Rita spricht sie nicht mehr. Und er hört sie cm mit dem Interesse, tote man etwa einen spannendem Zeitungsartikel liest, den man endlich doch aus der Hand legt. Sie ist die Mutter, die gewonnen werden muß. Es fällt ihm auch kaum schwer, liebenswürdig zu fein gegenüber so viel Frische und Ungezwungenheit. Sie aber scheint enttäuscht und unterbracht sich mtt der Frage: ,.Soll ich Ihnen sagen, toaS Sie denken?"

»Daß ich sehr egoistisch bin, verehrte Frau, indem ich der Gesellschaft Ihre Anwesenheit entziehe."

O bitte, der Dorwurf trifft mich übersetzen tote Ihre Worte inS Männliche. Und zwar habe ich sehr mit Absicht ge­handelt, mein schöner Ritter. Eine ältere Frau, die schon viele Männerherzen als unsolide Bankhäuser erkannt hat, sieht schärfer und sieht, wie hier ein überhöflicher Herr eben im Begriff ist, unseren jungen Damen dte Köpfe zu verwirren. Darum führte ich Sie hierher." Er küßt ihr artig die Hand und sagt leise: »Zur Königin der Rächt, mehren armen Kops zu verwirren."

Sie zuckt ungläubig lachend die Schultern: »Sollte das noch möglich sein? Meist sieht es hinter solch einer vornehmen Stirn ebenso kraus aus tote über ihr. Lehren Die mich dte Männer fermen!

»So gestatten Sie mir, toetrigftenS M bedauern, daß Prinzeh eben mehr Unglück gehabt, «ls sie verdient!"

Warum nicht auch Glück? Urteilen Sie seid st. Erst warb ein Augustenburger um mich, dann ein Prinz von Gotha. Ich toei!) 'nicht, ob ersterer mehr von seinen Pferden oder letzterer mehr von seinen Hunden sprach, jedenfalls beide nicht von mir. Setost der unwiderstehliche Louis Ferdinand von Preußen, mein dritter Freier, warb eher um Grenadiere als um mich. Dann war ich eine folgsame Tochter uni) heiratete den Fürsten Rohair, ein Männchen, mit HcmdfchuhlÄrer überzogen, mit Watte ge­polstert! Wieder nichts! Zuletzt versuchte ich es mit einem russischen Fürsten. Der verlangte, ich solle auf seine Güter, Schafe scheren. Branntwein brennen, was weiß ich Ich bitte Sie, um eines einzigen Mannes willen wird man doch nicht in die Steppe. Ich ließ ihn allein zu seinen Schafen reifere.

O, tote be&aure ich, Durchlaucht...

So hören Sie doch mit Ihrem Bedauern auf! Die Klein­lichkeiten meines Geschlechts find mir fremd und ich bin frei. Das ist mir mehr inert. Oder wvlten Sie für Ihr Geschlecht eine Lanze brechen, beweisen, daß eS siebens würdige Ausnahmen gibt? Ditte."

Er streicht sich sinnend den Bart und sieht sie fragend an: Wenn Sie mir freie Hand geben, mtt Ihrer Hilfe führe Ich Ihnen binnen Jahresfrist ein Muflerexemplar, «nft zwar in glücklicher Ehe vor."

Wobei ich das Zusehen Haben foC?

»Wobei Sie Ihre undankbare Bergangschett vergess« sollen."

»Wer sagt Ihnen denn... Gar und gar reicht, ich will sie nicht vergessen, ich denke mitunter ganz gern an sie. Wollen Sie mir glauben, daß ich sogar immer hübsche Souvenirs an mir trage. Dies Armband mit Türkisen stammt von meiner ersten Hochzeitsreise. Diesen Ring gab mit mein russischer Fürst in einer Laube. Oder war es eine Grotte? Genau Weiß ich'S nicht mehr. Die Kameen hier sind von LouiS Ferdinand.

fFortsetzung folgt.)

Schristteliung: Dr. Jrtedr. Mtt-. Lange, Druck und Verlag Der Vrüht'iÄen Änwe-Vuch» und ©tembrsdetei, R. Senge, Stehe*