— 386
unt>
aus Der
den von
Sie steckte die Lampe an und ging sofort hinter Ladentisch, um zu bedienen. Tie dachte, es »Asse der Dischof Mecheln sein.
Niedergeschlagen sahen sie einander an.
»Es ist Gott zuliebe", sagte Sanft Nikolaus. Gerne Hütte er seine Mitra gegeben, aber alles das war ihm vom Himmel geliehen, und es wäre Heiligenfchändung gewesen, es wegzugeben.
Trinchen Mutser rührte sich nicht und betrachtete sie finster.
„Tu es dem Himmel zuliebe", sagte Knecht Ruprecht. »Nächstes Jahr will ich auch deinen ganzen Laden austaufen." »Tu es aus lauter Poesie", sagte der Dichter theatralisch. Aber Trinchen rührte sich nicht, sie fing an zu glauben, weil st« kein Geld hatten, daß cs verkleidete Diebe seien.
»Wir kommen wegen dem großen Schokvladenfchiff", sagte Sankt Nikolaus, weiter konnte er ihr nichts erklären, denn sie war schon weg und kam wieder in ihrer lächerlichen Nachtkleidung, mit einem bloßen Fuß und einem Strumpf in der Hand, machte die Tür auf.
»Herr Bischof", sagte sie stotternd, „hier ist das Schiff bester Schokolade, «ich es kostet fünfundzwanzig Franken."___
Preis war nur zwanzig Franken, aber ein Bischof kann ja gern fünf Franken mehr bezahlen."
Aber nun platzte di« Bombe! Geld! Sankt Nikolaus hatte kein Geld, hat man im Himmel nun einmal nicht nötig. Knecht Buprecht hatte auch kein Geld, das Kind hatte nur ein zerschlissenes Hemdchen an, und der Dichter kaute an feinem langen Haupt- und Barthaar vor Hunger — er war vier Wochen Miete schuldig.
«f seinem weißen, schwer beladenen Eselchen und den schwarzen Knecht Ruprecht durchzulassen.
Aber wie kamen sie nun auf die Erde? Ganz einfach Das Eselchen und ließ sich ganz behaglich mitziehen, auf den Fersen steif und glitschte nur fo hinunter, wie aus einer schrägen Eisbahn. Lind der schlaue Knecht Ruprecht faßte den Schwanz vom Eselchen und lie tzsich ganz behaglich mitziehen, auf den Fersen hockend. So kamen sie ins Städtchen, mitten auf den beschneiten Großen Markt.
In Körben, die zu beiden Seiten des Eselchens hingen, dufteten die bunten Leckereien, ine Knecht Ruprecht unter der Aufsicht von Sankt Nikolaus in der Konditorei des Himmels gebacken hatte. And als man sah, daß es nicht reichte und der Zucker zu Ende ging, da hatte Knecht Ruprecht sich in Zivil geworfen, um unerkannt in den Läden, auch bei Trinchen Mutser, Süßigkeiten zu kaufen, von dem Geld aus den Sankt Nikoiaus- vpfcrstöcken, die er alle Jahr einmal in den Kirchen auslecren durfte. Mit all den Leckereien war er an einem Mondstrahl in den schönen Himmel hinausgeklrttert, und nun mußte das alles verteilt werden an die kleinen Freunde von Sankt Nikolaus.
Sankt Nikolaus ritt durch die Straßen, und bei jedem Haus, in dem ein Kind wohnte, gab er je nach der Artigkeit des Kindes dem Knecht Ruprecht Leckereien, welche dieser, mit Katzengeschwindigkeit an Regenkandeln und Dachrinnen entlang kletternd und über die Ziegel krabbelnd, zum Schornstein brachte; da ließ «r sie dann vorsichtig hinunterfallen durch das kalt« zugige Kaminloch, gerade auf einen Deller oder in einen Holzschuh hinein, ohne die zerbrechlichen Köstlichkeiten auch nur etwas zu bestoßen oder zu schrammen.
Knecht Ruprecht verstand sich auf seine Sache, «ad Tankt Nikolaus liebte ihn wie feinen Augapfel.
So bearbeiteten sie das ganze Städtchen, warfen herab,- wo zu werfen war, sogar hier rrnd da eine harte Rute für rechte Laugennichts«.
„Da wären wir bis zum nächsten Jahr wieder mal fertig", sagte der Knecht Ruprecht, als er die leeren Körbe sah. Er steckte sich sein Pfeifchen an und fließ einen erleichtert«!» Teuszer aus, weil die Arbeit nun getan war.
„WaS?" fragte Sankt Nikolaus beunruhigt, „ist nichts mehr drin? Urtfr die kleine Eäcilie? die brave kleine Cäcilie? fchfcht I"
Sankt Nikolaus sah auf einmal, daß sie vor Cäciliens HauS standen und legte mahnend den Finger auf den Mund. Doch das Kind hatte die warme, brummende Stimme gehört wie Hummelgesumm, machte große Augen unter dem goldenen Lockenkopf, glitt ans Fenster, schob das Gardinchen wog und sah Sankt Nikolaus, den wirklichen Sankt Nikolaus.
Das Kind stand mit offenem Munde staunend da. And während es sich gar nicht fassen konnte über den goldenen Bischofsmantel, der funkelte von bunten Edelsteinen wie ein Garten, über di« Pracht der Mitra, worauf ein diamantenes Kreuz Licht in die Nacht hineinschnitt wie mit Messern, über den Reichtum der Ornamente am Krummstab, wo ein silberner Pelikan frag, Rubinenblut pickt« für seine Jungen, während sie die feine Spitze besah, die über den purpurne» Mantel schleierte, während sie Gefallen fand an dem guten weißen Eselchen, und während sie lachen mußte über di« Grimassen von dem drollige» schwarzen Knecht, der die weißen Augen herumrollen, als ob sie lose wie Laubeneier in seinem Kopf lägen, während alledem hörte st« die zwei Männer also miteinander reden:
»Ist gar nichts mehr in den Körben, lieber Ruprecht?" „Nein, heiliger Herr, so wenig rote in meinem Geldsäckel." „Sieh noch einmal gut nach, Ruprecht."
»Ja, "heiliger Herr, und wenn ich die Körbe auch ausquetsche, fo kommt doch nicht fo diel heraus tote eine Stecknadel."
Dankt Nikolaus strich kummervoll über seinen schneeweißen Lockeitbart und zwinkerte mit seinen honiggelben Augen.
„Ach", sagte der schwarze Knecht, »da ist nun doch nichts mehr zu machen, heiliger Herr. Schreib der kleinem Stellte, daß st« im kommenden Jahr doppelt und dreimal fo viel kriegen soll."
„Niemals! Ruprecht! Ich der ich im Himmel wohn«« darf, weil ich drei Kinder, die schon zerschnitten und eingepökelt waren, wieder zum Leben gebracht und ihrer Mutter zurückgegeben habe, ich sollte nun diese Keine Eäcilie, das bravste Kind der ganzen Welt, leer ausgehen lassen und ihm ein« schlecht« Meinung vom mir beibringen? Nie, Ruprecht! Nie!"
Knecht Ruprecht rauschte heftig, das brachte auf gute Ge« danken und sagte plötzlich: „Aber, heiliger Herr, nun hört mal zu! Wir haben kein« Zeit mehr, um noch einmal zum Himmel zu ruckzukehren, Ihr wißt, für Sanft Peter ist der Himmel kein Taubenschlag. And außerdem, der Backofen ist kalt und der Zucker zu Ende. And hier in der Stadt schlaft alles, und es ist Euch sowohl wie mir verboten, Menschen zu wecken, und zudem sind auch alle Läden auSverkauft."
Sanft Nikolaus strich nachdenklich über seine von vier Falten ^rrchzogen« Stirn, neben der schön« Löckchen glänzten, denn sei» Bart begann dicht unter dem Rande seines schönen HuteS.
Ich brauche euch nicht zu erzählen, wie Cäcilie langsam immer bekümmerter wurde von all den Worten. Das reiche Schiff 1^"ke nicht bei ihr stranden! Und auf einmal schoß es leuchtend
Köpfchen. Sie machte die Tür auf und stand in ihrem zerschlissenen Hemdchen aus der Schwelle. San« Nikolaus und Knecht Ruprecht fuhren zusammen tote dte Kaninchen. Doch
CSM« schlug «hrerbiesig etn Kreitz, stapfte mit ihr«» bloß«« Füßchen in den Schnee und ging zu dem heiligen Kinderfreund »Guten Tag, lleber Sanft Nikolaus", stammelte daS Kind. „Alles ist noch nicht ausverkauft ... bei Trinchen Mutser steht noch ein großes Schokoladenschiff vom Kongo... wie sie die Läden vor- gehängt hat, stand es noch da. Ich hab es gesehen!"
Don Einern Schreck sich erholend, rief Sanft Nikolaus erfreut: „Siehst du wohl, alles ist noch nicht ausverkauft! Aus zu Trinchen Mutser! Zu Trinchen... aber ach!"... und seine Stimm« zitterte verzweifelt, „wir dürfen niemand wecken."
»Ich auch nicht. Sanft Nikolaus?" fragte das Kirch.
.Bravo!" rief der Heilige, „wir sind gerettet, kommt!"
And sie gingen mitten auf der Straße, dte kleine Cäcill« mit ihren bloßen Füßen voran, gerade nach der Eierwasfel- straß«, wo Trinchen Mutser wohnte. In der Süßrahmbutterstraße wurde ihr Blick auf ein erleuchtetes Fenster gelenkt. Auf dem heruntergelassenen Vorhang sahen sie den Schatten von einem dürren, langhaarigen Menschen, der mit einem Büchlein und einer Pfeife in der Hand große Gebärden machte, und sein Mund ging dabei auf imd zu. „Ein Dichter", sagte -Sanft Nikolaus und lächelte.
Sie kamen vor Trinchen Mussers Haus. Im Mondlicht konnten sie gut das Aushängeschild erkennen: „Zum verzuckerten Nasenflügel".
„Weck sie rasch auf", sagte Sankt Nikolaus. And das Kindchen lehnte sich mit dem Rücken an die Tür und llopfte mit der Ferse gegen das Holz. Aber das klang leise wie ein Samthämmerchen. „Stärker", sagte der schwarze Knecht. „Wenn ich noch stärker klopfe, wirds noch wenig-er gehen, denn mein Fuß tut mir Weh", sagte das Kind. „Mit den Fäusten", sagte Knecht Ruprecht. Doch die Fäustchen tparen noch leiser wie die Fersen.
„Wart, ich werde meinen Schuh ausziehen, formt kannst du damit llopfen", sagte Knecht Ruprecht.
„Nein", gebot Sanft Nikolaus, „kein Dreh» und Deuteln! Gott ist heller um uns als dieser Mondschein und duldet keine Advokatenknisse." And doch hätte der gute Mann sich gern «inen Finger abgebissen, um Eäcilie befriedigen zu können.
„Ach! aber den Kerl mit de» Affenhaaren auf dem Vorhang!" rief Knecht Ruprecht erfreut, „den darf ich rufen, der schläft nicht!"
„Der Dichter! der Dichter!" lachte Sankt Nikolaus. And NUN gingen sie alle drei schnell zu dem Dichter -Remoldus Keersmaeckers.
And kurzerhand machte Knecht Ruprecht kleine Schneebälle, die er ans Fenster warf. Der Schatten stand still, das Fenster ging auf, und das lange Gestell des Dichters, der Verse von 6en Göttern und Göttinnen des Olymps hersagte, wurde im Mondschein sichtbar und fragte von oben: „Welche Mus« kommt, um mir Heldengesäng« zu frittieren ?"
„Du sollst Trinchen Mutser für uns wecken", rief Sankt Nikolaus, und er erzählte seine Not.
»Ja, bist du denn der wirkliche Sanft Nikolaus?" fragte Remoldus.
»Der bin ich!" And darauf kam der Dichter erfreut herunter, jätete allen Dialekt aus seiner Sprache, macht« Verbeugungen und redet« von Dante, Beatrice, Dondel, Milton und anderen Dichtergestalten, die er im Himmel glaubte. Er stand ihnen zu Diensten.
Sie kamen $u Trinchen Musser, und der Dichter stampfte und rammelte mit so viel Temperament an der Tür, daß das Frauenzimmer holterdipolter aus dem Bett stürmte imfr erschrocken das Fenster öffnete.
»Geht die Welt unter?"


