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Soch bekomme-r Peter tat, was »tatüküch war, er schloß sich- dr,e Stellungnahme sss gtafieit Bruders an wll- Krachte das zu Hause int Stall seinerseits nachhaltig zum Ausdruck,
In der Liebergangszeit zwischen jenem Vorfall und der spat« einsehenden „reiferen" Liebe Peters zu Hans verhielt sich der letztere weder abwartend noch gekränkt, auch nicht resigniert Er war wohl doch in gewissem Sinne etwas dumm.
Das ist die ganze Geschichte von den Beiden, Au eine Moral davon habe ich nickt gedacht, dazu gibt es sinnfälligere Geschichten. Außer dem einen geringfügigen Zufall ereignete sich m dieser nichts, auch nicht nachher. Sch bin falt versucht, dm Leier dafür um Entschuldigung Zu bitten.
Das Kalte Herz,
Bon Wilhelm Hauff,
Wer durch Schwaben reift, der sollte nie vergeße», «ach eut wenig in den Schwarzwald hinernzuschausn; nicht der Säume wegen, obgleich man nickt überall solch unermeßliche Stenge herrlich aufgeschossener Taimen findet, sondern wegen der Leute, die sich von den arider-, Menschen ringsumher merkwürdig unter- scheiden. Sie find größer als gewöhnliche Menschen, breitschultrig, von starken Gliedern, und es ist, als ob der stärke-rde Duft, der morgens durch die Tannen strömt, ihnen von Jugend auf einen freieren Atem, ein klareres Auge und einen festeren, Wenn auch rauheren Mut als den Bewohnern der Stromiäler und Ebenen gegeben hätte. Änd nicht nur durch Haltung und Wuchs, auch durch ihre Sitten und Trachten sondern sie sich von den Leuten, die außerhalb des Waldes wohne-!, streng ab. Am schönst«! kleiden sich die Bewohner des badenschen Schwarzwaldes: die Männer lassen den Bart wachsen, wie er von Natur dem Manns ums Kinn gegeben ist, ihre schwarzen Wämser, ihre ungeheuren, enggefalteten Pluderhosen, ihre roten Strümpfe und die spitzen Hüte, von einer weiten Scheibe umgeben, verleihen ihnen etwas Fremdartiges, aber etwas Ernstes, Ehrwürdiges. Dort beschäftigen sich die Leute gewöhnlich mit Glasmachen: auch verfertigen sie Ähren und tragen sie in der halben Welt umher.
Auf der andern Seite des Waldes wohnt ein Deil desselben Stammes: aber ihre Arbeiten haben ihnen andere Sitten und Gewohnheiten gegeben als den Glasmachern. Sie handeln mit ihrem Wald: sie fällen und behauen ihre Tannen, flößen sie durch die Nagold in den Neckar und Von dem oberen Neckar den Rhein hinab bis weit hinein nach Holland, und am Meer kennt man die Schwarzwälder und ihre langen Flöße: sie halten an jeder Stadt, die am Strom liegt, an und erwarten stolz, vb man ihnen Balken und Bretter abkaufen werde: ihre stärksten und längsten Dalken aber verhandeln sie um schweres Geld an die Mynheers, welche Schiffe daraus bauen. Diese Menschen stur, sind an ein rauhes, wanderndes Leben gewöhnt. Ihre Freude ist, auf ihrem Holz die Ströme hinabzufahren, ihr Leid, am Llfer wieder heraufzuwandeln. Darum ist auch ihr Prachtanzug so verschieden von dem der Glasrnänner im andern Teil des Schwarzwaldes. Sie tragen Wämser von dunkler Leinwand, einem handbreiten, grünen Hosenträger über die breite Brust, Beinkleider von schwarzem Leder, aus deren Tasche ein Zollstab von Messing wie ein Ehrenzeichen hervorschaut: ihr Stolz und ihre Freude aber sind ihre Stiefel, die größt«', wahrscheinlich, welche I auf irgendeinem Teile der Erde Mode sind: denn sie können zwei i Spannen weit über das Knie hinaufgezogen werden, und die i „Flözer" können damit in drei Schuh tiefem Wasser umher- I wandeln, ohne sich die Füße naßzumachen. 6
Noch vor kurzer Zeit glaubten die Bewohner dieses Waldes an Waldgeister, und erst in neuerer Zeit hat man ihnen diesen -törichten Aberglauben benehmen können. Sonderbar ist es aber, daß auch die Waldgeister, die der Sage nach im Schwarzwckcke hausen, in diese verschiedenen Trachten sich geteilt Haben. So hat man versichert, daß das Glasmännlein, ein gutes Geistchen von vierthalb Fuß Höhe, sich nie anders zeige, als in einem spitz« Hütlein mit großen! Rand, mit Wams und Pluderhöschen und roten Strümpfchen. Der Holländer-Michel aber, der auf der andern Seite des Waldes umgeht, soll ein riesengroßer, breitschultriger Kerl in der Kleidung der Flözer fein, und mehrere, öie ihn gesehen haben wollen, versichern, daß sie die Kälber nicht aus ihren! Beutel bezahlen möchten, deren Felle man zu seinen Stiefeln brauchen würde. „So groß, daß ein gewöhnlicher Mann bis an den Hals hrnernsdehen Gante", sagten sie und wollt« nichts übertrieben haben.
Niit diesen Waldgeistern soll einmal ein junger Schwarz- walder.eine sonderbare. Geschichte gehabt haben, die ich erzählen tote Es lewe nämlich ttn Schwarzwald eine Witwe, Frau Barbara 2.iunkin: ihr Gatte war Kohlenbrenner gewesen, und nach feinem Tode hielt ste ihren sechzehnjährigen Knaben nach und nach zu benifefiton Geschäft an.
. Der junge Peter Mrmk, ein schlanker Bursche, ließ es sich' gesallen, weil er es bei feinere Vater auch nicht anders gesehen hatte, dre ganze Woche über am rauchenden steiler zu sitzen oder schwarz und berußt, und den Leuten ein Abscheu, hinab in ftte
äu teuren und seine Kohlen ju verkaufen Aber ein Köhler hotdie. Seit zum Nackdenßm über sich mio andere, Md wen-k
I Peter Wum M feinem Meiler saß, stimmte« die öMtüm-M»,«« umher und hrs tiefe WalbesMe sein Herz zu Tränen und unbewußter Sehnsucht. Es betrübte ihn etwas, es äiwk ihn «was, er wußte nicht recht was. Endlich merkte er sich M was ihn ärgerte, und das war — sein Stand. „Ein schwarte' einsamer Kohlenbrenner!" sagte ee sich. „Es ist ein elend Leden' Wie angesehen sind die Glasmämier, die Uhrmacher, selbst dis Musikanten am Sonntag abends! And wenn Peter Munk, rech gewaschen und geputzt, in des Vaters GhreMcmms mit silberns.- Knöpfen und mit nagelneuen, roten Strümpfen erscheint mck wenn daim einer hinter mir hergcht und denkt. Wer ist'wob>
Ka-rke Bursche? und lobt bei sich di« Strümpfe und mebiett stattlichen Gang, — sieh, wenn er vorübergeht und schaut sich, um, sagt er gewiß: Ach, es ist nur der Kohlemnnnkpeter."
Auch die Flözer auf der anderen. Seite waren ein Gegen- «?ErS. Wenn diese Waldriesen herüberchmen milstattlichen Kleidern und an Knöpfen. Schnallen und Ketten einest pchben Zentner Silber auf dem Leib trugen, wenn sie mit «us- gespreizten Beinen und vornehmen Gesichtern dem Tanz za- schauten, holländisch flucht«! und wie die vornehmsten Mtmheexs atis ellenlangen, kölnischen Pfeifen vanckten. da stellte er sich als das vollendetste Bild eines glüchichen Menschen solch ein« Ä'wzer vor. And wenn diese Glücklichen dann erst in die Basch«,' ^bren, üanz» Hände voll großer Taler bevauslangten und um Sechsbätz-wr würfelten, fünf Gulden hin, zehn her, so tooOfett wm dre Sinne vergehe-!, und et schlich trübselig nach fetoeti Hutte: dem, an manchem Feiertagabend hatte er einen oder den anbern blefeu „^tolgljerceit“ mehr verspielen sch«! als der arme Eer Munk in einem Jahr verdiente. ®8 waren vorzüglich öret dreier Männer, von welchen er nicht wußte, welchen er am meisten bewundern sollte. Der eine war ein dicker, großer M«p, mit rotem Gesicht und galt für den reichsten Mann in der Nrmdr Ma uh ich chn den dicken Ezechiel Gr reiste alle Jahre zweimal mit Bauholz nach Amsterdam und hatte das Glück, es immer uttt fo viel teurer als andere zu verkaufen, daß er, wsim die übttaeir zu Fuß yeimgtngen, stattlich Herauffahren konnte. Der andev« War der längste und magerste Mensch im ganzen Wald, m uaMtte ihn den langen Schlurker, und diesen beneidc-te Munk wegen seiner ausnehmenden Kühnheit: er widersprach den mr- gesehensten Leuten, brauchte, wenn man noch so gedrängt im Wirtshaus saß, mehr Platz als vier der Dicksten, denn er Achte entweder beide Ellbogen auf den Tisch oder zog eines seiner langen Berne zu sich auf die Bank, mrd doch wagte ihm keines su widersprechen, bereit er hatte unmenschlich ö& KM Der btttfe war ein schöner, junger Mann, der am besten tanzt«, weit und breit, und daher den Namen Tanzbodeaköreig hatte Er war ein armer Mensch getreten mrd hatte frei einem Holzhervn «ls Knecht gedient: da wurde er auf einmal steinreich: die eittm sagten, er habe unter einer alten Tanne einen Tops voll Geld gefunden, die andern behaupteten, er habe unweit Bingen im Nhetn mit der Stechstange, womit die Flözer zuweilen nach den Fischen stechen, einen Pack mit Goldstücken heraufgefischt und der Pack gehöre zu dem großen Nibelungenhort, dsr'dott E- graben liegt; kurz, er war auf einmal reich geworden tmb wurde von jung mrd alt angesehen wie ein Prinz
An diese drei Männer dachte Kohlemmmkpeter oft, wenn e<- einjam im Tamre-rwald saß. Zwar Hatten, alle drei einen Houpk- seh irr, der bei den Leuten verhaßt machte; es war dies ihr unmenschlicher Geiz, ihre Gefühllosigkeit gegen Schuldner und Arme; deren die Schwarzwälder sind ein gutmütiges Völllei« AVer man weiß, wie es mit solchen Dingen geht: Waren kör auch iwi ihres Geizes verhaßt, so ftander' sie doch wegs« ihres Geldes in AnsehM; bereu wer konnte Taler wegtoecfw tote ?te, als ob man das Geld von den Tonnen schüttelte?
Seht es nicht mehr werter," sagte Peter eines Tages schmerzlich betruot zu sich: deren tags zuvor war Fererwg ae- toefen und alles Volk irr der Schenke, „wenn ich mcht bald auf den grünen Zweig komme, so tu ich mir etwas zuleid; lvär ich doch nur so angesehen mrd reich wie der dicke Ezechtel oder s» Wyn und so ^gewaltig wie der lange Schlucker oder so berühmt und komrte den Musikanten Taler statt Kreuzer zuckerten tote aer ^anzbodenkönig! Wo nur der Bursche das Geld her- hat? Mlerlei Mittel ging er durch, wie man sich Geld erwerben tarnte aber keines wollte ihm gefallen; endlich sielen ihm auch die Sagen von Leut«, bei, die vor alten Zeiten durch die HEndsr- Michel unb durch das Glasmärenkein rKch geworden waeM Solang sein Vater noch lebte, kamen oft andere arme Leute W" «•* da wurde oft lang uwd breit von reichen l tote fte reich geworden; da fpielte nun
off ö'ü'S O lÄÄ nmnn lSlit Qtotle, f<L twitix er
Eonttfe er sich beinahe noch des Versleiirs erinnern, das uw-' arn ^nnnenLühi in der Mitte des Waldes sprechen mußte wenn e« «schemen sollte. Es sing an:
»Schahhauser im grünen ZÄiA«ntoalö, Bist schon viel hundert Jahre alt;
Dir gehört all Land, wo Storniere stehn (Avrisetzung folgt,)
Schriftleitung: Dr. Friedr.Wilb. Lange. - Druck «»» Verlag Ser ' StMdmckere. X


