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«Wein Besuch bei Friedrich dem Trotzen
Wasser.
fc&önct"
„Das muh ich allerdings zugeben, Sire, aber das liegt hauptsächlich an den Wasserkünsten." , .
„Ach, er kennt Sie also? Gehen wir «in wenig spazieren. Worüber wollten Sie mit mir sprechen? Was sagen Sie zu meinem Garten?"
Er fragt mich, worüber ich mit ihm zu sprechen wünsche, und gleichzeitig befiehlt er mir, über seinen Garten zu sprechen. Einem gewöhnlichen Sterblichen würde ich geantwortet haben, daß ich nichts davon verstehe: aber einem König, der so gütig war, mich für einen Kenner zu halten, durfte ich nicht einen Irrtum zumuten, denn so etwas verzeiht ein König nicht, selbl. wenn er ein Philosoph ist. Auf die Gefahr hin, ihm eme Probe meines schlechten Geschmacks zu geben, antwortete ich, ich fände den Garten herrlich. . .. , .
„Aber die Gärten von Versailles", versetzte er, Jmb drei
salbigi^ ihn wohl kennen, Sire, vor sieben Jahren haben wir zusammen in Par's die Genueser Lottens emgehtnrt
„Unter welche Rubrik ordnen Sre diese Steuer ein, dmn <s.e müssen mir Doch zugeben, daß die Lotterie eine Steuer nt T
Ja, Kire und nicht die unbedeutendste Steuer. Es ift cme von "der guten Art, wenn der König ihren Ertrag zu nützlichen Ausgaben verwendet."
„Der König kann aber daber verlieren.
notwmdrg^ notwendig, der Krieg ist eine Geißel."
Das mag wohl sein. Und was haben Sre über die Steuer im Interesse des Volkes vorzubringen?" . .
Sie ist immer vortrefflich, dem, der König mmmt das Geld mit einer Hand seinen Untertanen weg und gibt es ihnen mit der andern wieder, und dabei erteilt er ihnen einen Lehrkursus über das öffentliche Wohl. Er gründet notwendige Erstatten, beschützt die Wissenschaften und Künste und bringt dadurch wieder im sozialen Organismus das Geld in Umlauf. Schließlich fordert der König den Rutzen aller, durch die Verordnungen, d e ihm !« Weisheit eingibt, um diese Steuer zu verwenden, wie sw den
seiner Unterredung bäte. .
„Wenn Sie mit dem König spve-^n".
hinzu, „können Sie einslechten, daß Sie mich kennen und ich Zweifle nicht, daß er mir dann Gelegenheit gebm wird, von ^Hnen zu sprechen. Sie können sich denken, daß ich ihm nichts Ungünstiges über Sie sagen werde."
Ich Mvlord soll an einen König schreiben, zu dem ich keinerlei Veziehungen Habel So etwas wäre mir nie m den Sinn gekommen." ,, . , .. ,,
„Das glaube ich wohl: aber Sie wollen doch mit ihm sprechen?"'
"(Nun, dann haben Sie ja die Beziehung. In Ihrem Schreiben brauchen Sie nur diesen Wunsch auszudrücken.
„Und der König wird mir antworten?'
Ohne Zweifel, er antwortet jedem. Er wird Ihnen mitteilen, wo und zu welcher Stunde er «enttgt ist. Sie zu Efang^ folgen Sie meinem Rat. Seine Majestät ist gur Zeit in Smrs- svuci. 2ch bin neugierig auf Ihr GesprächmitdwsemMonarchm dessen Benehmen, wie Sie sehen, deutlich zeigt, daß er mcht befürchtet irgend jemand könne ihm etwas vormachM.
^Zu Hauk setzte ich mich an meinen Schreibt!^ und schmeb an den König einen ebenso einfachen wie ehrfurchtsvollen Vries. Ich fragte an, wo und wann ich mich seiner Majestät vorstellen dürfe. Ich zeichnete mit meinen beiden Ramen und fugte hinzu.
Venezianer. , ,, . .
Zwei Tage darauf erhielt ich ein Schreiben mit Unterschrift Federico, man bestätigte mir den Empfang mein^ Briefes Vließ mich wissen, daß der König um 4 Uhr im Park von Sanssouci sein werde.
Wie man sich denken kaim, war ich pünktlich In einfachem schwarzem Anzug begab ich mich bereits um drei Uhr nach Sanssouci. Im Schloß sah mich niemand, nicht einmal eine Schildwache. Ich ging eine kleine Treppe hinauf, öffnete die nächste Tür und befand mich in einer Bildergalerie. Der Aufseher kam auf mich zu und erbot sich, mich zu fuhren.
Ich bin nicht gekommen", sagte ich, „um Meisterwerke der Malerei zu bewundern, sondern um den König zu sprechen, der mir geschrieben hat, daß er im Park sein werde.
In diesem Augenblick hält er sein kleines Konzert ab, in dem "er die Flöte spielt, das ist täglich nach Tisch sein Dessert. Hat er Ihnen eine Stunde bestimmt?“
„Ja, vier Uhr, er wird es aber vergessen haben.-
„Der König vergißt nie etwa«: er wird sich pünktlich „mn- finden, und Sie werden gut tun, ihn im Park zu erwarten.
Einige Minuten war ich schon im Park, als ich den König erscheinen sah, gefolgt von einem Vorleser und einer hübschen Winkchündin. Der König trug kleine Uniform ohne Epauletten und Orden und war in Stiefeln. Sobald er mich bemerkte. ,------ - = ■ „
An «^rasch -mf mich zu, zog seinen alten Hut und schrie mich j Menschen am uEm miht^ wahres, Sie kennen gewiß Ca- .Sie sind Herr Casanova, was wollen Sie von mir?" Ueberrascht von diesem Empfang, konnte ich kein Wort hervorbringen und sah ihn schweigend an.
„Run, so sprechen Sie doch. Sind Die nicht der Venezianer, der mir geschrieben hat?"
„Ja, Sire, ich bin »erhnrrt und weiß nicht mehr, was ich sagen wollte. Ich glaubte nicht, die Majestät eines Königs würde mich blenden: in Zukunft werde ich darauf gefaßt sein. MtzlvrD Marshal hätte mich vvrbereiten sollen.
Von Giacomo Casanova.
Am fünften Tage meines Berliner Ausenthalles suchte ich o x Tffnriffml auf der seit dem Tode seines Bruders den Ramen Mvlord ^Keith trug. Ich hatte ihn zuletzt in London gesehen und ZL nach RüLr au8 Schottlarch, wo er guter wieder zurückerhalten hatte, dre seinerzmt clls er sUH dem König Jakob anschlotz, von der Regierung konfisziert t^rdem 51™ Einfluß Friedrichs des Großen verdankte er seine Rehabili Eng lebte damals in Berlin, ruhte auf seinen
Lorbeeren aus und erfreute sich des Friedens. Er war^ ach zig Jahre alt und bekümmerte sich nicht mehr um Staatsangelegenheiten. Der König liebte ihn.
Schlicht, wie es stets seine Art gewesen, ^sagte: er, erJreueJt^ un uku wu,
mich wieder zu sehen und fragte ob ich in ‘3^1*" oe6en8 I „Das ist wahr, aber nicht meine Schuld: hier gibt s kein bleiben gedenke. Da er zum ^l die ll^chselftrlle meines Lebens 3^ 6abe mehr als dreimalhunderttausend Taler aufkannte, so entgegnete ich ihm, ich umrdemichgmm nu» I en5et um Wasser zu bekommen, doch vergebe^.
lassen, wenn der König mir eine meinen SfSS „Dreimalhunderttausend Taler, Sire! Wenn Eure Majestät
Anstellung geben wolle. W ich ihn I diesen Betrag auf einmal ausgegeben hätte, mußte Wass^
bat, meinte er, wenn er sich bei dem Komg für muy verwend. 1 ,
würde mir das eher schaden als nutzen. I mH, ah, ich sehe, daß Sie Wasserbaumeister sitw.
Er fügte hinzu: I Hätte ich ihm sagen sollen, daß er sich irre? Ich
nwnSpftat tut sich etwas zugute auf seine besondere I ihm zu mißfallen und senkte dm Kopf: das bedmtete weder ja
vermutet hätte und umgekehrt. __. I
Er riet mir, dem König zu schreiben, daß ich um | Während des weiteren Spazierganges lieh er beständig
seine Blicke nach rechts und links schweifen. Er fragte mich, was für Streitfrage Venedig im Kriegsfall zu Lande und zu Wasser hätte. Darüber wußte ich. Gottlob, gut Bescheid. „
„Zwanzig Schlachtschiffe, Sire, und eine Mmge Galeeren. „Und Landtruppen?"
Siebzigtausend Mann, Sire, alles Untertanen der Republik, "ans jedes Dorf wird nur ein Mann gerechnet
Das ist nicht wahr. Sie wollm mich wohl zum Lachen bringen, indem Sie mir Fabeln erzählen. Die sind gewiß Fmanz- mann? Sagen Sie mir, was Die über Abgaben benfen.
Das war die erste Unterredung, die ich mit entern Komg hatte. Seine Sprechweise, seine plötzlichen Ausfälle seine iahen Gedankensprünge erweckten in mir das Gefühl, In einer improvisierten italienischen Komödie eine Rolle übernommen zu haben, wo das Pfeifm des Parterres nicht auf sich Watten läßt, wenn der Schauspieler stecken bleibt. Ich nahm also die verdrossen- hochmütige Miene eines Finanzmannes an, machte dazu dt« obligaten Grimassm und sagte, ich könne über Steuern nur theoretisch gerade", versetzte er, „denn mit der Praxis
^^Jch^uÄerscheide^dvei Arten von Steuern, mrd zwar im Hinblick auf ihre Wirkung: die erste ist verderblich, die zweite leider notwmdig, die dtttte immer vottrefflich
„Das läßt sich hören, fahren Sie fort." ..
Die verderbliche Steuer ist die königliche, die notwendig^ die militärische und die vortreffliche ist die, die im Interesse des Volkes erhoben wird." . ...
Ich mutzte ihm etwas vormachm, denn da ich über diese Materie nicht nachgedacht hatte, gab ich Gedanken zun' besten, wie sie mir gerade beim Sprechen cinfielen; dabei mutzte ich alles
I Die königliche'Steuer, Sire, ist diejenige, die die Taschen der
Untertanen leert, um die Kassen des HerMers zu fM«.
Und diese Steuer ist immer verderblich, meinen Sie?
"Immer, Sire, denn sie schädigt den Goldumlaus,„unb dieser M die Seele des Handels und die Stütze des Staates.
„Aber die Steuer im Interesse der Armee halten Sie für


