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Stoß auf die Brust prall«» und brüllte vor Wonne. Wulfrin aber schritt ohne Furcht, denn er fühlte sich wohl unter diesen Gesetzlosen. Auch ihn ergriff die Lust der Empörung, er glitt auf eine wilde Platte, ließ die Füße Überhängen in die Tiefe, dis nach ihm rief und spritzte, und sang und jauchzte mit dem Abgrund. , . ,

Da traf der starre Blick seines zurückgeworfenen Hauptes auf ein Weib in einer Kutte, das am Wege saß.Rönne, mos hast du gefrevelt?" fragte er. Sie erwiderte:Ich bin die Fauftine und habe den Mann vergiftet. -Und du, Herr, was ist deine ^.at?

Lackend antwortete er:Ich begehre die Schwester!

Da' entsetzte sich die Mörderin, schlug ein Kreuz über das andere und lief fo geschwind sie konnte. Auch er erstaunte und erschrak vor dem lauten Worte seines Geheimnisses. Es jagte ihn auf und er floh vor sich selbst. Schweres Rollen erschütterte den Grund, als offne er sich, ihn zu verschlingen. Bon senk­rechter Wand herab schlug ein mächtiger Block vor ihm nwdev rind sprang mit einem zweiten Satz in die aufspritzende Zlut.

Der Himmel schwieg eine Weile und Wulfrin tappte m dunkler Aackt. Da erhellte sich wiederrnn die Schlucht und auf einer über den Abgrund gestürzten Tanne sah er die Schwester mit nackten und sichern Füßen gegen sich wandeln und jetzt lag sie vor ihm und berührte seine Knie.

Was habe ich dir getan," weinte sie,warum fliehst, warum verwünschest du mich? Bruder, Bruder, was habe ich an dir gesündigt? ÄH kann es nicht finden! Siehe, ich mutz drr folgen es ist stärker als ich! Ich lief drüben, da sah ich den Steg. Töte inich lieber! ÄH kann nicht leben, wenn du mich hassest! Tue, wie du gedroht hast!"

Er stieß einen Schrei aus, ergriff, schleuderte sie, sah sie im Gewitterlicht gegen den Felsen fahren, taumeln, tasten und ihre Knie unter ihr weichen. Gr neigte sich Über die Zusamrnen- qesunkene Sie regte sich nicht und an der Stirn klebte Blut. Da hob er sie auf mächtigen Armen an seine Brust und schritt ohne zu wissen wohin, das Liebe umfangend, dem Tale zu.

Er batte'die Klus hinter sich, da sauste es an ihm vorüber und er erblickte einen Knaben, drr ein scheues Roh zu bändigen suchte.He, Gabriel," rief er ihm nach,sage der Richterin, sie rüste den Saal und richte das Mahl! Tausend Fackeln entzündet! Malmort strahle! Ich halte Hochzeit mit der Schwester!" Der Sturm verschlang die rasendeii Worte. Malmort mit seinen Türmen stand schwarz auf dem noch wetterleuchtenden Racht- himmel. , , . , , ,

Mit seiner Last den Durgpfad emporsteigend, sah er oben Lichter hin- und herrennen. Dann begegnete er der geängstigten Mutter, die ihm halben Weges entgegengeeilt war.Wulfrin, flehte sie mit ausgestreckten Armen,wo hast du Palma? ®a nimm sie," sagte er und bot ihr die Leblose.

Viertes Kapitel.

Da Wulfrin am folgenden Tage erwachte, lag er unter den schwarzschottenden Büscheln einer gewaltigen Arve, wahrend die Matten ringsum schon in der Mittagssonne schimmerten. Er hatte eben noch, den würzigen Waldgeruch einatmend, heiter und glücklich geträumt von dem Wettspiel in einer römischen Ärena und im Speerwurf einen Lorbeerkranz davongetragen. Sein Blut floß ruhig und seine Stirne war hell.

Rachdem er gestern Palma der Mutier in die Arme gelegt, war e*- ins Dunkel zurückgewichen. Mit irren Füßen, in ruhelosem Laufe, kreuz und quer, hatte er das Gebiet von Malmort durch­jagt, bis weit über Mitternacht hinaus, und war dann im Morgengrauen niedergestürzt und in einen bleiernen Schlaf versunken.

Er sand sich auf einer von leichtgeschwungenen Hügeln, um­gebenen Wiese, fernab von dem Geläute der Herdglocken, in tiefer Einsamkeit. Rur ein Specht hämmerte und zwei Eichhörner tummelten und neckten sich in der Mitte ihres grünen Bezirkes. Wulfrin rieb sich den Schlummer aus den Augen und schaute ' umher Da entdeckte er über dem Hügelrande die Giebel.und Turmspitzen von Malmort. Er ließ sich auf dem Hange gleiten und sie verschwanden.

Allmählich schlich sich das Gestern an ihn heran, er wehrt« es ab, er mißtraute ihm, er wollte, er konnte es nicht glauben. War er nicht der Starke und Freie, der Fröhliche und Zuver­sichtliche, der dem Feinde ins- Auge sah und das Ärrfal mit dem Schwerte durchschnitt? Was war denn geschehen? Eine rätsel­hafte Frau hatte ihn übermocht, zu beschwören, was er nicht bezweifelte. Ein Mädchen, das sich in der langen Weile eines Bergschlosses den vollkommensten Bruder ausgesonnen, war ihm zugesprungen und hatte sich närrisch ihm an den Hals gehängt. Sin tückischer Decher ungewohnten Weines, oder das freche Bild einer ausschweifenden Fabel, oder der heiße Hauch des Föhnes oder was er sonst gewesen sein mochte, hatte ihn betört und verstört. .Und was er an den Felsen geschleudert, war nicht die Schwester wie hätte sie den gähnenden Abgrund überschritten? sondern irgendein Blendwerk der Gewitternacht.

..Und war es die Schwester und habe ich sie zerschmettert, so bin ich ihrer ledig," trotzte er und zugleich ergriff ihn ein unendliches Mitleid und die inbrünstige Liebe zu dem jungen Leben, das er mißhandelt und vernichtet hatte. Gr sah sie mit

Schriftleitung: Dr. Friedr Wilh. Lange. Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei, A. Lange, Gießen.

allen ihren Gebärden, jedes ihrer süßen und unschuldigen Worte nahm Gestalt an, er schaute in ihre seligen Augen und in ihre wehklagendem. Äetzt fühlte er sie, die sich weinend und schmei­chelnd mit ihm vereinigte, und wußte, daß sie noch lebte und atmete.Meine Seele! Blut meiner Adern!" rief er und wieder: Palma! Palma!"

alma! wiederholte das Echo.

Palma, mein Weib!" Das Echo entsetzte sich und verstummte.

Ein tödlicher Schauer durchrieselte sein Mark Sich auf die Rechte stützend, hob er sich von der Erde und langte mit der s Linken nach der blutenden Brust wie auf dem Schlachtfeld«. ' Es sitzt!" ächzte er.Äch bin der Schrankenlose, der Heber tretet, der Verdammte! Äch muh sterben, damit die Schwester lebe! Doch womit habe ich den Himmel beleidigt! wodurch habe ich di« Hölle gelockt?" Rasch überfann er sein Leben, er fand darin keinen Makel, nur läßlichen Fehl.Run, wen's trifft, den trifft's! Äch habe eben das schlimme Los aus dem Helme gezogen ff und verwundere mich nicht, kenne ich ja die Grausamkeiten der Walstatt. Es geht vorüber!" Da schien ihm berat doch das Dasein ein Gut, so leicht er es sonst wertete, jetzt da er, ob auch unter grimmigen Schrecken, feinen tiefsten Reiz und seine geheimste Lieblichkeit gekostet hatte. Er hob die starken Hände vor das Angesicht und schluchzte...

Mählich verlängerten sich die Schatten und es wurde still über der Wiese. Da legte sich ihm eine Hand auf die Schulter, Ohne das Haupt zu wenden, sagte er:Äch komme," und wollte sich erheben, denn er wußte, es war der Tod, der zu ihm trat, um ihn an den jähesten Abgrund zu führen.

Bleibe, Wulfrin!" sprach weich die Stimme der Richterm, ich setze mich zu dir," und Frau Stemma ließ sich neben ihn auf das Moos gleiten in einem weiten langen Gewände, das selbst die Spitzen der Füße verhüllt«.

Berühre mich nicht!" schrie er und warf sich zurück.Äch bin ein .Unseliger!" /

Äch suchte dich lange," sagte sie.Warum bliebest du ferne? Dir ist bange für Palma? Die wurde nur leicht verwundet, hat ' aber in tiefer Ohnmacht gelegen. Erwachend hat sie erzählt, wie euch gestern das Gewitter in der Schlucht überraschte, wie sie glitt und die Besinnung verlor. Auf deinen Armen hast du | sie getragen." B

Wulfrin blieb stumm.

Oder redete sie unwahr und du warfest sie an den seifen, | um sie zu zerschmettern?"

Er nickte.

Sie schwieg eine Weile, bann hob sie di« Hand und berührte wiederum seine Schulter.Wulfrin, du hassest deine Schwester oder du liebst sie!" Sie fühlte, wie der Höfling vom Wirbel zur Zehe zitterte.

Es ist entsetzlich," stöhnte er. ..

Es ist entsetzlich," sagte sie,aber unerklärlich ist es sucht. Ähr seid ferne voneinander erwachsen, wurdet eurer Angesichter , und Gestalten nicht gewöhnt, und so wäret ihr euch frisch und | neu da ihr euch fandet, wie ein fremder Wann und ein fremdes Weib. Mutig! Rufe und rufe es d-'"-n Gedanken und ©innen zu: Palmi und W I rin sind eine3 Blutes Sit w rdm s laudrm ; und erkalten und nicht länger die hi.. Bische Flamme der Ge° : schwisterliebe verwechseln mit dem schöpferischen Feuer der Erde.

Er antwortete nicht, kaum daß er ihre Worte gehört hatte, j sondern murmelte zärtlich:Warum hast du sie Palma novella getauft? Das ist ein gar seltsamer und schöner Aame!

Stemma erwiderte:Ich habe sie die junge Palme genannt, weil sie aus dem Schutte das Grabes frisch und freudig auf» sprießt und, bei meinem Leben! wer an dem schlanken Stamme frevelt, den richt« und töte ich! Roch ist Palma unschuldig. Deine rasende Flamme hat ihr nicht ein Härchen der Wimper, nicht den äußersten Saum des Kleides versengt.. älnglücklicher, wie ist ein solches Leiden über dich gekommen?"

Wie eine Seuche, die aus dem Boden dampft! Aber mein Schutzengel warnte mich vor Malmort. Da du mich riefest, ver­schloß ich das Ohr. Ich bog ab und fiel in die Hände der Som» Barben. Warum hast du den Pfeil des Witigis gehemmt?' Gr starrte vor sich nieder. Dann schrie er verzweifelnd auf und er­griff und preßte den Arm der Richterin, die finstern Augen fest auf das ruhige Antlitz heftend:Bei dem Haupte Gottes

Bei dem Haupte Palmas," sagte sie.

ist sie meine Schwester?"

Wie sonst? Äck weiß es nicht anders. Was denkst du btt?

Dann ist mein Haupt verwirkt und jeder meiner Atemzüge eine Sünde!" Er sprang auf, während sie ihn mit nervigen Armen umschlang, so daß er sie mit sich emporzog.

Wohin,' Wulfrin? Än eine Tiefe? Rein, du darfst diesen starken Leib und dieses tapfere Herz nicht zerstören! Rimm dein Roß und reite! Reite zu deinem Kaiser! Mische dich unter beute I Waffenbrüder Gin paar Tagritte und du bist gesundet und blickst j| fo frei wie die andern!" . j!

Das geht nicht." sagte er jammervoll.Wir leiden mA den geringsten Makel in unserer Schar und ich sollt« verräterstch die Schande unter uns verstecken?"

lFortsetzung folgt.)