Ausgabe 
3.11.1925
 
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es, öen öu führest, es ist bein eigener Krieg! Anö'vantm war «S Ring, bah öu ihn aus eigenen Mitteln bestrittest!

»Seid ihr deshalb gekommen, um mir öas zu tagen, ©eaw toten?" rief Hannibal.Wahrlich, ich bewundere die Geduld, mit der ihr eure Körper hierher trugtI Roch mehr aber eure Kurz­sichtigkeit, dah -ihr nie einsehen wollt, Öah zur Zeit, da wir Spanien besahen, und die ungeheuren Völkerschaften Galliens den Romern noch zürnten, ein Krieg Erfolg haben konnte! Denn vir kämpfen nicht um des Ruhmes, um der Beute willen, wir kämpfen darum: entweder sind wir, oder wir sind gewesen! Rom " mw Karthago haben zusammen keinen Platz auf dieser Erde!"

Das hast du immer gesagt und geschrieben wie dein Vater -mvor, denn unersättlich des Krieges seid ihr alle aus dem Hause D?^as!erwiderte Domilkar.Aber jetzt gilt es anderes, größeres. Du beschwurest diesen Krieg herauf und jetzt hat er fich vvr die Dore Karthagos gewälzt! Zwei Heere sind -uns VMiichtet, des Hasdrubal und der Syphax Heer! Spanien ging mls verloren, darum sind wir gekommen, dich zu Bitten, uns pr helfen! Em leichtes wird es dir ja sein, der öu bei Cannae mw am Trasimenus römische Heere vernichtetest, uns auch von der Pest zu befreien, die dieser Scipio uns brachte. Seinen Vater schlugeft du emst am Ticius mit der Schärfe des Schwertes, daß er starb! Run erlöse uns auch von seiner Brut, die uns bedrängt!" ... Da lachte Hannibal grimmig. Endlich sprang er leicht mit beiöen Fußen zugleich auf, als wäre er ein rüstiger Jüngling, vpch imd schlank war feine Gestalt. Seine Hände zuckten, auf feiner Stirne aber schwollen die Adern mächtig an:Deshalb Mo seid ihr gekommen! Richt mehr heimlich durch Zögern ruft Hr mich ab aus dem Lande, das mir meine Taten zur anderem böseren Heimat machten, da mich die Muttererde schnöde ver-

Hhr Narren! Wäre ich in Afrika nötig, wenn ihr mir tot vierzehn wahren, wie ich schrieb, hunderttausend neue Krieger H gesandt hattet?I Damals, als unsere Waffen noch rot waren ' Win Blut bet Cannae, da wäre Rom unser Raub geworden wenn ihr mir geholfen hättet! Aber ihr geiztet! Weh tat es eurem vackel! Doch euch geschieht recht! Rur die Rot läßt euch lernen! Aber was ruft ihr denn mich? Ist Mago, mein jüngerer Bruder nicht em erfahrener Feldherr? Sollte er nicht einem Scipio I «wachsen fern? Wäre das Blut des Harnilkar schwach geworden lin feinen Adern, wie blasses Weiberblut?"

Die Gesandten sahen einander an, husteten, senkten die Köpfe s >md zeigten Scham und Scheu. Endlich begann Gisko:Wir hatten jjit Mago gesandt, der in Ligurien stand, wie du wohl weißt!"

-ift vichi mchr in Ligurien?", fuhr Hannibal auf. : .^ch wollte in Eilmärschen gen Morden mich mit ihm vereinen!" i, VS®8 V* V'11 Eitles Beginnen!", fuhr Bomilkar fort.Mago empfing eine schwere Wunde im Schenkel und starb auf der Fahrt nach Sardinien, da wir ihn gen Frankreich berufen hatten. So tost du denn unser einziger Schirm und Schild, Hannibal. Keinen j Keldherm als dich hat die Stadt mehr, um dem '©türm der I Feinde Einhalt zu gebieten!"

Hannibal fentte die Augenlider und sah zu Boden Von I remster Bildung erschien jetzt das schmale Gesicht mit der hohen adlerartigen Rase.

So Bin ich denn der einzige, der von Öen Söhnen des Hamisiar übrig blieb, ich, den der Vater selbst diesem Krieg nut Rom , weihte durch Opfer und Eidschwur. Wieder sehe ich es vor mir, das Haupt des Hasdrubal, meines Bruders, das mr die Römer sandten, da sie ihn und sein Heer am Metaturus tonud&tet hatten. And auch Mago, der jüngste Bruder, fiel den Gottern dieses Kampfes zum Raube. And ich selbst! Grau bin

°Itnb auf dem einen Auge. Verbraucht ist die Summe meines Glückes letzt, wo ich mich zum Enffcheidungskampf mit dem Tod- j feinde messen soll! Das Land meiner Siege muß ich verlassen, .um die Stadt zu retten, die es nicht um mich verdient!"

And er toinfte und entließ die Gesandten.

i.. A?i Abend aber sammelte Hamiibal sein Heer und übersiel m ?vmer und schlug sie. 3n Eilmärschen zog er alsdann über

i toe Halbinsel Bruttium hinüber nach Broton, da lagen seine Schisse.

. Soldaten seinen Vorsatz hörten, da schrien sie, keiner

wollte Italien verlassen. Jeder habe es mit seinem Blute ge- oungt. Da, wo sie Siege und Ruhm errungen, wollten sie bleiben.

Hannibal aber trat unter sie und sagte:Zu feige sind die j Korner, uns im , eigenen Lande entgegenzutreten. Wie feige Pauern tun sie, die in das Lager des Löwen einbrechen und die iiunge Drut vernichten, wenn die alten Löwen fern sind. Aber wahrlich, Kampfgenossen, wie reißende Löwen wollen wir sie aus «unseren afrikanischen Hohlen vertreiben!"

L ®a schlugen die Krieger auf ihre Schilde, riefen Heil und i; bestiegen die Schiffe.

«.Dis zuletzt blieb Hannibal am Lande. Reben ihm standen : und Domilkar und mahnten ihn, die Planke zu besteigen,

me auf den Fünftuöerer führte. Schon sangen die Seeleute ihre : A^Eeder, schrien die Schiffer ihre Befehle durch lange Rohre, : MEN klirrten, Ankersteine raffelten empor und die italienischen | ibstber der Soldaten weinten und jammerten.

hu AENNibal stand und fchaute auf die Höhenzüge des Landes, ii» ^elt tiefblauen Himmel emporstrebten. In der Ferne her äs^En lagen die Schlachffelder, lag feine Feindin, die Stadt

-Korner, lagen die unendlichen Alpen, die er überquert.

Da siel fein Auge von ungefähr auf eine Klippe von Muschel­kalk. die in der Höhe eines Mannes aus dem Boden ragte.' Die Wcher pflegten ihre Rietze daran zu trocknen. Eine 'seltsame Bildung starrte aus dem grünen Block in die Lust, geformt wie die Faust eines Menschen.

Hannibal zog fein Schwert heraus und hieb dieses Stück herunter. Schweigend hob er es auf und steckte es zu sich.

Verwundert sahen Gisko und Domilkar ihn an. Da sprach Hannibal:Dieses Stück ist alles, was ich mir von Italien in sechzehnjährigem Kriege unter ungeheuren Mühen und Siegen errang. Schaut an. Groß wie eine Faust ist es!" Dann wies er auf sein Schwert und sagte:And dennoch ist meine Klinge davon schartig geworden!"

, , Danach bestieg er das Schiff, verhüllte sein Angesicht und fuhip Afrika entgegen, wo das Schlachtfeld von Zama feiner

Die Richterin.

Don Conrad Ferdinand Meher.

(Fortsetzung.)

Ein blendender Dlitz fuhr über Pratuni weg und dem Höf­ling wie Feuer durch die Adern.Warum hast du ihr das Buch weggenommen?" fragte er gereizt.

Weil es für Mädchen nicht taugt," rechtfertigte sich Gnaden­reich

Warum nicht?"

Die Schwester im Buche liebt den Bruder."

Ratürlich liebt sie ihn. Was ist da zu suchen?"

Graciofus antwortete mit einer Miene des Abscheus:Sie hebt ihn sündig! sie beehrt ihn."

Wulsrin entfärbte sich und wurde totenbleich.Schweig, Schurke!" fchrie er mit entstellten Zügen,oder ich schleudere dich über die Mauer!"

Um Gottes Willen," stammelte Graciofus,was ist dir? Bist du verhext? Wirst öu wahnsinnig?"" Er war von Wulsrin imd dem Buche weggesprungen, in welches dieser mit entsetzten Blicken hineinstarrte.Ich beschwöre dich, Wulftin, nimm Ver­nunft an und laß dir sagen: das hat ein heidnischer Poet er­sonnen, leichffertig und lügnerisch hat er erfunden, was nicht sein darf, was nicht fein Bann, was unter Christen und Heiden ein Greuel wäre!"

And öu liesest so gemeine Bücher und ergötzest dich an dem Bösen, Schuft?"

Ich lese mit christlichen Augen," verteidigte sich Gnaden­reich beleidigt,zu meiner Warnung und Bewahrung, daß ich den Versucher kenne und nicht unversehens in die Sünde gleite!"

Die Hände des Höflings zitterten und krampften sich über dem Blatte.

Dei allen Heiligen, Wulsrin, zerstöre das Buch nicht! Es ist das teuerste des StifteS!"

,,2ns Feuer mit ihm!" schrie der Höfling und weil kein Herd da war als der lodernde des offenen Himmels, riß er das Dlatt in Fetzen und warf sie hoch auf in den wirbelnden Sturm.

Es trat eine Stille ein. Graciofus Betrachtete stöhnend das verstümmelte Buch, während Wulftin mit verschlungenen Armen und unheimlichen Augen brütete. So beschlich ihn die zurück- kommende Palma und setzte ihm den leichten von ihr gewundenen Kranz auf das belastete Haupt.

Er fuhr zusammen, da er das Geflechte spürte, zerrte es sich ab. riß es entzwei und warf es mit einem Fluche dem vom Laufe erhitzten Mädchen zu Füßen.

Da flammten ihr die Augen und sie streckte sich in öie Höhe:Du Abscheulicher! Tust du mir Jo? Zornige Tränen drangen ihr hervor.Run nehme ich auch den Gnadenreich nicht, dir zuleide!"

Palma," befahl er,gleich kehrst du nach Hause! Aeber die Alp! Wende dich nicht um! Ich gehe durch die Schlucht! Läufst du mir über öen Weg, so werfe ich dich in öen Strom!"

Sie sah ihn jammervoll an. Seine Todesblässe, das ge­sträubte Haar, das unglückliche Antlitz erfüllten sie mit Angst und Mitleid. Sie machte eine Bewegung gegen ihn, als wollte sie ihm mit beiden Händen die pochenden Schläfen halten. Hinweg!" rief er und ritz das Schwert aus der Scheide.

Da wandte sie sich Er blickte über die Brüstung und sah, wie sie in wildem Laufe durch die Alp eilte. Auch er verließ das Kastell und schlug, von dem nahen Tosen des Stromes geführt, den Weg gegen öie Schlucht ehr, die furchtbarste irr Dätien. Gnadenreich gab ihm kein Geleit.

Da er in öen Schlund hinabstieg, wo der Strom wütete, und er im Gestrüppe den Pfad suchte, störte fein Fuß oder der ihm vorleuchtende Wetterstrahl häßliches Rachtgevögel auf und eine pfeifende Fledermaus verwirrte fich in seinem Haare. Er betrat eine Hölle. Aeber der rasenden Flut drehten und krümm­ten sich ungeheure Gestalten, die der flammende Himmel aus­einanderriß und die sich in der Finsternis wieder umarmten. Da war nichts mehr von den sichten Gesetzen und den schönen Matzen der Erde. Das war eine Welt der Wisikür, des Trotzes, der Auflehnung. Gestreckte Arme schleuderten Fels stücke gegen den Himmel. Hier wuchs ein drohendes Haupt aus der Wand, dort hing ein gewaltiger Leib über dem Abgrund. Mitten im toetfjen Gischt lag ein Riese, ließ sich den ganzen Sturz und