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Echristleitung: Dr. Sriedr. Wilh. Lange. - Druck und Verlag der BrühlMen Aniv.-Buch- und Steindruckerei. D. Lange, Gießen.
, bch habe es satt, dieses Zufüßenfallen, und dieses Vergeben, antworte darmff gar nicht. Mag ihnen zu Füßen fallen, wer "kst hat, und der Ostrzynski die Kazia beiraten: ich habe mein« Eva! Indessen scheint mein Schweigen im Sause Suslows» große Bestürzung hervorgerusen zu haben; dem» nach einigen Tagen kommt derselbe Bote mit einem Brief von Kazia, diesmal an Swiateckt gerichtet. (Schluß folgt.)
ca**2SL*w!®' ^ß die Rücksendung des Ringes Ihnen angenehm offenbar haben Sie dieselbe angestrebt. Was so denke ich nicht daran, mit Schauspielerinnen zu rivalisieren. »
Jedenfalls kurz!
Aus diesem Brief bllckt nur Aerger-hervor, nichts weiter.
Wenn mir Kazia je in zauberhaftem Lichte erschienen ist, s» schwmdet dasselbe in diesem Augenblick für immer.
Wie merkwürdig, all« Leute glauben, daß Eva der Grund meiner Verkleidung und all dieser Vorkommnisse gewesen sei — und in der Tat wird auch Eva der Grund sein von allem, was noch folgen wird.
Ich zerknittere den Brief, stecke ihn in die Tafcke und geh« schlaferr. ...
Swiatecki erhebt die Augen von der Arbeit und sieht mich an. in »« Erwartung, daß ich etwas sagen würde, ab« ich schweig«.
„Sier war abends dies« gemeine K«lF)strzynisk," sagt SwiateZ.
17.
Am nächsten Tag will ich schon um zehn Ahr früh zu Eva eilen, ab« es geht nicht, denn ich habe Besuch.
Baron Kartoffl« kommt und bestellt eine Wiederholung mein« „Suben". Er bietet mir fünfzehnhundert Rubel, ich ford«e zweitausend. Es bleibt dabei.
Einern Weggehen bestellt Tanzenb«a bei mir zwei Por- Aats. Swiatecki, der Antisemit ist, schilt mich einen Iudenmal«. Ich möchte doch ab« wissen, w« bei uns Kunstw«ke kauft, w«m nicht die „Fmance . Wenn aber die „Finance" sich vor Swiateckks Kadavern scheut, so kann ich nichts dafür.
Ich komme «st um ein Ahr zu Eva, überreiche ihr den Ring und verkünde ihr, daß wir nach der Lochzeit nach Rom reisen.
Evchen willigt mit Freuden ein und — soviel wir gestern geschwiegen haben, soviel schwatzen wir heute durcheinander . . .
Ich erzähle ihr von den Bestellungen, die ich bekommen habe, und wir freuen uns zusammen. Die Porträts muß ich allerdings noch vor unserer Reise beenden, ab« die „Juden" für Kartoffkr werde ich in Rom malen. Dann kehren wir nach Warschau zurück, ich richte mir ein Ateli« ein und wir werden leben wie im Simmel
So entwerfe ich meine Pläne für die Zukunft und «kläre dabei Eva, daß wir uns« Lebenlang die Wiederkehr des gestrigen Tages - wie em Fest feiern werden.
Ab« sie v«birgt ihr Köpfchen auf meiner Schult« und bittet mrch, nicht davon zu sprechen. Dabet umschlingt sie meinen Lals mit den aufgefchlitzten Aermeln ihres Schlafrocks und neimt mich rhren „großen Mann" ... Sie ist blaff« als sonst, ihre Atlgen stnd veilchenhafter als sonst, aber sie strahlt vor Freude.
Ach! was war ich doch für ein Esel, daß ich ein solches Weib m meiner Nähe hatte, und mein Glück anderswo suchte, in ein« Sphäre, in der ich vollständig ftemd war und die auch mir so wenig verwandt war...
Was ist doch diese Eva für eine Künstlernatur! Sie ist meine Verlobte und ist nun auch von dies« Rolle derart erfüllt, daß sie unbewußt die junge glückliche Braut spielt. Ab« ich kann es dem geliebten Wesen nicht verdenken, welches so viele Jahre am Theater war. . .
Nach dein Mittagessen fahren wir zu Lelena Kolczanowska. Von dem Augenblick an, wo mich Eva als ihren Verlobten vor- stellen kann, wird der Sch«z mit dem Larfner ganz harmlos und kann nunmehr keine Verstimmung zwischen den beiden Freundiimen Hervorrufen. And so empfängt uns denn auch Lelena mit offenen Armen und ist beglückt von Evas Glück. Wir lachen alle drei wie die Narren üb« den Larfnergreis und üb« das, was dieser mit anhören mußte über den Mal« Magorski. Gestern noch wollte ich den Ostrzynski erdolchen, heute aber bewundere ich seinen Geist
Selen« lacht so sehr, daß ihre durchsichtigen Augen sich mit Tranen füllen. Sie sieht, nebenbei gesagt, entzückend aus.
Als sie zu Ende unseres Besuches das Köpfchen neigt, kann ich von ihr den Blick nicht wenden, und Eva selbst ist derart bezaubert, daß sie nachher im Laufe des Tages unbewußt diese Neigung des Kopfes nachahmt...
Wir verabreden, daß ich nach uns«« Rückkehr aus dem Ausland« Lelenas Porttät malen werde, vorher aber, in Rom, werde ich Evchen porträtieren. Wenn es mir nur gelange, diese zarten, beinahe durchsichtigen Züge wiederzugeben, dieses Gesicht, das so ausdrucksvoll ist, daß sich in demselben jeder Eindruck so abspiegelt, wie ein Wülkketn in einem Hellen Gewässer. . .
Ab« es wird mir gelingen, warum sollte es nicht?
m Die Abendnumm« des „Papierdrachen" erzählt ungeheuerliche Geschichten über Bestellungen, die ich bekommen haben soll.
Meine Einkünfte werden nach Tausenden berechnet.
Vielleicht hat dies mtt dazu beigetragen, daß mir am nächsten Tage Kazia emen Brief zusendet, in welchem sie mir erklärt, daß pe mir den Ring unter dem Einflüsse des A«g«s und der Eifer- sucht zurückgeichictt habe; wenn ich ab« jetzt hinkäme und mit ihr den Eltern zu Füßen fiele, so würden sich dieselben noch erweich«» lassen.
gegennanden. Das Zimmer duftet stark nach Puder und Parfüm. Welch buntes Durcheinander, wie ist hi« alles in der Eile zusammengeworfen, welche Farben und Reflexe, welche Licht- und Schattenwirkungen, hervorgebracht durch das Flackern der Gasflamme.
Es ist dies in sein« Art ein Bild, es liegt Charakter drin . . . Zwar ist hier nichts anders, als in allen anderen Garderobenzimmern, und doch herrscht hi« ein gewisses Etwas, wodurch dieses Zimm« mckt wie eine Garderobe, sondern wie ein Seiligtum «scheint, ein Sr Zauber liegt üb« allem . . . Aeb« all dies« Anordnung, heEgkeit, Eile, innerhalb dieser schlecht getünchten, abgekratzten Wände weht der Lauch der Kunst.
Man hört donnernden Beifall. Aha! das Stück ist zu Ende. Durch die Wände schallen bis zu mir die Rufe: „Adami! Adami!" Eine Viertelstunde verstreicht, und sie rufen drüben noch imm«.
Endlich kommt Eva als „Theodora" hereingestürzt.
Sie har eine Krone auf dem Kopf, schwarz untermalte Augen, die Wangen rot geschminkt. Ihr aufgelöstes Laar fällt wie ein Eturm auf ihre entblößten Schultern. Sie ist dermaßen fieberhaft erregt und erschöpft, daß sie mir nur kaum hörbar zuflüstern kann; „Wie geht es vir, Wladek!" Dann nimmt sie rasch die Krone ab und wirst sich in ihrem königlichen Gewände auf die Chaiselongue. Augenscheinlich ist sie nicht imstande zu sprechen, denn sie blickt mich schweigend an, wie ein müder Vogel ... Ich setze mich neben sie, lege die Land auf ihren Kopf und denke an nichts weit« als an sie.
Ich sehe in diesen schwarz untermalten Augen die stoch nicht «loschene Flamme d« Begeisterung, ich sehe auf dies« Stirn den Abglanz der Kunst, ich sehe, wie dieses Mädchen auf dem Altar des Theatermolochs ihre Gesundheit, ihr Blut, ihr Leben opfert, ich merke, wie ihre Brust in diesem Moment vergeblich nach Atem ringt — und es ergreift mich ein solches Mitleid, ein solches Weh, daß ich nicht weiß, was beginnen. . .
So sitzen wir stillschweigend eine Zeitlang; endlich deutet Eva mit der Land auf eine Nummer des „Papi«drachen", welche auf ihrem Toilettentische liegt, und flüstert:
„Wie unangenehm, ach, wie unangenehm!"
Plötzlich bricht sie in nervöses Weinen aus und begümt zu zittern wie Espenlaub. . .
Ich weiß wohl, daß sie aus Aebermüdung weint, nicht des „Papierdrachen" wegen, daß der Zeitungsartikel eine Lappalle ist, an die morgen kein Mensch mehr denken wird, daß der ganze Ostrzynski i nicht eine einzige Träne von Eva wert ist, und doch schnürt sich mein i Lerz noch mehr zusammen. Ich ergreife ihre Lände und bedecke sie mit Küssen, ich streichle sie und drücke sie arr"meine Brust. Mein Lerz pocht imm« mächtiger, es geht mit mir etwas Wunderbares vor. Ich kni«, ohne zu wissen, was ich tue, zu Evas Füßen nied«, eine Wolke verschleiert mir die Augen, endlich schließe ich sie, jede Besinmmg verlierend, in die Arme.
„Wladek, Wladek! erbarme dich!" flüstert Eva.
Aber ich drücke sie an meine erregte Brust, ich v«gesse alles, ich bin wie von Sinnen: Ich küsse sie auf die Stirn, auf die Augen, auf den Mund, und kann nur das eine Wort hervorbringen:
„Ich liebe dich! Ich liebe dich!"
Da neigt Eva ihr Köpfchen zur Seite, ihre Lände umschllngen fieberhaft meine» Lals, und ich höre sie flüstern:
„Ich liebe dich schon fange!. . #
16.
Wenn es auf der Welt für mich ein teureres Wesen als Eva gibt, so will ich ein mariniert« Lering sein...
Man behauptet von uns Künstlern, daß wir alles unt« dem Eindruck des Augenblicks tun, doch ist dem nicht so! Es stellt sich nämlich heraus, daß ich Eva längst liebe, nur war ich ein solch« Esel, daß ich mir dessen nicht bewußt war.
Gott allein weiß, was in mir vorging, als ich sie an diesem Abend nach Lause begleitete. Wir gingen Arm in Arm und sprachen kein Wort dabei . . . Ich drückte bloß fortwährend Evas Arm an meine Seite, und sie den meinigen. Ich fühlte, daß sie mich mit allen Kräften Lebt ... Ich geleitete sie bis hinauf, und als wir uns m ihrem kleinen Salon befanden, wurden wir mit einemmale ,o befangen, daß wir uns nicht getraute«, einander in die Augen zu sehen. Erst als Eva ihr Gesichtchen mit den Länden bedeckte, zog ich dieselben sanft weg und sagte:
„Evchen, du bist mein, nicht wahr?"
And sie schmiegte sich an mich:
„Ja, ja! . . ."
Sie war so entzückend, ihre Augen so ttäumerisch und zugleich funkelnd, rn ihr« Lattung lag eine so süße Mattigkett, daß ich mich kaum von »hr wsreißen konnte.
Die Wahrheit zu sagen, auch sie konnte sich von mir nur schw« trennen, gleichsam, als wollte sie sich entschädigen für ihr langes Schweigen und ihre so lange v«heimlichten Gefühle.
Ich kam spät nach Lause. Swiatecki schlief noch nicht ... Er arbeitete beim Lampenschein an einem Lolzschnitt für eine illustrierte Zeitung.
„Lier ist ein Brief für dich," sagt «, ohne die Augen von d« Arbeit zu erheben.
Ich nehme den Brief vom Tisch und fühle durch das Kuvert emen Ring. Gut! Der wird mir flir morgen nützen. Ich öffne den Brief und lese folgendes: "


