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leugnen, daß
Schriftleitung: Dr. Frisör. Wilh. Lange. — Druck und Verlag der Brühl'schen Aniv.-Buch- und Steindruckerei. A. Lange. Gießen.
»Kazia, erkennst du mich nicht?" frage ich.
Und ich muß über ihr verdutztes Gesicht laut auflachen.
„Das ist ja QBlabef," sagt Swiatecki.
Kazia sieht mich prüfend an, endlich ruft sie lachend:
„Pfm, was für ein garstiger Greis I'
Ich ein garstiger Greis! Möchte doch wissen, wo sie einen jchoneren gesehen hat. Aber für die arme Kazia, die in den ästhetischen Grundsätzen des Serrn Snslowski erzogen ist, mag wohl jeder Greis garsttg sein.
Ich ziehe mich in unteren Küchenraum zurück und erscheine nach wenigen Minuten in meiner früheren Gestalt wieder.
Kazia und die Eltern beginnen auszufragen, was denn diese Maskerade zu bedeuten habe.
„Ich habe meine Leichname verkauft."
„And dies ist das Geld dafür?"
„Jawohl! Ich bin ein gemeiner Wucherer."
Ich umarme Swiatecki, beglückwünsche ihn aus vollem Kerzen, und er beginnt mir zu erzählen, wie die Sache kam.
„Da sitze ich nach deinem Weggehen, und es kommt ein Serr, der mich fragt, ob denn ich Swiatecki sei. Ich sage: „Ich möchte doch wissen, weshalb ich denn nicht Swiatecki fein soll." Da sagt er: »Ich habe Ihr Bild gesehen und will es kaufen." Ich sage: „Gut! Aber gestatten Sie mir, Ihnen zu sagen, daß man ein Idiot sein muß, um ein so niederträchtiges Bild zu kaufen." Darauf er: „Ein Idiot bin ich nicht, aber ich habe die Marotte, Bilder zu kaufen, die von Idioten gemalt sind!" — „Wenn sich die Sache so verhält, dann ist es gut," sage ich. Er frägt mich nach dem Preis und ich sage: „Was geht denn das mich an. . ." — „Ich gebe Ihnen so und so viel." -— „Gut dann! Wenn Sie es geben wollen, dann geben Sie!" Er gibt's und geht. Eine Karte hat er hinterlassen mit dem Namen: „Bialkowski, Dr. med." Ich bin also ein ganz gemeiner Wucherer, und basta!"
„Es leben die Leichname! Swiatecki, du mußt heiraten."
„Lieber hänge ich mich auf," sagt Swiatecki. „Ein gemeiner Wucherer bin ich und nichts weiter!"
. ^sni Suslowska fitzt am Tisch bei der hellbrennenden Lamp« und näht an einem Stück von Kazias Aussteuer- Serr Suslows« lieft mit Würde am selben Tisch die Abendnummer des „Papier- drachen.
Mir ist nicht ganz wohl zu Mute, ich möchte gern meine Mw- ftimmung verscheuchen und rücke ganz nahe an Kazia heran.
Im Zimmer herrscht Sülle. Man hört das Flüstern von Kazia, die ich zu umfassen suche und die mir zuraunt:
„Wladek, Papa wird es sehen."
Da ergreift „Papa" das Wort und beginnt vorzulesen:
„Das Bild des bekannten Malers Swiatecki, betitelt: _®h letzte Begegnung" wurde heute von Dr. Bialkows« für 1500
Maskerade zu bedeuten habe? Die Sache ist ganz I „Ach ja!" sage ich, „Swiatecki hat das Bild heute früh verkauft."
einfach. Sehen «ie, meine Serrschasten, wir Maler erweisen« Dabei suche ich wieder Kaziazu umfassen wbMre ftetotebe:
einander von Zett zu Zett kollegialische Dienste und stehen zuweilen I flüstern: ' 9 i* «oww
einer dem andern Modell. So hat mir z. B. Swiatecki für den alten I „Papa wird es sehen."
£aftt du ihn »ns dem Bilde nicht erkannt, Kazia? I Anwillkürlich richte ich meine Blicke aus Serrn Suslows«.
stehe jetzt dem Cepkowski. So istes eben unter Malern Brauch, I Plötzlich sehe ich, daß sich sein Gesicht verändert; er Mit t*
wo es an Modellen mangelt.' I Land vor die Augen und beugt sich über den „Papierdrach«»/'
- bekommen, um dir eine Aeberraschuna zu machen, I Was zum Senter mag er nur da gesunden haben? i
Wt Kazm. »Aeberdies bin ich noch nie in meinem Leben in einem I „Vater, was ist dir?" fragt Frau Suslowska
Atelier gewesen. Gott, welche Anordnung! Ist es so bei allen I Er steht aus, geht ein paar Schritte auf uns 'm, bleibt
Baiern r I stehen, sieht mich mit durchbohrendem Blick an, ringt die Sänbe
„Angefahr, ungefähr! I und beginnt das Saupt zu schütteln.
Kerr Suslowski erklärt, es wäre ihm lieber gewesen, bei mir I „Was ist Ihnen«"
^?nung vorzufinden und er erhoffe in dieser Sinstcht I „Da sieht man, wie Sinterlift und Verbrechen doch an den Tag
a ’ f gnindliche Veranderung. Ich verspüre große Lust, I kommen," erwidert pathetisch Suslows«. Mein Serr! „Lesen Sie
ihm meine Sarfe an den Kops zu schleudern. Kazia lächelt dabet I nur, wenn Ihnen das Schamgefühl es gestattet, bis zu Ende M
toten uno läßt* I fefen."
_ "Da ist ein gewssser Maler ein großer Taugenichts bei dem Bei diesen Worten macht er eine Bewegung, als ob er sich in aussehen wird, sobald ich mich an die Arbeit gemacht eine Toga einhüllen würde, und überreicht mir den „Papierdrachen".
habe. Es wird alles ordentlich arrangiert, aufgestellt und abgestaubt I Ich nehme das Blatt und mein Blick fällt auf eine MittAluna D WEN w «ww. in «, * »* **
bl-ckr aus die Gnirlanden von Spinngewebe, welche die Ecken meines „Vor einigen Tagen erschien in unfern Mauern ein selten« Ateliers uHnmeken, und fügt hinzu: I Gast in Gestalt eines steinalten Sarsners, welcher bei den hi«
„So Line Anordnung kann auch die Käufer abschrecken. Da | wohnhaften Familien aus der Akraina die Runde macht und fiir ein . befinden. I Almosen seine Lieder zum Besten gibt. Wie man erzählt, hat sich
Ma« . " .entsetzlich verrostet! And dabe» hat man unsere bekannte und beliebte Künstlerin E. A. ganz besonders sein«
b/vd bas Dienstmädchen zu rufen, ihr anzuordnem etwas Ziegel I angenommen, und heute früh noch konnte man sie mit ihm ausfahren »u stos,en. unö alles wird blank wie ein neuer evamovar. | sehen. In den ersten Tagen nach dem Erscheinen des I-remdlinas
„Jesus Mana! Sie spricht von Käufern und will meine alten I entstand das seltsame Gerücht, daß sich unter dem Bauernrock de« ailsgegrabenen Panzer mit Ziegelstein putzen. Aber Kazia!" I Sarsners einer unserer berühmtesten Maler verberge, der sich auf «in«» kusit iie aus bie Stirn, wahrend Swiatecki | diese Weise, ohne die Aufmerksamkeit der Ehemänner und Vor-
ejueu unheilverkündenden Laut ertönen laßt, der an das Grunzen I münder zu erregen, leicht zu den Boudoirs der Damen Eintritt
. I verschaffe. Wir sind überzeugt, daß dieses Gerücht jeder Grundlage
Kazia droht nur mit dem Fmgerchen und sagt weiter: I entbehrt, deshalb schon, weil unsere Diva ja niemals beratfiae
„ 3tffe ftd) zu merken, daß sich alles ändern wird." I Sandlungen begünstigen würde. Der Alte ist, gemäß den von unS
vi’ k' ■ endlich: I eingezogenen Erkundigungen, dirett aus der Akraina hierhergewan-
. "Und wenn ein gewisser Serr heute Abend nicht zu uns kommt, dert. Sein Verstand ist etwas getrübt, aber fein Gedächtnis noch so wird er ganz abscheulich fern und wir werden ihn nicht mehr I vorzüglich." ’ w
lieben." ' I Simmel und Sölle!
sT- ^otten verdeckt sie 'hre Augen. Ich kann nicht Suslows« ist so aufgebracht, daß er keinen Laut hervorbringen leugnen, daß in ihren Allüren viel Anmut liegt. Ich verspreche zu I kann. Endlich aber läßt er feiner Entrüstung freien Lauf. 9 tommen und begleite meine zukünftige Familie hinunter bis zur „Welche neue Vorspiegelung, welche neue Ausflucht werden aK* oi« B s. ix » , . . ... I Sie zur Rechtfertigung Ihres Benehmens Vorbringen? Waren
^keUer MrÜÄgekehrt, finde ich Swiatecki mit einem miß- Sie es nicht, den wir in dieser schändlichen Verkleidung gegeben traulichen Seitenblick ein vor ihm liegendes Paket mit Sunbert- I haben? Wer ist denn dieser alte Sarfner?" ' 9
rubehchemen »'ustemd. I „Ich war es," antwortete ich, „ich begreife aber nicht, weshalb
. ■<-,-,» Sie meine Verkleidung schändlich finden."
„Weitzt du, was passiert ist? | In diesem Augenblick reißt mir Kazia den „Papierdrachen"
"gsb-un. . I aus der Sand und beginnt zu lesen; Suslowski aber drapiert sich
„Jci, habe lemanb bestohlen wie em gewöhnlicher Dieb." I noch fester mit der Toga der Entrüstung und fugt: 9
-ie-° - a .... I „Also nachdem Sie kaum die Schwelle eines ehrbaren Sauses
betreten haben, bringen Sie in dasselbe Ihre Anmoral; also noch ehe Sie der Gatte dieses unglücklichen Kindes sind, verraten Sie es m Gemeinschaft mit einer leichtfertigen Dame, mißbrauchen Sie unser Verttauen in schnödester Weise, brechen Sie Ihr heiliges Ge- löbms . . . And um wessen willen? Wegen einer Theaterhetäre!"
Da ergreift-mich die höchste Wut . . .
„Mein Serr!" sage ich, „genug dieser Phrasen! Diese Setäre ift mehr wert, als zehn falsche Catone von Ihrem Schlage. Sie sind mir eigentlich noch nichts, lieber Serr, und merken Sie sich, bitte, daß Sie mich langweilen! Ich habe Sie und Ihr Pathos • satt und..."
Die Worte versagen mir, und ich brauche übrigens keine mehr, denn Suslows« öffnet plötzlich seine Weste, als ob er sagen wollte: »Stoße zu, verschone mich nicht, hier ist meine Brust . . " Aber ich denke gar nicht daran zuzusioßen, sondern erkläre, daß ich fortgehe aus Befürchtung, daß ich fonff Serm Suslowski noch manches sagen würde.
And ich gehe wirklich fort, ohne mich zu verabschieden.
Die frische Lust kiihlt etwas meinen erhitzten Kopf.
Es ist neun Ahr abends, das Wetter ist wunderschön.
Ich muß noch ein wenig spazieren gehen, um mich völlig abzu-
- kühlen, und eile in die Belvedere-Allee.
151 I Die Fenster von Selenas Villa sind dunkel. Augenscheinlich
Am Abend bin ich bei Suslowskis. I ist sie nicht zu Sause. Ich weiß nicht, weshalb mich dies sehr »er-
Ich sitze mit Kazia in der Nische des kleinen Salons, wo ein I dnehlich macht.
keines Sopha steht. I (Fortsetzung folgt.)


