Ausgabe 
3.3.1925
 
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überall Wir wurden MM als SNaven verkauft, doch wir wur­den von den Weißen zu Sklaven in unserem eigenen Lande gemacht. Müssen wir nicht für sie arbeiten, Steuern zahlen, uns Meh und Frauen stehlen lassen und für sie sterben in den Kriegen, die sie mit anderen Weißen machend

Mich dünkt nun, Brüder, diese Art Sklaventum ist noch ärger als das Geschick unserer Brüder von einst. Schon unsere Kinder werden als Sklaven geboren, nichts von unserem Lande gehört mehr uns. Doch wir haben uns an diesen Zustand gewöhnt. Wir sind in unserem Elend etngeschlafen wie der ermüdete Kranke in seinen Schmerzen.

Doch wißt es: mich, Samory, hat Gott aufgeweckt!

Mit zwanzig schmerzenden Schlägen hat er mich aufgeweckt. Aun bin ich ganz wach und sehe den Ozean unseres Leids. And Gott hat mir gesagt: Warum duldet ihr dieses Sklaven- kum? Warum befreit ihr euch nicht von den Weißen? Gab ich euch nicht Wunder und Zeichen genug, daß die Zeit ge­kommen ist? Seht doch, sprach Gott zu mir, so schwach sind die Franzes geworden, daß sie sich allein nicht mehr wehren können gegen ihre weißen Feinde. Haben sie uns nicht darum im großen weihen Krieg herbeigeholt? Sind nicht Tausende unserer Brüder noch bei ihren Soldatos, ihr Land zu beschützen? . . . 3a, mit den Franzes geht es zu Ende!

Dieses alles sagte mir Gott, als er mich aufgeweckt hatte.

And Gott sagte mir weiter dieses: Ich habe von den Franzes eine große Eiseirbahn durch die Wüste bauen lassen. Begreift ihr nicht, daß ich dieses nur darum geschehen ließ, damit ihr leicht ins Land der Franzes reisen, ihnen ihre Gewehre und Machine-guns, ihren Reichtum, ihre grauen rauben und alle Franzes totschlagen könnt?

And denkt euch, Brüder: Die Franzes selbst rufen uns dazu! Sie haben einen Großen geschickt, welcher Generalla heißt, und dieser hat mir befohlen, in sechs Monden alle schwarzen Männer nach Timbuktu zu bringen, wo man in die Eisenbahn nach Franzesland einsteigt. Natürlich denkt der Generalla uns zu Soldatos gegen seine Feinde zu machen. Doch diesen Gedanken hat ihm Gott nur eingegeben, um ihn zu verblenden, versteht ihr, damit er uns selbst in sein Land führt.

And so sage ich euch: Sendet alle, die gehen wollen, zum vierten runden Mond nach diesem in die Stadt Timbuktu. Nur schweigt zu ihnen von dem, was geschehen soll. Sagt ihnen als von Gott gesagt dieses nur: Keiner wird sterben, alle werden reich und glücklich heimkehren und dann keine Steuer mehr zahlen müssen. Sendet auch alle Kuhis mit, geht auch ihr selbst, daß wir Macht behalten über die Männer. Keiner fehle! Gott selbst, hat er mir gesagt, wird mit uns gehen und uns helfen, alle Weißen zu töten."

Lautlos saßen die Männer da. Groß und staunend, voll wilder Begier leuchteten ihre Augen im Mondlicht.

Es war ein langes und schweres Schweigen.

Da hob der greife Akungo die Hand.

Brüder," begann er mit seiner klaren, in Achtung vor Sa­mory gedämpster Stimme,erlaubt nun dem alten Akungo auch, daß er euch seine Meinung über die Weißen sage.

3a, es ist wahr einst lebten wir frei in unserem Land« dahin. Gott hatte uns gelehrt, einfach in der Aatur zu leben und sie zu genießen, statt, wie es die Weißen zum Brauch gemacht haben, sie zu großen Gewinnen auszubeuteü.

Auch zu uns kamen vor zwanzig oder mehr Regenzeiten die Weihen. Es waren keine Franzes, es waren Alemans. Krieg aber haben wir nicht viel mit ihnen gemacht. And das kam so: Ein Großer der Weißen ließ sich zu mir führen. Wegen seiner Farbe hielt ich ihn für eine Wasserleiche oder für einen verzauberten schlimmen Geist. Doch an seinen Händen verbrannte ich mich nicht, wie es an denen eines bösen Geistes hätte ge­schehen müssen, und seine Augen, die die Farbe des Himmels hatten, blickten ähnlich wie die Augen unserer Frauen. Als ich mich überzeugt Hatte, daß er ein Mensch war, begann ich mit ihm zu sprechen. And da sagte er mir: Sieh, wir wollen nichts bei euch rauben und euch nicht töten. Doch, Gott hat die Erde allen Menschen gegeben, daß sie von ihr nehmen, was ein jeglicher braucht. 3n unseren Ländern, so sprach der Weiße, sind große Völker, die eine andere Art zu leben haben als ihr, und sehr nötig einiges brauchen, was Gott nur in eurem Lande gedeihen läßt. Dafür geben wir euch von den Dingen unseres Landes. And wir werden euch zeigen, wie man eurer fruchtbaren Erde ungeheure Schätze abgewinnen kann. Dadurch wird niemals mehr Hungersnot über euch kommen. 3hr werdet frei, reich und glücklich werden.

Dies alles sprach der Weihe zu mir, dessen Augen die Farbe des Himmels hatten ..."

Ganz das nämliche, wie die Franzes zu uns," höhnte Samory.

Nur müßt ihr wissen, daß vieles wahr geworden ist, wie der Aleman es versprochen hat."

Eure Alemans kenne ich nicht, Mungo," ^vrach Samory. Doch die Ehrfurcht vor deinem Alter gemietet mir, deinen Worten Glauben zu schenken. 3ch werde Gott fragen, ob wir die Alemans schonen sollen."

Jetzt hob ein kleiner Mann mit rötlicher Haut die Hand. Gr trug eine Mutze aus rotem Leder, um die Schultern ein hell­

farbiges Kleid, und am Gürtel viele Täschchen aus rotem Leder. Alles dieses war mit Koransprüchen bestickt. Dieser Mann ist ein Allah-Priester.

Seine Augen sprühten ein schwarzes Feuer, als er mit halb­lauter, heißer Stimme begann:

Da du von Gott sprichst, Samory ... Mungo hat einen Gott genannt, den die Alemans ihnen gegeben hätten. Doch ich sage euch: Es ist nur ein Gott! Dieser Gott ist Allah, Muhamed ist sein Prophet, fein geliebter Sohn war Älmamy, Nknngos weißer Gott sagt: Liebet eure Feinde. Ob es die Weihen tun, weih ich nicht. Gott 2lllah aber sagt: Hasset eure Feinde! Vernichtet sie, tötet sie, schlachtet sie mit der Schärfe des Schwertes! Nehmt an euch ihr Hab und Gut, macht sie zu Staub und Asche, wie die Sonne der Wüste den Stein zu Asche macht! Tilgt sie aus, vergeht selbst ihren verruchten Namen! So spricht Allah, den ihr anderen alle einmal als den einzigen Gott anerkannt habt! Sind aber noch einige unter euch, die dem Gott der Fetische anhangen, so sage ich, Allahs geweihter Bote, euch: werft sie fort, verbrennt fiel Diese Götter sind nicht das geringste wert. Ein Beispiel von unzähligen: 3hr wählt ein Sier, den Leopard, zu eurem Heiligen, sendet Gott in ihn, dah er euren Feind zerreiße. Was geschieht? Es fällt dem Leoparden nicht ein, euren Feind zu zerreißen. Er schlägt eure Ziegen und frißt euch selbst, wenn er euch erwischt, Denn der Gott ist gar nicht in ihn gefahren. Warum? Weil er überhaupt nicht vorhanden ist. Ein anderes Beispiel: Eure Lieblingsfrau ist krank. 3hr geht zum Fetischgott, werft ihm die gute Speise vor, die ihr selbst essen wolltet, und bittet ihn, gute Geister zu eurem Weibe zu schicken und es zu heilen. 3hr kommt heim euer Weib ist verreckt. Natürlich, weil eben euer Gott nur in eurer Einbildung besteht! Er ist ein elender, ein erbärmlicher, ein winzig kleiner Gott, so klein, dah man überhaupt nie etwas von ihm sieht.

Doch Allah! Wie ungeheuer groß ist er! So groß, dah seine Arme den ganzen Wald, das Meer, die unendliche Wüste umspannen, versteht ihr! Allah kann alles, Allah macht alles! Er macht den Regenbogen, den Wurm. Er ist die Sonne, er ist das Feuer. Es ist auch gelogen, dah dieser Mond euer Gott sei. Es ist auch natürlich auch- kein anderer als Allah.

Allah hat Macht über alle Menschen und Länder, aus­genommen das kleine Land der Weißen, welche Angläubige, also weniger denn Hunde sind. Sie sind eure Feinde, all ihr Trachten geht daraus hin, euch zu schädigen, zu verfolgen, zu töten! Darum will Allah, daß ihr sie tötet! Tod und Vernichtung allen ungläubigen Weißen! ... Wie dumm, tote gemein sie sind, seht ihr daraus, daß sie euch selbst verbieten! wollen, viele Frauen zu haben. Sie haben sich dafür 6en lächerlichen Grund ausgedacht, daß die jungen Männer nicht die Mütter ihrer . Kinder nach ihrem Gefallen wählen könnten, wenn reiche Männer nach Belieben die Mädchen sich, kaufen. Da seht wieder Allah! Er will, daß ihr viele Frauen habt! So viele, als ein jeder bezahlen kann. Viertausend von Allahs wegen, wie Muley 3smael, der große Sultan! Alles, was euch freut, will Allah. And er will den Tod aller, die anders wollen als er! Tod und Vernichtung den ungläubigen Weihen! Für Kampf und Tod im Kampfe verheißt euch Allah alte Seligkeiten des Paradieses. Auf in den Krieg gegen die Weihen! 3n den Heiligen Krieg!"

Das düstere Feuer feiner Rede und die Wildheit seiner Gebärden hatten alle Männer zur Begeisterung hingerissen. 3n aller Äugen flammte Hatz, Raserei.

Ein großer Fan, dessen Kinnbart durch eingeflochtene Woll­fäden bis zum Nabel verlängert war. schlug wild die Speers wider seinen Büffelhautschild und schrie:3n den Heiligen Krieg gegen die Weihen!"

Gin riesiger Haussa schwentte die Keulen seiner Arme und schrie:Sie haben uns den Handel verdorben! Auf, in den Heiligen Krieg gegen die weißen Hunde!"

And die Zwerge, zwischen den rasenden Männern hintanzend, heulten es in allen Sprachen:3n den Heiligen Krieg gegen die Weißen Hunde!"

Da richtete Samory seine hohe Gestalt auf, alle anderen überragend. And alsbald war wieder lauerndes Schweigen, in das der Mond Afrikas fein grünschillerndes Licht warf...

Brüder! Wir haben Allah als den einzigen Gott erkannt und 'ein Gelöbnis getan. Laßt es uns mit unserem Blut un­verbrüchlich machen!"

Samory nahm eine Kürbisschale, goß Palmwein hinein und ritzte sich mit Almamys Messer die Haut seines Armes.

Alle Männer nahmen das Messer und taten wie er.

Das Blut aber ließen sie in den Palmwein tropfen. Er färbte sich rot. Dann weihte ihn der Priester, indem er die kleinen Ledertafchen mit den Koransprüchen hineintauchte und mit wild schreiender Stimme dazu betete. Sein Geschrei mischte sich mit dem Ruf einer Eule.

And nun hob Samory die Schale an seinen Mund, tat einen langen Zug.

Von Mund zu Mund ging die Schale. Alle tranken. Ste Schale ward leer.

Da zerbrach sie der Priester und sprach:

So ist es um die Weißen geschehen!"