Ausgabe 
3.3.1925
 
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Notwehr treibt.. Denn die Dinge liegen doch so: Mit Ver­sailles glaubten wir den Weltkrieg beendet. Aber es hat ihn sozusagen nur in eine andere Form gegossen. Statt des Welt­krieges haben wir heute eine Art Weltrevolution gegen uns wegen unserer in Versailles errungenen Vormachtstellung..

Weil wir sie zu anmaßend hervorgekehrt haben " warf der andere ein.

Ich bin nicht dieser Ansicht," entgegnete der General bei­nahe scharf.Wir haben lediglich unser Recht vertreten.. - Aber wie dem auch sei man will uns Versailles heute streitig machen. Der Lag scheint nicht fern, wo wir eine europäisch­amerikanische Front mit der Forderung einer Revision von Versailles uns gegenüber haben..."

Llnd das wird das Ende sein."

Rein, das darf's eben nicht!" rief leidenschaftlich der General.Wir werden von unserem Versailles nichts opfern. Wir werden es auf die Kraftprobe ankommen lassen, sie allerdings nur bestehen, wenn wir auf einen Schlag einige Millionen Schwarze ausheben..., eine ÄotwendigkeiL also, die jeden Lag eintreten kann."

So so... Das sind freilich keine erfreulichen Perspektiven, und sehr kühne, muh ich Wohl sagen, Immerhin - man könnte alldem im Hinblick auf unsere unerschöpflichen schwarzen Re­serven leidlich zuversichtlich, entgegensehen... aber- wissen Sie denn, lieber General, ob und wie lange dieses schwarze Volk überhaupt mitmachen wird?"

Oho!" fuhr der General auf.Was heißt mitmachen?" Richt mitmachen, diese Kanaille?! Das wäre das Reueste."

Richt ausgeschlossen, lieber General," bemerkte der andere mit gerunzelter Stirn,daß wir das eines Tages als das Neueste erfahren werden. Diese Möglichkeit haben ja selbst schon Stimmen in Paris zu bedenken gegeben, damals, als Mangin mit Be­geisterung seine Entdeckung verkündete, tote man Frankreich seine Stellung in der Welt mittels großer Kolonialarnteen kinderleicht sichern könne. -Und da auch unsere hiesigen Truppen größten­teils aus Eingeborenen bestehen unsere weißen brauchen wir ja wo anders, würde uns im Falle eines Meuterns der schwarzen Völker alle Machtmittel fehlem"

,,2ch verstehe Sie nicht!" rief der General kopfschüttelnd. Warum sollen sie denn nur meutern tootteit?"

Der Gouverneur schob wieder eine Chininpille in den Mund. . .Warum sie meutern sollen, die Schwarzen? Das werde ich Ihnen sagen. Sie waren ja zwar auch einmal Kolo­nialoffizier, aber vor dem großen Krieg. Seitdem ist vieles anders geworden. Früher waren uns hier nur jene Reger ge­fährlich, die aus Amerika nach der uns benachbarten Reger- republik Liberia zurückkehrten und die drüben gewonnene Auf­klärung, Rassebewuhtsein und den Geist der Auflehnung gegen die Weiße Rasse in unsere Kolonien trugen. Seit dem Äriege aber haben leider wir Franzosen selbst auf alle nur erdenkliche Art ein Bewußtsein seiner Macht und Q3ebeutung in diesem farbigen Volk großgezogen. Wir haben es in den besetzten Gebieten zu Herrn über Weiße gemacht, die der Schwarze früher als etwas Höheres scheute. Paris hat ihn in feierlichen Erlässen zum gleichberechtigten Franzosen ernannt, älnd wenn er, von Äatur schon anmaßend und dünkelhaft, durch die Art seiner Verwendung und Behandlung nicht längst schon wüßte, daß ihm Frankreichs Zukunft und Schicksal anvertraut ist, so wüßten es die in Europa diensttuenden, mit der Heimat in steter Fühlung stehenden Schwarzen daher, daß sie es täglich in den Zeitungen lesen. Sehen Sie sich den Reger an, wie er nach meiner langen Erfahrung ist. Der Reger haßt uns. die wir ihm sein Schlaraffenleben verdorben haben. Auf seine Art fühlt er, was ein Europäer einmal von der Zivilisation als demSchlachthaus der schwarzen -Unschuld" gesagt Hat. Er empfindet es als Vergewaltigung, daß wir uns in seinem Lande festsetzten, uns dessen Schätze zunutze machen, daß wir ihn polizeilich bevormunden, ihn zum Steuerzahlen, zur Arbeit zwingen, zum Kriegsdienst heranziehen, ihm Frauen nehmen und ihn in vieler Hinsicht behandeln tote Vieh. Tief und unversöhnlich Haßt er uns darum als den Erbfeind seiner Rasse, und der immer mehr Boden gewinnende Islam schürt -diesen Haß im Geheimen zum Fanatismus. Wir lassen uns darüber allzu leicht täuschen, weil der Reger ein Schönredner, ein Schmeichler und verschlagener Heuchler ist. älnd wir bilden uns ein, daß er den Weißen noch immer für ein übermächtiges, höheres Wesen hält. O nein, er ist ein gar scharfsichtiger Bursche, der Reger. Längst hat er gesehen, wie wir Weißen uns nur mit Mühe in seinem Lande mit dem mörderischen! Klima und den vielen sonstigen Tiebeln halten, und mit seinem Naturmenschenblick hat er längst erkannt, wie unser Volk, in vielerlei Laster verstrickt, auf dem Abstieg der Kraft ist. 3n den zahllosen Stammesfehden der Schwarzen untereinander kannte der Reger nur das Gesetz der rohen Gewalt. Daß wir ihn mit Milde, Entgegenkommen, ja mit Ehren behandeln, begreift er nicht. Er erblickt darin eine List, ihn meuchlings ganz zu verderben, oder eben ein Zeichen verächtlicher Schwäche. Täuschen wir uns also nicht über sein wahres Wesen. Gr ist wirklich nicht das harmlose Kindergemüt. Gr ist das Produkt seiner Wildnis mit ihren unbezähmten Raturgetoalten, ist gewalttätig, ,

rachsüchtig, hemmungsloser Triebmensch in allem. Bei dieser Natur des Negers also, bei seinem Haß und feiner Verachtung gegen den Weihen, der ihn selbst feine Macht kennen gelehrt hat, kann es Ihnen gar nicht so unmöglich erscheinen, daß sich das ganze schwarze Volk eines Tages geschlossen gegen uns wendet."

Der General schüttelte in schroffer Abweisung dieses Ge­dankens den Kopf,Solange ich hier bin, Herr Gouverneur, kann so etwas nicht passieren. Besonders die sogenannten Für­sten und die Häuptlingspackage. Ich möchte keinem geraten haben, auch nur zu mucksen!"

*

Viele Männer waren an der Quelle des roten Volta zu­sammengekommen.

Die Großen der Stämme bis fern am unteren Niger, am Benue. . . Änd die aus den Flußgebieten des Kongo hatten andere gesandt, die näher wohnten.

Da waren Männer von den großen Stämmen des Waldes, mit scheuen, düsteren Gesichtern, im Blick den lauernden Arg­wohn von Menschen, die stets in Gefahr sind, sich jäh einem aus dem Dunkel des Busches auftauchenden Feind gegenüberzu­sehen: Männer mit den schlanken, biegsamen, an Ausweichen gewöhnten Bewegungen des durch Busch und Dornen schlüpfenden Wildes, doch schmächtig von Wuchs, Schattenpflanzen aus den feuchtschtoülen Gründen des Qrwaldes.

Änd da waren Männer des Graslandes, mit freien, offenen Mienen, in den Augen die helle Weite ihrer unübersehbaren Heimat mit dem blauenden Himmel darüber: stämmige, erdge­wachsene Recken mit Muskeln wie Stahl, öen Körper gestreckt vom Spähen über hochwucherndes Gras.

Änd alle Männer mit Sprachen, von denen kaum einer die des anderen verstand. . . hier die düstren Sprachen der Busch­bewohner, in der oft dünne, gellende Laute tote der Ruf warnender Tiere sind dort der pffen-heitre Klang der Sprachen der sangesfrohen Leute vom Grasland.

Doch bei den Gruppen aller Männer hockten gelbe Akka- Akka, häßliche Waldzwerge. Diese verstehen die Sprache vieler Stämme, weil sie auf der Fährte des Elefanten unstet durch den Wald aller Länder ziehen. Sie sind struppig und schmutzig und schlafen auf Bäumen.

Von weitem schon hatte Samory den Rauch, der Lagerfeuer über dem Duschwald gesehen.

Run erreichte er sie. Mit allen Männern umarmte er sich, mit jedem tauschte er die langen Höflichkeiten freundschaftlich«: Begrüßung aus, während aus dem Sklavenlager die Sklaven und Träger zusammenliefen, Almamys nachgeborenen Sohn zu sehen. . .

Mitten auf der Lichtung hakten sich alle Männer in enger Runde zusammengesetzt. Vor ihnen kauerten die Akkaztoerge, die Dolmetsche. Mit vorgeneigtem Oberkörper saßen die Män­ner da, die Augen auf den in ihrer Mitte sitzenden Samory geheftet. Im Mondlicht glänzten die nackten Rücken und Arme, die gespannten Gesichter. . .

Brüder," begann Samory mit geheimnisvoll verschleierter Stimme,mich dünkt, Gott Hai sich heute in diesen Mond ver­wandelt, der uns betrachtet und den Worten lauscht, welche wir sprechen.

Gott ist alt, er hat schon alles gesehen und gehört, was jene, die vor uns in unseren Ländern lebten, getan und ge­sprochen haben.

Gott hat auch gesehen und weiß, daß in diesem Teil der Erde einst große und mächtige Königreiche waren, viel größer und mächtiger als die, welche heute die Weihen haben.

Doch mit der Zeit begannen einige Völker ihre Wohnsitze zu verlassen und mit dem Schwert in andere Länder zu ziehen. Es kamen Völker von der großen Wüste herunter. Viele blutige Kriege entstanden, viele unserer Brüder des Graslandes wur­den als Sklaven in ferne Ander verkauft. Der große Wald hinter dem Grasland allein bot den Fremden noch Widerstand.

Doch eines Tages kamen nun auch hierher Feinde, weiße und dunkelhäutige, in Schiffen vom großen Wasser her. Diese wollten nicht unser Land, sie wollten nur Menschen, um sie als Sklaven fortzuführen und zu verkaufen. Ihre Habgier war grenzenlos, ihre Grausamkeit ärger denn die der schrecklichsten Tiere. Mit Waffen, die wir noch niemals gesehen hatten, zogen sie in den Wald, brannten die Dörfer nieder und machten alle Männer zu Sklaven. Doch sie taten dies nicht allein. Älnfere eigenen Großen halfen ihnen dabei, denn die Fremden boten ihnen für Sklaven schöne Waren und Feuerwasser.

So ist es einige hundert Regenzeiten lang gegangen, ilner- mehliche Mengen Schwarzer wurden geraubt und verkauft.

Da kamen eines Tages noch, andere Weiße, Franzes und Gnglish und Belges, erst einige, dann viele und dann immer mehr. Diese Weißen wollten nicht unsere Menschen und nicht unser Land nein, beides zusammen wollten sie. . . wollten, daß wir für sie arbeiten und ihnen die Schätze des Landes ausliefern sollten.

Wieder kam es zu vielen Kriegen. Ihr wißt, wie lange der große Almamy mit oen Franzes gekämpft hat. Doch die Weihen hatten Maschine-guns und bessere KriegsM Sie besiegten uns