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hört, ser das gleichgestimmte elektrische Ohr besitzt. Es wird | rufen: Wo bist du? und die Antwort wird klingen in sein I Ohr: Zch bin in der Liese des Bergwerkes, aus dem Gipfel der Anden oder auf dem weiten Ozean. Oder vielleicht wird keine Stimme antworten und es weiß dann, sein Freund ist tot.“ Fast drei Jahrzehnte sind inzwischen vergangen und noch hat sich trotz aller inzwischen gemachten Fortschritte des drahtlosen Gebietes Ayrtons Traum nicht er» füllt. Noch sind wir nicht imstande, unsern Freund in der Tiefe des Bergwerks, auf dem Gipfel der Anden oder in der Weite des Ozeans anzurusen — mit anderen Worten: ES gibt bis jetzt keine drahüose Lelephonie für die Allgemeinheit. Es ist Mar mit Hilfe des Rundfunks möglich, daß Einer zu vielen Lausenden spricht, aber diese könnet ihm nicht antworten und er selbst kann sich aus der Menge nicht eine bestimmte Person heraussuchen, um mit ihr ein Gespräch zu führen. Daß wir aber nicht mehr sehr weit von der Erreichung dieses Ziels entfernt sind, wurde lmrch ,Versuche bewiesen, die jetzt seitens der Deutschen Reichstelephonverwaltung durchgeführt wurden.
Es waren Einrichtungen getroffen worden, die es ermöglichen sollten, auf dem Ozean schwimmende Schiffe vom Apparat irgendeines. Fernsprechteilnehmers aus anzurufen. Zu diesem Zweck wurde nach Abheben des Hörers und nachdem sich das Amt gemeldet hatte, eine Fernverbindung mit der Küstenstallon Norddeich verlangt, die seitens des Fernamtes sofort hergestellt wurde. Ger Küstenstation wurde der Name des Schiffes mitgeteilt. Sie rief es sofort mit Hilfe ihres drahtlosen Senders an. Es verging vom Abheben des Hörers bis zu dem Augenblicke, wo sich der gewünschte auf dem Schiff befindliche und von der Funkkabine des Dampfers aus sprechende Teilnehmer meldete, noch keine Biertelminute. Dann wurde genau so hin und her gesprochen, als ob die Unterhaltung zwischen zwei in der gleichen Stadt wohnenden Tellnehmern vor sich ginge. Die Beendigung des Gespräches erfolgte durch Auflegen der beiden Hörer. Hätte man nicht gewußt, daß die Antwort von einem auf dem Meere befindlichen Schiff kommt, man hätte aus dem Verlauf der ganzen Angelegenheit die Aebcrzeugung bekommen, daß es sich hier um ein gewöhnliches Ferngespräch handle. Dieser Erfolg, bei dem ein teilweise auf dem Draht und teilweise drahtlos geführte Gespräch ohne jede Störung und mit einem genau bestimmten Teilnehmer durchgeführt werden konnte, wurde durch die in Norddeich getroffenen Einrichtungen ermöglicht. Die in Berlin beim Sprechen im Mikrophon erzeugten sog. „Sprechströme“ gehen in Norddeich unmittelbar auf den Sender über und werden den von ihm ausgesandten Wellen übergelagert. Diese äleberlagerung erfolgt vollkommen auto- matisch, die Sprache fließt, um ein anschauliches Bild zu gebrauchen, vom Draht aus gewissermaßen unmittelbar in die Ferne hinaus und über den Ozean weg. Hier trifft sie auf die Empfangsantenne des angerufenen Schiffes, so daß es ein Leichtes ist, sie im Empfangsgerät der Funkkabine, zu Gehör zu bringen. Das von hier aus auf den Sender gegebene Wort aber gelangt in Gestalt drahtloser Wellen nach Norddeich und geht hier wiederum ohne weiteres auf den Draht über, in dem es dem Apparat des Berliner Teilnehmers zuflieht.
Bei den eben beschriebenen Versuchen erwies sich, wie wir gesehen haben, die Vermittlung des Berliner Fernamtes als nötig, das die Verbindung mit Norddeich herstellte. Wie auf so vielen anderen Zweigen der Technik, so sucht man auch auf dem der Telegraphie die menschliche Tätigkeit nach Möglichkeit auszuschalten und sie durch maschinelle Einrichtungen zu ersetzen. Aus diesem Bestreben heraus sind die automatischen Aemter entstanden, wie sie seit einiger Zeit bereits in verschiedenen Städten, in München, Dresden, Leipzig, Potsdam, Zehlendorf usw. eingeführt sind. Bei ihnen tritt überhaupt fein Beamter in Tätigkeit, der Teilnehmer verbindet sich selbst, indem er durch Drehen einer Nummernscheibe die gewünschte Nummer einstellt. Der Bereich dieser automatischen Aemter ist, wie man sieht, stets nur auf einen bestimmten Ort beschränkt. Zur Herstellung einer Verbindung mit einem andern Ort muh nach wie vor das Fernamt in Tätigkeit treten. Es liegt nun der Gedanke nahe, auch dieses verschwinden zu lassen und Einrichtungen zu treffen, die es jedem Teilnehmer ermöglicht, Fernverbindungen selbst herzustellen.
Dies erscheint um so wünschenswerter und notwendiger, als in etwa fünfzehn Zähren die Amstellung des ganzen
deutschen Fernsprechbetriebes auf den automatischen Betrieb durchgeführt sein soll. Dann wird es überhaupt keine Beamten mehr geben, die die Vermittlung Herstellen und nur im Fernamt wird man ihrer noch bedürfen, sofern es nicht gelingt, auch die selbsttätige Fernverbindung zu schassen. Ein großer Schritt zur Verwirklichung dieses Planes ist bereits getan. Der automatische Vermittler war bisher groß, so daß er viel Raum wegnahm. Man hat jetzt sehr kleine und billige Apparate gebaut, mit denen, wie gleichfalls im Reichstelegraphenamt durchgeführte Versuche zeigten, auch Fernverbindungen hergestellt werden können. Bei diesen Versuchen wurden beliebige Teilnehmer in Dresden, Leipzig und Potsdam von Berlin aus angerufen, deren Nummern man aus den Teilnehmerverzeichnissen dieser Städte ermittelt hatte. Zeder einzelne der Airgerufenen meldete sich prompt und die Gespräche verliefen ohne jede Störung. Damit ist der Beweis erbracht, daß auch die automatische Fernverbindung technisch möglich ist und daß ihrer Einführung keine technischen Hindernisse im Wege stehen. Erfolgt diese, so wird das Fernamt überflüssig. Dagegen wird man sich wohl ein Teilnehmerverzeichnis zulegen müssen, das auch die Teilnehmer anderer Orte umfaßt.
Da das Bessere nun einmal der Feind des Guten ist, so dürften die technischen Fortschritte der jüngsten Zeit nicht nur das Fernsprechamt, sondern auch andere Ginrichttmgen MM Verschwinden bringen, die sich bisher als nützlich erwiesen haben und an deren Dasein man sich gewöhnt hat. Eine solche Einrichtung ist der Leuchtturm. Seit den Zeiten des grauen Altertums hat er den Schiffen den Weg Mm sicheren Hasen gewiesen — vorausgesetzt, daß nicht Nebel oder Schneestürme fein Licht absorbierten. Aber gerade in diesen Fallen der größten Gefahr versagte der Leuchtturm. Die Entwicklung der Beleuchtungstechnik hat dazu geführt, daß man jetzt in seiner Laterne Lichtquellen verwendet, deren Lichtstärke sich auf Millionen von Kerzen beläuft. Run wird das weihe elektrische Licht vom Nebel besonders stark verschluckt. Die Zahl der Kilometer, auf die es zu erblicken ist, verringert sich bei nebligem Wetter unt> im Schneesturm ganz beträchtlich. So läßt man denn außerdem noch Sirenen heulen. Aber auch die Reichweite des Schalls ist eine beschränkte. Da er sich im Wasser weiter fortpflanzt als in der Luft, so hat man ein besonderes System von Nnterwassersignalen ausgebildet. Diesem sind jedoch in bezug auf seine Wirkung gleichfalls Grenzen gezogen. Was weder Licht noch Schall vermochten, das werden die drahtlosen Mellen zustande bringen: Sie werden es ermöglichen, den Schiffen auf Entfernungen hin den Weg zu weisen, bei denen dies bisher volllommen ausgeschlossen war. Eben wurde der erste drahtlose Leuchtturm der Welt am Firth os Forth an der englischen Küste in Betrieb gesetzt. Bei ihm wird der jüngste Fortschritt des drahtlosen Gebietes, es werden die gerichteten kurzen Wellen verwendet. Der Leuchtturm besteht aus einem drehbaren Mast, an dem parabolische Reflektoren aus Draht befesttgt sind. Derartige Reflektoren haben die Eigenschaft, die kurzen Wellen zu richten, d. h. sie in ähnlicher Weise zu einem Strahl zu- sammenzufassen und diesen Strahl nach einer bestimmten Richtung hinauszuwerfen, wie dies durch den Reflektor des gewöhnlichen Leuchtturms mit den Lichtstrahlen geschieht. Für die Weite, auf die die Anwendung des gerichteten Wellenstrahles erfolgt, gibt es keine Greirze. Ger Leuchtturm dreht sich und gibt in regelmäßigen Zwischenräumen sogenannte „Blinkzeichen“, die freilich nicht mehr M sehen, wohl aber mit drahtlosen Empfängern wahrzunehmen sind. Die Richtung, aus der sie kommen, kann auf das genaueste festgestellt werden. Das Bessere ist der Feind des Guten: Mit dem drahtlosen Leuchtturm dürfte voraussichllich das Ende der bisherigen Signalgebung an den Küsten gekommen sein.
Die FMuftLer.
Eine Erzählung von der Küste Brasiliens, Bon Dr. Alfred Funke.
(Fortsetzung.)
Fernand,“ meinte er am folgenden Sonntag vor der Kirchtür, "„daß du dein Stück Weg nicht imstand hälft, »st ,a nicht schön, und ich könnte dich in Sant' Zzabel cmzeigen, und du hättest deine zehn Mil Multe am Dein. Das tue ich aber nicht, denn andere machen es nicht besser als du."


