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Dabei sah er Hannadam Petrh und Jakob Wächtler an, die auch die gröbsten Löcher höchstens mit einer Handvoll Capoeira* * *) und darausgewvrfener Erde flickten.

Aber," fuhr er fort,daß du in deinem Schuppen standest und mir nachgrienen tatest wie ein Pingstvoß, dadriiber sprechen wir noch mal bei Gelegenheit,"

Ferdinand Karsten hatte nicht dagegen aufgemuckt, denn wenn Wilm Pütter hochdeutsch sprach, war nicht gut Kirschen essen mit ihm, und beim letzten Schühenball hatte sich Karsten nicht gerade in der Ecke aufgehalten, wo Wilm Tein Glas Mer trank und mit dem Lehrer sein Spielchen machte. Da Karsten auch ferner jede Aussprache unter vier Augen sorgsam vermied und Wilm eine gutmütige Haut war, so wuchs allmählich Gras über die Sache, und Karsten gab den Vorsatz, das Loch vor seinem Tor ordentlich mit Steinen auszufüllen, ohne Gewiffensdruck auf.

Das' ging ihm hin, bis der Staatspräsident feinen Besuch im Munizip Sant' Jzabel ansagte und die Obrigkeit im Städtchen den Kolonisten in den Pikaden die Wege besonders gut herzu­richten empfahl. Denn Exzellenz wollte die deutschen Pikaden per­sönlich besichtigen, falls die Zeit dazu langte. Karsten liest sich auch dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Wustte man sicher, ob der Präsident kam? Das konnte eine Finte fein. And wäh­rend die Kolonisten in der Vachbarschaft ihren Weg in Ordnung brachten und dabei geziemend auf die hohe Obrigkeit schimpften, wie es seit alten Zeiten Brauch ist, hockte Karsten im Tabak- fchuppen und sortierte. Drei:Sagc darauf erschien der Fritschkarl mit ein paar Freunden und besserte den Weg vor Karstens Ko­lonie säuberlich aus, und Ferdinand begriff nicht recht, wie die Aachbarn-zu dieser Gefälligkeit kamen. Er half ihnen ja auch nicht. Am folgenden Morgen wustte er es freilich, als die braune Ov- donnanz des Polizeidelegado auf Karstens Hof sprengte und den Bürger Fernando Karsten vor den Chef der hohen Polizei von Saut Jzabel zitierte.

Mit dem Delegadv durfte man es nicht verderben. Also sat­telte Karsten seinen Braunen und ritt gen Sant' Jzabel.

Warum haben Sie Ihren Weg nicht in Ordnung gebracht?" pfiff ihn der Delegadv an.

Ja, ich dachte, das wäre nicht so gemeint"

Nicht so gemeint? Aa. warten Sie, guter Freund! Sie denken wohl. Ihre Nachbarn find so 'ne Art Heinzelmännchen? Nein, da sind Sie auf dem Holzwege, Fernando. Also: Carlos Fritsch, Gustavo Jäger, Pedro Beutelmann, Guilherme Jost das sind vier Mann. Ein Tag Wegarbeit auf meine Anordnung macht auf den Tag fünf Milreis, in Summa zwanzig. Dazu gibt es zehn Mil zur Belohnung und Belebung Ihres Biirger- sinns macht dreißig. And nun heraus mit den kalten Katzen. Bargeld lacht, alter Freund!"

Karsten war gar nicht recht zur Besinnung gekommen. Als der erste Schreck überwunden war, zog er den Beutel und legte betrübt dreihig gute Milreis auf den Tisch, steckte die Quit­tung ein und ging zu Heinrich Buchmann, um das Gleichgewicht seiner Seele zunächst durch einen Schluck Boonekamp wiederher­zustellen. Als es ihm dabei aber zum Bewusttsein kam, daß er für dreistig Mil schon vier Sack Bohnen ausdreschen oder drei Arroben Tabak pflücken mühte, daß ferner von den bezahlten dreistig Milreis buchstäblich zwanzig auf die Straße geschmissen feien, da schlug er plötzlich mit der Faust auf den Tisch, 'dast die Gläser hüpften, und forderte eine Flasche Bier. And als er mit dieser fertig geworden war, hatte er die Frage im Geiste erledigt, wem er diese Bescherung zu verdanken habe, schlug zum zweiten Male auf die Tischplatte und liest noch eine Flasche Bier kommen. Natürlich! Der Wilm Pütter hatte ihm die Suppe ein- gebrockt. Kein anderer, und er wollte just zum brüten Schlage ausholen da fiel ihm ein, dast die Flasche Bier einen Mil­reis kostete. Also leistete er sich noch einen Bittern für vier Patak. Der tat's auch. Dann zahlte Karsten und fast auf.

Die Sonne stand schon im Westen, als Karsten die letzten Häuser von Sant' Jzabel hinter sich lieh und die Strafte den Rio Vermelhv entlang zur Batatenschneiz nahm. Er ritt sich gut, denn der Weg war eben, und die alten Fahrspuren ausgefüllt. Natürlich! Warum sollte es sich nicht gut reiten? Hatte nicht Karsten selbst dreihig Milreis in diesen Weg gesteckt? Der Fritsch- karl und die anderen drei würden sich schön ins Fäustchen lachen, wenn sie ihre fünf Milreis erhielten. Damit konnte sich jeder einen vergnügten Sonntag machen. Karsten gab seinem Braunen die Sporen, dast er ein paar lange Sähe machte. Dreißig Mil­reis k And wem hatte er das zu verdanken?

Ra. täuto, oll Fründ!" knurrte er und gab dem Braunen wieder die Sporen. Der fiel in langen Galopp, und Karsten fauste die Straße dahin, als wäre er Doktor oder Pfarrer, die immer gerufen werden, wenn's Matthäi am letzten ist. An dem hohen Amübaum bog der Weg scharf nach links, und die Benda") von Wegener mit dem schattigen Weidenbaum und dem blühenden Tres-Mariä-Stock vor der Hausfront tauchte auf. Fuhrleute hiel­ten dort, und Karsten erkannte auch die Pferde und Maultiere!

*) Buschwerk,

*) Benda ---- Kramladen mit Schenke.

Pütters. Auf der Dank vor dem Haufe sahen Ne Fuhrleute und tranken Matö im Schatten der Weide.

Guck do, der Fernand!" rief Adam Klatt.Der hat'« emal gut. Der kann maie *) reite, wenn mir das faule Mulevieh an­brülle müsse. He, Fernand, komm ran! Gibst e Schluck au8?

Warum nicht?" sagte Karsten, trabte an und sprang au® dem Sattel.Wenn der Fuchs das Huhn geholt hat, kann's Nest auch nix mehr nützen,"

Sehr wahr, Herr Karsten." lachte der Vendamann und rieb sich die Hände.Sie find ein Witzbold und könnten für den Ka­lender schreiben. Was darf ich bringen? Ein halbes Dutzend Mer, wie?"

Mach hier keinen dummen Schnack! Mer Bittere kannst du bringen."

Fünf, nicht wahr? Für Adam Klatt, Wilm Pütter, Fritz Wächtler, Hannes Strvhm und Sie selbst macht fünf."

»Ach bestelle, for wen ich will," sagte Karsten ober -grob und schaute dabei Wilm Pütter herausfordernd an. Der sah ruhig auf der Bank und sog feinen Mate durch die Bombilha **).

Der Krämer brachte die (Bitteren, und Karsten bot an. Püttnev überging er.

Prost, Jungens!" sagte Karsten und trank.

Bring mirne Flasche Mer, Wegener!" sagte Pütter ruhig!, aber das Blut stieg ihm in die Stirn.. Die anderen Fuhrleute zögerten.

Wat fall bat Heiken?" fragte Hannes Strohm.Willst du hier Stank malen, Fernand? Denn sup dien Bittern allein!"

Wat bat Helten fall? Dal fall Helten, bat ick von einem niederträchtigen Kumpan bl den Delegadv anzeigt bün und bärtig Mil Multe betalt heww."

An worum?"

Wil bat ick mln Weg ni malen beb. Haha! Gute Freunde, getreue Nachbarn unb desgleichen, heit bat je woll."

An wen meinst du, de dl anzeigen beb?"

Dat kann ein doch mitn Stock im Düster» marken. Ick we­nigstens brüll keinen Bittern mit so'» sllchken Kirl."

Da stand Wilm Pütter auf.Du meinst mi, Fernand? Täuw, ick will di antworten!"

Ehe sich Karsten ducken konnte, versetzte ihm der Fuhrmann eine Maulschelle, daß er zur Seite taumelte.

Bravo! Alle Achtung!" sagte der Bendamann unwillkürlich.

Nun faßte Karsten in blinder Wut feinen Nelhostlel fest und ging auf den Gegner los. Der hatte die kurze Fuhrpeitfche er­griffen, mit der er sonst vom Sattel aus die Stiere antrieb. Gr parierte mit dem linken Ann den Hieb Karstens und ließ den geflochtenen Peitschenstiel niedersaufen.

Die Fuhrleute unb der Bendemann wollten Frieden stiften, Meine Herren. Ruhe!" rief Wegener, aber er hielt sich auf feiner Schwelle. Zum Teufel auch! Gr würde fich hüten, aus purer Nächstenliebe einen Jagdhieb zu erwischen, daß die liebe Seele jauchzte. And dieser Wilm Pütter schlug eine Naht < alle guten Geister!!

Die Fuhrleute gönnten Karsten von Herzen die Tracht Prügel, denn jeder von ihnen hatte vor Karstens Kolonie schon manchen Segenspruch getan, wenn die Räder bis zur Achse in den Schlamm sanken. Also gaben sie im Geiste Wilm Pütter zunächst General­vollmacht für alle, unb wenn Karsten auch wie ein Kampfhahn auf Pütter losging, so hatte er doch nach wenigen Minuten ge­nug Eindrücke von diesem Spiel, 'um sich vollkommen als zweiten Sieger zu fühlen. Nur einmal sprang er noch gegen Pütter an, der mit der Linken das Handgelenk Karstens mnklammert hielt, und biß in feiner Wut dem Gegner in die Faust.

Verdammte Kirl!" fchüttelte ihn Pütter ab, wandte sich schäu­mend vor Wut zum Wagen unb langte nach dem Vorderbrett, wo nach Fuhrmannsbrauch der Facao***) in der Ledertasche hing. Aber ehe er ihn fassen konnte, fielen ihm die Fuhrleute in bert Arm.

Wilm! Sei vernünftig! Keine Dummheiten!"

Der Krämer schrie Karsten an:Mensch, mach, daß du fort- kommst! Oder willst bu hier einen offenbaren Totschlag beleben?"

Damit hals er ihm in den Sattel und hieb den Braunen eins auf. Der ging mit feinem Reiter im Galopp davon.

Schacht möt fin, feggt uns Amtmann ümmer," sagte der alte Christrelch Karsten, als er von der großen Prügelei hörte, und riet seinem Sohne, sich darob das Herz nicht weiter schwer zu machen.Denn worum?" schloß er.Einer kann doch man Sieger bliewen."

Aber Male Karsten redete anders. Wie? Dreißig Milreis bezahlen unb noch eine Tracht Prügel bazu einstecken? Da® wäre!

e) maien = spazieren, Besuch machen.

**) = Saugrohr.

***) Faccav Duschmesser,

(Fortsetzung folgt.)

Schrittleituna: Dr. Frledr. Wilh. Lange. Druck unb Verlag bet Brübl'schen Aniv.-Duch- unb Steindruckerei. R. Lange, Gießen.