Ausgabe 
2.5.1925
 
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Höhe haarscharf am Äa«d öer Berge hm und bieten einen grandiosen. schauNg-schön«; Rundblick auf das Wüsten- gebirge, auf gähnende Schluchten und steil abfallende, tiefe Ab- gründe. An der Ferne wird das Tote Meer, das inr Hoisten Tal- gruitft träumende Jericho und das gewaltige Gebirge Moab sichtbar.

An einigen. Beduinenlagern vorbei erreichten wir endlich nach schwieriger, halsbrecherischer Wanderung das Kloster Mar Saba. Dor dein Klosterhofe safte» einige griechische Mönche auf Steinblöcken, während ein mit Gewehr Md Dolch bewaffneter, in Klvsterdiensten stehender Beduine als 'Wachtposten auf und ab patrouillierte. , _ ,

Ein Mönch mit zerzaustem Bart liest uns ein. Wir krochen in gebückter Stellung durchs niedere Klostertzförtchen und be­fanden uns dann im Dmnenhofe des Klosters. Ringsum mächtige Fellenbauten. Hierwar's, wie in einem mittelalterlichen Burghöfe.

Die Kl öftersestung.

Das Griechenklofter War Saba ist, uralt. Sm 5. Sahr- hundert wurde es gegründet vom hl. Guchhmrus, jedoch nach dessen Schüler, dem hl. Saba, dem Abt des Sabaitenvrdens, benannt. Dies wunderliche, imposante Bauwerk, mehr Festung lwd Burg als Kloster, wurde durch Kriege oft zerstört und zuletzt 1840 von Lei! Russen instand gesetzt. Es klebt, größten­teils in Felsen eingehauen, wie an der Felsenwand und zieht sich teils terraffenfönnig, teils steil von der, Höhe des schroffen Fekfenberges hinab in die tiefe, gähnende Höllenschlucht. Gegen­über erheben sich mächtige, plalisörmige. steilwändige Felsenberge.

Der festungsartige Ausbau Mar Sabas wurde notig wegen der vielen früheren Ausplünderungen und infolge der heute noch möglichen BeduinenÄberMle. Diese wahre Felsenburg beherbergt etwa 50 griechische Mönche, die in zellenartigen. halbdunklen Räumen ihr abgeschlossenes, weltvergessenes Dasein wie Ge­fangene fristen. Das Kloster ist eine Art Strafanstalt für griechi­sche Priester. Ein Palästinaforscher charakterisiert das Leben dieser strafgefangeiien Mouche treffend'Es ist nicht die Ein- samkeit einer friedlichen Einsiedelei, sondern eine Einöde,, in der man wahnsinnig werden könnte."

Die sehr streng und ständig fastend lebenden Mönche ver­bringen ihre Zeit größtenteils mit Gebeten. Die Küchenabfälle Wer^err sie über die Klostermauer in die tiefe Todesschlucht, damit die dort und in den umliegenden Felsenhöhlen hausenden wilden Tiere, Hyänen und Schakale, sich nachts daran sättigen. 'Das Beste von den Speiseresten suchen sich tagsüber die in der Schlucht umherst reifende« Beduinen heraus.

Den Frauen ist das Betreten dieses sonderbaren Klosters verboten. Gegebenenfalls müssen sie bei Besuchen, die sich auf äußere Besichtigung des Baues beschränken, draußen in der Schlucht des Todes in Zelten übernachten. Ausnahmsweise auch dürfen sie in dem von den übrigen Gebäuden getrennten Glocken- turn-e nächtigen.

Mar Saba enthält auf dem Ho» das mit einer Kuppel- kaPelle überbaute Grab des Hl. Saba, .Unter dem Grab ist eine Höhlengfotte, in der der Heilige mit einem Löwen sried- iich zusammengelebt haben soll. Die Rikolauskapelle beherbergt die Gebeine der bei der Plünderung des Klosters durch die Perser 614 umgekommenen Mönche. Die überladen bunt bemalte klosterkirche birgt das Grab des griechischen Kirchenlehrers Jo- lano.es Damascenos. Bon schwindelnder Tulmhöhe aus genießt man einen grandiosen Blick auf die gewaltigen, wildzerklüfteten Berge der judäischen Steinwüste und in die tiele, grausige Felsenschlucht.

Ein alter, sonderbarerweise deutsch sprechender, freundlicher Mönch führte uns auf unsere Zimmer und bewirtete uns jeden mit arabischem Mokka. Schnaps, Brot und Wasser. Aach einem alten Brauch genießt jeder männliche Besucher die Gastfreund- schaft des Klosters. Llnsere Räume waren sog. arabische Diwans. An den Wänden entlang waren breite, niedrige, mit dicken Araberteppichen belegte Steinerhohungen angebracht, unser Nacht­lager. Dazu erhielten wir dicke Decken. Europäische Betten waren nicht vorhanden.

Eine seltsame Nacht.

Wir legten uns zum Schlafen nieder. Da plötzlich ging der Mond auf und beleuchtete silberhell unsere Zimnrer. Wir Prangen auf, die Mondscheinnacht zu genießen, gingen leise hinunter und bestiegen die Burgmauer nach der Schlucht zu, . -Welch unvergleichliche Pracht beim Mvndenschein! Fast taghell beleuchtet Vater Mond gespensterhaft die tiefen Schluchten und graum Berge, als sei alles mit frischem Schnee bedeckt. Sistch märchenhafter Mvndscheinzauber ist nur in Palästina, nur m Sudagebrrgswüfte, nur bei Mar Saba möglich

Schacht dort unten in der hellbeleuchteten Schlucht nicht etwas Graues heran?

Schakale!" riefen wir wie aus einem Munde.

Da schlichen sie heran, die Nachtschwärmer, zuerst zwei Tiere die Mauer zu, wühlren in den yerabgewvrfenM Speiseresten und hielten nächtliche Mahl- zeit. In unserer Nähe stand in einem Blechtvpf Waffer. Einer der Dänen goß das Naß hinab in Ne Tiefe auf Ne Hyänen rms öqwale.

Sn der Ferne krachten Gewehrschüsse unheimlich in die stille Nacht hinein und hallten laut wider in den Bergen und Schluchten. Gleichzeitig ertönten schauderhafte Laute von wilden Tieren aus der Wüste. Offenbar waren die Beduinen auf der nächtlichen Hyänenjagd. Wir warfen noch einen Mick in die Tiefe. Hyänen rmd Schakale waren verschwunden. Dann legten, wir uns erneut zur Ruhe nieder.

Aus bestem Schlaf erwachten wir plötzlich gegen zwei Ähr nachts durch schauriges, dumpfes Klvsterglockengeläute. Schwer­mütig und ernst dröhnt der tiefe Glvckenton in die stille Nacht, Setzt erschallen feinere Glocken mit höherem, silberhellem Klang glockenspielartig und läuten, läuten ohne Änterlatz die ganze lange Nacht hindurch.

Schallte da nicht dumpfes Gebetsgemurmel, tönte es da nicht wie schauriger Grabgesang durch das Glockengeläut aus der Klosterkirche zu uns hinauf? Die Mönche waren beim allnächt­lichen Gebet und Gesang versammelt, stundenlang, bis in den Morgen hinein. Sv will es strenge Klosterregel. Änö solange die Mönche beten und singen, solange ertönen auch die Glocken von Mar Saba. Erst mit Tagesanbruch verstummte das Läuten, Beten und Singen. x

Das Wadi en Nar.

Nach fast schlafloser Nacht brachen wir auf. Als Wegzeh­rung erhielt ein jeder ein kleines Brot. Im Hose empfing uns der alte, deutschsprechende Mönch und führte uns noch ein wenig herum. Er zeigte uns eine uralte, heilige Dattelpalme, welche WunLerkräfte besitzen solle. Sie sei vom hl. Saba selbst ge­pflanzt worden. Wenn eine kinderlose Frau von den kernlosen Datteln esse, so würde sie mit Kindern gesegnet werden. Dann führte er uns zu einem feuchten, wassertropfenden Felsen. An diesem heiligen Felsen sei Gott dern hl. Guthhmius und dem hl. Saba erschienen und habe gelobt, daß er durch diese Felsen quelle das Kloster stets mit Wasser versorgen werde.

Wir bedankten uns für die freundliche Aufnahme, über­gaben dem Pförtnermönch jeder ein Geldstück und verließen die gastfreundliche Klosterburg.

Bor dem Klostereingang empfingen uns einige zerlumpte, phantastisch und wild aussehende Beduinen aus einem nahen Beduinenlager. Sie wußten offenbar von unserer Anwesenheit, hielten die Hände auf und verlangten den unvermeidliche!! Bakschisch" (Trinkgeld, Almosen). Sie versperrten uns den Weg und erst, als zwei Mönche, die hoch öden von der Festungs­mauer herab den Wüstensöhnen ein energischesSalla! Salla!" (Fort! Hinwegs") zuriesen und dem Ruf einen dicken Strahl Wasser folgen ließen, waren wir von den braunen Gesellen befreit.

Wir stiegen in die tiefe Schlucht hinab, um von den gegen« überliegenden Bergen aus die Klosterfestung zu besichtigen und zu photographieren. Sn diesem fürchterlichen, gähnenden Ab­grund sah's gar wild und romantisch aus. Fürwahr, eine Schlucht des Todes! Einige Wüstenaraber streiften dort unten umher, sämtlich mit Gewehren bewaffnet. Die Araber nennen diese Höllenschlucht Wadi en Nar (Feuertal) oder Wadi en Rahib (Mönchstal). Sn unglaublichen Windungen zieht sich die Todes­schlucht eng hin bis zum Toten Meer. AuS den Steilwänden der Felsenschlucht ragen gewaltige Felsblöcke hervor, die so gleichmäßig und terrassenförmig übereinander geschichtet sind als sei die ganze. Teufelsschlucht durch Bildhauer künstlerisch gemeißelt.

Am Fuße des Klosterberges sieht man viele dunkle Höhlen, die früher von Einsiedlern bewohnt waren. Setzt hausen darin Schakale, Hyänen rmd andere Tiere. Stolz und wuchtig erhebt sich über uns die Klosterburg Mar Saba.

Auf allen Bieren kletterten wir den dem Kloster gegen« uberltegenden steilen Felsenberg hinauf, verfolgt von einigen Beduinen. Oben auf dem Plateau, auf schwindelnder Höhe, stellten unsere Photographen ihre Zauberkästen auf. Die uns folgenden Beduinen stellt«! fich absichtlich vor die Apparate, um Photographen die Aussicht zu versperren und verlangten als Lohn für Ne Freigabe der Ausficht ihrenDakschifch". Ohne Zweifel kannten sie den Zweck der Photographenkästen von frühe- ren aouristenbesucheii her. Wir schoben die Wüstensöhne zur Sette, zeigten ihnen unsere Revolver, wogegen sie uns ihre Ge­wehre zeigten und schließlich trollten sie sich knurrend von dann«!.

gewaltiger Bergeshöhe genossen wir einen unvergleich­lich prächtigen Blick über die saft senkrecht abfallende, gähnende, grausige Schlucht und das am steilen Abhang klebende, wuchtige Mar Saba. Hoch oben auf Len Dächern und Burgmauern bewegten sich die dunklen Gestalten der Mönche wie eine »estungsbesahung Ringsum steinige Wildnis und siirchtbarr Einsamkeit. Poesie der Gebirgswüste!

Sachen wir endgültig auf und schlugen die schlang ^n. Bei Sonnenuntergang erreichten

der hl. Stadt. Der stolze Berg Sion mit imposanten Marienkirche winkte uns einen abendlichen Will» tominjugrufj zu, badete sich im Gold der untergehenden Sonne cJ1. grüßte und winkte, bis der feurige Sonnenball vollend) hinter den Bergen verschwand.

Ölleitung: Dr. Friede. Wich. Lange. - Druck und Verlag der Brühl'schen ÄnivvVuch« und Steindrucks, R, Lange. G-eh«.