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Wir lehnten uns beide zugleich in unseren Stühlen zurück, so dah unsere Gesichter schattig wurden. Ich stellte mein Teeglas -nieder, freute mich daran, tote goldig der Lee glänzte, vergaß diese Freude langsam wieder und fragte plötzlich:Erinnern Sie sich noch an den lieben Gott?"

Der Fremde dachte nach Seine Augen vertieften sich ins Dunkel, und mit den kleinen Lichtpunkten in den Pupillen glichen sie zwei langen Laubengängen in einem Parke, iüter welchem leuchtend und breit Sommer und Sonne liegt. Auch diese be­ginnen so, mit runder Dämmerung, dehnen sich in immer engerer Finsternis bis zu einem fernen, schimmernden Punkt: dem ien- seitigen Ausgang in einen vielleicht noch viel helleren -iag. Während ich das erkannte, sagte er zögernd und als ob er sich nur ungern seiner Stimme bediente:3a, ich erinnere mich noch an Gott."Gut," dankte ich ihm,denn gerade von ihm handelt meine Geschichte. Doch zuerst sagen Sie mir noch: Sprechen Sie bistoeilen mit Kindern?"Es kommt wohl vor, so ttn Vorübergehen, wenigstensVielleicht ist es Ihnen bekannt, daß Gott infolge eines häßlichen älngehorsams seiner Hande nickt weih, wie der fertige Mensch eigentlich aussteht?Das habe ich einmal irgendwo gehört, ich weih indessen, nicht, von wem" entgegnete mein Gast, und ich sah unbestimmte Er­innerungen über seine Stinte jagen.Gleichviel,' störte ich ihn,hören Sie weiter. Lange Zeit ertrug Gott dies« gewihheit. Denn seine Geduld ist wie seine Stärke groß. <sm= mal aber, als dichte Wolken zwischen ihm und der Erde staken viele Tage lang, so dah er kaum mehr touyte, ob er alles: Welt und Menschen und Zeit nicht nur geträumt hatte, rief er ferne rechte Hand, die so lange von seinem Angesicht vAbarmt und verborgen gewesen war in kleinen unwichtigen Werken, ae eilte bereitwillig herbei; denn sie glaubte, Gott wolle ihr end­lich verzeiheit. Als Gott sie so vor sich sah in ihrer Schönheit, Jugend wtd Kraft, war er schon geneigt, ihr zu vergebet. Aber rechtzeitig besann er sich unb gebot, ohne hmzusehen:LM gehir hinunter aus die Erde. Du nimmst die Gestalt an, die du bet den Menschen siehst, und stellst dich nach, aus einen Berg, so dah ich dich genau betrachten kann. Sobald du uirten ankommst, gey zu einer jungen Frau und sag ihr, aber ganz leise: Ich nwchts leben Es wird zuerst ein kleines Dunkel um dich fern un» dann ei» großes Dunkel, welches Kindheit heißt, und dann wirst du ein Mann sein un& auf den Berg steigen, tote tch dir be­fohlen habe. Das alles dauert ja nur einen Augenblick. Lev wohl." r

Die Rechte nahm von der Linken Abschied, gab chrmefe freundliche Namen, ja es wurde sogar bchcmpteh sie habe sich vor ihr verneigt und gesagt:Du, heiliger Geist - Wer schvn trat der heilige. Paulus heran, hieb dem lieben Gott die rechte Hand ab, und ein Erzengel sing si« aus und teug , sie unter smn«n weiten Gewand davon. Gott aber hielt sich mit de^ -taten die Wunde zu, damit sein Blut nicht über die Sterne ströme, unO von da in traurigen Tropfen herunterfwfe auf die kurze Zeit später bemerkte Gott, der aufmerksam alle Vorgänge unten betrachtete, dah die Menschen in den eisernen Kleidern sich um einen Berg mehr zu schaffen machten, als um alle anderen Berge, Ll-nd er erwartete, dort ferne Hand hlnaus- fteigen zu sehen. Aber es kam nur ein Mensch tu einem, wre es schien, roten Mantel, welcher etwas schwarzes Schwaickmd^ aufwärts schleppte. In demselben Augenblick begann Gottes linke Hand, die vor seinem offenen Blute lag, unruhig zu werden, und mit einemmal verlieh sie, ehe Gott es v^hiwtern konnte, ihren Platz und irrte wie wahnsinnig zwischen den Sternen umher und schrie:O, die arme rAe Hand, und ich kann ihr nicht helfe-i". Dabei zerrte sie an Gottes linkem Wm, an dessen äutzerstem Ende sie Hing, und bemühte sich loszutem- men. Die gartze Erde aber war rot vom Blute Gottes, und man konnte nicht erlernten, was darunter geschah. Damals wäre Gott fast gestorben. Mit letzter Anstrengung rief er ferne Asche Zurück' sie kam bläh un& bebend und legte sich an ihren Platz tote ein krankes Tier. Aber auch dis Linke, die doch schon maan& wußte, da sie die rechte Hand Goldes damals unten aus der Erde erkannt hatte, als diese in einem roten Mantel den Berg er­stieg, konnte von ihr nicht erfahren, was sich weiter auf diesem Berge begeben hat. Es mutz etwas sehr Schreckliches gewesen sein. Deim Gottes Rechte hat sich noch nicht davon erholt, und ste leidet unter ihrer Erinnerung nicht weniger als unter bem alten Zorne Gottes, der ja feinen Händen immer noch nicht verziehen hat." Meins Stimme ruhte ein wenig aus. Der Fremde hatte sein Gesicht mit den Händen verhüllt. Lange blieb alles so. Dann sagte der fremde Mann mit einer Stimme, bte ich längst kannte:Lind warum haben Vie mir diese Geschichte erzählt?"

Wer hätte mich sonst verstanden? Sie kommen zu mir ohne Dang, ohne Amt, ohne irgendeine zeitliche Würde, fast ohne Namen. Es war dunkel, als Sie eintraten, allein ich bemerkte in Ihren Zügen eine Ashnlichkeit" Der fremde Mann bückte fragend auf.Ja," erwiderte ich seinem Men Mick,ich denke oft, vielleicht ist Gottes Hand wieder unterwegs..."

Die Kinder haben diese Geschichte erfahren, unb offenbar wurde sie ihnen so erzählt, daß sie alles verstehen -konnten; denn sie haben diese "Geschichte lieb. iVt ' » ,

Fortschritt.

Von Rainer Maria Rilke*). !

IXnö wieder rauscht mein tiefes Leben lauter, als ob es jetzt in brettern Alfern ginge. Immer verwandter werden mir die Dinge und alle Bilder immer angeschauter.

Dem Namenlosen fühl' ich mich vertrauter: mit meinen Sinnen, tote mit Vögeln, reiche ich in die würdigen Himmel aus der Eiche, und in den abgebrochenen Tag der Deiche sinkt, wie auf Fischen stehend, mein Gefühl.

er naiv und vergaß, daß er schon eine Woche in :. Sie mutzte lachen trotz ihres Aergers:Noch?

Löbichau war.

') AusDas Buch der Bilder" (Insel-Verlag, Leipzig 1923).

jetzt

und

Sie

Sie

Die habe ich wohl nicht verdient und die Flecke haben nicht erwartet. Dahinein wische ich alle unnützen Gedanken, sehen, was ein sauberer Dichter ist. Aber wollen Sie mir nun doch einen Gefallen tun, so singen Sie abends mit. dem Doktor ein altdeutsches Lied. Es ist eine Lust, wenn zwei lunge Stimmen harmonisch tote eine klingen. Sie kennen doch den Doktor? Er siebt auch die Akazien. Wissen Sie, was bte Eße Akazie bedeutet? Da kommt ja Dinzer selbst, er totrb Ihnen das hübscher sagen. Sie gehen nach Tannenfeld, Doktor, und einen Schirm haben Sie auch? So behalte ich den meinen uno vertraue Ihnen die Baronesse an. Auf Wiedersehen am Klavier I

Ehrerbietig grüßend, war der Angerusene f)erangetreten. In seiner Freude bemerfte Jean Paul den mttztrauischen Blici desselben nicht u.rd überließ die beiden sich selbst.

Schweigend schritten sie eine Weile hän _

Sie kennen Jean Paul?" fragte Rita endlich schüchtern, ist er immer fv so apart?" ..

GS ist eben ein Unterschied zwischen dem Dichter und seinen Werken, mein gnädiges Fräulein." ___

Die schaute sinnend vor sich hin. Ihr steten d.e hahkchen Tintenflecke ein und sie mutzte an seine Glatze bantett. Mnb bann schwitzt er so, hatte Dora gefaxt. Aber ganz den ütmerfchteo sich erklären, konnte sie nicht. Er erzählte von der Wartburg und feinem Slternhause. Einmal lächelte ste, als er von fernem drolligen Brüderchen sprach And tote sie erfuhr, daß auch er elternlos sei, scch sie ihn zum ersten Male mitleidig an. So

Wchllnd sah Jean Paul auf die Dolde zu seinen Füßen

X$aul d&er reckte sich als hätte er HA sefbatej und lugte vorsichtig durch die Zweige, ob der Marder nicht schon nach seinen Tauben schliche. Wahrhaftig, mit den A^en suchst, kam Wilhelmine die Allee herauf und ries von weitem: Haben Sie den Doktor nicht gesehen?" ®r machte falsche Augen: Den Doktor? Rein, keine Spur. Wer tarnt auch Immer hinter dem jungen Voll her fein. Wte nicht, Prinzch. SA-n Sie doch Prinzeh, was ist das eigentlich für eine Pflanze? ®r beugte sich zu einer Hecke herab. Sie hob ihre Schlepp«'zierlich «ch trippelte dicht an ihn heran und gab die Auskunft mit ziemlich scharfem Akzent:Das will ich Ihnen fogen, meut feberS^re Poet 'Weißdorn nennt man dies exotische Gewächs. Hübsch steht's aus und lätzt sich streicheln. Faßt man aber ju, so sticht man sich Sollte man sich tiefer in Familiending« euüaften, als gerade nötig, so habe ich auch allere Waffen atö Obeur Wchelnd zog er fein Taschentuch und roch daran:Es duftet noch", fatfe er naiv und 3E

Pansch.

Eine Geschichte aus der Biedermeierzeit.

Von CarlWorms.

(Fortsetzung.)

Ehe er es verhindern konnte, hatte sie seine Haiid an die Lippen geführt. Es war hohe Zeit, daß er sich wieder prosaisch herabstimmte, denn ihr Blick schien zu lodern. So rückte er zutraulich «näher, spannte den Schirm über sie beide und ver<- sicherte, datz solch ein Aufapsern nur im Mittelalter vorkame. Sie müsse ihn einmal in Bayreuth besuchen, seine Karolme würde ihr schon gefallen und über den alten Haus^rrn un Schlafrock, nrit abgetretenen Pantoffeln, würde fte noch lachen. Lind da Sie, liebe gute Seele, mich in Ihren Briefen Vater genannt..."

Meine, meine Briefe? Woher wissen Ste.

.Sie sagen es mir eben selbst, mein liebes Kmd. Sehen Sie mich nicht so ängstlich an. Es stand keine Zeiledariitz die Ihrer unwürdig gewesen wäre. Ich siebe diese Offenheit an jungen Seelen, daher siebe ich auch Sie. Daher darf ich Sie Tochter neunen mit derselben Aufrichtigkeit, wie Sie mich Vater genannt. Zum Beweise des bitte ich Sie um eine dieser weihen Dolden, wie sie mir sonst täglich eins meiner Kinder ansteckt. Sie als die Aelteste felfen das Vorrecht haben."

Er bsickte sie so treuherzig an, datz ste verwirrt wurde und willenlos die Akazie für sein Knopfloch brach. Da aber äogerte sie und sietz die Blüte sollen, beim die Rückseite ferner Rock­klappe war voll Tintenflecke. Warum fiel ihr das gereute