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ebnen Karen glanzvollen Himmel fenben. Die Sterne hingen zusammen Vie große Trauben. Kleinere zwinkerten dazwischen wie Kinderblicke. Langsam, ganz langsam schwanke der riesige Mast mit seiner Spitze unter dem Himmelstuch hin und her und malte seine vorgeschriebene Linie wie eine uralte Hand­schrift in ein heiliges Buch.

Hinter den Kulissen des Rundfunks.

Don Dr. Max Preis.

Kaum hundert Schritt vom ewig brausenden Niesenkessel des Berliner Verkehrs, noch ganz in der Atmosphäre des Potsdamer Platzes steht das Box-Haus. Hier ist das Herz des Runi^ funks, hier werden ernste und frohe, künstlerisch beschwingte und unterhaltsam schlichte Botschaften dem Aether übergeben, der sie das Staunen über das Wunder hat man allzu schnell vergessen weiter trägt an die Ohren und in die Herzen von Millionen. Hier geschieht die geheimnisvolle Erregung der Luft, von hier strahlt Wort und Don hinaus an alle.

Seltsam die Bühne, von der diese Botschaft gesendet wird. Kleinere Sendesäle liegen um den großen Haupt-Sendesaah die eigentliche Bühne dieses allermodernsten Aller Welttheaters. Sieht nach allem anderen eher aus, als nach einer Bühne. Betritt man den Saal, meint man zuerst in einem Riesenbadezimmer zu stehen, das eigenwilligster Geschmack anders gestaltete, als Bade­zimmer jemai Z gesehen haben können. Die Stirnwand nimmt eine weiß emaillierte Badewanne von ungewöhnlich großen Ausmaßen ein. Aber, es hat wohl noch niemals jemand in ihr gebadet. Die Rixen der Illusion schwimmen in ihren hellen Fluten; in dieser Badewanne werden mit raffiniert arbeitenden, an sich sehr primitiven Werkzeugen die Trug-Geräusche erzeugt, Me durch den Aether an das menschliche Ohr getragen werden. Plätschern und Brausen, Zischen und Fauchen, vieles was im Ohr des Hörers ganz andere als vom Wasser stammende Eindrucks­bilder herdorruft, wird in dieser Badewanne aufgeruhrt, auf­gewühlt, aufgepeitscht. ,, . =

Rings um diese so prosaisch weihe Badewanne dann all das andere Hörgerät. Pauken und Trommeln, die darauf brennen, zu Lärm erweckt zu werden, Ruten, mit denen Stahl und Holz gepeitscht wird, alle erdenklichen Instrumente, Glocken, Pfeifen, kurz, nichts, was im Reich der Geräusche Geltung hat, fehlt. Notenpulte stehen nackt und einsam umher beim nächsten Konzert wird sie ein Blatt bedecken, von dem der Musikant seine Stimme abliest. . , , ,

Ein Museum von Dingen, die erst Beziehungen haben, wenn der Vorhang des Aethers aufgeht. Von Dingen kste in Syrer Fülle verwirrend find. Anders als in einer Buhnen­requisitenkammer ist es hier. Es fehlt alles Farbige, alles, was raumillusorisch wäre. Denn das Auge gilt hier nicht, nur was dem Ohr dient, hat Sinn und Bestand.

Ganz klein und unscheinbar ist der Apparat, der diesem ganzen Raum, dem ganzen Rundfunk Leben spendet: die Aus­nahmeplatte. Ern frei in der Luft hängender Warmorblock, der von dem Vortragenden besprochen wird. Mit einer Stahl­membran in der Mitte, die durch die Geräusche der Vortra­genden in Schwingung gesetzt, Wissenschaft, Kunst und Humor hinaus leitet in alle Wett zur Freude und Anregung von allen, die Freunde des Rundfunks sind.

Bei dem vormittägigen Rundgang durch das Voxhaus gbt es natürlich noch keine künstlerischen Sensationen zu be- uschen. Rur die Lebensmittelpreise werden eben von einem Angestellten in einem kleineren Sonderraum hinausgefunkt m die Stadt. Rüchtern Ringt das. And es wird ganz schlicht, ohne besonderen Stimmaufwand auf so eine Marmorplatte ge­sprochen. Rüchtern, gewiß. Aber prattisch, und für die Haus­frau vor dem Gang auf den Markt von größter Bedeutung. And doch gibt es, wenn schon keine Sensation, so doch eine Aeberraschung, die ganz in dem Sttl unserer von heißem Tempo gejagten Zett entspricht: Wahrend der Beamte noch die Butter-, Fleisch- und Gemüsepreise hinaussendet, kommt, durch einen Lautsprecher wiedergegeben, feine Stimme schon zurück. Sendung und Empfang zugleich. Moderne Hexe^i.

In der Postzentrale regulieren Radiogelehrte mtt höchst komplizierten Vorrichtungen, Einstellung von Stromstärken, und ein wenig wippendes Pendel zeigt durch seinen Ausschlag an, vb der Vortragende zu leise spricht, oder ob er sich überschreit. Rote Signale:Ruhe während des Vortrags!" Haben hrer noch intensivere Bedeutung als an jeder anderen Vortragsstätte, denn nichts ist für den Rundfunk gefährlicher als das böse Nebengeräusch, das durchaus nicht immer auf das Schuldkonto atmosphärischer Störungen, sondern oft audji auf das Konto schwätzender Zeitgenossen zu buchen ist.

3n eine Fülle von Arbeit verstrickt findet man dann den Regisseur dieses Hörtheaters, den durch seine individuelle schauspielerische Note und seine vorbildliche Aussprache schon vor den Zeiten des Radios allseits anerkannten Darsteller Alfred Braun. Er ist Regisseur und Dramaturg einer noch tastenden, aber zukunftsreichen und rasch entwicklungsfähigen neuen dramatischen Form, des Hördramas. Das ist sein Ehrgeiz, sein ganzes Streben, nicht nur das bisherige Bühnen­stück, entlastet von dem zwecklos gewordenen optischen Rahmen, in die Hörsprache zu übersetzen er hat geistreiche Versuche

aus diesem Gebiete selbst mit Shakespeare gemacht sondern das neue, das spezifische Hördrama zu finden. Der Versuche liegen viele vor. Aber noch ist das letzte Geheimnis der akustischen Konzentratton nicht gelöst, so wie ja beim Mm selbst heute noch Verstöße gegen das optische Gesetz begangen werden.

Immer wieder versucht Alfred Braun mit starkem Stil- empfinden und technischer Gewissenhaftigkeit Hörbilder zu ev- stnnen, die vein-akustischen Reiz ausüben. Er hat, ganz mit Hörillusionen arbeitend, ein Sechstagerennen im großen Sendesaal zu einer Geräuschsinfonie werden lassen, hat in einem anderen Hörbild den Potsdamerplatz photographiert, mit Autogetute, Straßengebraus, Feuerwehrgebimmel, mit anschwellenden und abklingendem Geräusch-Tohuwabohu, das sich zu höherer Har­monie fand.

Aber er sucht den Dichter, der so viel Respekt vor der Dilü- kraft des einfachen, nicht überladenen, gesprochenen Wortes hat, daß er mit größter Sparsamkeit in der Diktion das wahre Hördrama schaffen könnte. Es mühte ein wirklicher Dichter sein. Alfred Braun hat ihn noch nicht gefunden. Dichter, an die Aetherfrontl

3m übrigen ist Alfred Braun der Meinung, daß der Radio- Dichter der Zukunft nicht mit realen Hörbildern, sondern mtt stilisierten Geräuschen wird arbeiten müssen

Wo soviel angestrengter und befruchtender Wille wie bei diesem Künstler am Werke ist, wird nach einigen Fehlschlägen das Hördrama der Zukunft nicht allzu lange auf sich warten lassen.

Die Anterfuchung mit Alfred Braun wird durch den Post- eingang unterbrochen. In jedem Theater mag die Korrespondenz tntereffant fein, hier ist sie merkwürdig. Der Dramaturg der Lüste reicht mir ein paar Briese: Ein Wann teilt ganz_ er­griffen mit, wie seine seit Monaten kranke Frau beim Hören! der gymnastischen Radioübungsvorträge plötzllch die alte Beweg­lichkeit wieder gewann und sich in rhythmischen Aebungen ver­suchte. Eine Spitalschwester dank für das Glück, das Radio all­abendlich spendet, wenn die Pattenten, sich und den Pflegern zum Heil, eine Stunde lang durch den Rundfunk geseffelt, ihre Schmerzen vergessen. Ein Patient, der morgen auf Tod und Leben operiert wird, schließt mit der Welt ab und hat nur die eine rührend kindliche Ditte, an feinem letzten Lebensabend durch das Radio begrüßt zu werden.

Man hat in eine andere Welt geblickt. An eine Welt, um die noch das Wunder webt, an das man stch als unromantischer Pilger dieses Jahrhunderts allzu rasch gewöhnte. Es ist aber eine Welt, in der das Geheimnis des AetherS schwingt; und dieses Geheimnis ist nur ein Teil der Mirakels, das ausgebveitet ist um das Weltall.

Der Spätling.

Bon Heinrich Bechtolsheimer.

(Fortsetzung.)

2da sah mit vorgebundener Kinderferviette am Tisch und vor dem Schlafengehen ihre Suppe, da nahm die alte Frau das Kind, Wßte es und sagte: .Rein, Frau Distriktseinnehmer, so ein liebes Kind gibt es gar nicht mehr. Was ich nicht fertig» bringen konnte, das hat das Wachen fertiggebracht, es hat meinem Schwager gesagt, daß er die Schuhe reinigen solle, und er hat das auch getan.

In bet Düte waren Zimtwaffeln, von denen Oda gleich einige verzehrte. Eine durfte fie mit in das Bett nehmen. Als sie einschlies, hatte sie die Waffel noch im Händchen und hielt dieses gegen die Brust gepreßt.

In biefer Zeit war es, daß Wilhelmine sich mit einem jungen Kollegen ihres Vaters verlobte Ein halbes Jahr später war die Hochzeit. Da hatte es allerliebst ausgesehen, als Ida im weißen Kleidchen und in weißen Strümpfen mit in die Kirche hatte gehen dürfen und nun neben dem Altäre stand, ein Blumensträußchen in den Händchen haltend. Von allen zu- schauen den Frauen war ste damals bewundert worden. Dem jungvermählten Paare fiel allerdings gleich ein Tropfen Wermut in seinen Freudenbecher; denn der junge Mann, der au8 Dingen stammte, wurde nach der Hochzeit nach Alrichstein im Vogelsberg versetzt. Damals haben stch die linksrheinischen und die rechts­rheinischen Hessen noch schlecht verstanden, man merkte, daß sie nicht durch eine gemeinsame Geschichte miteinander verbunden, sondern durch eine Laune 'des Wiener Kongreffes yteinartber gekommen waren. Der Oberheffe sah den Rheinhessen als un­ruhigen, leichffinnigen Gesellen an, und dem Mann, der an den Rebenhügeln des Rheines ausgewachsen war, war der Vogels­berg genau so viel wie die Insel Island.

Ludwig Wendel war schon fett mehreren Jahren Student und gehörte einer farbentragenden Gießener Verbindung an, er studierte Naturwissenschaft. Vorerst allerdings interessiert« ihn mehr das Leben in seiner Verbindung und der Paukboden. Als er zum erstenmal zu den großen Ferien nach Hause kann brachte er mit feinem Gepäck auch einige Rapiere und anderes Paukgeräte mit. Den Schuppen machte er zur Fechtschener und übte sich häufig mit einem Freunde, der in Heidelberg Forst­wissenschaft studierte, im Fechten. Als fein, Dater^dazukam, wie er das Paukzeug auspackte, sagte er: »Hierfür hattest du die Fracht froren können." War Ludwig mtt feinen Fechtübungen