Ausgabe 
1.8.1925
 
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häuftgen Schiffbrüchen im Adria-

in Venedig nicht ganz entsetzlich

gute ist dort wie allenthalben und die schlechte

ganz

.Ja, Berggeist," sagte sie tapfer.

Ziese resolute Antwort gefiel dem General aus der Maßen.

und die

dem zum

wieder." Gesellschaft

Frau!"

Rahe! tour&e feuerrot.

-Hm

- ..Ist schlecht?"

Sie

Gut. Also ein anderes Zweites verbunden mit Tritten: Berggeist, mache den Kandidaten Pfannenstiel _ wohlbestellten Pfarrer von Mhthikon und gib mich ihm zur

Redet es ihm aus, Fieber in Worea?"

Zuweilen."

Liest man nicht von tischen Meere?"

gekommen?"

Der General bejahte.Ich rede es ihm nicht aus.

" Pate. Grassiert nicht Pest und

Für bas letztere könnet Ihr nichts tun, denn es steht ht diesem Pmckte bei Euch selbst sehr windig. Aber ist das ein Grund, auch mein zeitliches zu ruinieren? Ihr solltet, schedü mir, «n Gegenteil darauf denken, mich wenigstens auf dieser Erde glück­lich zu machten und Ihr macht mich unglücklich! Sie zer­drückte eine Trän«. ,

Vortrefflich raisormiert," sagte der General.,Patchen, ich bin der Berggeist und da hast drei Wünsche bei nur zu gut.

Run," versetzt« das Fräulein, auf den Scherz eingehend. Erstens: Heilt den Vater von seiner ungeistlichen Jagdtust!

- Unmöglich Sie steckt im Blute. Er ist ein Wertmüller. Aber ich kann feiner Leidenschaft eine unschädliche Dahn geben. Zweitens?"

Zweitens"... Rahel zögerte. .

Laß mich an deiner Stells reden, Mädchen. Zweitens. Gebt" dem Hauptmann Leo Kilchsperger älrlaub zur Werbung. Verlöbnis und Heirat."

Rein!" versetzte Rahel lebhaft.

Er ist ein perfekter Kavalier."

Einem perfeften Kavalier hängt manches um und an, worauf ich Verzicht leiste, Pate."

Ein beschränkter Standpunkt.

Ich halte ihn fest, Pate."

Meinetwegen. Also ein anderes Zweites. Zweitens: Berggeist, verschaffe dem Kandidaten Pfannenstiel di« von ihm begehrte Feldkaplanei in venezianischen Diensten."

Nimmermehr!" rief die WertmüllerimWas? der Un­glückliche begehrt die Feldkaplanei unter Euerm veneziamschen Gesindel? Der zarte und gute Mensch? Darum ist er zu Euch

vortrefflich"

Pate, er darf nicht hin, um keinen Preis!'

Er ist eine reinliche Natur," lobte er,aber ihm fehlt die Männlichkeit, welche die Figuren unwiderstehlich hinreiht"

Bah," machte sie leichthin und fuhr entschlossen fort: Pate, Ihr habt ein Dutzend Feldschlachten gewonnen, Ihr ver­derbt Euern listigsten Feinden in der Hofburg das Spiel, Ihr seid ein berühmter und welterfahrener Mann wendet ein Hundertteilchen Eures Geistes daran, mich was sage ich uns glücklich zu machen, und wir werden - es Euch zeitlebens Dank wissen."

Ter General lieh sich auf die leere Steinbank nieder und legte in tiefem Nachdenken die Hände auf die Knie, wie eine ägyptische Gottheit. So berührte er die beiden Pistolen in seinen Taschen: es blitzte in seinen scharfen grauen Augen plötzlich auf und er brach in ein unbändiges Gelächter aus, wie er seit De­zennien nicht mehr gelacht hatte, in ein wahres Schulbuben- gelachter. Ta er zugleich aufgesprungen war, rasch dem Innern der Halbinsel sich zukehrend, wiederholte ein Echo diesen Aus­bruch ausgelassener Lustigkeit tn so geisterhafter und grotesker Weise, daß es war, als hielten sich alle Faune und Panisken der Au die Bäuchlein über einen tollen und gottvergessenem Einfall.

Ter General beruhigte sich Er schien seinen Anschlag und die Möglichkeit des Gelingens mit scharfem Verstände zu prüfen. Das Wagnis gefiel ihm.Zähle auf mich mein Kind", sagte er väterlich.

Hört, Pate, dem Vater darf kein Leides geschehen!"

Lauter Gutes."

Pfannenstiel darf nicht gezaust werden!"

Wertmüller zuckte die AchselmTer spielt eine ganz unter­geordnete Rolle."

älnd Ihr werdet Euern Spatz dabei haben?" fragte das Mädchen gespannt, denn das Gelächter hatte sie doch etwas be­denklich gemacht.

Ich werde meinen Spatz dabei haben."

Kann es nicht mißlingen?"

-Ter Plan ist auf die menschliche älnvernunft gegründet und somit tadellos. Aber etwas Chance gehört zu jedem Erfolg."

Und mißlingt es?"

So bezahlt Rudolf Wertmüller die Zeche."

Roch einmal besann sich das Mädchen recht ernstlich: aber ihre resolute Natur trug den Sieg davon. Sie hatte überdies

ein unbedingtes Vertrauen zu der verwegenen Kombinationsgab« und selbst tn gewissen Grenzen zu der Loyalität ihres Verwandten. Da,h ein schadenfroher Streich mitlaufen werde, wußte sie. es war das eben der Kaufpreis ihres Glückes, aber sie wußte auch dajh Wertmüller sie lieb habe und feinen Spuk darum nicht allzu weit treiben würde. Zudem lag etwas in ihrem Blut«, bat ein« rasche, wenn auch gewagt« Lösung einer nagenden Unge­wißheit vorzog.

Ans Werk, Rübezahl!" sagte sie.Wann beginnst du dein Treiben, Berggeist?"

Morgen mittag bist du Braut, Kindchen. Ich verreise Montag in der Frühe.

Adieu, Berggeist!" grüßte sie enteilend und warf ihm eine Kußhand zu, während er ihr nachsah und feine Freud» hatte an ihrem schlanken und sichern Gange.

Sechstes Kapitel.

Zu später Abendstunde saßen der General und der Kandidat an einer reichbesetzten und glänzend erleuchteten runden Tafel sich gegenüber in einem geräumigen ©aale, dessen Helle Stuck­wände mit guten, in Oel gemalten Schlachtenbildern bedeckt waren,

Wertmüller wußte, welche Poesie dasTischlein, deck dich!* für einen in dürftigen Verhältnissen aufgewachsenen Jüngling hat: aber auch an geistiger Bewirtung ließ er es nicht fehlem Er erzählt« von seinen Fahrten in Griechenland, er rühmte di« und verwegenen Mann fühlte, während Wertmüller in der Odyssee, er ließ die edeln und maßvollen Formen eines helle­nischen Tempels vor den Augen des entzückten Kandidaten auf- steigen, kurz, er machte ihn glücklich

Seiner davon unzeickrermlichen militärische Abenteuer ge­dachte er nur im Vorbeigehen, aber so drastisch, daß Psannensttel in der Nähe des alten Landsknechtes sich als einen herzhaften und verwegenen Mann fühlte, während Wertmvüller in der naiven Bewunderung seines Zuhörers um einige Dezennien sich verjüngte und erleichterte.

So achtete es Pfannenstiel nicht groß, als der General in der Hitze des Gespräches ihm auf den Leib rückte, von den bte» breiten, flachen Knöpfen, die sein Gewand zwischen den schmäch­tigen Schultern vorn zusammenhielten, den obersten abriß und denselben, nachdem er ihn einer kurzen Betrachtung unterworfen, in einen dunkeln Zimmerwinkel warf, dann an einem der mittlern drehte, bis dieser nur noch an einem Faden hing.

Zwischen den Birnen und dem Käs« aber änderte sich die Szene. Der General hatte gegen seine Gewohnheit er war längst ein mäßiger Mann geworden einige Gläser feurigen! Burgunder geleert und da er, wie man zu sagen pflegt, einen! grimmigen Wein trank, begann es ihn denn doch ein bißchen zu wurmen, daß die schöne und tapfere Rahel ihr Herz an einen! sanftmütigen, unkriegerischen Menschen, noch dazu an einen! Fassen" verschenk hatte, und sein Dämon nötigte ihn, den Kandidaten, den er doch leiden mochte, zu gutem Ende noch einmal unbarmherzig zu foppen.

Er befahl dem aufwartenden Hassan, Pulverhorn und Äuget* beutel zu bringen, zog die beiden Terzerole aus feinen Rock­taschen und legte sie vor sich auf die Tafel.

Die Rahel mag. Euch" wendete er sich jetzt an den Kandi­daten,aber wollt Ihr sie zum Weibe gewinnen, müßt Ihr dem schönen Kinde einmal als ein ganzer Mann entgegentreten. Das wird ihr einen bleibenden Eindruck machen und Ihr dürft Euch dann ruhig die eheliche Schlafmütze über die Ohren ziehen. Mein Plan ist ganz einfach: Ich gehe morgen in Mhthikon zu« Kirche erstaunt nicht, Pfannenfliel, ich bin kein Heide, und lade mich bei dem Vetter Pfarrer zu Mittag. Natürlich bleibt Rahel zu Haufe und .besorgt den Tisch Ihr aber gewinnt bet währendem Gottesdienste auf Schleichwegen die Pfarre, entführt das Mädchen, bringt es hierher und, während Ihr sie küßt, armiere ich die zwei eisernen Kanonen, die Ihr auf dem Haus­flur gesehen habt, und verteidige den schmalen Damm, der mein«! Insel mit dem Festlande verbindet. Treffen! Unterhandlung! Friedensschluß!"

Wäre der Kandidat in seiner natürlichen Verfassung gewesen, er hätte diese Soldatenschnurre belächelt, aber der starke Wein war ihm in den Kopf gesttegen.

Entsetzlich!" rief er aus, fügte dann aber nach einer Paus« und erleichtert hinzu:und unmöglich! Die Rahel würde niemals einwilligen."

Sie wird! Ihr erscheint, werft Euch zu ihren Füßen: Entflieh mit mir! oder" ...Er ergriff ein Pistol und setzte es sich an die rechte Schläfe.

Sie ist eine Christin!" rief der erhitzte Kandidat.

Sie wird und mu ßwollen! Jede Figur wird von ber männlichen Elementarkraft bezwungen. Kennt Ihr die neueste deutsche Literatur nicht?... den Lohenstein, den Hofmanns- Waldau?"

Sie wird und muh wollen! Jede Figur wird von der Pfannenstiel mechanische

Dann fahrt Ihr ab glorios mit Donner und Blitz" und Wertmüller drückte los. Der Hahn schlug nieder, daß es Funken stob.

(Fortsetzung folgt.)

Schristleitung: Dr. Stiebt. Wilh. Lange. Druck und Verlag der Brühl'schen Aniv.-Buch* und Steindruckerei. R. Lange, Gieß««.