Mr, welche durch neue Leitungsoahnen mehr oder weniger direkt mit dem Gehörzentrum assoziert werden.
Eines dieser höheren Gehörzentren Pflegt man mit dem Damen. „Musikzentrum" zu bezeichnens. Je nachdem dieses mehr
Das sogenannte „Ohr für Musik" hat also seinen Sitz nicht im Ohr sondern im Hirn.
Die Zeit, welche die oben erwähnte Entwicklung in Anspruch nimmt, erstreckt sich über Jahre hinaus und ist schwrn^zu begrenzet?, Wahrscheinlich ist, daß sie sich — wenn auch immer schwächer — so lange das Hirn selber Entwicklungsmöglichkeiten besitzt, auch weiter' entwickelt.
Wenn das Kind in der zweiten oder dritten Woche zu hören anfängt erscheint es uns zuerst überrascht durch den Laut oder, wenn dieser- kräftiger ist, erschreckt. Sm letzten Falle schreit es Denn weinen kann es gewöhnlich nicht vor dem dritten Monat. Erst dann wird nämlich die Innervation der Tränendrüsen durch Ge» mütsbewcg-mgen beeinflußt.
Je nachdem das Gehör sich verbessert, steigert sich das Interesse deS Kindes für den Schall. 3m Anfang genügt ein mäßiger st einer Lärm, unt es zu erfreuen. Leise gegen ein Tablett zu klopfen ist dann noch ebenso erfolgreich wie der schönste Gesang; aber nachher, wenn das Kind musikalisch zu werden anfangt (wenn es dies Überhaupt wird) steigen die Ansprüche. „Mutti stalI Dati singen" sagte ein einjähriges Krad zu einer unmusikalischen Mutter als sie das Wiegenlied des Vaters zu singen versuchte.
Die musikalische Auffassung kann berei s im zweiten Lebens- fahre sehr weit sortschreiien. So kannte ich einen kleinen Buben, der im Alter von zwei Jahren nicht weniger als hundert veZchie- dene Melodien rich ig benennen konnte, und dies sogar schon, als er den Anfangsakkord auf dem Klavier hörte.
Obgleich nun alle Kinder wenigstens die erste Woche nach der Geburt als vollständig taub zu bezeichnen sind können sie doch auf gewisse starke Laute reagieren. Daraus haben einzelne lter- fasser den Schluß gezogen, daß sie bloß schwerhörig aber nicht vollständig taub sind. Aehnliche Laute sind aber meistens mit einer Erschütterung verbunden, welch: bas» Kind ”^.Mnem feinen Gefühl auffassen kann. Dein oberflächlichen s^vbach er erscheint diese Reaktion dann leicht als ein Beweis für Geyorsenchfindung.
Reuere Llntersuchungen haben allerdings an die Hand gegeben. daß die Ohren bereits am zweiten ^3 nach der Geburt durch Schall beeinflußt werden kömren. Diese B^inslussung gibt sich durch gewisse Reflexe zu erkennen, z. D du^ rascheres Atmen unmittelbar nach'dein Schall. Da aber die Gehorbahnen bis zur Hirnrinde noch nicht fertig sind, können dir Lautemdrucke n chi zum Bewuß sein kommen. Eine Gehörscmvfmdung kann das Kind also noch nicht haben, auch wenn die betreffenden Reflexe für den Uneingeweihten als Beweis für eine solche ausfeien.
Ganz ähnlich wirkt leicht die Art und Weise der Reugebormen gegen plötllich auftretendes Licht zu reagieren als Beweis für Ge° sichtsempfindung. Denn sie verkleinern dabei die Pupillen und kneifen mit den Augen, als wenn sie dem Lichte ausweichen mochten. 3m anderen Falle tcenium siesich "dies ledoch erst in der zweiten Wocke — fast wie hhpnollsiert-stetig der Lichtqulke zu. Lind doch ist dieses alles wahrscheinlich nur als ererbte, unbewußt Reflexbeweg'lngen anzusehen. _ .
Augen und Sehne rvensind allerdings genügend entwickelt um die Gesichtsei d.ücke aufzunehmen und w i er zu leiten. At^r die Dahnen zu dem Sehzentrum in der Himrinde sind bm der Geburt Richt fertig. So kann das Kind noch nicht immer mit Sicherheit die Bewegungen der beiden Augen assozieren; es schielt deshalb manchmal während der ersten drei Wochen, ohne daß eS doch das Risiko eines definitiven Schielens zu bedeuten braucht Außerdem hat es noch nicht das Vermögen, die Dicke der Linse für ein deutliches SehÄi in der Rahe zu akkommodieren. ,
Da also-für ein deutliches Sehen (sog. Bildperzeptivn) die notwendigen Bedingungen noch fehlen, sehen wir leicht em, oaß der Reugchvrere praktisch genommen blind ist.
Ziemlich b.lld, vielt icht schon nach einem oder einigen Tagen, fängt er allerdings an, den Ülnterschied zwischen Hell und Dunkel zu verstehen und die ihm umgebenden Menschen und Gegenstände als Schatten aufzufassen. Aber ein derartiges Sehen (sog. Lichtperzeption) pflegen wir bei Erwachsenen auch mit dem 4tarnen Blindheitzu bezeichnen. . __
Wenn uns eine junge Mutier versichert, daß ihr nur ein Mo- Rat altes Kind sie deutlich erkennen kann, so wird dieses Erkennen, wenn es wirklich so früh der Fall ist, also nicht durch die Augen zustande kommen, sondern eher mit Hilfe des GAuhls, des Geruches oder des — Geschmackes, welche Sinne alle schon bei der Geburt entwickelt sind, oder möglicherweise mit Beihilfe des Gehörs, welches zu dieser Zeit, wie oben erwähnt, bereits ganz gut zu werden anfängt. ,
Das deutliche Sehen, die sog. Bildperzeptivn, fangt erst nach und nach im dritten Monate an aufzutreten. Zu dieser Zeit beginnt Nämlich das Kind mit Sicherheit den Akkommandationsmuskel des Auges zusammenzuziehen, so daß das Bild auf ver Retz^aut auch
i) Seitdem dieses geschrieben wurde, hat 6er schwedische Gehirnforscher Senf eßen nachgewiesen, daß dieses Zentrum nicht einheitlich, sondern aus verschiedenen Zentren zusammengesetzt sind, oder weniger gut entwickelt ist wird das Individuum mehr oder Weniger musikalisch.
beim nahen Hinschauen scharf und deutllch wird. Letzteres bereitet große Schwierigkeiten, die nicht so leicht zu überwinden sind. Erst im Alter von tfnem Jahr ungefähr beherrscht das Kind den Ak« kommadationsmuskel so vollständig wie ein Erwachsener.
Roch in diesem Alter ist aber das Kind wahrscheinlich vollkommen farbenblind. Die Farben werden bloß als verschiedene Abstufungen vom Grau aufgefaßt und interessieren deshalb als solche gar nicht. Die ganze Welt sieht wie eine farblose Photographie aus.
3m zweiten und dritten Jahr sängt das Kind allmählich an gewisse Farben aufzufassen, namentlich Rot und Gelb. Erst verschiedene Monate später fängt es auch an Grün und Blau sehen zu können.
Jetzt erst hat das Kind Freude an Farben, je schärfer desto besser! Jetzt erst lohnt es sich ihm farbenreiche Legespiele und ähnliche Spielsachen zu geben.
Die Schönheit der weniger scharfen und gegenseitig harmonierenden Farben lernt der Mensch erst in einem relativ spätem Entwicklungsstadium aufzufassen. Biele erreichen dieses Stadium ja bekanntlich nie.
Bleibt diese Entwicklung auf einem frühen Stadium stehen, so verbleibt das 3ndividuum sein Leben lang mehr oder weniger farbenblind.
Auch die Entwicklung des Sehvermögens ist, wie bereits angedeutet. abhängig von und eng mit der Hirnentwicklung verbunden. Ob die Entwicklung des Farbensinns meistenteils auf der Vervollkommnung des Sehgentrums der Hirnrinde beruht, oder ob die Vei-vvllkvmmnung der Rehhaut des Auges hierfür wichtiger ist, läßt sich schwer feststellen. Aber es ist wahrscheinlich, daß die Entwicklung des Hirns eine wichtige Rolle hierfür svielt.
Das grobe Sehen ist eine Sache — die feinere Auffassung des Gesehenen eine andere. Letzteres hängt von der Entwicklungsstufe des Hirns ab und wird nach und nach auSgebitbet, während das Individuum mit allen feinen Sinnen Eindrücke von der Außenwelt sammelt. Wenn dann die verschiedenen Zentren der Sinne unter der Führung des 3ntelligenzzentrums. so zu sagen, miteinander wegen derselben Sache beraten, bann werden die Begriffe Har.
So z. B. werden Form und En!fernun,g der Gegenstände allmählich während fleißiger gemeinsamer Arbeit von Gesicht und Gefühl eingelernt. Dieses erftärt, daß blind geborene, erwachsene. Personen, welche durch Operation sehend werden, im Anfang die Entfernung der erblickten Gegenstände gar nicht beurteilen können und auch nicht mit dem Auge allein z. B. eine runde Scheibe von einer Kugel zu unterscheiden vermögen. Wenn man dies besinnt, versteht man, daß das Verlangen des Kindes alles tea3 es sieht, auch anzusassen, nicht all zu sehr zurückgedämmt werden soll, wenn man seine psychische Entwicklung nicht verzögern will.
Denn die psychische Entwicklung wird befördert, je mehr dis Organe der Sinne in Gebrauch genommen werden. Gin zwei Monate zu früh geborenes Kind wird allerdings etwas später hören und sehen als ein ausgetragenes. Aber die Verspätung ist verhältnismäßig gering, oft bloß von ein paar Wochen.
Sind die Gehörorgane von vornherein für ihre Funktion untauglich, so bewirkt dies nicht nur, daß die Gehörzentren des Hirns in ihrer Entwicklung stehen bleiben, sondern auch baß die höheren psychischen Zentren um soviel ärmer an Eindrücken von der Außenwelt werden, und sich deshalb viel schlechter entwickeln als sonst nötig wäre. Aber nicht genug hiermit. Taubheit hat, wie bekannt, Stummwerden zur Folge; d. h. die Hirnrindenteile, die sich normalerweise zu dem sog. Sprachzentrum entwickeln, bleiben schlummernd. Aber ein derartiges permanentes Schlummern der Sprachzentren bildet eines der benfbar schwersten Hindernisse für eine normale psychische En Wicklung.
Folglich darf es uns nicht wundern, wemi das taubstumme Kind als schwach begabt auf uns wirkt, ja sogar fast idiotisch; während dasselbe Kind, wemi es später mit Hilfe des Sehens und des Gefühls sprechen und schreiben gelernt hat, wieder einen für sein Alter beinahe normalbegabten Eindruck machen kann.
Die oben erteäfm'e Wechselwirkung zwischen den Sinnesorganen und der Entwicklung des Hirns ist in mehr als einer Hinsicht beadVenSteert und interessant. 3hr greifbares Vorhandensein ist außerdem eine Quelle des Trostes für Eltern und andere Erzieher. Denn sie beweist das iln richtige in der Behauptung mancher das) die ererbten Anlagen alles bedeuten und die Erziehung nichts. Sie garantiert vielmehr wichtige Resultate aller vernünftigen Erziehungsarbeit.
DieWiese.
Don M. von Geyso.
(Fortsetzung.)
Es fiel aber in diesem Jahr der Johannistag auf einen Freitag und der Bursch wanderte wie gewöhnlich durch den Wald. Träumerisch ging er über das weiche Moos. 3mmer wieder mußte er über- das Geheimnis der Wiese nachsinnen und ob sie wohl heute, da Freitag war, im Wald zu finden sei. — Da hörte er Plötzlich klar und deutlich das Glöcklein der Doi-fkirche ertönen, — und mit einem Male tat sich der Wald vor seinen Micken aus und vor ihm. lag die sonnenbeglänzte Wiese. Es wehte ein leichter


