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Gießener Zamilienblätter
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Jahrgangs Samstag, Sen 2b. Januar
Lonett
von Elizabeth Darret Brownings
Die Schärfe dieser Welt laß wie ein Messer Zufpringen ohne Schaden und Gefahr Sn dieser sanft gefchlosfnen Liedeshand, And lab uns keinen Laut des MenfchenstreitS Mehr hören wenn di« Klinge zugeklappt. Leden zu Leben — ich lehn mich an dich Furch.los und sicher gleich als wenn ein Zauber Mich vor dem Dolch der Welilinge behüte: Wie stark sie find, ihr Erich erreicht uns nicht. Ganz weih noch können unsers Lebens Lilie»» Aus ihren Wurzeln wieder auferbiühn, Allein dem reichen Lau des Himmels offen, Menschen entrückt, hoch aus dem Berg. Ans kann Arnc machen nur, der reich uns machte, — Gott.
Hügelgräber in den Gedichten Homers.
Don Professor Helmke, Denkmalpfleger für Oberhessen.
In der Aummer 53 des Jahrgangs 1923 der Giessener Fa-- milienblätter veröffentlicht der Assistent des Giebener Museums, Dr. O. Kunkel, einen Bericht über die ergebnisreichen Untersuchung rn von Hügelgiäbern bei Ober-Lais im Kreis Schotten. Diese Abhandlung erfüllt das Herz des Lesers mit Freude: denn abgesehen davon, daß hier ein gediegener Kenner der Vorgeschichte die wichtigsten Ergebnisse einer seiner Ausgrabungen, wie schon öfter, in klarer und gemeinverständlicher Form entwickelt, läßt er auch seinen Helfern bei der mühevollen Arbeit ihre verdtenie Anerkennung zukommen und wiibt dadurch um weitere Freunde. Dazu kommt, daß das lebhaft« Interesse, das Stadl und Land der Tätigkeit des Gießener Museums von jeher zugewandt haben, durch solche tiefschürfenden Berichte immer wieder neue Anregung empfängt. And ein ganz besonderer Dank gehört auch der Presse dafür, daß sie durch Verbrei-U!^ dieser wissenschaftlichen Srortenmgett dazu beiträgt, den Sinn für die Heimatpflege zu Wecken und zu vertiefen: insofern hat die jetzige Notzeit "sogar etwas Gutes im Gefolge, da sie durch die wertvolle Anterstützung der Zeitung Dinge in die große Oeffentlichkeit bringt, die sonst und in früheren Zeiten meist nur in wissenschaftlichen Fachblättern ein von lvenigen beachtetes, weil nur wenigen bekanntes Lebe» führten.
Dun kommt der Verfasser bei der Besprechung der Anlage des ersten Grabhügels von Ober-Lais auch auf die Steinkränze zu sprechen, die sich bei vielen Anlagen dieser Art finden, namentlich bei den Hügelgräbern der sogenannten Hallstattzeit: letztere umfaßt in Mitteleuropa etwa die Jahre 103) bis 500 v. Ehr. G. ünd ist durch das erste Auftreten des Eisens neben der bis dahin allein herrschenden Bronze gekennzeichnet. Doch soll damit nicht
*) Der Knnstwart hat bei G. D. W. Callweh in München als erstes literarisch« Krinstwart-Anternehmen größeren Sstls .Die Ku n ftwa r t-Büche ve i" herausgebracht, auf die wir nech ein» gehend zu sprechen kommen müssen. Der zweite Band enthält G. B. Brownings „Portugiesische Sonette" in meisterhafter Aebersehung von Hans Böhm und mit einer ausgezeichneten Einführung in Leben und Wirken der Dichterin. Dir ..Portugiesischen Sonette", „die schönsten, die seit Shakespeare, geschrieben", waren ursprünglich nur für ihren Mann bestimmt, der sich aber nicht berechtigt hielt, sie für sich zu behalten und sie 1850 veröffentlichte. Die unter der Maske von Aebersrhungen erschienenen Sonette Achen die innere Entwicklung des Verhältnisses zu dem geliebten Manne treu wieher, .zu dem Manne, der. sie der neurasthenischen Lethargie ihres schweren Lungenleidens entriß und ihr durch die Entführung ins förmige Italien noch fünfzehn fruchtbare Jahre literarischen Schaffens schenken sollte. Die Vorkommnisse deS Tages, Vriefstellen. A rgenblicksstimmungen sind in diesen Sonetten dem Leben des Alltags enthoben, zu Ewigem umgeschmolzen. Aeber allem strahlt der reine Adel der Gesinnung, die unwahr?cheinliche Schönheit dieser Seelenliebe. Die „Portugiesischen Sonette" ge= hären zu den seltenen Besitztümern der Menschheit, die wie Flut- Marken anzeigen, welche Höhen zu Zeiten Menschen erreichbar touren, und die darum Denkmäler von ewiger Dauer und Wirkung
gesagt fein, daß alle Grabhügel dieser Zeitstufe einen Steinkranz hätten, ebensowenig wie diese Bestattungssitte allein auf sie beschränkt ist. Im südlichen Europa und den ihm benachbarten Küste« des Mittelländischen Meeres findet sich die Benutzung des Eisen« zchon etwas früher: aber daß es, genau wie bei uns, anfana« große Schwierigkeit hatte, sich gegen die glänzende Bronze durch- Wetzen, das ergibt sich für den Leser fast aus jeder Seile seine« Homer: Da leg, der Held, der für Troja oder gegen die Stadt kämpft, die schimmernde Rüstung an, eherne Beinschienen schützen die Beine, von Erz ist der Panzer, ehern der Schild, der Helm urtäi die Lanzenspihe. Erzbeschlagene Schisse tragen die Lasten über da« Meer, aus Erz gefertigt sind die Räder und Achsen, die Beil« und Messer, die Fsichhaken und Kessel. Viel seltener dagegen wird das Eisen benutzt, wenn ailch die Kunst, es durch Eintauchen in Wasser zu Härten, in der Odyssee schon als bekannt erwähnt wird: Das Erz^ d. h. die Bronze, ein Gemisch von etwa 80 Teilen Kupfer und 20 Teilen Zinn, überwiegt bei weitem.
Wir sehen also, daß die homerischen Heldenlieder eine Zett besingen, die man mit gutem Recht mit unserer Hallstatt-Zeitstufs vergleichen darf, wenn sie auch in den Ländern des südlicher Meeres schon ungefähr 200 Jahre früher als bei uns in die Erscheinung tritt. Da kann es denn keine Verwunderung erregen, wenn sich zeigt, daß auch die Sitten und Gebräuche hier wie dort mancherlei Aeberelnstimmung haben. Dies gilt in besonderem Matze Aon der Bestattung: der König, der Edle, der in der Schlacht gefallen ist, wird auf dem Scheiterhaufen verbrannt und unter einem hoch aufgeschütteten Hügel bestattet. Erzählt uns doch die Geschichte, daß Alexander der Große beim Beginn seines Siegeszuges durch Kleinasien den Grabhügel des Achilles besucht hat.'
Lesen wir aber unfern Homer, so finden wir in der Ilias zwei Stellen, wo uns die Bestattung eines griechischen und eines I trojanischen Helden mit aller Ausführlichkeit geschildert wird: im' 23. Buche ist es die des Patroklos, des Freundes Achills, und btt 24. die des Hektors, des heldenmütigen Verteidigers von Troja. Hören wir zunächst, was uns Homer von der Beisetzung des Patroklos berichtet: Rachdem der Tote auf einem hundert Fuß in« Geviert messenden Scheiterhaufen verbrannt worden ist, ordnet Achilles- an, daß der Grabhügel über den Resten feines Freundes vorläufig nur niedrig aufgesa,rittet werden soll, da er selbst nach feinem Lode neben Patroklos zur Ruhe gebettet werden will. „So sprach er, die andern aber gehorchten dem schnellfüßigen Piliden, Zuerst löschten sie den Schüterhaufen mit funkelndem Wein, soweit die Flamme gedrungen war, und die Asche fiel tief herab. Weinend sammelten sie die weihen Gebeine des trauten Gefährten in einer goldenen Schale und doppelt gelegtem Fett, trugen sie in das Zelt des Achilles und hüllten sie in weiches Linnen, Dann zirkelten sie das Grabmal auf dem Boden ab und warfen nach vorn die Grundsteine um den Scheiterhaufen. Schließlich schütteten sie Erde darauf und wollten wieder zu ihren Zelten zurückkehren, aber Achilles hielt die Mannen auf und veranstaltete 'Wettkämpfe."
Eire, unbefangene Betrachtung dieser Hrmerschklderung ergibt also, daß die Gebeine des auf dem Scheiterhaufen verbrannte«! Patroklos, in Fettstreifen gewickelt und in einer mit Linnen umhüllten goldenen Sch-ale geborgen da, wo der Scheiterhaufen gebrannt hatte, aufgestellt und zuletzt mit Erde überdeckt wurdmr; denn das Grab wird rund angelegt, und die Grundsteine werden um den Scheiterhaufen herum nach vorn zugeworsin. Letztere bilden demnach einen Kreis von Steinen, der den ganzen Platz umschließt: aber nirgends ist von dem Ausheben einer Grube, eine« Grabes in unserem Sinne die Rede. Da der Hügel auf flachem DodeN am Weeresstrande angelegt ist, so kann hier der Siein» kvanz nicht dazu gedient haben, ihn zu stützen, sondern er deutet den Amfang des Grabhügels an, kurz, es ist ein Hügelgrab der gleichen Art, wie wir sie, mit einem Steinkranz umstellt, so oft in unseren Wäldern sehen. —
Im 24. Buch der Ilias schildert der Sänger die Beisetzung des von Achilles getöteten Hektor: auch er wird auf einem Scheiterhaufen -verbrannt, darauf „löschten die Trojaner ihn mit funkelndem Weine vollständig, soweit die Kraft des Feuers gereicht hatte. Aber dann sammelten die Brüder und Gefährten des Toten seine weißen Gebeine unter heißen Tränen: und die nahmen sie un8 legten sie in eine Urne (oder Truhe), nachdem sie sie mit weichen Purpurstoffen umhüllt hatten. Schnell stellten sie sie dann in eine vertiefte Grube und überdeckten sie mit vielen großen Felsblöcken. Rasch schütteten sie da» Grabmal auf." Man erkennt sofort bar e


