Ausgabe 
20.9.1924
 
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zweites Rohr Achtung. Los."Alle Mann voraus, schnell auf 15 Mir. gehen." Pänk, Pänk Hurra. Beide Torpedos Tref­fer, ein glänzender Meisterschuh.

Unser Obersteuermann, eine kräftige Gestalt, hat das sehr anstrengende Tiefenruder, das noch auf den alten Booten mit der Hand (ohne Maschine) bedient wird. Gr fragt erschöpft:Herr Kapitänleutnant, wie lange Lauert es noch-." Weddigen gibt die prächtige Antwort:Vorläufig schwimmt noch einer." Der dritte Angriff beginnt.Drittes und viertes Rohr Achtung. 8.20 Uhr.Los". Ruhe! Surren! Pänk! Eine schwere Ex­plosion. Ein Torpedo ist.inzwischen nachgeladen.Rohr fertig Achtung Los" wieder ein Treffer. Drei stolze Schiffe lagen auf dem Meeresgrund. Unsere Stimmung ist freudig und' doch> ernst.

Welche ungeheure Wirkung dieser gewaltige Erfolg auslöste, bärste bekannt sein.

3 Wochen später. Durch häufige Vachrichten von Handels­schiffen vermutete man Teile der englischen Flotte in der nörd- lichen Nordsee. Zwei U-Boote, darunter Weddigen mit11 9 , wurden in die betreffende Gegend geschickt. Fünf Schiffe, des 10. englischen Kreuzergeschwaders standen in der Dlockadelinie in der Nordsee, etwa in der Mitte dieser Linie der Panzerkreuzer Hawke". Am 14. Oktober sichtete Weddigen am Abend mehrere Dampfer und ein als Kriegsschiff verdächtiges Fahrzeug. Wed» Ligen beschloß daher, in der Bähe zu bleiben. Am nächsten Morgen war ein englischer Kreuzer zu sehen, Loch konnte Weddigen, da der Feind häufig Kurs und Geschwindigkeit änderte, ihn nicht erreichen. Gegen Mittag erschienen jedoch zwei andere Kreuzer,Hawke" undEndhmion", und bald ein dritter. Als sich bald darauf Hawke" mit hoher Fahrt und Zickzackkursen von den andern los­löste, setzte WeLLigen auf diesen zum entscheidenden Angriff an. Schon schien es sicher, Latz sich die Kurse günstig für den Bugschuh Les U-Dvotes kreuzen würden, als der Engländer mitten im An­griff des U-Dootes 8 Strich Kurs änderte. Unbeirrt durch dieses Manöver drehte Weddigen hart auf ihn zu und' schoß um 11.53 Uhr vm. auf 150 Mir. den tödlichen Torpedo. Als er kaum 8 Minuten nach dem Schuß Las Sehrohr zeigte, war das Schiff bereits gesun­ken. Nur ein Kutter und einige Planken mit Schiffbrüchigen trie­ben auf dem Meere, deren sich, wie beobachtet werden konnte, später ein norwegischer Dampfer annahm. Dagegen hatten die anderen Kreuzer, Len ergangenen dienstlichen Weisungen entsprechend, so- svrt das Weite gesucht und die Kameraden ihrem Schicksal über­lassen.

Wie aus der englischen Darstellung hervorgeht, hattenEndh­mion" undHawke" um 10.30 Uhr vm. zum Postaustausch- ge­stoppt. Etwa eine Stunde später, alsHawke" im Begriff war, mit 12 oder 13 sm Fahrt seinen Posten in der Ausklärungslinie wieder einzunehmen, erfolgte in Höhe des vorderen Schornsteins eine Detonation. So unerwartet kam der Angriff, daß die Be­satzung zunächst an eine Minenexplosion glaubte: erst im letzten Augenblick hatte der Kommandant des Kreuzers die Torpedvlauf- bahn gesehen. Nur ein Doot mit 3 Offizieren und -46 Mann kam rechtzeitig von dem sinkenden Schiff frei, ein weiteres wurde von ihm im Kentern zerschmettert.

WeLLigen hatte inzwischen das neuere Doot11 29 erhalten. Es war der 18. März 1915. Die englische Lchlachtfotte hatte eine llebungsfahrt gemacht. Die Sichtweite war außerordentlich groß und- man hatte bei den Engländern Len Verdacht, -daß ein H-Boot in der Nähe sei. Gegen Wittag war die Schlachtflotte noch etwa 70 sm vom Pentland Firth entfernt. Das IV. Schlachtgeschwa- der war soeben entlassen worden, um nach Cromarth einzulaufen, als um 1.18 Uhr Vizeadmiral Durney, der Chef des ersten Schlacht- geschwaders, meldete, daß von feinem FlaggschiffMarlborough' ein U-Voot gesichtet worden sei, ein Torpedo sei eben hinter dem Heck vonNeptune", dem dritten Schiff der Kolonne, vorbeigelau- fen und- offenbar sei das H-Dovt im Begriff, einen zweiten Schuß zu feuern. Alle Schiffe der Flotte drehten sofort von dem 11-Bovt ab und gingen auf höchste Fahrt. Das IV., bereits entlassens Schlachtgeschwader behielt, da es keinen anderen Befehl erhielt, Lichtung auf Cromarth bei, der es auf das 11-Doot zuführen mußte Plötzlich sichtete der Wachvffizier derDreadnought in großer Nähe ein Sehrohr. Anscheinend steuerte ein 11-Doot Zick­zack laufend, südlichen Kurs. Sofort ging dieDreadnought mit äußerster Kraft in Las Kielwasser des H-Dootes,Termeraire folgte und nun begann eine atemlose -Jagd auf das anscheinend den Tiefenschwankungen nicht mehr Herr werdende U-Boot, bis die Dreadnought" mit einem Nammstoß über es hinwegfuhr. <yur eine Minute reckte sich der Bug des H-Bovtes hinter dem Heck des Liniensch-iffes hoch aus dem Wasser, gerade lange genug, um die Nummer29" ablesen zu können, dann sank es langsam über das Heck, um nicht mehr aufzutauchen. Nur Oel, Luftblasen und- einige Wrackteile kamen an die Oberfläche, als der Kleine Kreuzer Blanche" die llntergangsstelle abfuchte.

Mit diesem Ereignis verlor die deutsche Flotte nicht nur das Ll-Dvot29", sondern auch den Kapitänleutnant WedLigen. An­fang März war er von Ostende nach- kurzem Aufenthalt zum Han­delskrieg nach Westen ausgelaufen und bald hatten englische Zei­tungen von bedeutenden Erfolgen eines deutschen Bootes vor den Scillh-Jnseln, die auf11 29 zurückgeführt werden mußten, be- richtet Aber der Wunsch aller deutschen ll-Doots°Kommandanten, zum Angriff auf Grvßkampfschiffe zu kommen, war in WeLLigen

falls eingelaufen waren, auch rechnete man, Las deutsche H-Bvote Les schlechten Wetters wegen wohl nicht angreifen würden. In Deutschland- waren die englischen Truppentransporte bekannt geworden, und am 16. September war folgendes Telegramm Les Chefs Les Admiralstäbes bei der Hochseeflotte eingegangen:

Zur Zeit findet größerer Truppentransport nach Ostende statt. Störung ist von großem Wert für den Genera,stab der Armee. Stelle zur Erwägung, Möglichkeit für Angriff eines 11- Dootes trotz schwieriger Uavigierung

Wegen des schweren Sturmes konnte erst am 20. September ein 11-Doot auslaufen. Den Auftrag erhielt Weddigen-,,11 9 , der nach- dem Kanal vorstoßen sollte. Das Doot lief am 20. früh von Helgoland aus, es wehte noch- Windstärke 7. Am 21. abends wollte WedLigen seiner durch das schwere Wetter erschöpften Mannschaft Luhe gönnen und' das Doot auf 25 Mtr. Wasser auf Len Grund legen, da aber das Doot trotz der Tiefe durch die Grundsee dauernd aufstieß, mußte er die Nacht über Wasser bei­gedreht liegen. Am 22. früh war das Wetter vorüber, dw See beruhigt. Nun mag sein eigenes Kriegstagebuch in aller Schlicht- fielt fbxecbiCTti

,22. September 1914, 6 Uhr vm. Wind Nord, Stärke 3, Wett« sehr klar, Seegang leichte Dünung, Scheveningen etwa.22 sm ab. Im Süden Masten gesichtet. Getaucht. Später al^KMÜsfahw zeug ausgemacht. Zu beiden Seiten in etwa 2 sm Lbstaub noch jg ein Kriegsfahrzeug erkannt. Da bis zum letzten Augenblick keine Anzeichen für eine folgende Flotte Vorlagen, Angriff nach­einander auf die drei Kreuzer angesetzt. ,

1 7.20 Uhr vm. Zweites Lohr, auf Len m der Mitte ste­henden Kreuzer. Schußentfernung: 500 Mtr Geschätzte Fahrt: 10 sm, Schneidungswinkel 90°. Treffer. Schiß Langte nach eini­gen Minuten stark und- kenterte, während der Angriff auf den nächsten Kreuzer gesetzt wurde. ,

2 7 55 Uhr vm. Doppelschüße aus erstem imd- zweitem Lohr, fünf Sekunden Intervall auf den östlichen Flügelkreuzer, der dem havarierten Schiff zu Hilfe kam und- es mit ^ttungsbovten un er- stützte. Schiff lag fast still. Zielveiteilung durch Drehen des Bootes. Schußentfernung von 350 Mtr. Schneidungswinkel geschätzt 70 . 3tr>ei Treffer Schiff drängte und sank unbeobachtet, wahrend der Anlauf für das nächste Schiff angesetzt wurde.

3 8 20 Uhr vm. Doppelschuß aus drittem und viertem Lohr auf das" letzte Schiff, welches in der Nähe stoppte und s-ch eben­falls an der Rettung zu beteiligen schien. Schiff lag fast still. Schußentfernung etwa 1000 Mtr. Bride mit 5 Sekunden Inter­vall nacheinander im Ablaufen Mitte lvsgemacht Dom Boot nu eine, allerdings trotz der großen Entsernui^ sehr heftige Deto­nation verspürt. Munitionskammer? Es erscheint nicht aus­geschlossen. daß der zweite Torpedo von der Detonation des ersten mit zur Explosion gebracht worden ist. Im Sehrohr wurde die erste Wirkung am Ziel an einer b esonders großen Sprengwolke erkennbar. Beim ersten Zeigen des Sehrohrs nach Verlauf von etwa 4 Minuten konnte ich wohl eine veränderte g-rmimlage des Schiffes feststellen, eine Schlagseite jedoch nicht wegen der seitt lichen Stellung zum Schiff. Um sicherzugehen, entschloß ich mich zum Ab feuern des letzteii, des 6. Torpedos, auf das stilliegends havarierte^Schlsf. I.ohr. Schußentfernung 500 Mtr.

Treffer Bel der ersten Beobachtung nach Verlauf von etwa fünf Minuten lag das Schiff mit etwa 45° Neigung da und' legte sich wie vom äb'laufenden U-Doot gut /bevoachtet wurde, allmählich mebr und- mehr auf die Seite, dann Kiel oben und' verschwand schließlich gänzlich^ dazu brauchte das Schiff etwa 35 Minuten. In derselben Weise wird der Untergang auch der beiden ersten Schiffe erfvlgttsein. . . _ , , <

Bemerkung: Das Sehrohr wurde nur bei Klemer üahrt und- nur, wenn unbedingt notwendig, gezeigt. Die Beobachtungen der havarierten Schiffe sind daher nicht absolut genau. Vollbesetzte Beiboote deutlich ausgemacht wurden nur etwa fünf trieben am Schluß auf dem Kampfplatz umher, auch eine Dampf- oder Motorbarkasse habe ich gesehen.11 9" fuhr unter Wasser noch etwa 20 Minuten mit hoher Fahrt nach- Nororn ab, tauchte dann auf und trat den Rückmarsch an. Der Erfolg wurde dadurch voll­ständig, daß die großen Schiffe einem durch U-Dootstreffer hava­rierten Schiff zu Hilfe eilten und' dadurch sich selbst Preisgaben. Irgendwelche Gegenwirkung, Geschützfeuer. erfolgte nicht. Es ist anzunehmen, Laß- Lei der allgemeinen Bestürzung beim Femde die Sehrohre in keinem Falle gesehen worden sind und die An­wesenheit eines U-Bootes nicht rechtzeitig erkannt worden ist.

Zu diesenr Tagebuch-Bericht seien noch die Privataufzeichnun­gen des Marine-Oberingenieurs Schön von11 9 hinzugefugt:

Drei feindliche Kreuzer! ruft Weddigen in die Zentrale. Mit größter Sorgfalt wird' die Tiefenlage reguliert, das Doot steuert 10 Mtr. unter Wasser glänzend.

Achtung, Angriff beginnt! Beide Torpedorohre klar machen! Ich weih, das WeLLigen trifft, wenn wir ihm Las Doot gut halten. Die Lohre sind klar gemeldet. Es ist 7.15 Uhr.Erstes Lohr Achtung." Im Doot herrscht größte Luhe, man tonnte eine HtecknaLel fallen hören. 7.20 Uhr.Los." Sofort geht es auf 15 Mtr. Tiefe.Torpedo ist raus!" wird gemeldet. Sekunden atemloser Spannung. Dann ein lauter Knall:Treffer." Alles ruft Hurra.Der hat genug," sagt WedLigen.Erstes Lohr nach- laden."Bloh nicht rauskommen, ruft WedLigen.Erstes und