DerbAling ohnehin von einigermaßen freudiger Bedeutung Hütte sein sollen. Einmal war es der Lag, an dem gerade volle Knf- undzwanzig Jahre lang Tabak, Süßholz, Johannisbrot und Er^ müsse in schöne lange Zahlenreihen umgeformt und alljährlich ju Kontoabschlüssen mit — für seine Chefs — recht erklecklichen Ueberschüssen ausgestaltet hatte. Zum andern aber sah er seit mehr denn einem Jahrzehnt diesem Tage entgegen mit dem unerschütterlichen Glauben, Laß er ihm die Erfüllung seines einzigen Wunsches bringen würde. Hieronymus Berberling hegte diesen Glauben durchaus nicht blindlings. Hatte er doch mit erlebt, wie vor reichlich zehn Jahren sein Tabak- und Sühholzkollege Tapp- ler — der älteste von den insgesamt zehn Angestellten der Handlung — zur Weihe des gleichgearteten Gedenktages und in Anerkennung treuer Dienste ein blankes. Zehnmarkstück in die Hand gedrückt bekam . . . Durste er da nicht mit Fug und Recht für sich an ein Gleiches glauben — so fest wie an das Evangelium und die Sakramente? ,, ,
Diese zehn Mark aber waren von ihm vorbestimmt zum Erwerb des begehrten gefiederten Stubei,genossen und — selbstverständlich! — eines würdigen Unterstandes für Men. — Hier muh erwähnt werden: die Dinge lagen durchaus nicht so, da!) Hieronymus Berberling die Mittel für diesen Zweck nicht früher schon und sozusagen etatsmähig hätte bereitstellen können o nein! Denn er nannte immerhin ein Sparkassenbuch nut em Paar
I hundert Mark sein eigen. Aber er hätte es nicht über sich gebracht, zu diesem Kauf zu schreiten wie etwa zu dem von Brot, Käse oder Zichorie —: also aus „laufenden Mitteln . Zu hoch stand in seinem Herzen sein einziger Wunsch, als daß er seine Erfüllung im Wege eines trivialen Alltagsgeschaftes hätte her-
3m Sessel stöhnte es, schmerzzerrisfen: Lind wenn . .. ich . . . nicht... -
„Wenn du nicht willst?" Das war kein Lachen, fern Hauchen mehr; das fauchte, wie vom Sier, dünstend, satt von Ekel.
„Du mußt,“ fauchte cs; „Knecht--"
Knecht?
„Mein Knecht--"
Wie heißt du? stammelte es vom Sessel, entsetzt.
Ein neues Lacheii gellte, schnitt.
„Flamen? Wie viele willst du? Renn' mich Hannas — Kar- Phas — Judas — Pontius — Satanas — —" .
Da schrie der Prokurator auf. Die etarrc loste sich, feine | Augen stierten — und sahen--. I
Aus den Schrei des Pontius war em Sklave herzugesturzt. An seiner Schulter packte der Prokurator ihn, zerrte wies mit dem Finger — ein Schatten zwischen den Säulen — schleichend — aus unhörbaren Sohlen-- . .„
Dort, ächzte Pontius — der Panther — siehst du nichts, QllCU®er'siener schüttelte den Kops; fein Herr war süßen Weines voll. Dann entfernte er sich, gehorsam, auf einen Wink • • •
Lauter und lärmender tönte es von der großen, bewegten Stadt zum Prätorium empor: man rüstete zum Fest . . . rujtete 8UmffindftL6atte sich die Ballung des Wettergewölks verzogen; kein Gott hatte Kühlung, keiner Erlösung gespendet: Jupiter nicht, Quck Jabwe nicht. Das war das Ende der Rächt. .
Schlaflos, bebend lehnte der Prokurator an emer der farbigen Säulen. Er wußte alles. Alles, was war, alles, was kam.
Der Kampf der Kämpfe, von plrbegmn. Dunkel und Licht, DL>e^und^Gut, Gab's einen Gott? Dann — ja —
toatS66«it^- die Entscheidung. 3n seine Hand gelegt -des Prvkurators Hand - - wie sie richtete, das entschied. ub«^Menschen, Welten, Ewigkeiten, sollte die Wahrheit sollte der Panther leben--einer zwang den andern — aber wer
M M «111.
- dann aber-dann würde der Panther ihn anspringen - — ihn — im letzten Todessprung — er horte ^e Masse rusem Du sM tzes Kaisers Freund nicht mehr — er sah sein Haupt nein, tausendmal nein! Eher starb lener, starben alle, starb die Wahrheit--er war Knecht, ja, Knecht jenes .. . -Und,
schüttele er einen Spuk ab, als fertige er em Urteil, sprach er kühl,
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’ Höhe,, des Gebirges flieg der neue Morgen hoch. Der Gerichts tag brach an.
Das Kind Hieronymus Berberling.
Skizze von P. Rud. Fischer-Elberfeld.
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zu? Abrundung des Idylls seines einsamen Junggesellendaseins bedeutet haben würde. <-»st<rra tnar ein überaus ein-
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konnte. Die Hauptsache aber, d n v durch vierzig
ligkeit seiner gläubigen Seele, aus der klar n gb])IL
den, und zwar mst, als es gerade seine wJ finden UL der rL Äiewnymus
beiführen mögen. ( „
Run aber nahte doch die Erfüllung — denn m dem Moment, in dem hier wieder in die Erzählung der tatsächlichen Geschehnisse eingetreten wird, schlug gerade die Feierglocke am Borabend des endlich greifbar nahe gerückten Gedenktages.
Als die Buchhalter gemeinsam aus der Handlung heraustraten. ging ein harter, unfreundlicher Vorfrühlingsregen nieder über die große graue Stadt. Mit hochgezogenem Kragen zog jeder seines Weges - seiner mehr oder weniger traulichen Behausung zu. Rur Hieronymus Berberling schloß sich aus vom gutteils gemeinsamen Weg.
„Ich habe noch einen Gang durch die Stadt. . .
Da lachten die andern verschmitzt.
”Oa;jag“rerCeernft6?aft. „Es wird das letztemal sein heut« ^Und auch Las Hähnchen besuchen?"
„Auch das — und auch zum letztenmal!
Sie schieden fröhlich grüßend - und er ging allein. Ging einen Weg, den er vielhundertmal gegangen m den letzten Jahren. Zwar: fast vermeinte er, auch er hatte lieber ö.eimgehen sollen. Ihn fror; ihn fieberte sogar ein wenig. Er meinte abev schließlich das müsse wohl so fein an Len Vorabenden ganz großer Lage in^nenschlichen Leben. Rur der häßliche Regen — der störte ihn etwas. Und auch graue, dunstige Rebel fielen mählich m öie Skaßmem^. Ziel war eine Rastel
binderei, die aber in einer Auslage ein .HauPtziersMck fuprte. ein Vogelbauer mit vergoldeten Stäben, mit schönem einem Badehäuschen und einem Schaukelrmg. Dieses Pauer war die Wohnung, die Hieronymus Berberling dem künftigen Teilhaber seines Mansarden-Jdhlls zugedacht hatte. Er wußte, dieses i Dauer gab der Aastelbinder nur her für sehr viel Geld, mehr als sechs Mark forderte er dafür. Und gut, drei Mark verlang der Vogelhändler . . . Aber was tat das? Es wurde ;a zehn Mark haben — noch ehe vierundzwanzig Stunden vergingen.
Und nun stand er vor dem Fenster. Aber - was war das? - Hieronymus Berberling fühlte plötzlich.keinen Boden mehl
5.„n Mützen. Seine Augen wurden weit und schreckhaft ... dos Bauer'war fort! Hilf Himmel! Jahrelanges Hoffen, Sinnen, Trackken versank . . . „Zwischen Lipp' und Kelchesrand . . . ko aina's ihm durch den verstörten Sinn. Fast taumelnd trat er in die Handlung ein. Rur des Rastelbinders Weib war da und stand ihm Rede auf ferne angstvolle, wirre Frage.
„Verkauft wird's der Mann halt haben ... , ।,
I "Weiß^nich?^Ist ja^auch schon egal. Ob der oder der es
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Wie sagt ihr: er war ein Kind? - Ja, Las habe ich euch ^°^Darm/li?tz er sich auch ganz von feinem wehen, wunden Gefühl treiben — ziellos durch die Straßen der Stadt, immer naher ^n einsamen Auhenvierteln . . Ziellos?O neui-er gabfich nur selbst kein Ziel — denn das Ziel zog ihn an. Und so stand e«


