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steigen noch dem D-dur-Mfchlutz. DaS zweite Lied dieses vp. 55 .Im VolkStvn" kommt, nicht zuletzt mit seinem echten Volkslied- fchluß, tote ein lebendiges Lied aus dem Volke daher, wir es in­niger und anheimelnder nicht bei Mondenschein und Lindenblüte Äsungen werden kann.

Radio.

Don Dr. GevrgHeutzel, Gießen.

(Schluß.)

Die Glühkathodengitterröhre, wie sie richtig heißt der Vame ist im Aufsatz vom vergangenen Samstag durch einen Dru^ehler entstellt oder kurz Kathoden- oder Elektronenrohre, ist em Kunst­werk der Feinmechanik, und doch wundert man sich über den ver^ hältnismäßig niedrigen Preis, zu dem sie heute - sie tst auch schon in hiesigen Schaufenstern ausgestellt - fellgeboten wird. Dieser läßt sich nun erklären durch großzügige sabrikattonsmetho- den die schon während des Krieges trotz des Mangels an den geeignetesten Rohstoffen ausgebildet worden sind, durch ein Jn- einandergreifen von Hand- und Maschinenarbelt, das unbeschad« der erforderlichen Genauigkeit eine Masienfabrikation möglich macht. Richt nur die Herstellung der Metall eile, Heizfäden Gitter und Anode verlangt peinlichste Sorgfalt, denn nur unter Einhal­tung der errechneten Maße kann man Röhren genau gleicher Lei­stung erzielen: jede Oryda ion muß streng vermieden werden, was fick nur durch Arbeiten in einer Wasserstoffatmosphare erreichen läßt. Am schwierigsten ist das Auspumpen, denn alle Gasreste, vor allem auch diejenigen, die noch in den Metallteilen emge- schlossen sind, müssen enisemt werden, da sie die Lebensdauer der Röhre empfindlich beeinträchtigen können. Die fertige Rohre wird noch einmal auf das sorgfältigste geprüft, ob sie nicht doch noch Spuren von Gasen enthält, und erst wenn sie diese Prüfung be­standen hat, darf sie in den Handel kommen.

Hatten schon während des Krieges die Rohrenfabriken alle Hände voll zu tun, um den Heeres bedarf zu decken, so wuchsen die Anforderungen ins Llngemessen«, als kurze Zeit daraus die große Radiobrwrg mg einsetzte, von der z. 3t. auch in Deutschland alle Zeitungm voll sind. Die Elektronenröhre, einst ein empfindliches Instrument im Laboratorium des Physikers, hatte auch in den nicht immer g-sch täten Händen dis Schützengrake f mkers vortreff­liche Dienste gelästet, bei ihrer dreifachen Verwendbarkeit gewann sie jeh: immer weitere Verbreitung. m

Der Lichb g ngen'rator, mit dem schon sein Erfmder Poulsen drah'los die menschliche Sprache übertragen hatte, wurde 1908 von Lee de Fo est dazu benutz', die Musik vom Rei,Yorker Opera- house einer Anzahl von In eressenten radiotelephonisch zu über­mitteln. Damit war der Gedanke zum erstenmal in die Tat um« gesetzt, von einer Sendestelle ungedämpfte Wellen in den Raum hinauszusenden, die nun von beliebig vielen Empfängern auf- genommen und als Sprache oder Musik gehört werden konnten. Aber es dauerte doch noch 13 Jahre, an die Stelle des Lichtbogens mrtz e erst die Senderöhre treten, bis diese Einrichtung Broad- castv.g d. t. Brei Wurf, nennt man sie in Amerika drüben All­gemeingut wurde. Aber dann entwickelte sich die Sache mit wahr­haft amerikanischer Geschwindigkeit. Seit dem Herbst 1921 sind dort Lausende von Sendern. Millionen von Empfangsstationen im Betrieb, in Wohn- und Schlafzimmern. Hotels. Fabriken. Kontoren. Banken, ja selbst in Autos und Eisenbahnwagen trifft man die Empfangsappa'a'e. Es gibt derer alle möglichen Arten und Formen. In nich zu groß r Entfevnurg vom Se der kommt man so­gar ohne Röhren, allein mit dem Kristalldetektvc aus, und man hat nicht nur Taschenapparate von der Größe einer Hand gebaut, sondern es wird sogar berichtet, daß man in den Ausmessungen bis auf die Große einer Busennadel oder eines Fingerringes herabgegangen sei, abgesehen natürlich von den beiden Telephon- hörern, die man sich an die Ohren legen muß. Die Güte dieser Apparate entzieht sich natürlich meinem Urteil. Bei größeren Entfernungen benutzt man Kathodenröhren, von denen eine als Detektor dient, während die anderen verstärken. Ausgesangen tr-erden die Wellen von der Antenne: unter diesen gibt es Riesen wie die hoch in der Luft über die Dächer ausgespannten Drähte Und Zwerge, die sog. Rahmenantennen, mitunter so klein, daß sie in einem Kasten von der Größe eines kleinen Handkoffers mit- untergebracht werden konnten. Ja sogar schon vorhandene Lei­tungen. wie Telephon-, Klingel- und Starkstromdrähte, können als Antennen benutzt werden.

Dem so plötzlich aufschießenden amerikanischen 'Broadcasting fehlte die ordnende Hand des Gärtners. Jeder durfte dort senden, jeher durfte aufnehmen. Bald glich das ganze nicht mehr einem trohlgepflegten Garten, sondern einem vom An kraut überwucherten Acker, auf dem selbst die schon vorhandenen Pslanzen, der staat­lichen und postalischen Einrichtungen, in Gefahr gerieten. Zwar darf man nicht glauben, daß der Lauschende nun das tolle Gewirr aller gerade sendenden Stationen hören muß, man kann vielmehr durch einfache Aenderungen am Empsangsapparet so aus die Welle eines Senders »abstimmen", daß man nur diesen wahr nimmt: Sender aber, die mit gleicher Welle arbeiten, stören sich ganz empfindlich: zumal wenn sie vom Empsänger aus in

derselben Richtung liegen, läßt sich diese Störung auch nicht mtt der Rahmenanteirne beseitigen. Dazu kommt noch, daß manch« Empfangsvorrichtungen selbst Schwingungen aussenden, so daß oft dem Hörer statt des erwarteten Kunstgenusses ein wahre- Babylon entgegenschallt. Weim wir heute hören, daß das Broad­casting in Amerika schon im Abflauen sei, so kann das nms daran liegen, daß dort viel zu spät der Staat mit ordnendes Hand eingegriffen hat. 1

Die englische Telegraphenbehörde hat mit Erfolg ver­sucht solchen Auswüchsen von vornherein einen Riegel vorzu­schieben. Vor allem beschränkte sie die Erlaubnis zu senden auf ganz wenige Stationen und schrieb ganz bestimmte Wellen vor. Dann muhte sich jeder Lauscher auf eine Anzahl Bedingungen verpflichten, die ihm zwar ziemlich viel Frei­heit lassen, aber doch genügen, die nötige Ordnung und 6t&- rungsfreiheit aufrechtzuerhalten. Aehnliche Bestimmungen bestehe« in den meisten europäischen Staaten. So war uns Deutschen dal Ausland schon ein gutes Stück voraus. Daß wir zurückgeblieben, lag nich! nur an den wirtschaftlichen Verhältnissen: aus übertrie­bener Angst vor amerikanischen Zuständen hatten die deutschen Behörden ihre Dorschrif en so eng gefaßt, haß diese die ganze Be- toegung im Keime zu ersticken drohten. Diese Bestimmungen wur­den feit September vorigen Jahres etwas gelockert, und es ist zu hoffen, daß unter dem Einfluß der Vereine von Freunden des Radiowesens, zu denen heute die eichen Männer der Wissenschaft und Technik ghören, noch weitere Erleich'erungen folgen werden. Daß nur ganz wenig Sendestationen entstehen sollen, wollen wir gern gutheißen, wenn diese nur für ein wirklich einwandfreies Programm sorgen, zumal bei uns ja auch die Darbie ungen des Auslandes, des Eissel tu rmes und besonders dec englischen Sta­tionen, wohl zu hören sind. Reben den Sendern in der Reichs- haup.stadt werden demnächst Fran furt a. M, Stuttgart und Mün­chen aufmachen. Es soll ihnen ein ganz begrenzter Wellenbereich zugewiesen werden, und die Empfangsapparate sollen so gebaut fein, daß sie außerhalb dieses Bereichs nicht mehr brauchbar sind. Deshalb behält sich die Post die Prüfung jedes einzelnen Empfän­gers vor und plombiert ihn, um Abänderungen unmöglich zu ma­chen. Rur ganz wenigen S erblichen wird es gestattet fein, mit offenen Apparaten zu arbeiten. Mit einem gewissen Reid sieht der Liebhaber heute in den Fabriken die Apparate, die ins Ausland wandern, während er selbst nur einen festverschlossenen Kasten sein eigen nennen darf, dessen Inneres zu schauen ihm verboten ist. Sehr drückend sind bei uns noch die Gebühren: neben all den Steuern, mit denen die einzelnen Apparate und Apparatteile be­legt sind, steht die jäh liche Gebühr von 60 Mk. der weiteren Ver­breitung des Radiowesens noch sehr im Wege und führt manchen über die vom Gesetz gezogenen Grenon, wenn er als Zaungast mit Hilfe einer versteckt angebrachten Antenne den Darbietungen lauscht, die nur für Auserlesene bestimmt sind.

Wer sich hmte bei uns in Gießen in den Abendstunden den Bügel mit den beiden Hörmuscheln um den Kopf legt, die 3 oder 4 Röhren zum Glühen bring', die Anodenbatterie eiaschaltet und dann mit einigm Handgriffen, die man schnell erlernt, abstimmt, der bekommt meist bald icgerd einen englischen Sender zu hören- Ist es eben eine pvtt ische Rede oder ein wissenschaftlicher Vor­trag, den man vernimmt, so braucht man nur aus ei te andere Ein­stellung überzugehen, und man wird T isieehmer an eincm Orchester­konzert oder gar an einer Oper des Ope mhauses in London: wie­der ein Drehen am Knops, und aus dem Apparat kommen die Töne eines Klavie 's. das eine Singstimme beglei'et Rach jeder Panse verkündet wieder ein Ansager die nächste Programmnummer, und so geht es den ganzen Abend.

Am lohnendsten wird für uns die Sache werden, wenn ein­mal Frankfurt a. M. sendet. Die Vorarbeiten sind in vollem Gange, zunächst ist nur ein schwacher Sender aufgestellt, während späterhin, etwa von April ab, die Reichweite 150 Km. betragen soll: innerhalb eines Kreises, der über Kassel, Eisenach Bamberg. Stuttgart, Trier. Köln geht, werden dann die Frankfurter Dar­bietungen zu hören sein. Wir liegen hier so günstig, daß eine eine einzige Kathodenröhre in Audio rschaltung vollauf genügen wird. Der Frankfurter Rundfunk wird ernste und heitere Musik bringen, er kann uns die Vorstellung-en der dortigen Over mit­anhören lassen, er wird alle möglichen wichtigen Rachrichten ver­breiten, dem Landwirt, mag er noch soweit von jedem Tels- graphenamt wohnen, wird er das Wetter rechtzeitig Vorhersagen, trissenschastllche. politische, belehrende Vorträge, ja wie in Eng­land auch Predig'en kann der Rundfunk uns nahe bringen. Wer hätte eine solche Entwicklung auch nut im entferntesten ahnen können, damals als Hertz Im engen Raum seines ßabora« toriums seine ersten Versuche mit elektrischen Wellen anstelltet Dabei kann jeder Dag neue überraschende Verbesserungen bringen, Stöße von Anmeldungen laufen täglich bei dem Patentamt ein; noch harrt das Problem des Lautsprechers, der nicht an das Ohr gelegt zu werden braucht, sondern für eine ganze Versamm­lung hörbar ist, einer einwandfreien Lösung: aber auch diese wird kommen, für die Radiotechnik scheint es sobald keine Grenzen zu geben. Mögen sich deutsche Wissenschaft und Tatkraft auf diesem Gebiet recht bald die Führung erobern 1

Schrittleitung: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Druck und Verlag der Brühl'schen tUnlv.-Buch- und Steindruckerei. R. Laune. Gießen.