Erklärung:
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richt" vom 28. April 1851 zu der schlicht unbedingten Erkläru »Ich glaube also in dem vorliegenden Falle nicht gehorchen
Ministeriums, datz ohne seine Erlaubnis nichts geschehen dürfe und die rechtlich erforderliche Genehmigung jetzt aus politischen Gründen nicht gewährt werden könne, wurde in Mainz mit Recht nicht als unüberwindliches Hindernis angesehen; in dem völlig zureichenden ministeriellen Rachweise der Rechtsverbindlichkeit jener oberrheinischen Vorschriften über das theologische Universitäts- studium so weinig wie in den beschwörenden ui® etwas ängstlich klingenden Warnungen vor einseitigem tatsächlichem' Vorgehen sah Ketteler einen Grund zur Aufgabe seiner Absichten. Das Ministerium verbot nun am 22. April geradezu die Eröffnung der Lehranstalt. Ketteler aber erklärte am 28. mit der fast versöhnenden Entschiedenheit seines geistlichen und persönlichen Tleberlegen- heitsgefühles, er wolle und werde nur tun, was er vor einem halben Jahre an gekündigt habe, ohne einem rechtzeitigen Widerspruche des Ministeriums zu begegnen. Er benutzte also jetzt das scheinkluge Schweigen der Regierung als Waffe gegen sie. Er sucht« seinen geistlichen Willen noch einmal auch mit Rechtsgrün- den zu stützen, aber er liest auch hier mit freier Bischöflichkeik deutlich erkennen, daß ihm Kirchenrecht vor Staatsrecht gehe, Latz hei einem Zusammen stütze der staatlichen Gesetzgebung mit den Geboten Gottes jene eben aufhöre für ihn zu gelten. Das was er bas Wesen der Kirche nannte, setzte seinem Gehorsam die Grenze. So schreitet dieser neue Landesbischoft in seinem amtlichen „Be-
Giner derartigen Ankündigung, die jenen Vorbehalt bei der Eidesleistung zur Wirklichkeit machte, entsprach sein Handeln. Er lpustte, Latz die Regierung den offenen Kampf nicht wagen werde, Und so lieh, er alle ministeriellen Worte gelassen an sich abgleiten Und eröffnete mit dem 1. Mai 1851 seine bischöfliche Lehranstalt. Auch ohne datz ihm staatliche Mittel zur Verfügung standen, wutzte er di« neue Priesterschule sogleich mit sieben Lehrern, die zumeist schon das Einkommen ihrer geistlichen Stelle bezogen, und mit 4? Zöglingen beginnen zu lassen ...
Do handelte der Bischof, während die Regierung redete. Der papierene Darmstädter Einspruch, gegen diese Mainzer Tat rechtfertigte schließlich mehr den Bischof als die Regierung, die feststellte, nur der Wunsch, „einen bedauerlichen Konflikt mit der bischöflichen Behörde, soweit es möglich ist und ohne Beeinträch- tigung der landesherrlichen Rechte geschehen kann, zu vermeiden", habe sie von einem sofortigen durchgreifenden Einschreiten abgehalten. Die Regierung vernachlässigte gröblich die Pflichten, die sie mit der Begründung der katholisch-theologischen Fakultät übernommen hatte. .Man machte dem Grostherzoge, der das Unwür- diege dieses Handelns stärker empfand,, als dem Ministerium lieb wckr, das unschädliche Zugeständnis, dast die Fakultät nicht förmlich aufgehoben, sondern nur „vorläufig" eingezogen wurde. Die Fakultät, die seit dem Sommersemester 1851 keine Studenten mehr hatte, kündigte noch drei weitere Semester ihre Vorlesungen an und wurde mit ihren letzten beiden Professoren bis zum Sommer 1859 im Persvnalverzeichnis geführt. Dann hörte auch dieses Scheindasein auf. Rur in Reden und Anträgen der liberalen Widersacher Dalwigks, in den Erinnerungen, Hoffnungen und Wünschen der Freunde des Llniversitätsunterrichts, in den Gedanken, während der Kulturkampftage auch Befürchtungen der Gegner lebte die nie rechtsförmig aufgelöste, von Ketteler aber tatsächlich vernichtete Fakultät weiter.
Die Farbe des Himmelsraums.
Der blaue Himmelsraum ist in Wirklichkeit blendendgvldigbeiTag, silbernbeiRacht.
Don Geheimrat Prof. Dr. Wilhelm Roux (t).
Diese Aussage wird befremden, denn wir sehen den Karen, blauen Himmel als nur wenig hell. Trotzdem ist der ganze Himmelsraum allenthalben (von jeweiligen Schattenstellen abgesehen) mit viele Male intensiverem Lichte „erfüllt", als es uns scheint. Dieses Licht ist bei Tag so hell, wie der Blick in die Sonne, wie in den Mond oder in jeden einzelnen der sichtbaren Sterne bei Rächt. Ein unsichtbares Lichtmeer von großer Intensität erfüllt also den anscheinend nur wenig helleir, nachts fast dunklen Himmelsraum.
Es ist daher zu fragen: Woraus erkennen wir die Anwesenheit dieses unsichtbaren Lichtmeeres, und warum ist dasselbe nicht sichtbar, obschon wir die viele Male geringere Lichtintensität des blauen Himmels sehen?
Es mühte doch gerade umgekehrt sein; vor der grohen Intensität dürften wir — wenn die übrigen Verhältnisse die gleichen wären — die geringe nicht sehen?
Die erste Frage ist durch, einiges Rachdenken über das bei jedem Spaziergang und bei klarem Himmel Wahrnehmbare bzw. Wahrgenvmmene zu beantworten. Wenn wir auf einem Berge oder auf einer unbeschatteten Ebene schreiten, so sehen wir bei jedem Schritte, also von jeder Stelle aus die Sonne bzw. den Mond und jeden der sichtbaren Sterne, sofern wir den Blick auf einen davon richten. Denn es sind, wie altbekannt, deren direkte! Strahlen allenthalben vorhanden.
Es fallt uns besonders sch.wer, uns vorzustellen, dah. schon ein einzelner Heller Stern, den wir von jedem Orte nur als leuch
tenden Punkt sehen, Äk Wirklichkeit den Himmelsraum in allen Richtungen zugleich in gleichem Abstand' ebenso hell erleuchtet.
Die Tatsache der allseitigen Durchdringung des Hirnmels- raumes mit Licht ist seit Urzeiten bekannt. Wir haben uns also nur „bewußt zu werben", daß sie ein überaus intensives, aber „nicht als Ganzes" „sichtbares Lichtmeer" darstellt und uns klar zu machen, warum wir dieses Lichtmeer nicht als solches sehen.
- Das hat erstens seinen 'Grund, darin, dah. wir nur das-enige Licht sehen, welches in unser Auge fällt, und. zweitens, dah m unser Auge in jedem Moment und. an jedem Ort, also an jedem einzelnen „Zeitvrt" immer nur derjenige kleine Teil dieser nach allen Seiten vom Leuchtkörper ausgehenden hvmozentrischen Strahlen gelangt, welchen die Pupille durchläßt, sofern das Ange überhaupt auf den Leuchtkörper gerichtet ist.
Die aüderen direkten Strahlen dieses Leuchttörpers gehen an dem Auge vorbei. Sie sind daher für dasselbe nicht sichtbar, also so gut wie nicht vorhanden. Soweit aber diese Strahlen als „zerstreutes Licht" der schimmernden zitternden Luft Homers oder des Rebelglcmzes der Wolken und dergleichen, sowie von der Um- grenzung des Raumes her reflektiert dem Auge zukommen, sind sie für uns sichtbar,' und- zwar dies von jeder Stelle aus in vielen Blickrichtungen zugleich, nicht bloß wie das direkte Licht nur in je einer Richtung.
Wenn wir aber alle die direkten Lichtstrahlen eines himmlischen Leuchtkörpers, die den Himmelsraum über uns durchsetzen, auf einmal sähen, so würde der Himmel statt blau und nur wenig hell zu sein, am Tage wie mit leuchtendem Gvlde, bei Rächt wie mit glänzendem Silber austapeziert erscheinen, richtiger, es würde der ganze Raum über uns bis auf die Erdoberfläche herab mit so großem Glanze erfüllt sein, datz wir vor ihm von dem diffusen Lichte, welches allein uns die Gegend und die Gegenstände zeigt, nichts sehen könnten. (Die Theologen werden daher wieder sagen: Wie weise ist das eingerichtet! Ebenso weise wie die Erfindung der Reibung, ohne welche die Lebewesen nicht möglich wären, wie die Ausdehnung des Wassers vor und bei dem Gefrieren Desselben, ohne welche die Flüsse und- Meere auf dem größten Teil der Erde im Winter bis auf den Grund ausfrieren und im Sommer nicht wieder ganz auftauen würden und wie viele andere mechanische Raturvorgänge.)
Das Entsprechende wie für den Himmelsraum gilt auch für die von Laternen erleuchtete Strahe und für jedes von einer Lampe erleuchtete Zimmer. Auch sie sind, von Schattenstellen abgesehen, allenthalben mit ungesehenem, so intensivem Lichte erfüllt, wie es uns der Blick in die Leuchtkörper an jeder Stells des Raumes zeigt.
Auch ein sehr dunkel erscheinender weiter Kellerraum, den wir mit einem brennenden Licht betreten, und ein gleichfalls dunkel erscheinender, von vielen Kerzen beleuchteter, aber mit schwarzem Such ausgeschlagener Trauerraum ist ganz mit strahlendem Lichte erfüllt, also intensiv erleuWet. Diese Räume erscheinen uns glerch- falls dunkel, weil wir an jeder Stelle nur die wenigen Strahlen sehen, welche von der Leuchtquelle aus direkt in unser Auge fallen, da keine oder fast keine von den Wandungen reflektierten zerstreuten Strahlen vorhanden find, die gewöhnlich einen Raum nach allen Richtungen durchsetzen und ihn dadurch „erhellen".
Hell ist ein biologischer subjektiver Begriff, der aus Dem Produkt von Lichtintensität und einem subjektiven Faktor des das Licht ausnehmenden Lebewesens besteht. Licht, welches nicht gesehen wird, ist also, streng genommen, nicht hell, so groß seine Energie! auch pro Quadrats entimeter fein mag.
Wir nennen Licht hell, welches unsere Rehhaut un& die an sie angeschlossene Hirnrinde mit einer gewissen Intensität erregt. Einen Raum dagegen bezeichnen wir als hell, wenn sein Licht unser Auge gleichzeitig von vielen Seiten her in solchem Matze erregt, datz wir die Gegenstände des Raumes ohne Anstrengung deutlich sehen können. Dieses geschieht aber nur durch das von unendlich vielen Punkten aus diffus reflektierte Licht, nicht durch das homo- zentrische Licht eines oder auch vieler Leuchtkörper (z. D. der Sterne).
Bei dieser Sesinitivn von „hell" sind der klare Lustraum über uns und. der weite Himmelsraum an sich nicht als helle zu bezeichnen, obgleich sie von Licht, welches uns eventuell blenden .kann, erfüllt sind.. Aber allenthalben da, wo das daselbst vorhandene Licht in unserem Auge „zur Wirkung" gelangt, ist der Raum also „in Wirklichkeit" hell.
In diesem Sinne kann man sagen: der Himmelsraum ist in Wirklichkeit blendend goldig hell bei Tag, silbern bei Rächt.
Das für gewöhnlich von der Umgrenzung eines Tales, eines Zimmers diffus reflektierte Licht bildet gleichsam einen unendlich fein verwirrten Lichtstrahlenfilz. In diesem würden wir keinen Gegenstand erkennen können, wenn dieser Filz nicht von der sphärisch gekrümmten Obersläche der Hornhaut entwirrt und zu einem „Bilde" dieser .Umgebung geordnet würde. Dies geschieht, indem die von je einem Woperlichen Punkte ausgegangenen, ins Auge fallenden Strahlen durch diese Obersläche wieder zu einem Punkte mld damit zu einem „Bilde" des Punktes vereinigt werden: und aus.lauter geordneten Punkten besteht jedes Bild'.
Wenn die Helligkeit aller den Raum durchsetzenden hvrnv- zentrischen Strahlen der Leuchtquelle zugleich „physiologisch realisiert" würde, also auf einmal sichtbar wäre? so dürfte ein wirklich „realistischer" Maler eine Landschaft nur als eine gleichmäßig Helke


